Gouverneur Arnold Schwarzenegger_

Dr. Rudolf Thaler – Wirtschaftsdelegierter in L.A.

Dr. Rudolf Thaler mit Oscar-Preisträger Christoph Waltz (Foto beigestellt)Österreichs  Wirtschaftsdelegierter in Los Angeles, Dr. Rudolf Thaler, ist in Tirol geboren und aufgewachsen. Nach kurzer Tätigkeit auf der Universität Innsbruck wechselte er zur Wirtschaftskammer. „Und dann bekommt man eine Briefmarke drauf und wird herumgeschickt“, schmunzelt der ungemein sympathische Wirtschaftsdelegierte und Konsul für Handelsangelegenheiten in Los Angeles.

Dr. Rudolf Thaler - Österreichs Wirtschaftsdelegierte und Konsul für Handelsangelegenheiten in Los Angeles (Foto beigestellt)
Dr. Rudolf Thaler – Österreichs Wirtschaftsdelegierte und Konsul für Handelsangelegenheiten in Los Angeles (Foto beigestellt)

Ich treffe ihn in seinem Büro am Wilshire Boulevard und wir gehen zum Mittagessen ins Tavern – wo übrigens auch US-Präsident Obama schon speiste.

Rudolf Thaler erzählt mir beim gemütlichen Essen über seine Arbeit und sein Leben in Los Angeles (Foto Reinhard Sudy)
Rudolf Thaler erzählt mir beim gemütlichen Essen über seine Arbeit und sein Leben in Los Angeles (Foto Reinhard Sudy)

Beim Essen erzählt er mir, dass er zuvor schon in Stockholm, Abu Dhabi und Warschau war. Er eröffnete dann das Büro der Wirtschaftskammer in Kiew und über Warschau und Wien ging es nach Los Angeles – das auch auf seiner Präferenzliste gestanden hatte. „Einen besonderen Reiz hat das riesige Einzugsgebiet hier und wir betreuen wirklich spannende Branchen wie IT, Kommunikation, Aerospace, Landwirtschaft, Renewals, neue Technologien, Forschung und Entwicklung US-weit.“

Rudolf Thaler am Red Carpet der Golden Globes (Foto beigestellt)
Rudolf Thaler am Red Carpet der Golden Globes (Foto beigestellt)

Rudolf Thaler findet es reizvoll, dass die USA ständig an der vordersten Front dabei sind. Wenn beispielsweise neue Technologien, Drohnen oder selbstfahrende Autos entwickelt werden, ist es spannend herauszufinden, welche Auswirkungen diese für Unternehmen in Österreich haben. Denn die Zukunft des Autos verlagert sich mehr und mehr in den IT-Bereich. War es früher undenkbar, neueste Prototypen auf einer Nicht-Automobilmesse auszustellen, hat Mercedes auf der CES, der weltgrößten Technologie-Show, sein erstes selbständig fahrendes Auto präsentiert“, erklärt er mir. „In Zukunft schick ich Dir eine Drohne, um etwas abzuholen oder etwas zu bringen“, schmunzelt er.

Rudolf Thaler mit CEO Stefan Ponsold des steierischen Startup SunnyBAG auf der CES (Foto beigestellt)
Rudolf Thaler mit CEO Stefan Ponsold des steierischen Startup SunnyBAG auf der CES (Foto beigestellt)

Auch 3-D-Printing sieht Rudolf Thaler als ein interessantes Zukunftsthema. „Das wird viele Branchen revolutionieren. In China verkaufen sich z.B. Barbiepuppen sehr gut. In einem Container haben heute etwa 14.000 Puppen Platz – es wären aber auch 200.000 möglich, wenn man sie als Polymerschaum verschickt. Konsumentenwünsche wie Größe oder Farbe könnten erfüllt und die Produktionszeit drastisch verkürzt werden.“ Heute werden ja schon Raketenteile, diverse Ersatzteile, Kleider, Gelenke oder Masken der Hollywood Filmindustrie durch 3-D-Printer ausgedruckt.

Wirtschaftsdelegierter Rudolf Thaler beim charmanten small talk am Red Carpet bei den Golden Globes (Foto beigestellt)
Wirtschaftsdelegierter Rudolf Thaler beim charmanten small talk am Red Carpet bei den Golden Globes (Foto beigestellt)

WirtschaftsOskar
Ich komme auf den WirtschaftsOskar im Rahmen der Oscar-Verleihungen zu sprechen. „Wir gehen ins 7. Oskar-Jahr“, erklärt Rudolf Thaler. „Der WirtschaftsOskar hat sich fast angeboten, wenn man schon in L.A. ist. Wir nominieren Firmen in unterschiedlichen Kategorien, und die Verleihung läuft immer parallel zu den Oscars. Wenn wir dazu noch einen österreichischen Film-Oscar erhalten, ist das großartig – und wenn nicht, haben wir zumindest einen WirtschaftsOskar.“ Wir lachen. „Wir verleihen gleichsam Medienaufmerksamkeit, holen wirtschaftliche Unternehmen, die vielfach außerhalb der Branche niemand kennt, auf den roten Teppich und ins Rampenlicht. Die Gewinner des WirtschaftsOskar 2015 waren übrigens Doka, FACC, Getzner, opvizor, Siemens Österreich und TTTech. Auch Red Bull hat mit dem Stratos Sprung von Baumgartner einen WirtschaftsOskar gewonnen. „Das war spektakulär, mit einer unglaublichen Medienaufmerksamkeit. Red Bull hat sich als Getränkeanbieter auch zu einem der innovativsten Unternehmen im Entertainmentbereich entwickelt.“

