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Walter Polz – Zurück zu den Wurzeln

Walter Polz (Foto Johannes Kernmayer)Walter Polz gehört zu den südsteirischen Winzern, die trotz großen Erfolgs bodenständig geblieben sind. Er hat seine Wurzeln nie vergessen und wird sich in Zukunft noch mehr auf seine „Wein-Wurzeln“ besinnen.

Nach seinem Besuch der Salzburger Festspiele, einer Weinreise, einem Geburtstagsfest in der Wiener Society und vielen anderen „Auftritten“ treffe ich Walter wieder einmal in der Südsteiermark. Bei einem guten Glaserl Brut Rosé erzählt er mir sehr offen von den Veränderungen der letzten Zeit.

Walter Polz und Hedi Grager beim Brut Rosé Fest im Szene-Café Elefant in Leibnitz (Foto Josef Krassnig)
Walter Polz und Hedi Grager beim Brut Rosé Fest im Szene-Café Elefant in Leibnitz (Foto Josef Krassnig)

Pössnitzberg Neu
„Wie Du ja mitbekommen hast, haben wir das Konzept unseres Pössnitzbergs umgestellt. Das war insofern schwierig, als wir anfangs ein Konzept hatten und daran glaubten“, erzählt mir Walter in seiner offenen sympathischen Art. „Irgendwann merkten wir aber, dass unsere Prioritäten nicht mehr wirklich sichtbar waren, dass nicht die Hotellerie und die Sterneküche das Wichtigste war. Wir erkannten, dass wir zu unserem Ursprung zurück müssen – und das ist unserer Wein. Unser Wein ist das Wichtigste für uns, vom Weinbau kommen wir und da kennen wir uns aus“. Er erklärt mir weiter, dass er eigentlich nie Hotelier oder Gastwirt werden wollte. „Aber manchmal verliert man in der tagtäglichen Arbeit den Faden und denkt nicht mehr an die Kernkompetenz.“

"Der Pössnitzberg wurde für Gäste gebaut, die Wein genießen wollen", erklärt Walter Polz.
„Der Pössnitzberg wurde für Gäste gebaut, die Wein genießen wollen“, erklärt Walter Polz.

Etwas nachdenklich erklärt Walter weiter: „Der Pössnitzberg wurde für Gäste gebaut, die Wein genießen wollen – und uns war damals schon bewusst, dass Wein trinken und Auto fahren nicht zusammen passen. Unsere Grundidee war absolut richtig und wir haben vorausschauend gedacht – nur nicht perfekt umgesetzt.“

Walter Polz mit seinem weißen Schäferhund Jet in seinem Weingarten (Foto Johannes Kernmayer)
Walter Polz mit seinem weißen Schäferhund Jet in seinem Weingarten (Foto Johannes Kernmayer)

Nach der Umstellung 2013 sind sie heute am richtigen Weg, freut sich Walter. „Unsere Gäste sind sehr zufrieden, sie können hier essen und schlafen, aber in erster Linie kommen sie wieder wegen des Weines“, ist er stolz. Er ist sich bewusst, dass Vieles ein Lernprozess ist, dass es schön ist, wenn Ideen und Visionen aufgehen, aber dass man auch nie aufhören darf, neue Dinge zu versuchen. Und dass „zuviele Köche den Brei verderben können“. Walter hat auch gemerkt, dass es für den Konsumenten wichtig ist, eine Philosophie zu spüren, in welche Richtung es gehen soll. „Und seit wir am Pössnitzberg wieder über Wein und Sekt reden, funktionieren auch wieder das Hotel und das Gasthaus. Eigentlich logisch“, schmunzelt er, „aber hinterher ist es immer leichter zu sagen.“

Beim "Kreuzwirt" wird bodenständige, vitale und nährstoffreiche Küche ohne Schnörkel, einfach gut zubereitet, mit hochwertigen Produkten aus heimischer ökologischer Landwirtschaft geboten (Foto G. Ott).
Beim „Kreuzwirt“ wird bodenständige, vitale und nährstoffreiche Küche ohne Schnörkel, einfach gut zubereitet, mit hochwertigen Produkten aus heimischer ökologischer Landwirtschaft geboten (Foto G. Ott).

