Stardesigner Marcel Ostertag

NEW YORK Fashion Week: Marcel Ostertag präsentiert seine Spring/Summer-Kollektion 2017 (Photo by Rob Kim/Getty Images for IMG Fashion)Stardesigner Marcel Ostertag – Nach dem Elemente-Quartett „Lava“, „Desert“, „Rain“ und „Air“ kommt jetzt „Revolution“. Marcel war im November für einige Tage mit seinem Pop up Store in Wien und ich traf diesen kreativen und sympathischen Designer für ein Interview.

Hedi Grager mit dem erfolgreichen und unglaublich sympathischen Designer Marcel Ostertag während eines Aufenthaltes in Wien (Foto Reinhard Sudy)
Hedi Grager mit dem erfolgreichen und unglaublich sympathischen Designer Marcel Ostertag während eines Aufenthaltes in Wien (Foto Reinhard Sudy)

Natürlich möchte ich gleich mal von ihm hören, wie seine Show im Herbst auf der Fashion Week in New York war, nachdem er schon im Frühjahr Viele neugierig gemacht hatte. „Es war eine megaspannende Reise, noch viel spannender als im Februar,“ schwärmt Marcel. „Die Showräumlichkeiten platzten aus allen Nähten, es kamen viele Interessierte zur Show, die internationale Fach- und Modepresse kam, in der Elle und Vogue Russia, Elle Italy und Finnland, in der Maria Claire und Cosmopolitan Amerika wurde berichtet.

Designer Marcel Ostertag backstage vor seiner Show in New York at The Gallery, Skylight at Clarkson Square  (Photo by Rob Kim/Getty Images for IMG Fashion)
Designer Marcel Ostertag backstage vor seiner Show in New York at The Gallery, Skylight at Clarkson Square (Photo by Rob Kim/Getty Images for IMG Fashion)

Gleich nach der Show hatte ich ein Appointment mit Bloomingdales, Läden in Chicago, New York und Tokio interessieren sich für meine Kollektion.“ Begeisterung fand auch, dass Marcel im eigenen Land produziert – was schon selten geworden ist. „Weil es sich für uns so gut entwickelt, werden wir im Februar 2017 wieder bei der Fashion Week in New York dabei sein. Im Vorjahr hat ja DHL meine beiden Shows gesponsert, aber wir haben es wieder gestemmt. Es sind ja doch andere Kosten als in Berlin.“ Seiner Meinung nach ist der Modemarkt in New York noch nicht so übersättigt, der Hunger nach Mode ist noch groß und die Mode wird noch mehr gefeiert. „Ich habe auch drei ganz tolle Menschen kennengelernt, wie einen Investor, der in viele Brands investiert, eine celebrity stylistin und jemand vom American council of fashion.“ Und auf der Online-Luxusplattform style.com ist er jetzt ebenfalls dabei.

Show von Marcel Ostertag in New York at The Gallery at Skylight Clarkson Square (Photo by Lars Niki/Getty Images for IMG Fashion)
Show von Marcel Ostertag in New York at The Gallery at Skylight Clarkson Square (Photo by Lars Niki/Getty Images for IMG Fashion)

Pop up Stores & NYC
In Europa wird sich Marcel vor allem auf Pop up Stores konzentrieren. „Seit Anfang des Jahres machen wir regelmäßig Pop up Stores in Wien, München, Hamburg und Zürich – und haben so auch das Feedback vom ‚echten‘ Kunden. Auch in New York hatten wir in unserem Showroom nicht nur Einkäufer, sondern ‚normale‘ Kunden und Blogger, die meinten, dass die Kollektion sehr speziell sei, aber im täglichen Gebrauch tragbar ist.“ Marcel ist stolz darauf, dass er es geschafft hat, in New York aufzufallen – und das kann er auch sein.