In der Googlegarage mit autonom fahrendem Auto ohne Lenkrad (Foto beigestellt)
In der Googlegarage mit autonom fahrendem Auto ohne Lenkrad (Foto beigestellt)

Ich frage ihn mit einem Schmunzeln, ob Austria immer noch mit Australia verwechselt wird? „Ich würde sagen, seit Schwarzenegger Gouverneur war, ist Österreich mehr auf die Landkarte gerückt.“

Größe der USA wird unterschätzt
Rudolf Thaler erklärt, dass österreichische Firmen oft die Größe der USA unterschätzen. „Die USA sind ein Riesenmarkt. Man kann nicht einfach sagen, ich mach jetzt ein Büro auf oder ich exportiere jetzt. Wir empfehlen österreichischen Firmen immer, einen Testmarkt herauszufinden und um den Testmarkt herum in konzentrischen Kreisen weiterzugehen.“

Rudolf Thaler mit Atomic CEO Wolfgang Mayrhofer auf Nordamerika's größter Wintersportmesse SIA 2016 in Denver, CO (Foto beigestellt)
Rudolf Thaler mit Atomic CEO Wolfgang Mayrhofer auf Nordamerika’s größter Wintersportmesse SIA 2016 in Denver, CO (Foto beigestellt)

Als Beispiel nennt er die steirische Firma S.O.L.I.D. „Sie haben zwei Anlagen in Arizona hingestellt, jeweils weltgrößte Anlagen, haben sich nach intensiven Marktrecherchen und Fördermöglichkeiten für Kalifornien entschieden und dafür ein maßgeschneidertes Konzept entwickelt. Man muss sofort einen Vorteil, den Mehrwert erkennen können, wieviel ich mir ersparen kann. Das muss sich auch auf der Website wiederspiegeln. Es ist das Land des Marketing“, ergänzt Rudolf Thaler noch mit einem Schmunzeln.
Er erklärt  weiter: „Wir sind der Coach und versuchen, den Firmen die ersten Schritte zu erleichtern, wie sie in den Markt eintreten und das unbedingt notwendige Netzwerk an Beratern aufbauen können.“

Rudolf Thaler trifft Heidi Klum am Red Carpet der Golden Globes (Foto beigestellt)
Rudolf Thaler trifft Heidi Klum am Red Carpet der Golden Globes (Foto beigestellt)

Projekt „Go Silicon Valley“
Eine tolle Möglichkeit für österreichische Start ups ist das Projekt „Go Silicon Valley“. Diese haben hier drei Monate die Möglichkeit, kostenlos das Netzwerk eines Business Accelerator zu nutzen, werden mit Venture Capital Firmen vernetzt und haben die Möglichkeit, sich mit hunderten Start ups derselben Branche auszutauschen. In einem offenen Gesprächsklima erhalten sie Tipps und Feedback, was in Europa schon aus Konkurrenzdenken heraus nie der Fall wäre. Hier heißt es Networking, Networking, Networking – speziell im Silicon Valley. Aber egal wo du bist, bei Starbucks oder im Fitnesscenter, es gibt immer Anknüpfungspunkte. Von Vorteil ist, dass österreichische Start ups dort lernen zu pitchen, sich zu präsentieren.“ Ganz wichtig ist aber, dass Entscheidungsträger der Firmen an diesem Projekt teilnehmen, denn wenn sich eine Chance ergibt, muss blitzschnell gehandelt werden können.

Rudolf Thaler im NASA-JPL Kontrollzentrum in Pasadena, Kalifornien, wo sämtliche Mars-Missionen überwacht werden (Foto beigestellt)
Rudolf Thaler im NASA-JPL Kontrollzentrum in Pasadena, Kalifornien, wo sämtliche Mars-Missionen überwacht werden (Foto beigestellt)

Aber nicht jeder kommt so einfach in dieses Projekt. Firmen werden im Vorfeld in Österreich gecheckt, müssen sich qualifizieren. Dazu kommt eine Jury von Silicon Valley nach Wien.  „Vernetzen tun die Partner, nicht wir. Aber auch der, der abgelehnt wird, bekommt Feedback und hat somit auch einen Gewinn.“

Rudolf Thaler privat
Rudolf Thaler verrät, dass er zum begeisterten Kinogänger wurde. „Ich sehe mir viele Filme an. Bei ‚long distance Flügen‘ gibt es fast nichts, was ich nicht schon kenne. Ich möchte einfach informiert sein. Das steigert sich natürlich noch, wenn es Richtung Oscars geht.“

Privat geht Rudolf Thaler begeistert ins Kino, wie er verrät (Foto Reinhard Sudy)
Privat geht Rudolf Thaler begeistert ins Kino, wie er verrät (Foto Reinhard Sudy)

Anfang des Jahres hatte Rudolf Thaler Gelegenheit, auf Einladung von Hollywood Foreign Press Association Mitglied Barbara Gasser bei der Verleihung der Golden Globes dabei zu sein. Ein einzigartiges Erlebnis mitten im Kreis der Hollywood-Familie zu sein und auf den Spuren früherer Gewinner wie Billy Wilder, Arnold Schwarzenegger, Christoph Waltz und Michael Haneke zu wandeln.

