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Dieter und Jakob Pochlatko – ein gutes Produzententeam

Hedi Grager im Gespräch mit Dieter und Jakob Pochlatko - epo film (Foto Reinhard Sudy)Dieter Pochlatko ist ein erfolgreicher österreichischer Filmproduzent und Unternehmer. Seine Karriere begann als Kameramann, seit 1969 ist er Teilhaber und seit 1978 Geschäftsführer der österreichischen Filmproduktionsgesellschaft epo-Film. 2012 trat sein Sohn Jakob in das Unternehmen ein und gemeinsam sind sie ein großartiges Team.

Dieter Pochlatko ist ein erfolgreicher österreichischer Filmproduzent und Unternehmer. Seine Karriere begann als Kameramann, seit 1969 ist
Die Karriere von Dieter Pochlatko begann als Kameramann, seit vielen Jahren ist er ein erfolgreicher österreichischer Filmproduzent und Unternehmer (Foto Getty Images)

Wir treffen uns bei einem Pressetermin zur ORF-Stadtkomödie „Die Notlüge“ mit Regisseurin Marie Kreutzer und ich nutze die Gelegenheit für ein Interview mit Vater und Sohn. Für Jakob, der Jus studierte und in einer Anwaltskanzlei arbeitete, bevor er 2012 als Junior Producer in die epo-Film einstieg, war das Filmleben immer ‚normal‘, gehörte es doch bei den Pochlatkos zum normalen Tischgespräch. „Filmthemen begleiten einen über die Bürozeiten hinaus und waren bei uns auch zu Hause immer ein Gesprächsthema“, erklärt der 32-Jährige, der seit 2016 Geschäftsführer der epo-film ist.

Pressetermin zur ORF-Stadtkomödie „Die Notlüge“: Jakob Pochlatko, Schauspieler Josef Hader und Pia Hierzegger, LR Dr. Christian Buchmann, Regisseurin Marie Kreutzer und Dieter Pochlatko (Foto Reinhard Sudy)
Pressetermin zur ORF-Stadtkomödie „Die Notlüge“: Jakob Pochlatko, Schauspieler Josef Hader und Pia Hierzegger, LR Dr. Christian Buchmann, Regisseurin Marie Kreutzer und Dieter Pochlatko (Foto Reinhard Sudy)

Humorvoll erzählt Jakob, dass er sich nach der Matura überlegte, dass es ganz gut wäre, vor dem Einstieg in die epo-film ‚etwas Gescheites‘ zu machen. Klugerweise spezialisierte er sich schon während seines Jus-Studiums auf das Thema ‚Geistiges Eigentum‘ und schrieb in seiner Abschlussarbeit über das Thema Filmurheberrecht. Parallel dazu arbeitete er bereits in einer Wiener Anwaltskanzlei und überlegte sich kurz, den Anwaltsberuf zu wählen. „Ich hab dann aber gemerkt, wofür mein Herz wirklich schlägt: nämlich den Film. Ich habe meine juristische Laufbahn abgebrochen und bin in die Firma eingetreten. Und seit heuer bin ich mit meinem Vater gemeinsamer Geschäftsführer.“ Sein Vater, der neben ihm sitzt, schmunzelt stolz, als Jakob hinzufügt, dass er rückblickend jetzt schon sagen kann, dass es die richtige Entscheidung war.

Jakob Pochlatko beim Toronto Film Festival 2015 (Foto Maarten de Boer/Getty Images)
Jakob Pochlatko beim Toronto Film Festival 2015 (Foto Maarten de Boer/Getty Images)

Vater und Sohn
Man spürt, dass sich Vater und Sohn sehr gut verstehen und sich perfekt ergänzen. „Auch altersmäßig. Er ist die Zukunft und ich bin das Auslaufmodell“, lacht Dieter Pochlatko. Jakob ergänzt: „Ich hab in kurzer Zeit wahnsinnig viel gelernt, da ich immer gleich nachfragen konnte und ich mir so all meine Erfahrungen viel schneller aneignen konnte. Ich glaube, dass es für uns beide eine interessante Entwicklung war, weil ich natürlich teils andere Ansichten habe als mein Vater.“

Dieter und Jakob Pochlatko mit Landesrat Dr. Christian Buchmann (Foto Reinhard Sudy)
Dieter und Jakob Pochlatko mit Landesrat Dr. Christian Buchmann (Foto Reinhard Sudy)

Sein Vater Dieter Pochlatko bestätigt und meint, dass sie sich im Großen schon sehr einig sind. Wichtig ist einfach der Umgang mit Menschen, mit den Künstlern und dazu braucht es primär menschliche Qualitäten. Stichwort Zirkusdirektor“, schmunzeln Vater und Sohn. Die beiden führen weiter aus: „Menschliche Qualitäten sind ganz wichtig, um eine Brückenfunktion zu bilden zwischen den kaufmännischen Agenden und dem künstlerischen Wollen. Es ist ein Spagat, und der muss gelingen.“

