Maria Christina Hamel

Designerin Maria Christina Hamel (Foto Reinhard Sudy)Die intellektuellen, feingeistigen Arbeiten von Maria Christina Hamel sind die perfekte Symbiose von Glück und Liebe. Die in Mailand lebende Künstlerin ist eine der bedeutendsten Designerinnen Italiens. Sie war jahrelang Assistentin des Architekten Alessandro Mendini, der zu den bekanntesten italienischen Designern zählt, und leitete Arbeitsgruppen für international erfolgreiche Firmen wie Alessi, Arzberg, Swarovski, Rado, Ritzenhoff, Swatch und Türler.
1992 entstand ihre bekannte Keramik-Arbeit „Una Zebra a Pois“, gefolgt 1993 von „Mille Bolle Blu“.

"Vaso" aus der Kollektion FIORI dI LUCE (Foto Marisa Chiodo)
„Vaso“ aus der Kollektion FIORI dI LUCE (Foto Marisa Chiodo)

Maria Christina Hamel machte sich vor allem durch ihre Arbeiten für renommierte Glas- und Porzellanhersteller einen bedeutenden Namen. Sie lehrte an vielen Universitäten und Kunstschulen und hielt weltweit Vorträge. „Ich mache sehr gerne Workshops mit praktischen Umsetzungen, wie das Zusammenspiel von Design, Keramik und Licht.“

Die Designerin Maria Christina Hamel arbeitet u.a. seit vielen Jahren für KOZIOL "ideas for friends GmbH"
Die Designerin Maria Christina Hamel arbeitet u.a. seit vielen Jahren für KOZIOL „ideas for friends GmbH“

Ich treffe die sympathische Designerin in Mailand in einem gemütlichen Kaffee, unweit ihrer Wohnung. Maria Christina Hamel, 1958 in Neu-Delhi geboren und in Wien aufgewachsen, antwortet mir auf meine Frage, wo für sie Heimat ist: „Heimat ist für mich Österreich. Mein Vater, für den Sicherheit immer eine große Rolle spielte, war Auslandsösterreicher. Er hat uns Kindern von seiner Geschichte, der Geschichte Österreichs, viel erzählt. Das war ihm sehr wichtig. Sie lächelt und erzählt weiter: „Ich selber habe mich sehr in die Jahrhundertwende vertieft, die Künstler und die Literatur dieser Zeit haben mich begeistert“.

"Trittico" (Foto Luisa Lanza)
„Trittico“ (Foto Luisa Lanza)

Maria Christina Hamel, die 1979 ihr Studium an der Scuola Politecnica di Design SPD in Mailand abschloss, erinnert sich zurück, als sie 1987 für die Firma Alessi eine Studie über alle Gebrauchsartikel machte, die die Wiener Werkstätten hergestellt haben. „Damals gab es noch keine Kopiergeräte, ich musste alles zeichnen. Diese Periode hat sicherlich meine Liebe zum künstlerischen Handwerk geprägt“. Ihre Inspirationen sind die Mischung und Entwicklung aus all dem, was sie gesehen hat: „Wien, als wichtige Station für die formelle Sprache, und meine Arbeit in den verschiedenen Mailänder Ateliers haben mich geformt. Überhaupt ist Mailand sehr formend und man bekommt hier eine umfangreiche Erziehung in der Formensprache. In dieses Korsett gebe ich dann alles hinein, was ich gesehen habe und was mir wichtig ist. Und dann kommen diese schönen Dinge heraus“. Wir lachen herzlich.

Maria Christina Hamel kam 1973, im Alter von 15 Jahren, nach Mailand. Sie besuchte die Deutsche Schule Mailand, studierte und blieb – nur zwischendurch war sie für zwei Jahre in Wien an der Universität für Angewandte Kunst. „Mailand ist für mich eine Art ‚Melting Pot‘. Es ist eine Stadt der kreativen Menschen und vom technischen Standpunkt aus eine Stadt, in der man die Tendenzen studieren kann, eine interessante Stadt, die praktisch alles bietet. Schon oft wurden in Mailand Dinge gezeigt, lange bevor sie anderswo wichtig geworden sind“.

"FIORE" aus der Kollektion FIORI dI LUCE (Foto Marisa Chiodo)
„FIORE“ aus der Kollektion FIORI dI LUCE (Foto Marisa Chiodo)

Ein sehr wichtiges Thema war für Maria Christina Hamel immer schon Keramik. „Ich habe sehr viel mit meinen eigenen Händen gemacht. Keramik ist ein Material, mit dem ich sehr leicht und schnell die eigenen Ideen umsetzen kann“, erklärt sie mir. „Ich habe auch das Glück gehabt, in verschiedenen italienischen Orten zu arbeiten, wo Keramik seit jeher eine wichtige Rolle gespielt hat, wie z.B. in Deruta (Perugia), in Albisola oder in der Nähe von Florenz. In Deruta habe ich direkt in einer Manufaktur gearbeitet und so alle Herstellungsprozesse kennengelernt, von der Idee bis zum fertigen Produkt“, sie lächelt in ihrer zurückhaltenden Art und fährt fort: „Ich hatte mit allen Handwerkern zu tun wie den Modellierern, die die Gipsformen gemacht haben, und jenen, die sie bemalt haben, und lernte, wie die großen Öfen funktionieren.“ Bedauernd ergänzt sie: „Das war eine Welt, die seit dem 18. Jahrhundert dort bestand und leider in ihrer komplexen Realität verloren gegangen ist. Die Art von Erfahrung, wo alles an einem Ort zustande gekommen ist, hat mich damals sehr fasziniert“.