Es ist spürbar, wie stolz Walter ist, dass es jetzt so gut läuft. „Wenn alles rund und harmonisch läuft, sind alle zufriedener, und auch mir geht es besser. Das hat aber viel Zeit und Kraft gekostet“, verrät er. Auch die Harmonie zwischen den Mitarbeitern ist ihm sehr wichtig – denn auch das spüren die Gäste. So holt er alle seine Mitarbeiter in Führungspositionen einmal im Monat zusammen. „Es ist einfach wichtig, dass wir eine Sprache reden“.

Walter Polz in seinem Sektkeller am Pössnitzberg.
Walter Polz in seinem Sektkeller am Pössnitzberg.

Unerschöpfliche Kraft
Ich spreche Walter darauf an, dass er sehr präsent ist, ob es die Salzburger Festspiele waren oder „Wein-Auftritte“ in der Wiener Society, und ich das Gefühl habe, dass es immer mehr wird. Walter lacht. „Ja, aber es fallen auch Dinge weg. Ich selektiere mehr.“ Mit einem leichten Schmunzeln gesteht er: „Meine Frau sagt immer, Du kannst nicht nein sagen. Und sie hat ja recht“. Er erzählt: „Ich bin beispielsweise am Mittwoch um 11 Uhr abends von Salzburg nach Hause gefahren, musste Donnerstag um 10 Uhr nach Schärding, von dort heute um 5.30 Uhr nach Hause gekommen und jetzt bin ich da. Es macht mir aber Freude.“ Als ich ihn darauf anspreche, dass der Körper zwischendurch Ruhe braucht, schüttelt er nur den Kopf. Ich nenne ihn daraufhin einen Angeber und wir lachen. „Meine Schwester sagte einmal zu mir, „ich bewundere euch Weinbauern, wie ihr das alles durchdrückt. Aber ihr esst immer gut und trinkt auch nur gute Qualität. Das hilft sicher“. Er lacht wieder fröhlich.

Die Brüder Erich und Walter Polz schufen auf Gut Pössnitzberg bei Leutschach rund um den stimmungsvollen, historischen Sektkeller ein einzigartiges „Sekterlebnis“ (Foto G.Ott).
Die Brüder Erich und Walter Polz schufen auf Gut Pössnitzberg bei Leutschach rund um den stimmungsvollen, historischen Sektkeller ein einzigartiges „Sekterlebnis“ (Foto G.Ott).

Unterwegs ist er vor allem in den etwas ruhigeren Zeiten. „Jetzt im Sommer sind alle Mitarbeiter auf Urlaub, die Weingärten stehen super da. Da muss ich am Weinberg nicht so präsent sein und kann mehr präsentieren. Im September oder Oktober, zur Zeit der Weinernte, bin ich kaum bei Veranstaltungen, und auch nicht im März bei der Verkostung des Jungweines.“ Walter verlässt sich mittlerweile schon sehr auf Christoph: Der Sohn von Erich Polz ist als Winemaker bereits sehr erfolgreich im Familienunternehmen.

Walter nimmt fast nur mehr Einladungen an, wenn es um den Wein und nicht nur um ein Foto geht. „Ich fühle mich nicht prominent, brauche das auch nicht“, meint er. Ich lache und sage ihm, dass er das ja schon ist. Schmunzelnd meint er darauf, dass er, wenn überhaupt, nur mit seinem Wein prominent sein möchte.

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Genussregal Südsteiermark und Vinofaktur
Auch das Genussregal und die Vinofaktur in Ehrenhausen haben sich gut entwickelt. „Ja, weil der Wein das Wichtigste ist, denn dafür haben wir das Genussregal gebaut, als Lager für den Wein“.

