Christine Moser – Austrian Cultural Forum in New York City

Christine Moser: "Hausherrin des Austrian Cultural Forum New York (Foto David Plakke)„Hausherrin“ im „Austrian Cultural Forum New York“ – einem der interessantesten Architekturprojekte der jüngeren New Yorker „Baugeschichte.
Seit September 2013 ist die 1963 in Wien geborene Diplomatin Christine Moser Direktorin des Austrian Cultural Forum New York.

Christine Moser, hier mit dem Tiroler Trompetist Franz Hackl (links im Bild) (Foto ACFNY)
Christine Moser, hier mit dem Tiroler Trompetist Franz Hackl (links im Bild) (Foto ACFNY)

Das Ausstellungshaus gehört zum österreichischen Außenministerium und ist ein wichtiger Bestandteil der Repräsentation Österreichs in den Vereinigten Staaten. Die Schwerpunkte liegen auf zeitgenössischer Kunst und im Fördern von jungen, kreativen Österreichern.

Christine Moser war schon immer von New York fasziniert. „Ich hatte das Privileg, anlässlich eines Studienjahres in Massachusetts, Neuengland, diese Region kennen zu lernen. Boston hat mir aber nicht so gut gefallen und so habe ich den längeren Weg nach New York gerne auf mich genommen“, höre ich sie am anderen Ende der Leitung schmunzeln.

„Soviel Heutiges, wie möglich, und soviel Tradition, wie sinnvoll! - das Motto von Christine Moser (Foto David Plakke)
„Soviel Heutiges, wie möglich, und soviel Tradition, wie sinnvoll! – das Motto von Christine Moser (Foto David Plakke)

Auf meine Frage, was sich aus Ihrer Sicht in den letzten Jahren geändert hat, meint sie „Es sind zwei große Entwicklungen, die parallel vonstatten gegangen sind. New York ist sicher geworden. Wenn ich mich an meine Aufenthalte in den 80ern zurückerinnere, war damals die Kriminalistik erschreckend hoch, und das nicht nur in der Bronx. Und die zweite Entwicklung ist, dass NY sehr teuer geworden ist“.

Sebastian Kurz, Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres, besuchte die Direktorin des Austrian Cultural Forum New York (Foto ACFNY)
Sebastian Kurz, Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres, besuchte die Direktorin des Austrian Cultural Forum New York (Foto ACFNY)

Sehr offen antwortet die sympathische Direktorin auch auf meine Frage, ob es in New York schwierig ist, privat wie auch beruflich Fuß zu fassen. „Ich kannte die Stadt ja von einigen Aufenthalten. Wenn man allerdings im Ausland einen bestimmten Auftrag zu erfüllen hat, muss man die Kontakte neu aufbauen“, erzählt die Direktorin. „Man muss schauen, dass man jenen Kontakten, die für die Arbeit wichtig sind, einen persönlichen Charakter verleiht, man bietet Hilfe an, wo man kann, um dann auf diesen Kontakt zurückgreifen zu können. Ich wusste, dass NY eine sehr rasche, wunderbar energiegeladene, aber auch rücksichtslose Stadt ist, in der soziale Beziehungen eindeutig der Frage untergeordnet sind: was bringst du mir konkret, was habe ich davon, wenn ich Dich treffe oder wenn wir etwas gemeinsam machen?“. So hart, frage ich nach und Christine Moser meint: „Sehr eindeutig“.

Christine Moser: "Ich wusste, dass NY eine sehr rasche, wunderbar energiegeladene, aber auch rücksichtslose Stadt ist" (Foto David Plakke)
Christine Moser: „Ich wusste, dass NY eine sehr rasche, wunderbar energiegeladene, aber auch rücksichtslose Stadt ist“ (Foto David Plakke)