Auswahl- und Entscheidungsprozess
Ich stelle es mir nicht einfach vor, die richtigen Filme auszuwählen, was mir Jakob bestätigt. „Gutes Stichwort“, meint er, „ denn die Auswahl der Filme, welche wir anpacken wollen, überlegen wir uns schon sehr gut. Da diskutieren wir ganz pragmatisch, nach welchen Gesichtspunkten es Sinn macht und welcher möglicherweise vom Publikum gerne gesehen wird – und dann natürlich, ob man ihn finanzieren kann.“ Unterschiedliche Standpunkte dabei werden von Vater und Sohn ausdiskutiert und letztendlich ist man sich immer einig.

Haben Dieter und Jakob Pochlatko unterschiedliche Standpunkte, werden diese ausdiskutiert und letztendlich sind sie sich immer einig (Foto Reinhard Sudy)
Haben Dieter und Jakob Pochlatko unterschiedliche Standpunkte, werden diese ausdiskutiert und letztendlich sind sie sich immer einig (Foto Reinhard Sudy)

Entscheidungen, welche Filme man produzieren will, müssen drei Jahre im Voraus getroffen werden. „Denn so lange braucht man dann für die Entwicklung und Realisierung“, erklärt Dieter Pochlatko. „Man muss ein Gefühl entwickeln für die Themen, die dann funktionieren.“ Seiner Meinung nach ist man mit historischen Vorlagen immer up to date, gut funktionieren auch Bestseller. „Unser größtes Kapital sind Stoffe, die wir optionieren und dann selber entwickeln.“ Die Rechte an großen und erfolgversprechenden Romanen zu erwerben, das ist eine seiner wichtigsten Aufgaben im Moment, fügt er noch hinzu.

Zu Jakob kommen vor allem sehr viele junge Filmemacher mit ihren Ideen. „Sie können mit mir auf Augenhöhe reden, weil halt der Altersunterschied viel kleiner ist und dadurch auch die Hemmschwelle, offen über ihre Filmideen zu reden.“

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epo-film
Ihr Unternehmen ist unglaublich vielseitig und bedient alle Sparten wie Doku, etwa Universum und Universum History, Fernseh- und Kinofilm. „Da sind wir überall stark drinnen“, bestätigt Dieter Pochlatko, der auf viele Auszeichnungen und Preise zurückblicken kann. Auf meine Frage, wie viel in einem Jahr möglich sei, erfahre ich von ihm: 3 Fernsehspiele – 90-minütige Hauptabendprogramme, und maximal 2 Kinofilme, dann ist man erschöpft, das ist die Obergrenze.“ Jakob setzt hinzu: „Und dann noch die Dokumentarfilme. Wir produzieren heuer parallel drei Universum-Beiträge dazu, zweimal Wildlife und einmal Universum History. Das ist enorm und schon eine große Belastung, da man immer parat stehen muss. Eine Herausforderung ist auch, dass man zwischen den einzelnen Produktionen schnell umschalten und die jeweiligen Themen im Kopf immer parat haben muss.“

Die epo-Filmproduktions-Gesellschaft von Jakob und Dieter Pochlatko produziert sehr erfolgreich Dokus - etwa Universum und Universum History - sowie Fernseh- und Kinofilme (Foto Reinhard Sudy)
Die epo-Filmproduktions-Gesellschaft von Jakob und Dieter Pochlatko produziert sehr erfolgreich Dokus – etwa Universum und Universum History – sowie Fernseh- und Kinofilme (Foto Reinhard Sudy)

Und wie regeneriert man sich? Dieter Pochlatko lacht: „Am Weißensee – mit immer eingestecktem Telefon.“

Für Jakob ist es wichtig, seinen Mitarbeitern mit gutem Beispiel voranzugehen. „Wenn ich etwas von ihnen verlange, muss ich das auch selbst so leben. Andererseits hat man als Selbständiger den Luxus zu sagen, am Wochenende zwar erreichbar aber nicht im Büro zu sein.“ Ehrlich gesteht er aber, dass er es gar nicht anders haben möchte. „Ich will immer wissen, was passiert und über alles informiert sein.“ Also eher unrund, wenn das Telefon nicht klingelt, frage ich ihn. Lachend gibt er das zu. Erholung ist für ihn eine Lebenseinstellung. Wenn er zwischendurch mal zwei Stunden Tennis spielt, ist das für ihn auch Erholung.

