Theresa „Resi“ Schöffel-Zahlbruckner

(Foto R. Sudy)Kreativität wurde Resi Schöffel-Zahlbruckner schon in die Wiege gelegt. Wenn ihre Freundinnen auf Urlaub ins Segellager fuhren, stieg sie auf die Brandlucke bei St. Kathrein am Offenegg und machte einen Aquarellkurs. Oder sie stickte mit ihrer Mutter. Das Experimentieren mit Farben interessierte sie schon immer. „Wo immer ich meine Farbkombinationen abliefern kann, das macht mir Freude“, erzählt sie.

Ich besuchte die attraktive, sympathische und sehr kommunikative Designerin in ihrem neuen, großen Showroom in der Grazer Elisabethstraße und später in ihrem unglaublich gemütlichen Atelier in Stainz, nur wenige Schritte von ihrem Wohnhaus entfernt. Umgeben von Wald und Wiese geht es über eine steile Holztreppe in den ersten Stock einer alten Scheune. Hier hängen Bilder, die sie gemalt hat, liegen ihre Zeichnungen und bedruckten Stoffe, ihre neuesten Modelle und natürlich ihr ‚Werkzeug‘. In dieser ruhigen und stimmungsvollen Umgebung findet die vielbeschäftigte Künstlerin und Mutter zweier Kinder ihre Inspirationen.
Begeistert zeigt mir Resi, ein großer Chanel, Kenzo und YSL-Fan wie sie lachend gesteht, ihre Arbeiten, ihre Drucktechniken und ihre alten Model, die sie vor kurzem erstehen konnte.

(Foto R. Sudy)

Resi besuchte nach der Kunstgewerbeschule in Graz die Modeschule Hetzendorf, wo sie sich etwas unterfordert fühlte. „Sie begannen mit Aktstudien und die hatte ich schon fünf Jahre lang in Graz gemacht“, erzählt sie mir bei meinem ersten Besuch in ihrem Grazer Atelier. „Ich wollte schon damals unbedingt den Siebdruck erlernen, damit ich meine eigenen Stoffe drucken kann“, erzählt sie. Leider wurde dieser Lehrgang nicht angeboten und so entschied sie sich für einen Stricklehrgang. Sie erzählt von ihren Erfahrungen auf computergespeicherten Strickmaschinen, von der Arbeit mit Jacquardfarben und Lurex-Fäden. „Mit Lurex-Fäden zu arbeiten ist Wahnsinn, denn wenn der Faden nach einem Meter abbricht, kannst Du alles nochmals stricken“, erinnert sie sich.

Resis Grazer Atelier (Foto R. Sudy)Nach Jobs bei der Firma Stajan und bei ihrer Mutter in der bekannten Grazer Boutique Etage machte sich Resi mit ihren Dirndlkleidern in einem kleinen Atelier am Grazer Kaiser Josef Platz selbständig. Der Kinder wegen übersiedelten sie und ihr Mann später nach Stainz – aufs Land. „Wir waren in der Stadt sehr glücklich, sind selbst aber beide an einem Bach im Wald aufgewachsen und das wollten wir auch für unsere Kinder haben“. Als diese dann „erwachsener“ wurden, wollte Resi zurück zu „ihren Dirndln“ und eröffnete mit ihrer Freundin Itha Schönburg-Meran 2006 einen Showroom im ehemaligen Stainzerhof. Das Label ‚theresita‘ war geboren. Allerdings ohne feste Öffnungszeiten, um genug Zeit für ihren Mann und die Kinder zu haben. „Meine Familie lebt ja in Graz und am Land ist es wirklich viel schwieriger, ein Kindermädchen zu finden. Das hätte ich mir nie gedacht, ist aber so“, erzählt sie.
2010 zogen sie aus dem Zentrum von Stainz hinauf aufs Schloss. „Es war eine sehr schöne Zeit, Menschen kamen weltweit angereist, aber war es zwischendurch auch etwas einsam“, erzählt Resi. Als ihre Partnerin aus privaten Gründen ausstieg, zog Resi zurück auf den Stainzer Hauptplatz, wo sie heute ganz romantisch neben einem Brunnen und gegenüber der bekannten Konditorei Lex ihr eigenes Label ‚Theresa‘ präsentiert.