Auf ihre bisherigen persönlichen Highlights als Direktorin angesprochen, erklärt sie mir: „Da gibt’s so viele, wir hatten ein sehr spannendes Programm in den jetzt 1 ½ Jahren, die ich hier tätig bin. Ich habe hier auch ein sehr gutes Team, mit dem die Arbeit noch mehr Spaß macht. Besonders hervorheben möchte ich unseren 3 Wochen-Festival Schwerpunkt, das ‚Vienna City of Dreams Festival‘ mit der Carnegie Hall, den Wiener Philharmonikern und Sängern der Wiener Staatsoper.
Parallel dazu haben wir sechs Wochen lang mit weiteren 22 Partnern von NY ein zeitgenössisches Programm kuratiert. Es gab Schwerpunkte von Film bis Musik und eine Ausstellung bei uns im Haus, auch die Franz West „Liège“ konnten wir hier zeigen. Die Medien- und Presseberichterstattung – u.a. in der New York Times und im New Yorker – war einfach gigantisch. Es war das bisher größte Österreich-Festival in NY überhaupt. Hervorheben möchte ich noch ein Konzert mit Werken von Olga Neuwirth, Bernhard Gander und Pierluigi Billone, das unter den 10 besten Konzerten im Ranking des New Yorkers gelistet wurde“.

Die Grazer Komponistin Olga Neuwirth wird für die Wiener Staatsoper ein Auftragswerk komponieren. 'Orlando' soll im Dezember 2019 uraufgeführt werden (Foto David Plakke)
Die Grazer Komponistin Olga Neuwirth wird für die Wiener Staatsoper ein Auftragswerk komponieren. ‚Orlando‘ soll im Dezember 2019 uraufgeführt werden (Foto David Plakke)

Das Interesse New Yorks und der Medien an unserer Kultur ist groß, erfahre ich erfreut und Christine Moser erklärt weiter: Das Austrian Cultural Forum New York hier wurde ja nicht einfach auf eine grüne Wiese gestellt, sondern es soll Österreich in diesem Kunstmekka als großes Kulturland spiegeln. Wir bespielen hier, und darauf lege ich großen Wert, alle Kunstdisziplinen wie Musik, Film, Theater, Literatur, bildende Kunst, Design und Architektur. Für New York ist das Beste gerade gut genug, daher ist es mein Ziel, herausragende Kunstschaffende aus Österreich zu präsentieren.

Ein wunderbares Beispiel, dass es für bei uns bekannte Stars auch in New York ein sehr differenziertes und gebildetes Publikum gibt, ist die Grazer Komponistin Olga Neuwirth. Ich freue mich, dass sie für die Wiener Staatsoper ein Auftragswerk komponieren wird. Orlando soll im Dezember 2019 uraufgeführt werden. Sie ist auch mit einem Auftragswerk der Carnegie Hall befasst, die ihren 125. Geburtstag feiert und aus diesem Anlass 125 Auftragswerke an zeitgenössische Komponistinnen vergeben hat. Ihr Werk wird von den Wiener Philharmonikern 2016 in der Carnegie Hall aufgeführt. Rund im diese Uraufführung arbeiten wir derzeit gemeinsam an einem Olga Neuwirth-Schwerpunkt im Austrian Cultural Forum und weiteren etablierten Musikhäusern der Stadt “.

ACF zeigt eine aktuelle Ausstellungsansicht von “Display of the Centuries. Frederick Kiesler and Contemporary Art“ (Foto David Plakke)
ACF zeigt eine aktuelle Ausstellungsansicht von “Display of the Centuries. Frederick Kiesler and Contemporary Art“ (Foto David Plakke)

Ich frage Christine Moser, ob und wie es überhaupt möglich ist, alle Kunstrichtungen zu präsentieren und dabei auch Neues zu zeigen, und bekomme zu hören: „Nun ja, der Tag hat nur 48 Stunden, wie ich immer sage. Im digitalen Zeitalter ist die Bewältigung der vielen Anfragen fast nicht mehr machbar – aber ich möchte nicht klagen. Zur freudigeren Frage betreffend Neues: das ist für mich mein kreativer Prozess, informiert zu sein, sich in beiden Ländern kundig zu machen, denn es geht ja um die Vermittlung. Es hat keinen Sinn, Kunst und Kultur zu transportieren, die die Leute nicht interessiert. Denn New York ist schon eine ganz spezielle Weltkunstmetropole, in der man keine beliebigen Veranstaltungen anbieten kann. Hier findet ein anderes Kunst- und Kultur-Leben statt als in anderen großen Städten. Darüberhinaus ist mein Haus aber auch Kulturbotschaft für die USA“.

