Barbara Muhr – Tennis ist ihr Leben

image„Ein Leben ohne Tennis kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Mag.ª Barbara Muhr, die Präsidentin des Steirischen Tennisverbandes. Eines ihrer Ziele: das Landesleistungszentrum in Leibnitz soll endgültig zur besten Kaderschmiede des steirischen Tennis werden.

Mag. Barbara Muhr musste nicht lange überlegen, als das Angebot zur Präsidentin des Tennisvereines kam: „Mein Bauch hat sofort ja gesagt, weil es eine unglaubliche Ehre ist, so einen Verband führen zu dürfen" (Foto beigestellt)
Mag. Barbara Muhr musste nicht lange überlegen, als das Angebot zur Präsidentin des Tennisvereines kam: „Mein Bauch hat sofort ja gesagt, weil es eine unglaubliche Ehre ist, so einen Verband führen zu dürfen“ (Foto beigestellt)

Die Juristin Barbara Muhr, die mit dem Ö3 Verkehrs-Award 2015 in der Kategorie Öffentlicher Verkehr ausgezeichnet wurde, ist 1966 in Graz geboren und kann auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Seit 2010 ist sie als erste Frau im Vorstand der Holding Graz für die Bereiche Energie und öffentliche Mobilität verantwortlich. Und als leidenschaftliche Tennisspielerin ist sie neben ehrenamtlichen Tätigkeiten seit 2013 auch Präsidentin des Steirischen Tennisverbandes.

Ich erlebte Barbara Muhr bei der diesjährigen Generalversammlung, die in der Leibnitzer Tennishalle stattfand. Souverän und humorvoll berichtete die Präsidentin über Erfolge und Neuerungen. Tennis liegt wieder sehr im Trend und Österreich zählt weiterhin zu den besten Tennis-Nationen weltweit. Der Steirische Tennisverband mit rund 25.000 Mitgliedern, 230 Vereinen und 8.000 Meisterschaftsspielern in 1.100 Mannschaften ist der drittgrößte Fachverband der Steiermark. Zu seinen Top-Talenten zählen Jasmin Buchta, Lukas Seidler und Elena Karner.

Barbara Muhr: Landesliga A Ladies, GAK Tennis 35+ (Foto GEPA pictures/ Christian Walgram)
Barbara Muhr: Landesliga A Ladies, GAK Tennis 35+ (Foto GEPA pictures/ Christian Walgram)

Frau Muhr, Sie sagten einmal, das Landesleistungszentrum liege im Dornröschenschlaf, ist das noch immer so? „Das war so, als ich vor zwei Jahren den Tennisverband übernahm, weil man eben mehr Augenmerk auf den Breiten- und Seniorensport gelegt hat. Dieser ist ganz wichtig, aber man muss auf die Balance schauen, denn ohne Kinder und Nachwuchs gedeiht und wächst nichts. Deshalb haben mein Team und ich im ersten Jahr das Hauptaugenmerk verstärkt auf das Landesleistungszentrum gelegt. Wir sind eines der wenigen Zentren in der Steiermark, haben eine wunderbare Trainingsstätte mit einer hervorragenden Infrastruktur und bekommen auch Förderungen vom Land Steiermark – das muss man entsprechend schätzen“, erläuterte Barbara Muhr.

HOLDING GRAZ Vorstand und Präsidentin des Steirischen Tennisverbandes: Mag.a Barbara Muhr (Foto beigestellt)
HOLDING GRAZ Vorstand und Präsidentin des Steirischen Tennisverbandes: Mag.a Barbara Muhr (Foto beigestellt)

Ich sprach sie darauf an, dass der Tennisverband den Breiten- und Leistungssport u.a. auch für Senioren und Behinderte fördert. „Wir haben bei 250 Mitgliedsvereinen und 25 000 Mitgliedern viele Zielgruppen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Wünschen. Es ist unsere Aufgabe im Vorstand zu versuchen, möglichst allen Bedürfnissen gerecht zu werden, was – wie Sie wissen – eine Kunst ist, die niemand kann“, schmunzelte die sympathische Präsidentin. „Ich glaube aber, dass der Schwerpunkt bei den Kindern und bei der Jugend liegen muss. Wir brauchen wieder mehr Kinder und Jugendliche am Tennisplatz, denn nur aus einer guten Breite entsteht die berühmte Spitze“, kam es mit Überzeugung. Für diesen Zweck hat der Tennisverband seit 2014 sogar einen eigenen, hauptberuflichen ‚Kids-Koordinator‘ installiert.

