Platzhirsch_Zürich_Foto Sudy

Sigi Gübeli – charmante Chefin im PLATZHIRSCH  

Platzhirsch Hotel & Bar in Zürich (Foto Platzhirsch)Schauplatz Zürich, im historischen Stadtteil Niederdorf: Hier entdecke ich beim Bummeln in der Adventzeit des Vorjahres eine sehr einladende Lounge Bar, die sich als das „Platzhirsch Hotel & Bar“ entpuppt – und die Chefin ist Sigi Gübeli, eine Steirerin.

Die Steirerin Sigi Gübeli führt in Zürich das kleine, aber sehr feine Hotel „Platzhirsch Hotel & Bar“ (Foto Reinhard Sudy)
Die Steirerin Sigi Gübeli führt in Zürich das kleine, aber sehr feine Hotel „Platzhirsch Hotel & Bar“ (Foto Reinhard Sudy)

Sieglinde, von Freunden Sigi genannt, ist eine  sehr sympathische, attraktive und energiegeladene Erscheinung, die schon viel erlebt und noch viel vor hat. Bei einem guten Glaserl in einer gemütlichen Ecke erzählt sie aus ihrem Leben, von ihrem Hotel und über ihre Pläne. Es ist übrigens ein herrlicher Chardonnay vom Winzer Pirmin Umbricht aus dem Aargau. Sigi erzählt begeistert von der Vereinigung ”Junge Schweiz – Neue Winzer” mit jungen, aufstrebenden Schweizer Weinmacherinnen und Weinmachern. “Mit diesen Jungwinzern, maximales Alter 40 Jahre und Familienbetrieb, arbeite ich schon seit 5 Jahren zusammen, alle 3 Monate wechsle ich den Winzer. Der erste Abend ist dann immer der Winzerabend, bei dem meine Mitarbeiter auf die neuen Weine geschult werden.“

Sehr gemütlich ist auch der Lounge-Bar-Bereich im "Platzhirsch" (Foto Reinhard Sudy)
Sehr gemütlich ist auch der Lounge-Bar-Bereich im „Platzhirsch“ (Foto Reinhard Sudy)

PLATZHIRSCH mit neuem Schwung
Ende 2010 hat die 49-jährige dem Platzhirsch neues Leben eingehaucht. In der hellen und modern gestalteten Bar kann man morgens frühstücken, mittags eine Focaccia oder eine PLATZHIRSCH Pizza mit Hirschschinken zu sich nehmen, nachmittags bei Kaffee und Kuchen plaudern und abends auf ein Glaserl kommen. Auch Raucher sind hier willkommen, sie können in einem sehr schönen Fumoir  ihre Zigarren genießen.

Die Hotelzimmer zeichnen sich durch Individualität und Annehmlichkeiten wie das Kissenmenü, Zeitschriften, Nespresso Maschine, Bademantel und Slippers aus. All das brachte der Hotelchefin bereits zahlreiche Prämierungen ein wie den ‚Summer Hot Spots‘ 2011 oder den ‚Best of Swiss Gastro‘ 2013.

Hotelchefin Sigi Gübeli macht es ihren Gästen so bequem wie möglich - und das brachte ihr bereits zahlreiche Prämierungen ein wie den 'Summer Hot Spots' 2011 oder den 'Best of Swiss Gastro' 2013 (Foto Platzhirsch)
Hotelchefin Sigi Gübeli macht es ihren Gästen so bequem wie möglich – und das brachte ihr bereits zahlreiche Prämierungen ein wie den ‚Summer Hot Spots‘ 2011 oder den ‚Best of Swiss Gastro‘ 2013 (Foto Platzhirsch)

Für Sigi, Vorstandsmitglied des Züricher Hotel-Vereins, sind Vielseitigkeit und Individualität sehr wichtig. Lachend meint sie: „Ich denke gerne ein bisschen für die anderen mit. Es kommen immer wieder Leute mit Veranstaltungs-Ideen zu mir, wissen aber nicht so recht, wie sie alles organisieren sollen –  wie beispielsweise im Sommer 2017 ein Sportturnier zu veranstalten. Als ich das hörte, habe ich gleich angeboten, die Registrierung bei mir zu machen, denn ich liege sehr zentral; natürlich mit Stehtischen und Getränken. Damit verblüffe ich meist alle, die oft nicht an das eigentlich so Naheliegendes denken.“

Sigi Gübeli liebt es, in ihrem "Platzhirsch" immer wieder Events verschiedenster Art für ihre Gäste zu veranstalten (Foto Platzhirsch)
Sigi Gübeli liebt es, in ihrem „Platzhirsch“ immer wieder Events verschiedenster Art für ihre Gäste zu veranstalten (Foto Platzhirsch)

