Dietmar Feichtinger

„Ein Bauwerk muss einen Ort positiv erlebbar machen“, sagt der Grazer Architekt DI Dietmar Feichtinger. Er machte vor allem durch seinen eleganten Entwurf der Fußgängerbrücke Simone-de-Beauvoir über die Seine auf sich aufmerksam. Sehr interessant sind aber auch viele andere Projekte des mehrfach ausgezeichneten Architekten wie z.B. die Donau-Universität Krems, das Kunsthaus Weiz, die Dreiländerbrücke über den Rhein, die Fußgängerbrücke Granite La Dèfense in Paris oder das im Juni 2010 fertiggestellte LKH Klagenfurt.Ich treffe Dietmar Feichtiger im Cafe Kaiserfeld, um mehr über diesen „Brückenbauer“ zu erfahren. Er wird nicht gerne als „Brückenbauer“ bezeichnet, da er natürlich auch viele andere interessante Projekte baut, gesteht aber zu, dass Brücken, vor allem Fußgängerbrücken, schon ihren eigenen Reiz für die Menschen haben.

Dietmar Feichtinger ist ein sympathischer, eher ruhiger Mann. Man spürt seine Begeisterung für die Architektur und er ist sehr bemüht, dass ich seine Erläuterungen als Laie verstehen kann. So zeichnet er mir diese auch immer wieder auf, damit ich ihm bildhaft folgen kann. Nach Abschluss seines Studiums an der TU Graz sammelte er Erfahrungen in den Architekturbüros von Prof. Huth, Prof. Giencke und Prof. Kada. Er wollte immer schon ins Ausland und Frankreich war damals mit den großen Projekten unter Staatspräsident Francois Mitterand am interessantesten. Obwohl er die Sprache nicht konnte, wechselte er gemeinsam mit seiner Frau und zwei Kindern 1989 ins Pariser Büro Chaix/Morel. 1994 machte er sich trotz Wirtschaftskrise selbständig.

G’sund: War es nicht sehr mutig ohne Sprachkenntnisse nach Frankreich zu gehen?
DF: (lächtelt) ja und nein. Der Vorteil in der Architektur ist, dass man sich sehr gut durch Zeichnen verständigen kann, sozusagen „zeichnet man sich zum Ziel“. So war es im beruflichen Ablauf nie ein Problem, das Bestellen im Restaurant war da schon schwieriger.

G’sund: Ich stelle mir den Beginn trotzdem nicht einfach vor.
DF: War es auch nicht. Zuerst versuchte ich, telefonisch Kontakt mit Architekturbüros aufzunehmen, war aber nicht sehr erfolgreich. So machte ich mich mit meiner Referenzmappe auf den Weg. Das war wesentlich besser für mich und die Büros reagierten sehr positiv auf meine Entwürfe.

G’sund: Erinnern Sie sich noch an Ihren erstes Bauwerk?
DF: Ja, es war die Erweiterung eines Wohnhauses in einem Hinterhof in Paris. Ein kleines aber interessantes Projekt, an dem ich auch heute noch gerne vorbeigehe.

 

 

 

 

G’sund: Welches war für Sie ihr bisher wichtigstes Projekt?
DF: Nachdem ich mich 1994 selbständig gemacht habe, hat der Campus in Krems als Erweiterung der Donauuniversität mir am meisten gebracht und war somit wahrscheinlich mein wichtigstes Projekt. In dieser Zeit entstand 2002 auch mein Wiener Büro. Man muss wissen, dass man in Frankreich ein gewisses Profil und ein großes Büro benötigt, um zu Wettbewerben eingeladen zu werden. So nahm ich vor allem an Wettbewerben in Deutschland und Österreich teil. Geholfen als Referenzen haben mir Wettbewerbe, die ich zwar nicht gewonnen habe, für die ich aber Preise bekommen habe. So bekam ich beispielsweise für das Projekt „Augartensteg über die Mur“ den 2. Preis und dadurch wurde man für das Brückenprojekt über die Seine auf mich aufmerksam. Man wollte damals neben sehr bekannten Büros ein „junges“ Büro einladen, das diesem technischen Anspruch genügte. Hilfreich war auch, dass ich in der ersten Zeit meiner Selbständigkeit an der Architekturuniversität unterrichtete. Die französische Architekturausbildung ist anders orientiert als bei uns. In Österreich ist das Studium eher technisch orientiert und der konstruktive Anspruch sehr wichtig. In Frankreich trennt man Ingenieurdenken und Architektur. Nicht umsonst wird Architektur bei uns auf der Technischen Universität unterrichtet und nicht wie in Frankreich auf der Kunstuniversität.

G’sund: Und Sie gewannen den Wettbewerb für die Brücke über die Seine?
DF: Ja, und diese Brücke war wirklich sehr wichtig für meine berufliche Entwicklung und meinen Bekanntheitsgrad. Brücken haben doch einen Symbolcharakter, wecken Emotionen. Die Bauzeit betrug unglaubliche acht Jahre.

 G’sund: Als was sehen Sie sich? Sehen Sie sich als Künstler ?
DF: Kunst ist für mich nicht das Thema, ist eher nebensächlich. Das Bauwerk muss den Ort positiv erlebbar machen, die Qualität des Ortes noch verstärken und herausarbeiten. Der Bezug zwischen Ort und Qualität der öffentlichen Projekte entsteht nicht immer nur über Dialog und Harmonie, auch über Kontrast. Nach einem ersten Anblick bringt ein sensibler Umgang mit der Situation, das Reflektieren dieser, einen unter Umständen weg von einer technisch dominierten Lösung.

G’sund: Was machen Sie für sich? Betreiben Sie Sport, haben Sie Hobbys?
DF: Ich versuche, einmal die Woche schwimmen zu gehen und natürlich Zeit für meine Familie zu haben. Außerdem sehe ich meine Arbeit nicht als Arbeit. Es ist eine selbstgewählte Situation, bei der der freiwillige Charakter ein wichtiger Aspekt ist. Ach ja, ich gehe gerne ins Kino. Der Vorteil dabei ist, dass man nicht langfristig dazu planen muss.

G’sund: Wie nehmen Sie sich Zeit für Ihre Familie?
DF: Wettbewerbe sind nun mal sehr stark an Termine gebunden, aber da meine Frau Barbara das Büro mit mir teilt, verbringen wir doch sehr viel Zeit miteinander. Meine drei Kinder sind 27, 22 und 10 Jahre alt. Mein Ältester ist inzwischen wieder nach Österreich gezogen und wir sind gerade wieder auf Kurzurlaub bei der Oma.

G’sund: Was bauen Sie aktuell ?
DF: Wir bauen jetzt einen große Wohnanlage im Norden von Paris und nahe Paris eine Schule mit Sportanlage. In Saint Gervais am Fuße des Mont Blanc baue ich eine Schule mit Schwimmbad. Saint Gervais ist ein mondäner Wintersport- und Höhenkurort mit einer wunderschönen Natur, atemberaubendem Panorama und interessanter Kultur und deshalb macht mir dieses Projekt große Freude.

G’sund: Haben Sie einen besonderen Wunsch, was Sie gerne einmal bauen würden ?
DF: Jede Aufgabe ist interessant und spannend, wenn man sich mit der Gestaltungsaufgabe auseinandersetzt. Museen kommen in der Architektur immer sehr stark zu Geltung, es gibt dabei sehr viele Themen, die den Raum wichtig machen. Damit ist man vielleicht dem künstlerischen Anspruch näher – aber finden tut man ihn überall.

www.feichtingerarchitectes.com

Erschienen in G’sund 2010

 

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