Auf meine Frage, ob es ihm Spaß macht, in L.A. zu sein, bekomme ich zu hören: „Es gibt nur zwei Varianten: you love it or you hate it. Ich liebe es. An den Verkehr habe ich mich gewöhnt. L.A. ist eine so interessante Stadt, man findet Stadtteile, die an ein kleines Dorf erinnern wie z.B. Brentwood und Palisades. Wenn ich Lust habe, kann ich am gleichen Tag surfen oder Ski fahren. Und man fühlt sich in L.A. niemals allein, das finde ich toll“.

Rudolf Thaler ist auch ein leidenschaftlicher Autofahrer und kann dabei wunderbar abschalten (Foto Reinhard Sudy)
Rudolf Thaler ist auch ein leidenschaftlicher Autofahrer und kann dabei wunderbar abschalten (Foto Reinhard Sudy)

Rudolf Thaler ist verheiratet, sein Sohn ist 22 Jahre alt und studiert in den USA. Er kam in Innsbruck auf die Welt, ist in Kiew aufgewachsen und bekam durch die Auslands-Jobs seines Vaters die englische, russische, ukrainische und polnische Sprache einfach in die Wiege gelegt.

Rudolf Thaler verrät mir, dass er ein leidenschaftlicher Autofahrer ist und Road Trips liebt. „Ich schalte dabei irrsinnig gut ab und habe die besten Ideen, wenn ich einfach nur herumfahre. Schon während der Studienzeit hatte ich daher immer ein Diktafon dabei“, lacht er. Er fotografiert auch sehr gerne, momentan Graffiti. „Man kann dabei wunderbar auf den Spuren von Banden gehen. Ich finde es interessant, mich einzulesen und etwas über deren Background zu erfahren.

Zukunft
Rudolf Thaler‘s Turnus in L.A. läuft bald aus. Was wird dann kommen? „Mein Wunsch ist es, wieder ins Ausland zu gehen. Es wird mein letzter Turnus sein, ich habe die  Methusalemgrenze erreicht“, kokettiert er lachend.

www.wko.at

Meine Jahre in Warschau und Kiew
„Ich war zweimal in Warschau, einmal 3 und dann 7 Jahre lang. Zwischendurch war ich zu einer Zeit in der Ukraine, als sie in Aufbruchstimmung war.“ Er kommt ins Nachdenken und erzählt: „In Kiew war ein Café, da gab es nur einen Löffel zum Umrühren, der an der Kasse mit einer Kette angehängt war. Ich war damals einer der Jüngsten, die ins Ausland gingen und es war eine tolle Herausforderung, das Büro in Kiew zu eröffnen und etwas von Beginn an aufzubauen.“ Er erinnert sich, wie er an einem kalten Wintertag im Jänner mit einer Reiseschreibmaschine ins zugige Büro kam. Er erzählt, dass er sich damals von Wien aus einen BMW Diesel bestellt hatte, obwohl ihm jeder davon mit dem Argument abriet, dass es in ganz Kiew nur zwei Tankstellen mit Diesel gäbe. „Die vielen Benzintankstellen, die es gab, waren aber auch immer zu“, schmunzelt er. „Dafür waren tausende ‚fliegende Tankstellen‘ in der gesamten Ukraine unterwegs. Wenn ich Diesel brauchte, habe ich einen LKW angehalten und sagte ‚auftanken bitte‘. Er hat fürstlich bezahlt bekommen, ich war wieder fit und konnte so im ganzen Land unterwegs sein.“ 

Er erzählt weiter, dass andere versuchten zu fliegen, ihre Termine aber nie wahrnehmen konnten, da die Maschinen meist am Boden standen. Sie waren wegen technischer Probleme ausgefallen. „Ich aber fuhr mit meinem Auto durchs Land. Da in der Ukraine einfach der persönliche Kontakt gezählt hat, bin ich von Anfang an im Sinne von Networking herumgefahren und hatte rasch ein gutes Netzwerk mit Menschen in wichtigen Positionen. Zur Weihnachtszeit bin ich tausende Kilometer gefahren, nur um guten Tag zu sagen, ein Flascherl Wein zu überreichen und zu plaudern. Die Menschen wussten genau, ich komme nicht, weil ich etwas brauche, sondern ihretwegen.“ Ich spüre seine Begeisterung und seine Liebe zu dieser Tätigkeit und gebe ihm das Versprechen, wohin er auch geht, ich werde ihn wieder besuchen kommen.

 

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