Ihre Arbeit ist für Sigi eine Dienstleistung. „Es ist Dienen im positiven Sinne und dass man etwas mit Freude macht –  und das empfinde ich als etwas sehr Schönes. Es braucht  dabei Respekt und natürliche Distanz.“ Die Hotelchefin beschäftigt 12 Mitarbeiter, von denen ursprünglich keiner aus der Schweiz kommt. „Das war nicht Absicht, das hat sich einfach so ergeben.“

Geboren in der Südoststeiermark
Nach 30 Jahren spricht Sigi Schwizerdütsch, „aber wenn man länger mit mir spricht, merkt man doch, dass da noch eine andere Nuance herauszuhören ist. Aber für Österreich ist in der Schweiz eine große Sympathie vorhanden – und das ist schön“.

Sigi Gübeli lebt insgesamt schon 30 Jahre in der Schweiz und spricht mit mir richtiges Schwizer dütsch. Hier mit Journalistin und Bloggerin Hedi Grager (re) (Foto Reinhard Sudy)
Sigi Gübeli lebt insgesamt schon 30 Jahre in der Schweiz und spricht mit mir richtiges Schwizer dütsch. Hier mit Journalistin und Bloggerin Hedi Grager (re) (Foto Reinhard Sudy)

Die erfolgreiche Hotelchefin ist im südoststeirischen Kirchberg a.d. Raab geboren. Auf meine Frage, wie sie in die Schweiz kam, bekomme ich lachend zur Antwort: „Ich liebe diese Frage und antworte immer: „Mit dem Zug“. Wir lachen beide. „Nach meiner Matura in Feldbach begannen die meisten Kollegen mit einem Studium. Das wollte ich aber nicht. Es ergab sich, dass ich im Herbst 1986 die Saisonstelle einer Freundin in der Schweiz übernahm. So reiste ich nach Pany, ein Bergdorf im Prättigau, Nähe Klosters im Kanton Graubünden, und arbeitete eine Saison in einem kleinen Familienbetrieb. Danach ging ich nach Zürich.“ Als Ausländer durfte man damals 9 Monate in der Schweiz arbeiten, danach musste man die Schweiz wieder für drei Monate verlassen. „Nach vier Jahren hätte ich eine dann eine Ganzjahresbewilligung bekommen – ich habe die vier Jahre aber nicht geschafft.“

Sigi Gübeli beschäftigt in ihrem "Platzhirsch" 12 Mitarbeiter (Foto Platzhirsch)
Sigi Gübeli beschäftigt in ihrem „Platzhirsch“ 12 Mitarbeiter (Foto Platzhirsch)

Mit einem Schmunzeln erzählt Sigi weiter: „Ich habe mich in einen Schweizer verliebt und bin mit ihm nach Colombo in Sri Lanka gegangen. Dort haben wir gemeinsam 3 ½ Jahre ein typisches Schweizer Restaurant geführt. Es war schon grandios, in so jungen Jahren – ich war gerade mal 25 Jahre alt – ein eigenes Lokal zu haben und Mitarbeiter führen zu dürfen. Und das als Frau in diesem Land.“ Sigi erzählt, dass es ihre einheimischen Mitarbeiter anfangs schon als ‚strange‘ empfanden, von einer Frau Befehle anzunehmen, aber es ging gut. „Es war eine schöne Zeit, in der ich sehr viel für das Leben gelernt habe: ein weltoffenes, tolerantes Leben zu führen und bereit zu sein, von anderen Menschen, Kulturen und Gesinnungen zu lernen.“

Ob Frühstückstee, Cocktail oder ein herrliches Glas Wein - Sigi Gübeli legt in ihrem Platzhirsch großen Wert auf Qualität (Foto Platzhirsch)
Ob Frühstückstee, Cocktail oder ein herrliches Glas Wein – Sigi Gübeli legt in ihrem Platzhirsch großen Wert auf Qualität (Foto Platzhirsch)

Zurück in die Schweiz
Nach Sri Lanka ging es für Sigi zurück in Schweiz und sie eröffnete mit ihrem Mann ein Restaurant in Zürich. Als sie sich aber trennten, wechselte sie in den Stadtteil Niederdorf, wo sie heute noch ist. Sie führte anfangs in einem Hotel-Bar-Restaurant die Weinbar. „Wein ist auch ein Thema, das mich sehr interessiert.“ Und spannend erzählt sie weiter: „Es war Anfang der 90er, ich hatte einen tollen Chef und lernte die Welt der Gayclubs und Travestieshows kennen. Nach Besitzerveränderungen löste sich aber alles auf.“

