Sigrid Spörk in neuen Rollen

Schauspielerin, Sängerin und Comedienne Sigrid Spörk (Foto Reinhard Sudy)Die Grazer Schauspielerin, Sängerin und Comedienne Sigrid Spörk ist eine unglaublich vielseitige und sehr sympathische Künstlerin. Sie ist mit dem Singer/Songwriter und Autor Christoph Reicho alias CALiM verheiratet. Trotz ihrer Erfolge ist sie herrlich bodenständig geblieben.

Die steirische Schauspielerin und Comedienne Sigrid Spörk gab heuer mit "Unter Umständen" ihr Kabarett-Debüt und wurde Mutter des entzückenden Theo (Foto Reinhard Sudy)
Die steirische Schauspielerin und Comedienne Sigrid Spörk gab heuer mit „Unter Umständen“ ihr Kabarett-Debüt und wurde Mutter des entzückenden Theo (Foto Reinhard Sudy)

Bei einem gemütlichen Mittagessen im OHO im Grazer Joanneumsviertel erzählt sie mir von ihrem spannenden Jahr 2016, das berufliche und private Veränderungen mit sich brachte – und über ihren Traum von einem eigenen Lokal in Italien.

Beruflich tourt Sigrid heuer erstmals als Solistin durch Österreich und Deutschland. Die größte und schönste Neuigkeit ist aber die Geburt ihres Sohnes. „Gerade haben mein Mann und ich darüber gesprochen, dass es nur mehr wenige Wochen bis zum Jahresende sind und uns wurde bewusst, wieviel heuer bei uns beiden passiert ist,“ lacht die 35-Jährige. „Ich hatte beruflich den Mut zu sagen ‚no risk no fun‘ und machte mein Soloprogramm, und von Christoph erschien im Februar sein erster Roman und jetzt sein viertes Album – wir haben also zwei berufliche Babys und ein ‚echtes‘, Theo.“

Die Künstlerin Sigrid Spörk und Hedi Grager im schönen Innenhof des Restaurants OHO im Grazer Joanneumsviertel (Foto Reinhard Sudy)
Die Künstlerin Sigrid Spörk und Hedi Grager im schönen Innenhof des Restaurants OHO im Grazer Joanneumsviertel (Foto Reinhard Sudy)

Schmunzelnd verrät sie weiter, dass sie noch nie vor einer Premiere so tiefenentspannt war. „Obwohl man hätte annehmen müssen, dass es anders wäre. Wir Künstler tun ja gerne unsere Kunst über alles stellen, sind der Meinung, dass es ein Weltuntergang ist, wenn eine Premiere nicht so gut läuft. Ich sehe unsere Arbeit aber eher wie ein Handwerker – auch denen passiert mal ein Missgeschick. Man muss es nicht immer so ernst nehmen. Aber ein Kind zu bekommen hat mir nochmals so richtig bewusst gemacht, worum es im Leben geht. Ich liebe meinen Job, ich liebe es, Menschen zum Lachen, zum Nachdenken, zum Grübeln zu bringen und auf der Bühne zu stehen. Insofern hat es mir wahnsinnig Spaß gemacht, erstmals mit einem Solo auf der Bühne zu stehen.“

Mit Ehemann Christoph Reicho alias CALiM bei der Präsentation des Pink Ribbon Kalender 2017 in Hartberg, zu der Designerin und Projektinitiatorin Eva Poleschinski lud (Foto Hedi Grager)
Mit Ehemann Christoph Reicho alias CALiM bei der Präsentation des Pink Ribbon Kalender 2017 in Hartberg, zu der Designerin und Projektinitiatorin Eva Poleschinski lud (Foto Hedi Grager)

Scheitern dürfen
Sigrid wirkt wie ein sehr junges Mädchen – und doch hat sie schon 13 Jahre Schauspielerfahrung. „Auch wenn man schon einiges kann und vieles gelernt hat, muss man beim Kabarett einfach spielen und vieles ausprobieren. Eine Szene, die beispielsweise in Oberösterreich nicht ankommt, kann in Wien gut funktionieren. Bei jüngerem Publikum wiederum kann ich in meiner Spielweise mutiger sein. Ich habe auch die Möglichkeit, aktuelle Themen einzubauen und finde das wahnsinnig spannend. Das Kabarett gibt einem die Möglichkeit, jeden Abend scheitern zu dürfen. Die Menschen lieben das, sie lieben Schwächen.“

