Mag. Sigrid Berka – Österreichische Generalkonsulin in Mailand

Generalkonsulin Mag. Sigrid Berka (Foto Reinhard Sudy)Bei meinem letzten Mailand-Kurzurlaub besuchte ich unsere Generalkonsulin Mag. Sigrid Berka.  Nach beruflichen Stationen in Bulgarien, Serbien und Kiew war sie Außenpolitische Beraterin von Vizekanzler und Finanzminister DI Josef Pröll sowie Referentin im Kabinett von Außenministerin Dr. Ursula Plasnik und Finanzministerin Dr. Maria Fekter. Seit September 2011 ist Sigrid Berka Österreichische Generalkonsulin in Mailand.

Mag. Sigrid Berka und Hedi Grager vor den Arbeiten ihres Mannes, des Tiroler Künstlers und Architekten Reinhold Pratschner (Foto Reinhard Sudy)
Mag. Sigrid Berka und Hedi Grager vor den Arbeiten ihres Mannes, des Tiroler Künstlers und Architekten Reinhold Pratschner (Foto Reinhard Sudy)

Sigrid Berka studierte Slawistik/Russisch und Politikwissenschaft in Innsbruck, Wolgograd und Moskau und ist ein Sprachentalent: sie spricht Englisch, Bulgarisch, Russisch, Serbisch, Französisch und jetzt auch Italienisch. Allerdings ist von ihrem beruflichen Umfeld her eher alles deutschsprachig, wie sie erzählt, denn in erster Linie hat sie es mit hilfesuchenden österreichischen Staatsbürgern zu tun.

Ihre Aufgaben erstrecken sich auf ganz Norditalien, also die Regionen Friaul Julisch-Venetien, Trentino-Südtirol, Venetien, Lombardei, Piemont, Ligurien und die Emiglia Romana. Ein weiterer Schwerpunkt ihres Tätigkeitsbereiches ist Südtirol, das für Österreich nach wie vor außenpolitisch eine besondere Bedeutung hat und wo auch vorwiegend Deutsch gesprochen wird, erzählt die sympathische Österreicherin, „und mit vielen Diplomatenkollegen wird englisch gesprochen, das viele Mailänder ebenfalls sehr gut sprechen“.
Dennoch ist ihr Italienisch mittlerweise recht gut.

Der Mailänder Dom und die Galleria Vittorio Emanuele II auf der Piazza del Duomo (Foto Reinhard Sudy)
Der Mailänder Dom und die Galleria Vittorio Emanuele II auf der Piazza del Duomo (Foto Reinhard Sudy)

Diplomatin zu werden war für die 1969 in Saalfelden geborene Sigrid Berka nicht schon ihr ‚Kinderberufswunsch‘, aber: „Es war eine berufliche Entwicklung, mit der ich jetzt sehr zufrieden bin. Wie im Außenministerium üblich, ist immer sehr viel Zufall dabei, welcher Posten gerade frei wird. Man muss in diesem Beruf sehr flexibel sein, denn wenn man sich auf ein Land versteift, das eventuell nie kommt….“
Humorvoll erzählt sie vom Ausspruch eines Kollegen, der zu ihr sagte: „Weißt Sigrid, ich hab bis jetzt in meinem Berufsleben im Außenministerium eigentlich nie das bekommen, was ich mir gewünscht habe, aber es hat mir überall gefallen“. Sie lacht herzlich und ergänzt noch: „Es ist ein Wettbewerb, bei dem alle die gleichen Möglichkeiten haben“.

Mag. Sigrid Berka war Außenpolitische Beraterin von Vizekanzler und Finanzminister DI Josef Pröll sowie Referentin im Kabinett von Außenministerin Dr. Ursula Plasnik und Finanzministerin Dr. Maria Fekter. Seit ist sie Österreichische Generalkonsulin in Mailand (Foto Reinhard Sudy)
Mag. Sigrid Berka war Außenpolitische Beraterin von Vizekanzler und Finanzminister DI Josef Pröll sowie Referentin im Kabinett von Außenministerin Dr. Ursula Plasnik und Finanzministerin Dr. Maria Fekter. Seit ist sie Österreichische Generalkonsulin in Mailand (Foto Reinhard Sudy)

Sigrid Berka verrät, dass ihr regionaler Focus auf den Balkan gerichtet ist und es ihr dort immer gut gefallen hat. Sie will aber nicht ausschließen, dass es auch mal Asien werden kann – wenn es sich ergibt.

