Christine Zimmer

Christine Zimmer

Christine Zimmer (Foto Philipp Tomsich)„Was macht ein Tattoomodel, wenn ihm sein Tattoo nicht mehr gefällt?“ frage ich Christine „Tini“ Zimmer, Gründerin von Tattoomodels: Denn immerhin sind ihre Hautbilder Teil der Selbstdarstellung und Form der Selbstverwirklichung, jedes Tattoo eine Art Meilenstein ihrer Biografie. Darüber sprechen wir bei einem gemütlichen Kaffee im Grazer Freiblick. Mit dabei ist ihr Partner Mike Harley Waldèz. Christine, geboren am 20. Mai 1985 in Salzburg, aufgewachsen in Saalfelden, ist gelernte Grafikerin. Nach ersten Erfahrungen in Salzburger und Linzer Werbeagenturen übersiedelte sie nach Graz, wo sie Kampagnen für Unternehmen wie Neckermann oder Otto mitgestaltete und das Werbebusiness von der Pike auf kennenlernte. Schon mit 22 Jahren gründete sie ihre eigene Werbeagentur: Park Avenew.

Tattoos übten auf Christine schon immer eine große Faszination aus und deshalb suchte sie für ihre Arbeiten tätowierte Models – fand aber keine. „Wenn es keine Modelagentur gibt, bei der man tätowierte Models buchen kann, muss ich das eben selbst in die Hand nehmen“, überlegte sie sich und gründete ihre Tattoomodels.at-Agentur.

Ihr erstes Tattoo ließ sich Christine erst mit 18 Jahren tätowieren, einen Stern. „Ich habe es ausprobiert für mich, es hat mir getaugt und so bin ich langsam in die Szene hineingewachsen“, erzählt sie mir. Ihr gefällt, dass diese Szene sehr kreativ, abwechslungsreich und breit aufgestellt ist, auch im Modebereich. Viele „Gleichgesinnte“ lernt man auch auf den Tattoo-Messen kennen. „Mittlerweile ist es eine eng verbundene große Familie, z.B. auch zu einer Hochzeit eingeladen wird“, erzählt Christine.
Apropos Hochzeit, wolltet Du und Mike nicht heuer heiraten, möchte ich wissen. Beide lachen: „Das haben wir auf nächstes Jahr verschoben, wir schaffen es heuer zeitlich einfach nicht“. Aber es ist nur aufgeschoben, wie mir beide versichern.

(Foto H.C. Images)

Christine ist eine sehr umtriebige Geschäftsfrau. Mit ihren Erfahrungen und Möglichkeiten beider Agenturen bietet sie für ihre Kunden interessante Gesamtkonzepte. „Ich kann alles aus einer Hand bieten und da ich die Zielgruppe gut verstehe, ist es relativ einfach für mich“, führt sie weiter aus. „Es macht Spaß: vormittags ein Termin mit einem Tätowierer in einem Hinterhof, nachmittags mit einem Marketingchef“.

Die Tattooszene hat sich in den letzten Jahren fast explosionsartig entwickelt. Christine und Mike erzählen mir: „Sie wird mittlerweile in der Gesellschaft sehr gut akzeptiert, weil wir dahingehend auch sehr gute Arbeit leisten. Die großen Kampagnen gemeinsam mit Kastner&Öhler und ‚INFECTED‘ hat sicherlich auch dazu beigetragen zu zeigen, dass auch Tätowierte coole Mode präsentieren können, ohne vom Produkt abzulenken. Damit haben wir sicherlich einen weiteren großen Schritt in Richtung Akzeptanz in der Gesellschaft gemacht, die Gesellschaft gewöhnt sich mittlerweile sehr gut an die „bunten“ Modelle“.

Begeistert ist sie von der Südsteirerin Lexy Hell, die sie persönlich kennt und die als Tattoomodel in Berlin große Erfolge feiert. „Lexy ist ein supercooler Typ, die schon für Jean Paul Gautier gelaufen ist. Wir sind sehr stolz auf sie und es bringt viel, wenn jemand eine solche Karriere macht“.
Sehr geholfen hat ihr Katharina Plattner von Andy Wolf Eyewear. „Ich muss mich bei Katharina wirklich bedanken. Sie hat uns zu einer Zeit in ihre Werbelinie einfließen lassen, wo uns noch keiner kannte“, erzählt Christine. „Sie war die erste im High End Fashion Bereich, die mit uns kooperierte. Mit ihr war ich damals in der italienischen Vogue. Was Marketing anbelangt, ziehe ich wirklich den Hut vor ihr. Wer kommt schon auf die Idee, einen kleinen Krimi zu schreiben, um die neue Brillenkollektion vorzustellen“.