Auch hier ist ihm der Bezug seiner Mitarbeiter zum Wein und zum Weingut wichtig. „Ich will nicht, dass sie hier nur arbeiten, ich will, dass sie stolz darauf sind, dass sie mit uns arbeiten. Sie sollen unsere Philosophie leben, sollen aber auch Freiheit zum Selbstentscheiden haben“. Freiheit ist oft eine Gratwanderung, werfe ich ein und Walter nickt. „Indem wir unser Weingut stärken, stärken wir die ganze Region.“ Das ist Walter sehr wichtig. „Mein Bruder Erich hat einmal gesagt, was hätten wir davon, wenn jeder einen Porsche fährt. So haben wir investiert und haben Arbeit, die uns noch lange nicht ausgeht und Spaß macht.“ Er lacht wieder und ich tröste ihn, dass es beim Porsche eh so beschwerlich ist mit dem Einsteigen.

Screenshot_Genussregal Polz

„Das ist mein Leben“
Walter ist ein Gefühlsmensch. „Ich fahr so gerne unsere Weingärten ab, wie zum Beispiel die Theresienhöhe. Ich fahr auch gerne beim Hotel vorbei und sag guten Morgen. Ich schau immer, dass beim Brunnen das Wasser läuft, das ist mir ganz wichtig. Bin beim Füllen der Flaschen dabei, schau, dass die Etiketten grad sitzen – und fahr in die Manufaktur – das ist mein Leben.“

Walter Polz und sein Sohn Lukas beim Amadeus Weekend in Salzburg. Dieses wird von Eva O’Neill, der Schwiegermutter von Prinzessin Madeleine, im Rahmen der Salzburger Festspiele organisiert. Damals kam Lukas erstmals mit der schwedischen Prinzessin ins Gespräch und erklärte ihr den Charakter der südsteirischen Weine (Foto Paul Schirnhofer).
Walter Polz und sein Sohn Lukas beim Amadeus Weekend in Salzburg. Dieses wird von Eva O’Neill, der Schwiegermutter von Prinzessin Madeleine, im Rahmen der Salzburger Festspiele organisiert. Damals kam Lukas erstmals mit der schwedischen Prinzessin ins Gespräch und erklärte ihr den Charakter der südsteirischen Weine (Foto Paul Schirnhofer).

Ihm gegenübersitzend habe ich das Gefühl, dass er in sich ruht, dass ihn so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann. „Ich glaube, dass es gefährlich wäre, den Stress  aufzunehmen und hektisch zu werden. Ich sag auch nie, dass ich im Stress bin. Das will ich mir gar nicht einreden,“ erklärt er mir, „ich probier’s zumindest.“

Und wie sieht es mit dem heurigen Wein aus, frage ich Walter. „Es sieht super aus, wie im Vorjahr auch. Es lässt sich erahnen, dass es ein besonderes Jahr wird“, freut er sich.

Renate und Walter Polz: Ein Paar, das sich privat und beruflich wunderbar ergänzt und versteht (Foto Josef Krassnig)
Renate und Walter Polz: Ein Paar, das sich privat und beruflich wunderbar ergänzt und versteht (Foto Josef Krassnig)

Wichtig ist ihm aber auch, seinen Sekt zu promoten. Dazu gehört die Sektverkostung seiner Frau Renate, zu der viele Prominente immer gerne kommen. Und Walter verrät mir sein Ziel: von jetzt 25 000 Flaschen möchte er auf 50 000 Flaschen kommen. „Ich kümmere mich ja nur nebenbei um den Sekt, möchte aber, dass sich 1 oder 2 Mitarbeiter nur mehr damit beschäftigen. Aber bis es soweit ist, ist es noch viel Arbeit“, schmunzelt Walter mit seinem sympathischen Lächeln und genießt einen Schluck Brut Rosé.

www.polz-co.at
www.genussregal.at

 

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