In ihrem Beruf muss auch die Familie sehr flexibel sein. So folgte ihr Mann, der Tiroler Künstler und Architekt DI Reinhold Pratschner, ihr nach einem Jahr des Pendelns nach Mailand. „Es wird schwieriger, so bewegliche Partner zu finden, noch schwieriger wird es natürlich mit Kindern.

Aufgaben des Generalkonsulats
In ihrem Generalkonsulat gibt es neun Angestellte, davon sind vier lokale Mitarbeiter.

Die Aufgabengebiete sind etwas landesabhängig. „An der Botschaft in Belgrad war sehr viel politische Arbeit zu tun, waren bilaterale Besuche zu organisieren und standen Visatätigkeit und sehr viele Firmeninterventionen im Vordergrund“. Sigrid Berka erzählt weiter: „Hier in Mailand haben wir drei große Aufgaben: Zum einen Südtirol als eine politische Aufgabe. Ich bin alle vier bis sechs Wochen in Bozen, u.a. auch zur Organisation von Besuchen etwa des Bundespräsidenten oder diverser Minister. Die Mitarbeiter machen primär konsularische Tätigkeiten, also alles was mit Auslandsösterreichern zusammenhängt wie Staatsbürgerschaftsnachweise, Personalausweise, Beglaubigungen, Pässe etc. „Wir sind wie eine kleine Bezirkshauptmannschaft im Ausland“, schmunzelt die Generalkonsulin.

„Wir sind wie eine kleine Bezirkshauptmannschaft im Ausland“, schmunzelt die Generalkonsulin (Foto Reinhard Sudy)
„Wir sind wie eine kleine Bezirkshauptmannschaft im Ausland“, schmunzelt die Generalkonsulin (Foto Reinhard Sudy)

Sie berichtet weiter, dass vor allem in den Sommermonaten Unterstützung bei Notfällen notwendig ist. Traurigerweise gibt es pro Jahr 20 – 30 Leichenüberführungen nach Bergunfällen, Stürzen mit dem Motorrad oder ‚normalen‘ Todesfällen wie Herzinfarkte. Da ist es wichtig, die Familien zu beraten und sie in dieser schweren Zeit zumindest bei den bürokratischen Notwendigkeiten  zu unterstützen. „Das können relativ aufwändige Fälle sein, die von meinen Mitarbeitern mit Engagement und Fingerspitzengefühl betreut werden“, ergänzt sie.

Der Mailänder Dom, Duomo di Santa Maria Nascente, ist eines der berühmtesten Bauwerke Italiens und Europas und die Kathedrale des Erzbistums Mailand (Foto Hedi Grager)
Der Mailänder Dom, Duomo di Santa Maria Nascente, ist eines der berühmtesten Bauwerke Italiens und Europas und die Kathedrale des Erzbistums Mailand (Foto Hedi Grager)

Unglaubliche 70 Notpässe werden jährlich von ihnen ausgestellt, und viele davon am Wochenende. „Im Idealfall haben wir genug Zeit, dass die Kollegen am Wochenende hereinkommen und z.B Touristen mit dem Taxi wieder rechtzeitig zum Ablegen ihres Kreuzfahrtschiffes nach Genua kommen“.

Manches Mal wiederum arbeiten sie wie ein Detektivbüro, wenn es darum geht, für Obdachlose Familienangehörige auszuforschen. Reaktionen darauf gibt es von ‚Dankeschön‘ bis „lassen Sie mich in Ruhe“.

Ihre Familie
Natürlich möchte ich wissen, wie es ihrem Mann als Künstler in Mailand geht. „Ihm gefällt es sehr gut und er hat ganz gut Anschluss zu anderen Künstlern gefunden und erst kürzlich eine Ausstellung in einer Mailänder Galerie gehabt. Aber natürlich ist es auch immer ‚ein von vorne beginnen‘. Es braucht eine gewisse Zeit bis man Menschen trifft, mit denen man sich austauschen kann, und wo es einfach passt. Und wenn er seine Kontakte geknüpft hat, gehen wir meist wieder“, bedauert sie. „Aber grundsätzlich fühlt er sich überall dort wohl, wo er Zugang zu geistig anregenden Gesprächen hat, zu Farben und zu Draht – und das haben wir bisher noch überall gefunden“.