Frontansicht des Austrian Cultural Forum New York:  Das 2002 fertiggestellte Gebäude ist in einer nur 7,5 Meter breiten Baulücke in Manhattan situiert. Nicht verwunderlich daher, dass das Gebäude mit über 24 Stockwerken und einer Gesamthöhe von 84 Metern eine architektonische Besonderheit darstellt (Foto David Plakke)
Frontansicht des Austrian Cultural Forum New York: Das 2002 fertiggestellte Gebäude ist in einer nur 7,5 Meter breiten Baulücke in Manhattan situiert. Nicht verwunderlich daher, dass das Gebäude mit über 24 Stockwerken und einer Gesamthöhe von 84 Metern eine architektonische Besonderheit darstellt (Foto David Plakke)

Es gehört daher zum Auftrag von Christine Moser, auch die ‚restlichen‘ USA zu bespielen. Wie funktioniert das in dem riesigen Land, frage ich nach. „Mit zwei hilfreichen Einschränkungen. Es gibt eine enge Partnerschaft mit dem Kulturforum Washington, Teil der österreichischen Botschaft, mit einem eigenen großen Konzert- und Ausstellungsraum und wir sprechen uns ebenso eng mit dem Generalkonsulat Los Angeles ab.  Generalkonsulin Mag. Ulrike Ritzinger in Los Angeles ist übrigens aus der Steiermark und macht das ganz wunderbar. Der Rest wurde immer schon vom Austrian Cultural Forum New York bespielt“.

Die Direktorin erklärt mir, dass das Austrian Cultural Forum New York in enger Kooperation mit US-Institutionen arbeitet. Darunter sind z.B. die Österreichzentren an der Universität Minneapolis und der Universität New Orleans. „Sie sind für uns Kollegen und Partner, um auch in den akademischen Bereich hineinzuwirken. Ansonsten schicken wir Kunstwerke oder Künstler gerne auf ‚Tourneen‘, auch um die Kosten-Nutzen-Rechnung möglichst günstig zu halten“, fügt Christine Moser noch schmunzelnd hinzu.
Gerade fand ein deutschsprachiges Literaturfestival statt, an dem für Österreich Marjana Gaponenko und Anna Weidenholzer teilgenommen haben. Gaponenko beispielsweise ist weiter gereist ans Kulturforum nach Washington DC, und Weidenholzer zum Literaturlenz ans Goethe-Institut in Chicago“.

Im Gebäude des ACF finden sich insgesamt 5 Stockwerke, die als Ausstellungsfläche für vorwiegend zeitgenössische Kunst dienen und in denen in der Regel drei größere thematische Ausstellungen pro Jahr stattfinden. Dazwischen ist auch Platz für kleinere eventartige Installationen (Foto David Plakke)
Im Gebäude des ACF finden sich insgesamt 5 Stockwerke, die als Ausstellungsfläche für vorwiegend zeitgenössische Kunst dienen und in denen in der Regel drei größere thematische Ausstellungen pro Jahr stattfinden. Dazwischen ist auch Platz für kleinere eventartige Installationen (Foto David Plakke)

Ich komme auf ein etwas leidiges, aber sehr wichtiges Thema zu sprechen: das Geld. Christine Moser erklärt mir dazu: „Seit ich nach New York gekommen bin, hat das Austrian Cultural Forum erfreulicherweise immer dasselbe Budget behalten. Darüber bin ich sehr froh. Was wir aber verstärkt begonnen haben, ist In-Kind-Sponsoring: also Wein vom Weingut Esterhazy, Bier von der Brauerei Stiegl, Flüge zuletzt von Air Berlin, demnächst mit AUA. Die Raiffeisen International Group war lange Zeit ein treuer Förderer. Auf der Suche nach Finanzierungsquellen bin ich sehr offen und natürlich versuche ich stets, zusätzliche Mittel auftreiben. Das ist schwierig, da wir zeitgenössische Kunst bieten, in tiefer Überzeugung, dass jede Kunst als zeitgenössische Kunst beginnt und auch deren KünstlerInnen eine Chance verdienen“. Bei den KünstlerInnen muss natürlich der Bezug zu Österreich da sein, wie z.B. bei Sudabeh Mortezai mit persisch-iranischen Wurzeln, deren Film Macondo bei der vergangenen Viennale ausgezeichnet wurde.“ Die Auswahl von KünstlerInnen ist übrigens ein völlig offener und transparenter Prozess.