(Foto  H.C. Images)Bei Tattoomodels müssen nicht alle 90-60-90 als Maß haben. „Wir arbeiten für viele Bekleidungs-Shops, unsere Kunden sind nicht immer Designer, sie suchen in erster Linie Typen, keine Maße“, berichtet Christine. „Wir arbeiten mit Typen, die nicht leicht zu verwechseln sind, die eine gewisse Individualität haben. Wo man einfach länger hinsieht.“ Bei den Tattoos ist fast alles erlaubt, z.B. rechtsradikale Tattoos dürfen es aber nicht sein. Darauf achtet Christine streng.

Auch ich stelle natürlich die Frage was Christine macht, wenn ihr deine Tattoo nicht mehr gefallen. Ohne überlegen zu müssen antwortet sie: „Das kann mir nicht passieren“. „Wenn es aber jemandem passiert, kann man Tattoos covern, es kommt also ein anderes Motiv darüber, oder weglasern – oder damit leben. „Beim Covern muss man sich aber darüber im Klaren sein, dass immer nur etwas Größeres entstehen kann“.
Christine ist der Meinung, dass man sich erst mit frühestens 18 Jahren ein Tattoo machen lassen sollte, wenn man sich sicher ist. Mike findet auch das noch fast zu früh. „Jeder, der sich tätowieren lassen will, sollte eine gewisse Reife haben – und die ist nicht immer abhängig vom Alter. In Italien können sich Jugendliche mit Einwilligung der Eltern bereits mit 16 tätowieren lassen. Aber denen gefällt es mit 18 Jahren meist sicher nicht mehr“, ist Mike überzeugt.

(Foto H.C.Images)Für Christine ist das Tätowieren eine Kunst. „Es ist auf der Haut viel schwieriger zu arbeiten, als auf einer Leinwand“, erklärt sie und verrät weiter: „Ich stehe auf den japanischen Style, die Jakuza. Diese ganz feinen Linien, diese feinen Schattierungen, das ist große Kunst“, kommt sie ins Schwärmen. Sie ist auch überzeugt, dass man gewisse Stellen nicht tätowieren lassen sollte, denn: „da kann sich mit zunehmendem Alter schon einiges ändern“, schmunzelt sie. Ihren Kopf ließ sie sich übrigens in Salzburg bei Leo von NAKED TRUST tätowieren, ihren Rücken, der noch frei ist, ebenso. „Seit ich 18 bin weiß ich, wie mein Rücken aussehen wird. Das wird mein Lieblingstattoo – und das starte ich jetzt“. Christine hat diese Idee reifen lassen, aber zur Hochzeit im nächsten Jahr wird das Tattoo fertig sein und das Kleid wird natürlich entsprechend angepasst.

Bei Mike ist noch der linke Unterschenkel, der rechte Oberschenkel und der Bauch frei: „Danach bin ich voll. Außer man ginge noch ins Gesicht“, verrät er mir.

(Foto Philipp Tomsich)Als absolutes NoGo gilt für Christine das Auge. „Das finde ich zu extrem, das kommt für mich nicht in Frage. Obwohl, man soll niemals nie sagen, aber jetzt sage ich zum Gesicht nein. Auch Teufelsgesichter im Intimbereich würde ich mir auch nie machen lassen, das ist schlimm. Da achte ich bei den Models sehr drauf“, ergänzt sie noch. „Wir arbeiten für eine gewisse Liga an Kunden und da muss sichergestellt sein, dass die Tattoos passen“.
Zu kämpfen hat sie mit Tattoomodels, die in eine pornografische Richtung gehen, eine Welle, die von Amerika herüberschwappt. „Wir arbeiten im Fashionbereich, wollen seriöse Projekte entwickeln, die Spaß machen. Es geht um Typen und ein hohes Maß an Ästhetik“, sagt Christine und weiter: „Erst mussten wir gegen dieses Häf’n-Image ankämpfen, und jetzt müssen wir aufpassen, dass nicht dieses Bitch-Image übergreift – da distanzieren wir uns absolut und solche Mädels finden sich auch nicht in unserer Kartei“.

Ein wenig nachdenklich erzählt sie, dass sie anfangs auch sehr viel einstecken mussten, dass sie beschimpft, beleidigt und ausgelacht wurden. Mittlerweile kopieren einige von diesen ihr Konzept: „Da bin ich schon sehr stolz drauf, denn das das zeigt, dass wir es richtig machen. Mitbewerb ist super“, fügt sie noch lächelnd hinzu.