Marcel Ostertag Show in New York: Ein Model mit einem DHL Exported outfit und Sabrina Asendorf backstage mit Marcel Ostertag(Photo by Rob Kim/Getty Images for IMG Fashion)
Marcel Ostertag Show in New York: Ein Model mit einem DHL Exported outfit und Sabrina Asendorf backstage mit Marcel Ostertag(Photo by Rob Kim/Getty Images for IMG Fashion)

Schuh- und Taschenkollektion
Auf der Fashion Week im Jänner 2017 in Berlin ist er natürlich wieder dabei. „Berlin auf alle Fälle, das ist für mich eine sehr wichtige Plattform, um die Kooperationen, die ich in Deutschland mache, zu präsentieren. Im Jänner bringe ich meine eigene Schuhkollektion mit Tamaris heraus,“ erzählt er begeistert. Mit einem großen Marketingkonzept wird mit seiner Kollektion gleich in 28 Ländern begonnen, „davon gehen im Dezember bereits 21 Länder online“, erklärt er. Aber Marcel hat noch viel mehr vor. „Ich werde auch eine eigene Taschenkollektion designen – und für solche Partnerschaften ist Berlin meine Visitenkarte.“

Über Revolution und Partnerschaften
Für Marcel ist es wichtig, immer wieder etwas Neues zu machen. „Veränderungen sind immer gut und im Modebereich immer positiv, es zeigt, dass man nicht stehen bleibt. Weißt Du, wir sind alle sparsam, aber die Menschen sehen doch sehr uniformiert aus, und das finde ich sehr schade. Deshalb heißt meine neue Kollektion auch „Revolution““, meint er lachend. „Es geht um meine eigene Moderevolution. Nicht tragen, was alle tragen, über den Tellerrand schauen, mehr aus sich machen. Dazu kommen noch ganz viele spannende Projekte“, verrät er mit einem Schmunzeln.

Spring/Summer-Kollektion von Marcel Ostertag (Foto Marcel Ostertag)
Spring/Summer-Kollektion von Marcel Ostertag (Foto Marcel Ostertag)

Kürzlich war Marcel bei einem Event seines Hauptpartners SEAT in London. „Dort lernte ich die Chefetage kennen – und es geht weiter“, freut er sich. „Das beweist, dass man durch Bodenständigkeit, die ich ja habe, und durch Fleiß vieles erreichen kann. Es imponiert diesen großen Firmen, dass wir als kleines aber effizientes Team alles selber wuppen. So baut man sich treue Partnerschaften auf, ohne die es in der Modewelt nicht funktionieren würde. Es ist ein Geben und Nehmen – ich liefere ihnen tolle Fashion für ihre Show und tollen Content, und dafür unterstützen sie uns wo es geht.“

Designer Marcel Ostertag backstage kurz vor seiner Show in New York at The Gallery, Skylight at Clarkson Square (Photo by Rob Kim/Getty Images for IMG Fashion)
Designer Marcel Ostertag backstage kurz vor seiner Show in New York at The Gallery, Skylight at Clarkson Square (Photo by Rob Kim/Getty Images for IMG Fashion)

Überhaupt legt Marcel großen Wert auf das Persönliche, das Menschliche. „Ja, das Menschliche ist mir ganz ganz wichtig, bei allen Partnerschaften und auch in meinem Team. Ich brauche diese familiäre Atmosphäre, weil ich nur so effizient und produktiv arbeiten kann.“ Die von ihm geliebte ‚familiäre‘ Atmosphäre fand er z.B. für das Shooting seiner letzten Kollektion, die der Starfotograf Kristian Schuller fotografierte, am Bauernhof seiner Mama.

Designer Marcel Ostertag mag eine ‚familiäre‘ Atmosphäre - so shootete er seine letzte Kollektion am Bauernhof seiner Mama (Photo by Lars Niki/Getty Images for IMG Fashion)
Designer Marcel Ostertag mag eine ‚familiäre‘ Atmosphäre – so shootete er seine letzte Kollektion am Bauernhof seiner Mama (Photo by Lars Niki/Getty Images for IMG Fashion)

„Komischerweise sehen wir uns jetzt fast öfter, seitdem ich von München nach Berlin gezogen bin. Wann immer ich nach München komme, fahre ich bei ihr am Bauernhof vorbei. Ich habe jetzt auch einen Führerschein und fahre selbst Auto“, verrät er schmunzelnd.

