Eva Rossmann (Foto Manfred Buchinger)

Eva Rossmann

Eva Rossmann, Schriftstellerin und Krimiautorin: „Mich interessiert der schöne Schein – und das, was dahinter lauert“. Die freiberufliche Autorin arbeitete jahrelang als Journalistin. Nach einigen Sachbüchern, die sich mit der Situation von Frauen beschäftigen, schrieb sie seit 1999 jedes Jahr einen Kriminalroman. Im April 2009 wurde ihr Krimi “Russen kommen” zum Buchliebling in der Kategorie Krimi und Thriller gewählt.

Die Autorin der bekannten Mira Valensky-Krimis  ist in Graz geboren und lebt seit vielen Jahren im niederösterreichischen Weinviertel. Ihre berufliche Laufbahn begann sie nach dem Jusstudium als Verfassungsjuristin im Bundeskanzleramt. Als freie Journalistin arbeitete sie unter anderem im ORF-Hörfunk und bei der Neuen Zürcher Zeitung. Von 1989 – 1994 war sie Leiterin der Wiener Redaktion der Oberösterreichischen Nachrichten. Seither ist sie freiberufliche Autorin.
1997 hat sie das Österreichische FrauenVolksBegehrens mitinitiiert, 1998 war sie Koordinatorin des Bundespräsidentschaftswahlkampfes von Mag. Gertraud Knoll; 2000 wurde sie vom österreichischen PR-Verband als „Kommunikatorin des Jahres“ ausgezeichnet.

Nach einigen Sachbüchern, die sich mit der Situation von Frauen beschäftigen, schrieb sie seit 1999 jedes Jahr einen Kriminalroman. Im April 2009 wurde ihr Krimi “Russen kommen” zum Buchliebling in der Kategorie Krimi und Thriller gewählt. Seit dem Krimi “Ausgekocht” arbeitet sie auch Köchin in Buchingers Gasthaus “Zur Alten Schule“ in Riedenthal bei Wolkersdorf.

Ich treffe Eva Rossmann in der Lounge-Bar des Hotels Weitzer in Graz, kurz bevor sie hier eine Lesung hält. Einige Fragen habe ich mir aus Zeitgründen schon per Mail von ihr beantworten lassen, umso mehr freue ich mich, dass ich sie jetzt persönlich kennenlernen kann – sie war mir nämlich schon während unseres Mailverkehrs ungemein sympathisch.

Und genauso sympathisch ist der erste persönliche Eindruck: eine starke, sehr engagierte, fröhliche und unkomplizierte Frau. Humorvoll plaudert sie mit mir über Bücher, die sie schon vor langem begonnen hat und dass es ihr an Zeit fehlt, diese fertigzustellen, wie beispielsweise ein Karibikkochbuch oder „Die Krummvögel“, einen schrägen österreichischen Kurzroman über Klischees und Konflikte zwischen Stadt und Land. Sie erzählt, dass ihre Krimis jetzt auch auf italienisch übersetzt werden und dass Sie kurzfristig ein Angebot angenommen hat, ein Drehbuch für ein Kriminal-Theaterstück für die Sommerspiele in Hall zu schreiben.

G’sund: Für Ihren Gastronomie-Krimi „Ausgekocht“ wollten Sie in Ihrem Lieblingslokal „Zur Alten Schule“ nur einige Wochen recherchieren – jetzt sind Sie staatlich geprüfte Köchin, aufgestiegen zur Sous-Chefin, und kochen immer noch dort. Haben Sie damit gerechnet?
ER: Nein, damit hab ich wirklich nicht gerechnet! Aber es war bei mir schon immer so, dass sich vieles einfach ergeben hat. Und: Ich habe eine Menge Glück gehabt.

G’sund: Sie sind unglaublich vielseitig und nehmen die verschiedensten Themen als Hintergrund für Ihre Krimis. Wie recherchieren Sie bzw. wieviel Phantasie gehört dazu?
ER: Ich glaube, ich bin einfach neugierig, was in unserer Welt passiert. Das macht das Recherchieren auch viel einfacher. Wie viel ich vor einem Krimi herum- und nachfrage hat ganz stark mit dem Thema zu tun. Meine ausführlichste Recherche mit den weitestreichenden Folgen war sicher der Krimi „Ausgekocht“. Für meinen neuen Krimi „Evelyns Fall“ hab ich mich eben viel mit Caritas-Leuten unterhalten, auch mit einem Gerichtsvollzieher … da hab ich versucht herauszufinden, wie arme Leute bei uns ganz real leben und was ihre besonderen Probleme sind. Und für den nächsten Krimi, der mit Jugendkult, Schönheitswahn und genetischen Forschungen zur Lebensverlängerung zu tun hat, bin ich jetzt intensiv mit einem Genetik-Professor in Kontakt, der mir beizubringen versucht, wie Telomere in Zukunft stimuliert werden könnten. Die Fakten müssen eben passen. Der große Rest, die Handlung, die Figuren, das ist Phantasie.