„Es ist mehr als Beruf, es ist Berufung und Leidenschaft zugleich“, fügt sein Vater hinzu. „Jedes Projekt bedeutet neue Menschen und neue Themen, das ist spannend.“

Präsentation der 4 Landkrimis, u.a. "Drachenjungfrau" im ORF Zentrum: Hedi Grager, Jakob Pochlatko, Stefanie Reinsperger, Patricia Aulitzky, Dieter Pochlatko und Manuel Rubey (Foto Reinhard Sudy)
Präsentation der 4 Landkrimis, u.a. „Drachenjungfrau“ im ORF Zentrum: Hedi Grager, Jakob Pochlatko, Stefanie Reinsperger, Patricia Aulitzky, Dieter Pochlatko und Manuel Rubey (Foto Reinhard Sudy)

Zugpferd
Haben sich die Pochlatkos für eine Verfilmung entschieden, wird Ausschau nach Zugpferden gehalten. Unter den Regisseuren sind sie dafür bekannt, dass sie dem Nachwuchs viel zutrauen und ihm gerne schwierige Aufgaben geben. So haben sie auch schon das eine oder andere Talent entdeckt, wie „beim letzten Landkrimi in Salzburg, wo die Grazerin Catalina Molina erstmals Regie führte. Eine sensationelle Entdeckung“, schwärmt Jakob Pochlatko, und weiter: „Die Zusammenarbeit ist dann so beglückend und man ist bestrebt, sie weiter auszubauen.“

Natürlich sind schon viele schöne Freundschaften dabei entstanden. So ist Dieter Pochlatko  mit Tobias Moretti sehr befreundet, mit dem ihn auch die Leidenschaft zum Motorradfahren verbindet.

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Dieter und Jakob Pochlatko privat
Jakob hilft der Sport, den Kopf frei zu kriegen. „Unter der Woche laufe ich morgens eine Stunde, bevor ich ins Büro gehe“, erzählt er, „das ist für mich die ideale Vorbereitung auf den Tag. Dafür stehe ich sogar früher auf“. Er fährt auch gerne Ski, Mountainbike und geht gerne auf Parties. Er genießt es, dass „Kino ein Teil des Berufes ist, bei dem viel gereist wird. „Sehr wichtig ist mir, den Kontakt zum Freundeskreis nicht zu verlieren, gemeinsame Wochenenden, Kurztrips, Hochzeiten – da bin ich sehr aktiv.“

Dieter Pochlatko war 1966 war Staatsmeister im Motorrad-Enduro-Sport und frönt noch immer seiner Motorradleidenschaft. „Ich fahre einfach gerne und sehr aktiv, auch Skifahren und Tennis stehen bei ihm am Programm. Und im Garten Rasen mähen – das ist mein wichtigstes Hobby, da erhole ich mich.“ Seine Augen beginnen zu funkeln, wenn er von seiner 1300 BMW KRT spricht. Mit diesem Motorrad zu reisen ist eine Philosophie – immer mit dabei ist seine Frau Brigitte.

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Aktuelle Projekte
Heuer gibt es noch den Polt-Krimi ‚Wir töten Stella‘ mit Regisseur Julian Pölsler, eine Haushofer Romanverfilmung und Vorläufer von ‚Die Wand‘.

Jakob treibt das Projekt „Sie nannten ihn Spencer“ voran, eine Kinodoku über Bud Spencer, die schon über 6 Jahre in Entwicklung ist. „Ein Regisseur hat auf eigene Faust sehr lange versucht, das Projekt zu machen, ist aber immer an der Finanzierung gescheitert. Vor zwei Jahren kam er und präsentierte es mir und ich habe in der Sekunde ja gesagt“, verrät Jakob. Im Frühling 2017 wird die Doku ins Kino kommen.

Dieter Pochlatko fügt noch hinzu, dass nächstes Jahr die Verfilmung des Bestsellers von Robert Seethaler „Der Trafikant“ mit Bruno Ganz und Johannes Krisch in den Hauptrollen kommen wird. „Ein sehr großes und wichtiges Vorhaben. Fernsehmäßig planen wir wieder eine Stadtkomödie und einen Landkrimi, das sind ebenfalls tolle Projekte. Ach ja, und ein Universum History über die Südsteiermark werden wir produzieren, die steirisch-slowenische Grenze. Das machen wir mit dem Gernot Lercher als Regisseur, eine weitere tolle Arbeit.“

Auf meine Worte ‚Wie ich sehe, wird es Euch nicht langweilig‘ lachen beide und dann geht es auch schon zurück zur wartenden Presse ans Set.

Großes Beitragsbild: Hedi Grager mit Dieter und Jakob Pochlatko (Foto Reinhard Sudy)

www.epo-film.com

Dieter Pochlatko
Geboren: 6. Juni 1943, Graz
Ehepartnerin: Brigitte
Kinder: Florian, Jakob und Stefan
Geschwister: Peter (Filmproduzent) †, Werner Pochath (Schauspieler), Klaus (Handelskaufmann)
Eltern: Irmgard und Erich Pochlatko (gründete 1954 das Filmunternehmen)

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