"Vibrazioni Auree" aus der Kollektion COME ACQUA CHE SCORRE. Alle Keramiken dieser Kollektion sind in der Manufaktur G.Mazzottti1903 in Albissola (Ligurien) in einer limitierten Serie von 9 Einzelstücken hergestellt worden
„Vibrazioni Auree“ aus der Kollektion COME ACQUA CHE SCORRE. Alle Keramiken dieser Kollektion sind in der Manufaktur G.Mazzottti1903 in Albissola (Ligurien) in einer limitierten Serie von 9 Einzelstücken hergestellt worden

Sehr gerne erinnert sie sich an die Zusammenarbeit mit der venezianischen Manufaktur Salviati, für die sie die „Cuore“, eine Vase in einer Herzform herstellte. „Das war so schön, weil ich selber am Herstellungsprozess mitgewirkt habe und weil Form und Farbe sehr gut gelungen sind“, gerät die Designerin ins Schwärmen. „Cuore“ war jahrelang am Markt und ein großer Erfolg. Seit vielen Jahren arbeitet sie auch sehr erfolgreich mit der deutschen Firma koziol. Koziol ist führender Hersteller von Design- Haushalts- und Büroartikeln aus Kunststoff und zählt weltweit zu den drei größten Herstellern von Schneekugeln. „Erst vor kurzem war ich wieder für ein Kunstobjekt dort: die von mir geschaffene Leuchtinstallation „Glückstor“ steht für die drei Generationen der Firma. Es besteht aus Plexiglas und Neon, ist in verschiedenen Formen aufgefädelt und wenn man durchgeht, beginnt eine Musik zu spielen. Diese metallische Musik erinnert an die Töne von Spieluhren und Glockentürmen aus ganz Europa, lächelt sie stolz. Es ist das Tor zum koziol-Museum, das den Glücksfabrik-Maschinenpark präsentiert.

Maria Christina Hamel privat
In ihrer wenigen Freizeit reist die Künstlerin sehr gerne. „Reisen inspiriert mich. Das können aber auch kleinere Reisen wie nach Venedig oder nach Rom sein. Ansonsten gehe ich sehr gerne zu Fuß, auch mit meinem Mann. Das entspannt mich – allerdings nicht so gerne im Winter“, verrät sie mit einem leichten Schmunzeln. Und sie liest gerne. „Als kreativer Mensch schafft man es nie so ganz zu sagen, das ist Freizeit“, meint Maria Christina Hamel. „Man ist irgendwie immer am denken und aufnehmen. Dabei ist es so wichtig, abschalten zu können, um einen neuen Blick auf Dinge zu bekommen“.
Maria Christina Hamel hat zwei Brüder. Der eine beschäftigt sich mit dem Verkauf von Design und der andere studierte Schauspiel, bevor er für den niederösterreichischen Rundfunk arbeitete. Ihr Sohn ist 16 Jahre alt. „Er ist kreativ, ohne es selbst zu merken“, meint sie, „aber er steht noch misstrauisch all unseren Interessen gegenüber“.

Maria Christina Hamel und ihr Mann Cesare Castelli sind heute als Berater in der Design-Branche tätig. Sie gründeten die Milano Makers.com, eine Vereinigung für unabhängige Designer.
Maria Christina Hamel und ihr Mann Cesare Castelli sind heute als Berater in der Design-Branche tätig. Sie gründeten die Milano Makers.com, eine Vereinigung für unabhängige Designer.

Milano Makers.com
1994 machte sich die Designerin selbständig. Sie und ihr Mann Cesare Castelli sind heute als Berater in der Design-Branche tätig. Gemeinsam gründeten sie die Milano Makers.com, eine Vereinigung für unabhängige Designer.
Im April fand im Rahmen der Mailänder Möbelmesse zum dritten Mal eine große Ausstellung in der Fabrica del Vapore – Fdv Lab statt. Wurden früher in der Fabbrica Züge produziert, werden diese großen Räumlichkeiten jetzt für Ausstellungen genutzt. Das Thema der Vereinigung der unabhängigen Designer war diesmal „Sharing Design, von 3D zu 10D“. „Es gilt, neue Tendenzen darzustellen, wie sich eine eher handwerkliche Welt den neuen Technologien zuwendet, oder wie wichtig ist Sharing Economy in dieser neuen Situation und wie manifestiert sich diese Art der Zusammenarbeit.“ Es ist für Christina Maria Hamel spannend und beunruhigend zugleich, wie schnell sich alles ändert und welche Möglichkeiten sich entwickeln, auch in der Zusammenarbeit zwischen der jüngeren und älteren Generation.

www.mariachristinahameldesign.com

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