Das Austrian Cultural Forum nutzt auch soziale Netzwerke und facebook, um über sein New Yorker und US-Programm zu informieren.

Die Bibliothek des ACF befindet sich im 4. Stock des Gebäudes und verfügt über eine Sammlung von über 10.000 Büchern mit Bezug zu österreichischer Kunst und Kultur. Die Bibliothek wird derzeit digitalisiert, die bisher erfassten Titel sind über das System des Österreichischen Bibliothekenverbundes online abrufbar (Foto David Plakke)
Die Bibliothek des ACF befindet sich im 4. Stock des Gebäudes und verfügt über eine Sammlung von über 10.000 Büchern mit Bezug zu österreichischer Kunst und Kultur. Die Bibliothek wird derzeit digitalisiert, die bisher erfassten Titel sind über das System des Österreichischen Bibliothekenverbundes online abrufbar (Foto David Plakke)

In ihre Heimat Wien kommt die Direktorin ungefähr fünfmal im Jahr, da auch ihr Sohn hier wohnt. Das ist mit ein Grund, dass sie nichts aus ihrer Heimat vermisst. Kraft holt Christine Moser sich aus dem sozialen Austausch mit Freunden – und mit Laufen und Pilates. „Die Auseinandersetzung mit Kunst, KünstlerInnen und Kunstwerken gibt mir sehr viel Energie, sonst hätte ich mich nicht für diesen Posten beworben. Samstags aber ist mein lockerer Galerien-Besuchstag und der Central Park ist nicht weit weg zum Laufen“.

www.acfny.org

Christine Moser
1963 in Wien geboren, ein Sohn (15)
Studierte u. a. Internationale Beziehungen und Architekturgeschichte am Smith College in Massachusetts/USA Berufserfahrung als Diplomatin in Brüssel, Genf
2003-6 stellvertretende Botschafterin in Paris
2008-13 Botschafterin der Ständigen Vertretung Österreichs bei der OSZE
Seit 2013 Direktorin des Austrian Cultural Forum New York

Austrian Cultural Forum (ACF)
Das ACF in New York ist das Flaggschiff der offiziellen Kulturvertretungen Österreichs und Teil des Netzwerkes der Kulturforen des österreichischen Außenministeriums.

Das Austrian Cultural Forum New York wurde 1942 von österreichischen EmigrantInnen als Austrian Institute zur Aufrechterhaltung österreichischer Kultur in New York gegründet. 1963 wurde es an seiner heutigen Adresse 11 East 52nd Street im zentralen Stadtteil Manhattan als offizielle Kulturvertretung der österreichischen Bundesregierung eröffnet. Seit 2002 verfügt die in Kulturforum umbenannte Institution über ein neues Gebäude. Es dient seit seiner Gründung als Ort des kulturellen Austausches zwischen Österreichern und Amerikanern und stellt zeitgenössische österreichischen Künstlern im US-amerikanischen Raum vor.

Der Vorgängerbau am gleichen Standort stand in den 1980er Jahren zur Generalsanierung an. Das Außenministerium entschied sich aber für einen Neubau. 1992 wurde ein Architektenwettbewerb durchgeführt: eine internationale Jury bewertete den Entwurf von Raimund Abraham als die beste von 226 Einreichungen.

Das 2002 fertiggestellte Gebäude ist in einer nur 7,5 Meter breiten Baulücke in Manhattan situiert. Nicht verwunderlich daher, dass das Gebäude mit über 24 Stockwerken und einer Gesamthöhe von 84 Metern eine architektonische Besonderheit darstellt. Die Fassade des Gebäudes, die sich in mehreren Abstufungen nach oben schräg um letztendlich mehrere Meter zurückzieht, besteht aus Glas, Zink und Aluminium. Das Bauwerk gilt als eines der interessantesten Architekturprojekte der jüngsten New Yorker Geschichte. Es verfügt über Ausstellungsräume, ein Theater, eine Biblio- und Audiothek, Büros, Seminar- und Empfangsräume sowie Wohnungen für die Leitung der Institution.

 

 

 

 

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