Eva Poleschinski aka [ep_anoui]

Die steirische Designerin Eva Poleschinski ist 27 Jahre jung und feiert mit ihrem Label [ep_anoui] international große Erfolge. Ihre Kollektionen wurden schon in Paris, Tokyo und bei der Indie Fashion Week in New York präsentiert. Im Jänner feierte sie ihr Debut auf der Fashion Week in Berlin und lieferte mit ihrer Herbst/Winter-Kollektion „l´air de Vivre“ eine großartig inszenierte Show. Familiäre Bande ziehen sie immer wieder in die Südsteiermark, die sie sehr mag und wo sie sich wunderbar erholen kann. „Mein Herz ist grün und wird immer grün sein“, meint sie lachend.

Ich treffe die junge, elegant gekleidete Designerin im Cafe Koppitz in Straß. Sie verbringt hier das Wochenende, um den 90. Geburtstag ihrer Oma zu feiern. Eva ist in Graz geboren, in Hartberg aufgewachsen und lebt jetzt in Wien. Ihre Großeltern gründeten die Apotheke in Straß, die dann von Onkel und Tante weitergeführt wurde. Heute wird die Apotheke zwar nicht mehr von ihrer Familie geführt, aber Oma und Tante wohnen noch immer in diesem Haus, wo auch schon ihre Mutter aufgewachsen ist.

Eva ist eine sehr sympathische junge Frau, die ganz genau weiß was sie will und ihre Ziele konsequent verfolgt. „Ich mag Ziele, um den Weg mal zu beginnen,“ erklärt sie, nehme mir aber die Freiheit, sie auch zu ändern. Dies ist wichtig, um dem Markt gerecht zu werden bzw. konkurrenzfähig zu sein. Die Modebranche ist eine schnelllebige, das darf man nicht vergessen“. Schmunzelnd erzählt sie weiter: „Ich war 23 als ich selbständig wurde und man nahm mich oft nicht ernst. Aber dadurch kann man die Menschen auch wieder überraschen. Jedes Alter hat seine Vorteile, schätze ich mal“. (sie lacht).
2008 gründete sie ihr Label [ep_anoui], das ihre Initialen enthält und soviel wie „erblühen“ bedeutet. Die Designerin hat einen außergewöhnlichen Sinn für Materialmix, für Individualität und Extravaganz. Kernelemente jeder Kollektion sind selbst designte Paillettenstoffe. 2009 gewann sie den 1. Steinecker Wedding Award. 2010 wurde ihr die Auszeichnung zuteil, die Eröffnungsshow auf der Vienna Fashion Week zu richten und 2011 wurde sie bei den Vienna Awards 2011 als bester Designer nominiert.

Eva besuchte die Modeschule Hetzendorf, aber der internationale Bezug in ihren Ausbildungen war ihr sehr wichtig. So war sie auf der internationalen Modeschule Esmod in München, machte ein Praktikum bei Emanuel Ungaro in Palm Beach und Abaeté in New York. Kurse am Central Saint Martin’s College in London und Assistenzen in Wien bei Awareness & Consciousness und Thang de Hoo vervollständigten ihre Ausbildung. „Ich habe mich für meine Pflichtpraktiken wirklich überall beworben, Hauptsache international,“ erzählt sie in ihrer lebhaften Art, „und es war jedes Mal großartig. Bei Ungaro in Palm Beach habe ich sehr viel im Umgang mit Kunden gelernt und ich hatte meinen ersten Zugang zur Brautmode, da Ungaro in dieser Saison seine erste Brautkollektion herausbrachte. Ihre große Liebe ist aber New York. „Ich war 16 und ich werde nie den Anblick vergessen, als ich über die Brücke von New Jersey kam,“ schwärmt Eva und erzählt weiter, „ich machte mein Praktikum bei einer jungen Designerin, die das erste Mal auf der New York Fashion Week mitgemacht hat. In meiner Freizeit besuchte ich so viele Shows als möglich. Zu spüren, wie diese riesige Stadt in dieser Zeit nur für die Mode lebt, war ein unglaubliches Feeling und da dachte ich mir zum ersten Mal: Da will ich mal mitmachen.“

Eva ist Perfektionistin und legt großen Wert auf gute Verarbeitung. Sie produziert in Österreich. Inspirieren lässt sie sich sehr von der Natur aber auch von ihrem Umfeld. Sie bezeichnet sich als sehr detailverliebten Menschen und liebt das Sticken. „Ich finde, sticken hat etwas Meditatives, ist extrem kreativ und es hat etwas mit Handwerk zu tun – und das mach ich dann in der Nacht.“ Lächelnd erzählt sie weiter: „Ich habe ja die Kleider für Lindsey Lohan gemacht – die dann leider nicht kam. Da habe ich zwei Wochen lang durchgestickt. Es ist so schön zu sehen, wie mit den Stickereien aus einem anfangs simplen Kleid ‚Haute Couture‘ wird.“ Seit kurzem hat sie einen fixen Mitarbeiter, erzählt sie mir stolz. Er gehörte zu ihren ersten drei Praktikanten, die auch heute noch bei jeder ihrer Shows dabei sind. Sie nennt sie liebevoll ‚meine Urelfen‘. „Das genieße ich sehr und ich werde wirklich immer entspannter“, lächelt sie, „denn sie kennen mich jetzt seit 4 Jahren und nehmen mir unheimlich viel ab.“ Eva achtet auf ihre Gesundheit und war bis vor zwei Jahren Vegetarier. Nur bei Zitroneneis wird sie schwach – zu jeder Jahreszeit. Sie läuft auf Hochtouren und liebt dies, nimmt sich aber auch Zeit für sich und genießt es, einfach nur auf der Couch zu liegen. Sie liebt Skifahren, Laufen und Tauchen ist überhaupt das Großartigste für sie. Ein perfekter freier Tag ist für sie definitiv mit Freunden und Familie. „Ich glaube, der perfekte freie Tag ist dann, wenn Du dich frei treiben und alles passieren lässt – und Du dies zulassen kannst.“

Im Mai geht es wieder in ihre Lieblingsstadt New York. Sie ist am 11. eingeladen, bei der 7. Slovak Fashion Night in Manhattan mitzumachen. Dazu wird jedes Mal ein amerikanischer und ein österreichischer Designer eingeladen. “Erst gestern hatte ich Kontakt und wir sprachen über die creative Umsetzung der Show,“ erzählt sie mit glänzenden Augen, „und ich werde sicher schon früher fliegen, da ich N.Y. natürlich auch noch so ein bisschen genießen möchte.“
Zuletzt möchte ich noch wissen, was für sie ein absolutes modisches NoGo ist und wie ihre Sommerkollektion 2013 aussehen wird. „Es gibt die ärgsten NoGos, aber wenn der Typ reinpasst schaut es cool aus“, ist ihre Überzeugung. „Meine Kollektion für den nächsten Sommer wird nach jetzigem Stand wieder ein bisschen freakig. Ich schwanke noch, aber es wird experimentell werden, aber das ist eh keine Neuigkeit ….

 

»Interview in der box 2012
»Interview in G’sund 2012
»Eva Poleschinski in G’sund Print 2012

 

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