G’sund: Warum Krimis, was fasziniert Sie so besonders daran?
ER: Mich interessiert der schöne Schein – und das, was dahinter lauert. Darum geht es auf irgendeine Art und Weise in allen meinen Krimis. Und mich fasziniert die Zuspitzung eines Themas auf das Wesentliche: Auf Leben und Tod. Wobei ich einmal einen Krimi geschrieben habe, ich verrate nicht welchen, in dem es gar keine Leiche gibt.

G’sund: Könnten Sie sich vorstellen, als Kriminalistin zu arbeiten?
ER: Liebe Güte! Das hab ich mir noch gar nie überlegt! Ich weiß nicht, ob ich das könnte … ganz abgesehen davon, dass das teilweise eine sehr langwierige Arbeit ist, sind da in der Realität auch sehr viele Personen eingebunden. So frei wie meine Mira kann eine professionelle Kriminalistin nie ermitteln. Das ist auch mit ein Grund, warum ich als Hauptfigur eine Journalistin und keine Polizeibeamtin genommen habe. Ganz abgesehen davon: Journalistin war ich selbst viele Jahre, davon versteh ich etwas. Würde ich meine Krimis im Polizeimilieu ansiedeln, dann könnte ich wohl in erster Linie bloß wiedergeben, was ich selbst in derartigen Krimis gelesen und gesehen habe. Und da soll es auch das eine oder andere Klischee geben …

G’sund: Sie sind mit dem ORF-Redakteur Ernest Hauer verheiratet. Fließen auch von ihm Ideen in ihre Bücher ein?
ER: Natürlich! Nicht so vordergründig, aber einfach dadurch, dass wir gemeinsam durch die Welt unterwegs sind, darüber reden, vieles sehr ähnlich und anderes recht verschieden sehen. Und: Er ist der erste Leser aller meiner Manuskripte. Jetzt ist er übrigens im Vorruhestand und hat noch mehr Zeit … auch um bei Lesereisen mit dabei zu sein. Das finde ich natürlich hervorragend – und nicht nur, weil er ein wunderbarer Chauffeur ist.

G’sund: Sie schreiben Drehbücher für SOKO-Kitzbühel. Worin liegt der gravierendste Unterschied zwischen einem Buch und einem Drehbuch?
ER: In einem Film erzähle ich eine Geschichte in erster Linie über die Bilder und erst dann über Worte. In einem Buch muss ich versuchen, nur durch Worte bei den Leserinnen und Lesern im Kopf eine plastische Welt entstehen zu lassen. Die kann natürlich bei vielen ziemlich unterschiedlich aussehen, weil sie ja mit der eigenen Phantasie und den eigenen Erfahrungen zusammenhängt. Ganz abgesehen davon: An einem Film arbeiten viele Menschen mit, bis daraus etwas wird, was ich sehr spannend finde. Beim Buch bin ich es alleine, die eine Geschichte erzählt, und erst danach arbeiten dann meine – hervorragende – Lektorin und der Verlag daran mit, dass sie auch veröffentlicht und gelesen wird.

G’sund: Sie moderieren – abwechselnd mit einigen KollegInnen – die ORF-Diskussionssendung „Club 2″. Was reizt Sie am Fernsehen?
ER: Am Fernsehen an sich eigentlich wenig. Aber Live-Fernsehen hat schon etwas Spannendes: Da können Zuschauer ohne irgendeinen Filter, ohne Schnitt verfolgen, wie Menschen reagieren, diskutieren, agieren. Außerdem ist es schon beachtlich, wie viele Menschen man übers Fernsehen erreichen kann – naja, zumindest noch. Trendforscher behaupten ja, dass das klassische Fernsehen eher aussterben wird. Junge Leute interessieren sich viel mehr für Medien, sie sie stärker beeinflussen und die sie zeitunabhängig konsumieren können.