Sigi Gübeli war gerade einmal 25 Jahre alt, als sie in Colombo/Sri Lanka 3 ½ Jahre ein typisches Schweizer Restaurant führte (Foto Reinhard Sudy)
Sigi Gübeli war gerade einmal 25 Jahre alt, als sie in Colombo/Sri Lanka 3 ½ Jahre ein typisches Schweizer Restaurant führte (Foto Reinhard Sudy)

Danach wechselte Sigi zum Hotelanbieter Accor, arbeitete in Sofitel Hotels in Zürich, Paris und Köln. „Es war spannend, aber ich habe für mich realisiert, dass Groß- oder Gruppenhotellerie nicht meines ist und habe aufgehört.“ Ein mutiger Entschluss, aber wie oft im Leben, öffnet sich dann eine andere Tür.

„Jemand, mit dem ich früher gearbeitet hatte, meldete sich und bot mir eine Zusammenarbeit an. Für meinen neuen Chef habe ich dann 15 Jahre lang die Geschäftsführung in einem Unternehmen hier in Niederdorf gemacht, das 2 Hotels, 2 Bars und 2 Nachtclubs hatte. Wir beschäftigten 80 Mitarbeiter, ich war die einzige Frau und zugleich ein bisschen die ‚Mama‘.“

Das Turmzimmer im "Platzhirsch" (Foto Platzhirsch)
Das Turmzimmer im „Platzhirsch“ (Foto Platzhirsch)

Sigi wird etwas nachdenklich, wenn sie an diese Zeit denkt. „Sie hat mich extrem geprägt, die offene Art und tolerante Lebensweise der Menschen haben mich sehr bereichert. Es war eine sehr wichtige Zeit für mich, und auch heute habe ich hier im PLATZHIRSCH sehr viele Kunden aus dieser Zeit. Wir feiern gerne zusammen, wie den Pink Monday, den ich nun seit 17 Jahren organisiere, oder das Oktoberfest für gays&friends mit 800 Leuten. Es ist dann eine grandiose, sehr familiäre Stimmung.“

Meine Selbständigkeit im PLATZHIRSCH
„Ich habe während der Zeit als Geschäftsführerin nicht nur im fachlichen Bereich sehr viel lernen können, sondern auch was Kreativität betrifft. Das möchte ich weiterhin umsetzen. Ich bin jetzt fast 50, aber ich fühle mich jung und ich habe viel Spaß an der Arbeit und noch viele Ideen – und das Schönste ist, ist muss niemand mehr fragen.“ Mit einem Augenzwinkern fügt sie noch hinzu: „Ich sage heute, das gefällt mir und morgen machen wir es.“

Ein gemütlicher sonniger Platz: der "Platzhirsch" (Foto Platzhirsch)
Ein gemütlicher sonniger Platz: der „Platzhirsch“ (Foto Platzhirsch)

Sigi lässt auch ihren Mitarbeitern großen Freiraum bei Entscheidungen und in ihrer Kreativität. Sie haben sie z.B. ihren eigenen Abend, den sie selbst gestalten können, wie z.B. einen Ladies Temptation oder Red Funk Abend mit eigenen Cocktails. Das setzt natürlich loyale und vertrauenswürdige Mitarbeiter voraus.

Eines der Wohlfühl-Zimmer im Platzhirsch (Foto Platzhirsch)
Eines der Wohlfühl-Zimmer im Platzhirsch (Foto Platzhirsch)

Erholung – Berge – Inspiration Nepal
Mit ihrem Lebenspartner, der in der Nähe von St. Moritz in einem Familienbetrieb in 5. Generation Als Verwaltungsrat mitwirkt, zieht sie sich gerne ins Engadin zurück. „Da komme ich immer wie neu geboren zurück in die Stadt“, lacht sie. „Berge sind für mich Energie. Ich komme zwar aus einem Hügelland, aber mein Vater war passionierter Bergsteiger, und so war die ganze Familie viel in den Bergen. Überhaupt liebe ich es, oben zu sein. Alle meine Wohnungen in der Schweiz waren im obersten Stockwerk.“ Lachend meint sie: „Tauchen wäre nichts für mich, ich finde Fische schön, aber oben auf zu sein, den Überblick zu haben, ist das Größte für mich.“