(Foto R.Sudy)

Unter Resis Kunden für ihre Dirndln und Hochzeitskleider sind sehr viele Prominente. So entwarf sie z.B. das Hochzeitskleid der Grazerin Tini  Manninger, jetzt Ferragamo, als sie in den Modeclan Ferragamo einheiratete. „Es war eine Maßarbeit mit ungefähr 1oo Knöpfen“, erinnert isch Resi, die zur Anprobe nach Florenz reiste. Auch einige südsteirische Winzerinnen tragen sehr gerne „Theresa“-Dirndln. Sie legt großen Wert auf Handarbeit und Qualität – Kunstfaser findet sie unangenehm. Bei ihren Modellen werden auch die Knopflöcher mit Hand gestickt. „Es gibt keine Schürze, die nicht handgezogen ist“, erzählt sie mir mit Nachdruck, „das sehen viele gar nicht“. Ihre Stoffe bezieht sie aus Österreich, Italien und Deutschland, aber auch bei Aufenthalten in Athen, Florenz oder Triest oder wo auch immer sie hinfährt, hält sie nach schönen Stoffen Ausschau.

Hedi Grager und Resi Schöffel  (Foto R. Sudy)Vor kurzem erstand sie von einer alten Druckerei das gesamte Inventar: Tische, Siebe, Bügel- und der Fixierungsanlage und ungefähr 400 Holz- und Metallmodel mit schönen alten Motiven und Brauchtumssymbolen, die um die Jahrhundertwende geschnitzt wurden. Diese Model wurden über viele Jahre gesammelt und sind kaum mehr zu bekommen. Ein wahrer Glücksfall, wie Resi es bezeichnet. Begeistert erzählt sie, dass sie schon den ersten Vorhang bedruckt hat und dass ihr die ehemalige Besitzerin noch den echten Blaudruck lehren wird. In Österreich gibt es nur noch eine Blaudruckwerkstatt, und die ist im Burgenland. Es geht dabei um den speziellen Blaufarbton ‚Indigo‘.
Ihre Begeisterung über ihre neuen Errungenschaften und die neuen Möglichkeiten ist deutlich zu spüren. Sie zeigt mir verschiedene Druckarbeiten, wie ihre Rosenkleider aus dünnem Batist in rot, pink und orange, wunderbar geeignet als Dirndlersatz im Hochsommer, wenn Blusen und Schürzen zu warm werden.
Resi liebt Stoffe von Kenzo und Ralph Lauren. „Die haben so schöne Rosenstoffe, aber natürlich auch das Copyright darauf. Das hat mich geärgert und deshalb hatte ich die Idee, meine eigenen Stoffe in diesen Farben zu machen“. So zeichnet und malt sie ihre Motive und produziert sie gleich selber.

Heute pendelt Resi zwischen ihrem Atelier, ihrem Geschäft am Stainzer Hauptplatz und ihrem Showroom in der Grazer Elisabethstraße, wo ihr die großen Fensterfronten als Auslage dienen. „Eigentlich war es die Idee meines Mannes, für meine Grazer Kunden eine Anlaufstelle zu schaffen. Jetzt bin ich jeden Donnerstag hier. Ich bin so glücklich, wieder in Graz zu sein, treffe meine Freundinnen, und auch meine Grazer Kundinnen sind glücklich und kommen sehr gerne hierher“.

Resi vorm Atelier (Foto R. Sudy)

Resi hat viele Pläne. „Valentin und Luise sind jetzt schon 10 und 12 Jahre und ich habe wieder etwas mehr Zeit für meine Arbeiten“, erzählt sie, „kann mich vermehrt um neue Stoffe und meine Farbentwürfe kümmern“. So möchte sie in ihrem Atelier Kurse anbieten und vielleicht wird man bei ihr auch bald drucken lassen können….

www.theresa-schoeffel.at

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