G’sund: Sie sagen provokant: „Ich halte Frauen nicht für die besseren Menschen, aber – so sorry, Männer – für spannend, vielfältig, intelligent, anpassungsfähig, durchsetzungsstark, liebesfähig, kurz für so gut, dass sie nicht immer an Männern gemessen werden müssen.“ Sie interessieren sich sehr für „Frauenthemen“, werden als Feministin bezeichnet. Wie sehen Sie sich?
ER: Ist das provokant? Finde ich gar nicht. Ich sage damit ja immerhin auch, dass ich Männer für gleichgute Menschen wie Frauen halte. Und dass Frauen zumindest im Job, in der Öffentlichkeit nicht immer als „das andere“ gelten sollten, das am „Normalfall“ Mann gemessen wird, wär einfach schon sehr fein. Ich hielte das eigentlich nur für selbstverständlich. Weil jeder Mensch als eigenständig und ohne ideologische Schranken wahrgenommen werden sollte. Ach ja, und klar: Ich bin Feministin. Genau in diesem Sinn.

G‚sund: Was lesen Sie selbst ?
ER: Viele Krimis, immer schon, allerdings keine hardboiled Thriller, in der es nur um eine Anhäufung von Leichen geht. Gar nicht so sehr, weil ich sie grauslich finde, sondern weil allzu oft die Figuren sehr schemenhaft bleiben und das ist mir dann langweilig. Und neben Krimis dann natürlich auch noch viel Anderes. Ich liebe alle Bücher, die mir über ein kleines Stück innere oder äußere Welt erzählen, die ich so noch nicht wahrgenommen habe. Die amerikanischen Erzähler wie T.C. Boyle oder auch John Irving mag ich besonders, aber ich finde auch Heinrich Böll nach wie vor großartig.

G’sund: Stimmt es, dass duftige, frisch gedämpfte Erdäpfel mit guter Bauernbutter und Salz ihr Lieblingsgericht sind?
ER: Ja! Das kann ich immer und überall mit großem Genuss essen. Und wenn einmal ein paar geräucherte Fische und Lachsforellenkaviar dabei sind und ein anderes Mal ein guter Bauernschinken und Kren und Zwiebel, dann ist es auch fein. So etwas mache ich übrigens sehr gern als schnelles Abendessen für Freunde: ich kochte gute Erdäpfel und stelle sie dann ein einem großen Topf gemeinsam mit Butter und allem auf den Tisch, das gut dazu schmeckt.

G’sund: Sind Sie ein sportlicher Typ? Was machen Sie für Ihre Gesundheit?
ER: Ja, ohne Sport fühle ich mich einfach unwohl. Ich laufe fünf- bis sechsmal die Woche, das macht auch den Kopf herrlich frei. Ich liebe es, im Meer oder in einem großen Pool so richtig ausgiebig zu schwimmen. Und mein Mann hat mir beigebracht, dass ich auch Schifahren mag.

G’sund: Der 12. Mira-Valensky-Krimi war – wenn ich richtig informiert bin – „Evelyns Fall“. Worauf können sich Ihre Leser als nächstes freuen?
ER: Der nächste Krimi wird sich um Jugendkult und Schönheitswahn drehen – er wird übrigens zum großen Teil in der Steiermark, nämlich im oststeirischen Vulkanland, spielen. Dort gibt es die „Beauty-Oasis“, in der es angeblich um allumfassendes Wohlbefinden geht. Aber es kann gut sein, dass der Betreiber, ein prominenter Schönheitschirurg, auch anderes im Sinn hat. Da gibt es ein Labor, das keiner kennen darf …

www.evarossmann.at

Mira Valensky, die Hauptfigur der Krimis von Eva Rossmann, ist eigentlich eine Wiener Journalistin und liebt das bequeme Leben. Sie kocht und isst gern, sie liebt ihre Schildpattkatze Gismo und natürlich auch ihren Mann Oskar. Aber: Mira ist neugierig. Gerade dann, wenn alle wegschauen, schaut sie hin. Dass Recht und Gerechtigkeit nicht immer dasselbe sind, weiß die gelernte Juristin. Unterstützt wird sie von Vesna Krajner, ihrer bosnisch stämmigen Putzfrau und Freundin. Beide Frauen haben im Lauf der Romane übrigens Karriere gemacht: Mira wurde von der Lifestyle-Journalistin zur Chefreporterin des „Magazin“. Vesna hat endlich die österreichische Staatsbürgerschaft bekommen, eigentlich wollte sie ja eine Privatdetektei aufmachen, aber weil das nicht so einfach geht, hat sie ein Reinigungsunternehmen gegründet – und so ganz nebenbei gibt es ein Telefon für Spezialaufträge …

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