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Humorvoll erzählt sie von der Gratwanderung ihres Mannes zwischen dem ‚Künstler‘ und dem ‚Mann der Generalkonsulin‘. „Bei einem Empfang hört er drei Tage zuvor zu malen auf, damit die Hände wieder „sauber“ sind“. Sie lacht wieder herzlich.

Modestadt Mailand
Mailand ist eine Fashionmetropole und deshalb interessiert mich natürlich, wie wichtig ihr Mode ist. Lächelnd meint Siegrid Berka: „Ich laufe jetzt nicht von einer Fashion Show zur anderen, aber an Mode bin ich schon interessiert. Und dem Schuhwahn kann man hier herrlich frönen“. Begeistert meint sie weiter: „Was ich so schön finde, man merkt im Straßenbild die Kreativität. Ich freu mich wenn ich sehe, wie gut angezogen die jungen Menschen sind, aber auch die älteren Damen und Herren sehen toll aus“.

Der Cimitero Monumentale von Mailand ist ein 1866 eröffneter Zentralfriedhof mit zahlreichen künstlerisch interessanten oder sonst berühmten Gräbern. Der Haupteingang befindet sich am Piazzale del Cimitero Monumentale (Foto Hedi Grager)
Der Cimitero Monumentale von Mailand ist ein 1866 eröffneter Zentralfriedhof mit zahlreichen künstlerisch interessanten oder sonst berühmten Gräbern. Der Haupteingang befindet sich am Piazzale del Cimitero Monumentale (Foto Hedi Grager)

„Es gibt auch eine sehr lebhafte Aperitivo-Szene in dieser sehr dynamischen Stadt“. Wie dynamisch Mailand ist, merkt Sigrid Berka vor allem immer dann, wenn sie beruflich nach Triest oder Venedig fährt: „Ich spüre, dass ich mich dort selbst zurücknehmen muss, dass alles etwas ruhiger wird“. Ruhig sein fällt der lebhaften Generalkonsulin aber schwer. Sie verrät: „Wenn ich nach Venedig komme und nur drei Termine erledigen kann, werde ich unrund“.

Die Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand ist eine nach dem Einiger Italiens, König Viktor Emanuel II., benannte überdachte Einkaufsgalerie aus dem 19. Jahrhundert (Foto Hedi Grager)
Die Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand ist eine nach dem Einiger Italiens, König Viktor Emanuel II., benannte überdachte Einkaufsgalerie aus dem 19. Jahrhundert (Foto Hedi Grager)

Trotzdem kann sie sich am Wochenende gut entspannen. „Ich gehe gerne zu Fuß und bin sehr naturverbunden. Ich brauche meinen grünen Wald zum Walken, wandern und Ski fahren. Ich fahre aber auch alle drei bis vier Wochen nach Hause.“ Direkt um’s Eck hat sie sogar einen Südtirolerladen, so dass sie einen guten Apfelstrudel nicht missen muss.

Ihre Mailand-Tipps
Zu ihren Lieblingsrestaurants gehören das ‚Al Conte Ugolino da Marino‘ und das ‚Convivium‘. Ersteres ist ein Familienbetrieb auf der Piazza Cesare Beccaria, wohin mittags sehr Viele aus den umliegenden Büros essen gehen. „Es ist aber auch abends sehr angenehm dort“. Gerne isst sie auch im etwas stylischeren Convinium in der Via Ponte Vetero 21 und im kleineren Restaurant ‚Piazza Borromeo‘, 5 Piazza Borromeo.

Ein toller Tipp von ihr ist, sich unbedingt den großen Mailänder Monumentalfriedhof anzusehen. „Er ist einfach wunderbar und mit der Straßenbahnlinie 14 gut zu erreichen. Da haben sich die Mailänder Familien Denkmäler gesetzt in einer Größe, die unwahrscheinlich ist, regelrechte Mausoleen“. Nachdem ich diesen Friedhof gesehen hatte, kann ich den Tipp nur weitergeben.

Mag. Sigrid Berka: www.bmeia.gv.at/botschaft/gk-mailand/das-generalkonsulat/die-generalkonsulin.html
DI Reinhold Pratschner: www.reinholdpratschner.at/

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