Galanacht des Sports 2015: Gerhard Krawagna, Evelyn Fauth and Barbara Muhr (Foto GEPA pictures/Hans Oberlaender)
Galanacht des Sports 2015: Gerhard Krawagna, Evelyn Fauth and Barbara Muhr (Foto GEPA pictures/Hans Oberlaender)

Sehr erfreut war Barbara Muhr auch über den Sponsorvertrag mit Raiffeisen. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Raiffeisen und die Projekte, die damit ermöglicht werden“, erklärte sie, und dass gemeinsam mit Raiffeisen eine Jugend Turnier-Serie sowie Aktionen in den regionalen Leistungszentren geplant sind. „Unser Ziel ist es, das eine oder andere Talent wieder bis zur Weltklasse eines Thomas Muster oder einer Barbara Schett zu begleiten.“

Sie standen doch als Jugendliche selbst vor einer großen Tenniskarriere, als Sie wegen einer Tennisverletzung w.o. geben mussten? „Da haben Sie Recht“, so sagt man in unserer Sprache“, schmunzelte sie. „Ich war selbst im Leistungstennis aktiv und habe damals als einzige Steirerin gemeinsam mit Thomas Muster, mit dem ich in meiner Jugend sehr viel Zeit verbracht habe, die Einberufung in den ÖTV Leistungskader in die Südstadt bekommen. Ich war 14 Jahre alt und das war natürlich eine besondere Ehre. Die Koffer waren schon gepackt und alles organisiert, als ich eine schlimme Verletzung meiner rechten Schulter erlitt, Kapsel- und Bänderriss, und ich wusste, dass ich mein Ziel, Profitennis zu spielen, nie erreichen werde“. Auf meine Frage, wie man das als Jugendliche verkraftet meinte Barbara Muhr: „Nach der ersten Operation hat mein Arzt gesagt: Du musst Tennis abschreiben. Das war schon ein sehr einschneidendes und prägendes Erlebnis in meinem Leben, auch wenn im Nachhinein sicher alles seinen Sinn gehabt hat“.

Galanacht des Sports 2015: Barbara Muhr, Herwig Straka und Head Coach of the Year Evelyn Fauth (GEPA pictures/Hans Oberlaender)
Galanacht des Sports 2015: Barbara Muhr, Herwig Straka und Head Coach of the Year Evelyn Fauth (GEPA pictures/Hans Oberlaender)

Aber als „so ein Tennisnarr“, wie sie sich selbst bezeichnet, gab sie nicht auf. „Ich habe auf links umgelernt, spielte 3 Jahre links Tennis, und habe noch weitere Operationen über mich ergehen lassen. Ich habe auch die spannende Medizinentwicklung mitgemacht, zuerst zwei Nägel, später Drahtschleife und dann Plastikgelenk – war sozusagen ein Versuchsobjekt für die Ärzte. Ich habe aber trotzdem immer Tennis gespielt, egal ob links oder rechts“. Heute spielt sie über Kopf alles links, schlägt links auf, smasht links, spielt aber die Grundschläge rechts und ist nach wie vor begeistert dabei. „Ein Leben ohne Tennis kann ich mir nicht vorstellen“.

Mussten Sie eigentlich lange überlegen, als sie das Angebot zur Präsidentin des Tennisvereines bekamen? „Mein Bauch hat sofort ja gesagt, weil es eine unglaubliche Ehre ist, so einen Verband führen zu dürfen, und weil ich viel von dem, was ich im Tennis gelernt und erreicht habe, zurückgeben wollte“, lächelte Barbara Muhr wieder. „Aber da ich einen sehr spannenden und zeitintensiven hauptamtlichen Job habe und seit vielen Jahren ehrenamtlich Hospizbotschafterin bin, habe ich es mir schon überlegt, ob das zusätzlich möglich ist. Letztendlich war es aber eine so positive Stimmung und viele Menschen haben mich dazu motiviert“. Die Entscheidung erleichterte ihr damals auch, dass auch ihre Partnerin begeistert Tennis spielt.Mannschaft

Barbara Muhr ist sich aber bewusst, dass man nur mit einem guten Team Großes erreichen kann. „Ich habe mein Team neu aufgestellt und bin sehr stolz darauf. Es ist so wichtig, ein Team um sich zu haben, wo Vertrauen herrscht, wo kurze Wege möglich sind und das Entscheidungen treffen kann“, erklärte die Präsidentin, „denn wir haben viel Verantwortung, insbesondere für die Kinder, die einem anvertraut sind. In Wahrheit ist der Tennisverband wie ein kleines Unternehmen zu führen“.