Sigrid geht sehr offen mit allen Themen um, Tabuthemen gibt es kaum für sie. „Es gibt Bereiche in meinem Privatleben, die sind tabu, und es gibt Bereiche, die ich überzeichnet auf  der Bühne bringe, sehr authentisch und ehrlich.“

Aufgrund ihrer Erfahrungen mit ihrem Baby hat sie natürlich neue Themen in ihr Soloprogramm eingebracht, wie das Stillthema, das immer wieder zu Diskussionen führt und worüber sie in ihrem Programm Klartext spricht. „Weißt Du, ich liebe mein Kind, es ist mein größtes Wunder, aber ich kann trotzdem auch zynisch und sarkastisch über das Thema Schwangerschaft und Kinderkriegen reden. Das war mein Ziel und da finde ich es auch gut, wenn sich Menschen daran stoßen,“ kommt es sehr selbstbewusst.

foto-felicitas-maternDie Geburt von Theo
„Eine Geburt ist elementar, danach gibt es, glaube ich, wenige Dinge, vor denen Du Angst haben wirst. Mein Mann war bei der Geburt dabei, er war mein Held,“ verrät sie stolz. „Ich sagte ihm, dass er jederzeit rausgehen kann, aber er ist über sich hinausgewachsen und das hat uns noch einen Schritt näher und weiter gebracht.“

Die letzten vier Monate haben alles in ihrem Leben verändert. „Ich bin plötzlich nicht mehr selbstbestimmt und es wäre wirklich gelogen zu sagen, dass sich das Leben nicht ändern würde. Plötzlich ist da ein Lebewesen, um das man sich 24 Stunden kümmern muss, und dem es egal ist, dass man gerne 8 Stunden Schlaf gehabt hätte,“ schmunzelt Sigrid, die trotz Schlafmangel voller Energie ist. „Es ist spannend zu beobachten, wie aus dem hilflosen Wesen langsam ein starker Mensch mit eigenem Charakter wird.“

Sigrid Spörk mit ihrem Sohn Theo und seinem 'Beschützer' Adriano (Foto privat)
Sigrid Spörk mit ihrem Sohn Theo und seinem ‚Beschützer‘ Adriano (Foto privat)

Sigrid gehört auch nicht zu den Müttern, die plötzlich nur mehr im Schlafanzug zu Hause herumlaufen. „Ich habe keine Nanny, aber kleines Makeup, etwas Rouge und die Haare raufgesteckt – das ist mir sehr wichtig, um mich wohlzufühlen,“ erklärt die begeisterte Mutter. Der kleine Theo darf ihr dabei zusehen.

„Wenn auch in der ersten Zeit nach einer Geburt die Partnerschaft an zweiter Stelle steht, haben wir es geschafft, auch mal gemeinsam essen oder auf eine Veranstaltung zu gehen, erklärt mir die junge Mutter. „Ich sage immer, was soll ich besser können als meine Mama oder meine Schwägerin?“

Ein weiteres Familienmitglied im Hause Spörk ist Labrador Adriano.  Für Theo ist er ein richtiger Beschützer. „Es ist schon passiert, dass Adriano ihm die Fusserl abgeschleckt hat, aber die beiden machen das super,“ lacht Sigrid. „Aber natürlich lass‘ ich die beiden nicht alleine im Raum.“

Die Schauspielerin Sigrid Spörk kann sich gut vorstellen, in einer Serie zu spielen. Voraussetzung: eine Charakterrolle. Ansonsten liebt sie „House of Cards“ und dänische Serien (Foto Leo Bauer)
Die Schauspielerin Sigrid Spörk kann sich gut vorstellen, in einer Serie zu spielen. Voraussetzung: eine Charakterrolle. Ansonsten liebt sie „House of Cards“ und dänische Serien (Foto Leo Bauer)

Parlare italiano
Die Künstlerin drehte bereits öfters Filme in Italien und hat in Rom eine Agentur. „Ich schau natürlich nicht italienisch aus, werde eher als Schwedin bezeichnet, der Klassiker halt.“ Humorvoll erzählt sie von der etwas anderen Arbeitsweise der Italiener. „Die rufen an und fragen, ob Du in drei Tagen in Palermo drehen kannst“, lacht sie, „oder sind fassungslos, wenn ich sie zwei Tage vor einem Engagement frage, wann ich drehe und anreisen soll.“

Sigrid Spörk, die perfekt italienisch spricht, hat auch eine Agentur in Rom (Foto Leo Bauer)
Sigrid Spörk, die perfekt italienisch spricht, hat auch eine Agentur in Rom (Foto Leo Bauer)