Sigi Gübeli hat schon bei vielen großen Hotelanbietern gearbeitet, richtig wohl fühlt sie sich aber in ihrem kleinen, feinen "Platzhirsch" (Foto Platzhirsch)
Sigi Gübeli hat schon bei vielen großen Hotelanbietern gearbeitet, richtig wohl fühlt sie sich aber in ihrem kleinen, feinen „Platzhirsch“ (Foto Platzhirsch)

Sie erzählt von ihrem Ziel, dass sie mit ihrem Vater bis zu ihrem 40. Geburtstag drei Viertausender schaffen wollte. „Zwei habe ich geschafft, zum 45er schenkte ich mir dann eine Nepal-Tibet-Reise, um den Hl. Kailash zu umrunden. Ein Monat Trekking, kein Handy, es war so schön“, gerät sie ins Schwärmen. Erst im Oktober 2015 war sie wieder in Nepal, wo sie nach dem Erdbeben fast drei Wochen lang Volunteering Arbeit leistete. „Weißt Du, Österreich ist meine Heimat und ich würde nie den österreichischen Pass eintauschen. Aber meine Urheimat ist bestimmt irgendwo in Asien. Ich liebe diese Ursprünglichkeit, Natürlichkeit der Kulturen, wo man so richtig mit den Menschen in Kontakt kommt. Das gibt mir Energie und inspiriert mich immer wieder bei meiner Arbeit.“

Sigi Gübeli liebt den asiatischen Raum. "Ich liebe diese Ursprünglichkeit, die Natürlichkeit der Kulturen. Das gibt mir Energie und inspiriert mich immer wieder bei meiner Arbeit.“ (Foto Reinhard Sudy)
Sigi Gübeli liebt den asiatischen Raum. „Ich liebe diese Ursprünglichkeit, die Natürlichkeit der Kulturen. Das gibt mir Energie und inspiriert mich immer wieder bei meiner Arbeit.“ (Foto Reinhard Sudy)

Schwerer Autounfall
Nach ihrem ersten Aufenthalt in Nepal 2012 war Sigi zwei Wochen zu Hause in Österreich und hatte dann zurück in der Schweiz einen schweren Autounfall. Drei Personen blieben unverletzt, nur sie hatte massive Rückenverletzungen mit Lähmungsgefahr. Nachdenklich erzählt sie: „So kurze Zeit nach Nepal ist man unglaublich stark, das hat mir sehr geholfen. Mir war eines klar, das alles hat einen Sinn. Ich fragte mich, was mir das Leben sagen möchte, und seither nehme ich automatisch Dinge an und versuche das Positive daraus mitzunehmen. Als ich wieder gesund war, habe ich meine Arbeitsweise geändert, habe gelernt mich besser abzugrenzen, Nein zu sagen, nur das machen, was wirklich wichtig ist.“

Den Aufenthalt im Spital selbst sieht sie als interessante Erfahrung. „Für mich war es trotz allem eine schöne Zeit, alle haben sich um mich gesorgt. Sonst bin ja ich es gewohnt, auf meine Gäste zu schauen.“

Eine der gemütlichen "Wohlfühl-Ecken" im Platzhirsch (Foto Reinhard Sudy)
Eine der gemütlichen „Wohlfühl-Ecken“ im Platzhirsch (Foto Reinhard Sudy)

Sigi noch privater
Sigi ist das jüngste von drei Kindern und ein überaus positiv denkender Mensch. Sie liebt Individualität und fördert sie, sie liebt auch Vielseitigkeit im Leben und steckt voller Energie. Sie hat aber gelernt, Zeit für sich zu nehmen, ohne Partner und ohne Telefon. Seit Jahren praktiziert sie Tai Chi. „Das gibt mir sehr viel, danach komme ich viel gelassener ins Hotel.“ Sigi liebt gutes Essen und genießt ausgezeichneten Wein. Gerne besucht sie andere schöne Hotels, möchte die Menschen dahinter kennenlernen. Die Arbeit macht ihr (fast) immer Spaß und auch das Älterwerden hat positive Aspekte für sie. „Ich finde es toll, man traut sich seine Meinung zunehmend öffentlicher zu vertreten und ich engagiere mich. Das finde ich wichtig für die Gesellschaft, denn viele ärgern sich nur und machen aber nichts.“ Gerne umgibt sie sich mit jungen Menschen. „Von ihnen kann man viel lernen und es hält jung.“

Platzhirsch-Chefin Sigi Gübeli_Foto Reinhard Sudy

Und da es das Wort ‚Stillstand‘ in Sigis Wortschatz nicht gibt und ihr Ziel ein weiteres Hotel oder eine weitere Bar ist, freue ich mich schon, Neues von dieser erfolgreichen und kreativen Steirerin zu hören.

www.hotelplatzhirsch.ch

 

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