Das heißt, Sie sind grundsätzlich mit der Entwicklung zufrieden? „Absolut“, kam es bestimmt, „wir haben vom Vorpräsidenten einen gut aufgestellten, finanziell gesicherten Verband übernommen, und das ist ein schönes Gefühl, so ein Haus übernehmen zu können. Jeder Präsident agiert anders, setzt andere Schwerpunkte. Ich habe von Beginn an verstärkt darauf geschaut, das Leistungszentrum in Leibnitz wieder zu beleben und einen Schwerpunkt auf einen Kinder und Jugendliche zu legen“.

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Ich nehme an, dass Sie sich auch Ihre Kraft aus dem Tennis holen, meinte ich leicht schmunzelnd und bekam lächelnd zu hören: „Absolut. Es gibt viele Themen und Menschen, die Energie abziehen, aber Tennis ist ein absoluter Energiegeber“. Barbara Muhr, die sich mit drei Worten als konsequent, zielstrebig und menschenliebend bezeichnet und einige Sprachen  spricht, reist auch sehr gerne. „Ich habe ein Lebensmotto und einen Leitspruch: einmal im Monat das Meer sehen. Und das versuche ich mit aller Konsequenz und schaffe es. Ich fahre schon mal für einen Tag nach Triest, sitze da, schaue aufs Meer und lade mich dabei voll auf“.

Abschließend wollte ich noch wissen, wie jemand, der gerne Verantwortung übernimmt, mit der damit verbundenen Kritik umgeht. „Ich selbst würde mich als „Feedbackjunkie“ bezeichnen, ich ‚lechze‘ nach Feedback. Ich schätze positive wie auch negative Kritik, solange sie konstruktiv ist. Meine persönliche Grenze liegt aber dort, wo Kritik nicht mehr konstruktiv ist: dann schiebe ich sie problemlos einfach weg“.

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Heuer feierte der Steirische Tennisverband sein 70-jähriges Jubiläum.  Vertreter aus Politik, Sport und Wirtschaft waren beim großen Tennisfest im Landes-LZ in Leibnitz dabei. Tennisikone Thomas Muster und STTV-Schirmherrin Barbara Schett gratulierten per Videobotschaft. Einer der Höhepunkte des Abends war vor allem für den steirischen Tennisnachwuchs das Showtraining mit Stargast und Davis-Cup-Kapitän Stefan Koube – und eine Mixed-Exhibition mit Koubek und der steirischen Nummer eins Lisa-Maria Moser.

www.sttv.at

Steirischer Tennisverband (STTV)
1945 Gründung des Steirischen Tennisverbandes
Zehn Jahre nach Gründung des Verbandes gehören ihm bereits 20 Vereine mit 603 Mitgliedern und 57 Plätzen an.
1959 spielen vier steirische Klubs (GAK, GTC, ASV und GPC) in der Herrenstaatsliga.
2010 übersiedelt der Verband ins neu errichtete Landesleistungszentrum nach Leibnitz mit 5 Freiplätzen und 4 Hallenplätzen.
Aktuell besteht der Verband aus 225 Vereinen mit 25.000 Mitgliedern und rund 8.000 Meisterschaftsspielern in 1.100 Mannschaften.

Highlights und Thomas Muster
1984 avanciert Thomas Muster nach einer erfolgreichen Südamerikatournee zur Nr. 1 der Jugendweltrangliste und gewinnt in Hartberg seinen ersten ÖTV-Herreneinzel- und Doppeltitel.
1985 ist er erstmals unter den ersten Hundert der Weltrangliste, 1990 steigt er in die Top-Ten auf, krönt seine Karriere mit dem Paris-Sieg 1995 und der Nr. 1 Position 1996.

http://www.tennissteiermark.at/.70JahrFeier__Oktoberfest.1003,1227,,2.html

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