Perfekt italienisch spricht Sigrid, weil „meine Eltern die schönen Berufe eines Lehrers und einer Kindergärtnerin hatten und im Sommer immer 9 Wochen mit mir unterwegs waren. Zuerst in Griechenland und später in Italien. Seit 26 Jahren fahren sie nun schon an den schönen Lago di Bolsena, ca. 90 km nördlich von Rom und 20 Minuten von Orvieto entfernt. „Wir haben inzwischen einen großen Freundeskreis dort und einen alten Wohnwagen, der sich nicht mehr fortbewegt“, kommt es lustig von ihren Lippen. „Ich habe immer gesagt, dass ich dort einmal heiraten werde und als ich dann meinen lieben Mann kennenlernte, stellte sich heraus, dass er ganz in der Nähe sein erstes Album aufgenommen hat und sich bei seinem ersten Besuch in Orvieto und Bolsena sofort in diese Orte verliebt hatte. Er ist gleich italophil wie ich. Wir lieben dieses Land und irgendwann werden wir alt und grau dort. Ein Lokal wäre halt schön mit ‚a bisserl Musik‘, mit Sommertheater und Künstlern“, kommt sie ins Träumen. „Mein Mann hat grad die Idee, dass er sich gerne ein Wohnmobil kaufen und das ganze Jahr rumfahren würde. Wäre irgendwie schon schön – mit Theo als modernem Hippie“. Wir lachen.

Sigrid Spörk ist eine unglaublich vielseitige Künstlerin. Hier bei einem ihrer Auftritte als Sängerin  (Foto privat)
Sigrid Spörk ist eine unglaublich vielseitige Künstlerin. Hier bei einem ihrer Auftritte als Sängerin (Foto privat)

Ich bin ein Löwe, kann auch brüllen
Blond, zierlich und dazu noch sehr jung wirkend, passiert es ihr immer wieder, unterschätzt zu werden. „Hab die Leute immer überrascht, wenn sie mit mir sprachen, denn ich bin sehr authentisch und man sagt mir Bodenhaftung nach.“ Sie ist sich bewusst, wie grotesk es sich anhört, wenn sie sagt, dass sie sich darauf freut, älter zu werden, Falten zu bekommen, weg vom Kindlichen zu kommen. „Am liebsten würde ich einen Regisseur treffen, der mich richtig schräg besetzt.“

„Ich bin ein Löwe, kann brüllen und bin auch nicht leise“, erklärt  Sigrid selbstbewusst und bezeichnet sich selbst als zielorientiert und manchmal sehr gern neugierig darauf, was das Leben für sie bereithält. „Ich habe sehr viel Vertrauen ins Universum, dass es zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Aufgaben für mich hat. Ich versuche seit einiger Zeit, voll und ganz im Hier und Jetzt zu sein, nicht mit meiner Vergangenheit zu hadern und nicht ängstlich oder hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Auch da hilft mein Kind.“

Die Künstlerin Sigrid Spörk erklärt: „Ich habe sehr viel Vertrauen ins Universum, dass es zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Aufgaben für mich hat (Foto feel Image/Felicitas Matern)
Die Künstlerin Sigrid Spörk erklärt: „Ich habe sehr viel Vertrauen ins Universum, dass es zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Aufgaben für mich hat (Foto feel Image/Felicitas Matern)

Sigrid nach Schönheits-Op’s zu fragen, ist definitiv bei diesem Aussehen noch zu früh. „Sicher nicht. Das einzige, das ich mir vorstellen könnte, wären die Augen zu machen, wenn auch das Sehen beeinträchtigt wird.“ Size 0 hat nach ihrer Meinung nichts im Schauspiel zu suchen. „Wir sollen doch unterschiedliche Frauen widergeben und Geschichten erzählen.“ Mit Nackt- oder Liebeszenen hat sie überhaupt kein Problem, wenn sie einer Geschichte dienen. „Auf den Zuschauer soll es so authentisch wirken, dass Bekannte meinen Mann anrufen und fragen, ob er nicht eifersüchtig sei.“

Um fit zu sein, macht sie mit einem Trainer Cross fit - "ich bin aber kein Sportjunkie (Foto feel image/Felicitas Matern)
Um fit zu sein, macht sie Cross fit mit einem Trainer – „ich bin aber kein Sportjunkie“, schmunzelt Sigrid Spörk (Foto feel image/Felicitas Matern)