Christine, Mike Waldez und Hedi Grager (Foto R. Sudy)

Ihren Freund Mike hat sie auf einer Tattoo Convention kennengelernt. „Er hat in Bozen für Harley Davidson gearbeitet und ich war mit Tattoomodels dort“. Schmunzelnd erzählt sie weiter: „Mein Ex-Freund hat ihn gescoutet und fotografiert – und irgendwie ist es dann passiert“. „Liebe auf den ersten Blick?“ möchte ich wissen. „Bei mir schon, bei ihm nicht, er war mit einer Freundin dort“, verrät Christine sehr ehrlich. Auf die Frage, ob sie sich einen nicht tätowierten Freund vorstellen kann, meint sie: „Natürlich, Du verliebst Dich ja in den Menschen, das ist für mich nicht von Äußerlichkeiten abhängig. Außerdem, Du siehst beim Aufstehen die Tattoos an Deinem Partner ja nicht mehr“. Sie räumt aber auch ein, dass sie sich Menschen mit Tattoos lieber ansieht. „Ich finde ihn deswegen nicht selbst schöner, sondern die Kunst, die er am Körper trägt. Wie ein Fashion Blogger auch jemanden in toller Mode lieber ansieht als im Jogger“……

Ärgern kann sie sich, wenn ihr persönlicher nachgeahmt wird. „Schnitt und Farbe meiner Frisur ändere ich sowieso laufend, aber wenn sich jemand das gleiche ins Gesicht tätowieren lassen, ärgert mich das schon“, gibt sie zu.

(Foto Philipp Tomsich)Ihr neuestes Projekt ist der Bunny Skull Vodka. Ursprünglich als Werbegeschenk geplant, ist er jetzt aufgrund der großen Nachfrage auch für Endkunden geplant. „Der Vodka war wirklich ein Glücksgriff“, erzählt Christine, „er ist ein Türöffner in die weite Welt, Tattoomodels sind jetzt bei Luxusprodukten angekommen“. „Wir präsentierten unseren Bunny Skull Vodka heuer sogar auf der Aftershow-Party des Designers Michael Michalsky, dem Höhepunkt der Berliner Fashion Week. Meine 1,64 Models, sicherlich 20 kg zu schwer für Michalsky, das macht viel Spaß“, erinnert sie sich lachend. Aber auch beim Vodka gilt: „Wir verkaufen nicht nur Vodka, wir bieten wieder ein Gesamtkonzept an, beispielsweise von Djs (DUBTAL3NT) über einen Kinderchor bis hin zur tätowierten Saxofonistin“. Die Präsentation ihres erstes Video im ORANGE Graz war ein voller Erfolg.

Mike, Christine und Cris Eco

Kooperationen sind für Christine überhaupt ganz ganz wichtig. Wird es Bunny Skull Vodka auch im Sommer wieder bei Michalsky geben? Darüber wird noch gesprochen. „Immerhin sind wir ein Startup-Unternehmen und Sponsoring ist für uns natürlich vom Budget auch begrenzt. Aber es sieht gut aus“. Von Christine, die sehr gerne kreativ arbeitet, wird noch zusätzlich eine Schmuckkollektion mit BunnySkull kommen. Christine verrät noch, dass es nicht nur beim Vodka bleiben wird – aber leider kann sie noch nicht mehr verraten. „Aber wenn ich darf, bist Du die erste in Graz, die ich anrufe“. Cool!!

Christine Zimmer (Foto R. Sudy)Zeit für Hobbys bleibt den beiden kaum. „Eigentlich ist unser Beruf unser Hobby, ein Hobby, mit dem man Geld verdient. Unser Job ist zwar sehr stressig, aber es macht Spaß und auf das Resultat sind wir sehr stolz“, sind sich beide einig. Geschäftliches und Privates wird streng getrennt und das funktioniert einwandfrei. Buchhaltung, die nicht so lustig ist, macht Mike – der aber auch nicht begeistert dreinschaut.

Sport sind lange Spaziergänge mit ihren beiden argentinischen Doggen, 65 kg pro Hund! „Wenn sie spielen wollen, muss man Pause machen und sich ihnen widmen, das ist schon gut so“, erzählt Mike. „Fotoshooting ist auch Sport“, wirft Christine ein, „Körperspannung zu halten, das ist echt sehr anstrengend“.

EYEWEAR-MAGAZINEAn Mike schätzt sie den Rückhalt sehr, den er ihr gibt, seine Hilfe, seine Ideen – einfach dass er ist wie er ist. Mike antwortet auf diese Frage wie aus der Pistole geschossen: Ihre Zuverlässigkeit, sie funktioniert wie ein Uhrwerk, sie ist mein Fels in der Brandung, ein perfekter Gesprächspartner und sie hat mir auch sehr geholfen, mich weiter zu entwickeln. Ein perfekter Sonntag für beide ist, wenn sie sich richtig ausschlafen können, wenn sie nicht zuviel arbeiten müssen, sie in Ruhe planen und neue Ideen spinnen können. Mike genießt es, mit den Hunden eine lange Runde zu gehen, an nichts zu denken. Für Christine ist shoppen gehen entspannend, sich zu belohnen für die viele Arbeit.
Einig sind sie sich aber auch darüber, dass ein Sonntag ohne Arbeit eher ein langweiliger Sonntag ist. Hm…..

Ziele gibt es natürlich. „Tattoomodels“ noch besser in die Gesellschaft etablieren, ev. einmal bei der Michalsky Show zu laufen (Models mit den entsprechenden Maßen finden sich natürlich auch in der Kartei, wenige aber doch) und Bunny Skull Vodka als internationale Marke zu branden.

www.tattoomodels.at

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