Marcel erzählt, dass er für seine Kooperation mit ZEWA vielfach belächelt wurde. „Aber 4,5 Millionen verkaufte Rollen, auf denen ich präsent war – das war eine wertvoll ausgewählte Kooperation für mich. Ich habe dieses Papier als weiße Leinwand gesehen und damit eine wahnsinnige Fläche erreicht.“ Marcel erzählt, dass er viele Zuschriften von Menschen bekam, die meinten, dass sie sich zwar seine Kollektion nicht leisten können, es aber toll finden, „dass sie mich jetzt trotzdem zu Hause haben. Voll süß“, meint er mit einem Lächeln.

Marcel Ostertag shootete seine letzte Kollektion am Bauernhof seiner Mama (Foto Marcel Ostertag)
Marcel Ostertag shootete seine letzte Kollektion am Bauernhof seiner Mama (Foto Marcel Ostertag)

Marcel ist überzeugt, dass man heute Kooperationen machen muss, die zu einem passen. Egal ob kommerziell oder nicht. „Deshalb bin ich wahrscheinlich eines der Labels, die noch am Markt sind, viele sind es nicht mehr. Ich will modisch das machen können, was ich will. Meine Kollektionen sind high Fashion und avantgardistisch angehaucht. Ich möchte aber trotzdem eine Marke und eine Firma sein, die Geld verdient. Ich mach auch sehr gerne TV Geschichten, stehe dabei gerne im Blickpunkt.“

Die Kollektionen des Designers Marcel Ostertag, hier im Gespräch mit Hedi Grager, sind high Fashion und avantgardistisch angehaucht (Foto Reinhard Sudy)
Die Kollektionen des Designers Marcel Ostertag, hier im Gespräch mit Hedi Grager, sind high Fashion und avantgardistisch angehaucht (Foto Reinhard Sudy)

Auf die Frage, ob Unabhängigkeit für ihn beruflich wie privat sehr wichtig ist, lacht er. „Sehr wichtig. Privat bin ich Single, also auch unabhängig. Meine einzige Verpflichtung ist mein Hund. Er ist ein ‚Scheidungskind‘ und immer 3 Wochen in München und 3 Wochen in Berlin,“ schmunzelt Marcel. „Ich finde, dass man frei bleiben muss. Wenn man zu eingekastelt ist, schnürt es einem die Luft zum Atmen ab und verhindert damit Kreativität.“

Shop the runway und eigene Stores
Angesprochen auf das Thema ‚Shop the runway‘ meint Marcel: „Tommy Hilfiger hat das z.B. gemacht. Es ist ein tolles Konzept, wenn man das nötige Geld hat, ich habe es nicht. Ich habe mir aber schon vor einigen Saisonen überlegt, so drei Keypieces zu verkaufen. Die ganze Kollektion ist für mich nicht möglich.“

Shooting seiner Spring/Summer-Kollektion am Bauernhof von Marcels Mutter (Foto Marcel Ostertag)
Shooting seiner Spring/Summer-Kollektion am Bauernhof von Marcels Mutter (Foto Marcel Ostertag)

Zum Thema eigene Stores erklärt er mir: „Schon lange ein Plan. Es ist ein langsamer Prozess, da wir alles autark stemmen und nur eigene Läden aufmachen wollen. Aber jetzt möchte ich, dass es erst mal mit New York international zum Laufen kommt. Interessant wären eigene Läden in Berlin, München, Hamburg, Wien, Paris, London und Zürich. Klein und fein, 50 – 100 m2 in sehr guter Lage.“

Backstage in New York: Die Modelle werden vorbereitet für die große Show at The Gallery at Skylight Clarkson Square (Photo by Rob Kim/Getty Images for IMG Fashion)
Backstage in New York: Die Modelle werden vorbereitet für die große Show at The Gallery at Skylight Clarkson Square (Photo by Rob Kim/Getty Images for IMG Fashion)

Für das neue Jahr konzentriert er sich erstmal auf seine erste Show im Jänner in Berlin, die zweite mit der gesamten Kollektion wird dann in New York gezeigt, und zur Orderzeit ist Marcel dann im eigenen Showroom in Paris. Über eine eigene Fashion Show in Paris meint er sehr ehrlich und bodenständig: „Nein, dafür sind wir zu klein.“ Ich würde vielleicht sagen ‚noch zu klein‘.

Großes Beitragsfoto: Shooting am Bauernhof von Marcel Ostertags Mama (Foto Marcel Ostertag)

www.marcelostertag.com

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