Bühne als Lebenstraum
Sigrid wusste schon als kleines Kind: Ich will auf die Bühne. „Zuerst wollte ich Wirtin werden, dann singende Wirtin und dann Sängerin. Von meiner Lehrerin wurde ich früh gefördert, lernte Flöte, Klavier und Gitarre. Ich war nicht so das Rampensaukind, glaub‘ ich, aber es hat mir Spaß gemacht. Aufgeregt bin ich heute noch, wenn ich auf die Bühne gehe.“

Beruf und Privat trennt die Künstlerin gerne. Eine ihrer langjährigsten Freundinnen ist die Schauspielerin Barbara Kaudelka. „Es kann bei Babs und mir aber passieren, dass wir ein Monat lang überhaupt nicht darüber reden, was wir beruflich machen“, lacht sie wieder. Über Rollen tauscht sie sich gerne mit ihrem Mann und ihren Eltern aus. „Ich bin jemand, die gerne die Meinung und Ideen anderer hört und diese dann auch im Job einfließen lässt“, erklärt sie.

„Ich bin jemand, die gerne die Meinung und Ideen anderer hört und diese dann auch im Job einfließen lässt“, erklärt Sigrid Spörk (Foto feel image/Felicitas Matern) 
„Ich bin jemand, die gerne die Meinung und Ideen anderer hört und diese dann auch im Job einfließen lässt“, erklärt Sigrid Spörk (Foto feel image/Felicitas Matern)

Sigrid ist schon mit den schlimmsten Zuständen auf der Bühne gestanden: mit 40 Grad Fieber, mit Lungenentzündung, mit Kehlkopfentzündung, mit gebrochenen Armen – „verrückt eigentlich“, meint sie nachdenklich. „Ich habe schon früh mit Bildern gearbeitet, wie ich Schmerz in mir bezwingen kann.“ So auch mit Hilfe der Selbsthypnose. „So krank würde ich jetzt nicht mehr arbeiten, aber mit 22 Jahren macht man das halt.“

Eine besondere Beziehung
Die Beziehung zu ihrem Mann findet sie als etwas ganz Besonderes. „Wenn es so etwas wie Liebe auf den ersten Blick gibt – und ich bin keine Romantikerin – war es das. Ich habe Blicke in meinem Rücken gespürt, habe mich umgedreht, es war mein Mann.“ Sie erzählt, dass sie von Beginn an mit sehr viel Ehrlichkeit und Offenheit an ihre Beziehung herangingen. Zwei Jahre später wurde geheiratet. „Wir begegnen uns mit großem Respekt und wissen, dass Beziehung und Ehe mit Arbeit verbunden sind. Ich schätze an meinem Mann seine respektvolle Art mir gegenüber, dass er der Partner ist, der mich in allen Belangen unterstützt, mich bedingungslos liebt, ohne dass ich das Gefühl habe, gefangen zu sein. Wir geben uns den Freiraum, den wir brauchen.“

Sigrid Spörk trägt bei ihren Auftritten am 'Roten Teppich' sehr gerne Stücke der steirischen Designerin Eva Poleschinski (Foto privat)
Sigrid Spörk trägt bei ihren Auftritten am ‚Roten Teppich‘ sehr gerne Stücke der steirischen Designerin Eva Poleschinski (Foto privat)

Aktuelle Programme
Mit ihrem Soloprogramm „Unter Umständen“ ist Sigrid heuer noch einige Male zu sehen, u.a. am 17. November in Frauental/ Deutschlandsberg. Um die Weihnachtszeit tourt sie dann mit Serge Falck und der lustigen Weihnachtsgeschichte „Heuer schenken wir uns nichts“ durchs Land – am 11. Dezember macht sie mit diesem Programm Halt im Casino Graz.

Bald tourt sie auch wieder mit Serge Falck und der lustigen Weihnachtsgeschichte „Heuer schenken wir uns nichts“ durchs Land – am 11. Dezember ist sie damit im Casino Graz (Foto Martin Hesz)
Bald tourt sie auch wieder mit Serge Falck und der lustigen Weihnachtsgeschichte „Heuer schenken wir uns nichts“ durchs Land – am 11. Dezember ist sie damit im Casino Graz (Foto Martin Hesz)

Spannend wird auch das kommende Jahr mit einem neuen Theaterprojekt, einem Musikprogramm mit Thomas Mauerhofer und einige weitere, sehr spannende Kooperationen – über die sie noch schweigt.

www.sigridspoerk.at

 

 

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