Dipl.-Ing. Sabine Wagner – ELSTA Mosdorfer GmbH

Dipl.-Ing. Sabine Wagner leitet den Standort Kaindorf der ELSTA Mosdorfer GmbH (Foto privat) Die IV-Steiermark hat eine spannende Serie ins Leben gerufen: Portraits über Frauen in der Industrie. Und auch Dipl.-Ing. Sabine Wagner gehört zu den wenigen Frauen mit Führungsposition in einem technischen Umfeld.

DI Sabine Wagner studierte Chemie an der Technischen Universität, ist seit 7 Jahren bei ELSTA Mosdorfer und leitet seit 4 Jahren den Standort Kaindorf a.d. Sulm, eine Produktionsstätte mit  etwa 130 Mitarbeitern (Foto Hedi Grager)
DI Sabine Wagner studierte Chemie an der Technischen Universität, ist seit 7 Jahren bei ELSTA Mosdorfer und leitet seit 4 Jahren den Standort Kaindorf a.d. Sulm, eine Produktionsstätte mit  etwa 130 Mitarbeitern (Foto Hedi Grager)

Sabine Wagner hat die Leitung des Standortes Kaindorf der ELSTA Mosdorfer GmbH, einem Unternehmen der KNILL Gruppe, das sich im Bereich der elektrischen Energieverteilung einen Namen gemacht hat. Das Unternehmen entwickelt und fertigt Schranksysteme für technische Spezialanwendungen in der Energieverteilung, Telekommunikation, Verkehrstechnik und Industrie.

Sie lächelt, als ich sie vorsichtig frage, ob ELSTA Mosdorfer vereinfacht gesagt Stromkästen in allen Varianten herstellt. „Ja, so kann man sagen. Wir haben zwei Kernkompetenzen: den Bau des Stromkastens selber sowie die elektrotechnische Ausrüstung und Bestückung des Kastens. Wir haben Kunden, die das ‚Gesamtpaket‘ nehmen, manche brauchen nur den Kasten oder ELSTA bestückt teilweise und die Kunden bestücken fertig. Wir bauen aber keine typischen großen Industrieschaltanlagen, obwohl wir das auch können.“

An ihrem Job machen DI Sabine Wagner vor allem der Gestaltungsspielraum, die Vielfalt der Aufgaben und das Arbeiten mit Menschen viel Spaß (Foto privat)
An ihrem Job machen DI Sabine Wagner vor allem der Gestaltungsspielraum, die Vielfalt der Aufgaben und das Arbeiten mit Menschen viel Spaß (Foto privat)

Sabine Wagner, die Chemie an der Technischen Universität studierte, ist seit 7 Jahren bei ELSTA Mosdorfer und leitet seit 4 Jahren den Standort Kaindorf a.d. Sulm, eine Produktionsstätte mit  etwa 130 Mitarbeitern. „Hier sind alle Zentralfunktionen, die zentrale Geschäftsführung für alle Standorte untergebracht. Zu meinem Aufgabengebiet gehören der zentrale Einkauf, die zentrale Technik, Auftragsabwicklung, Produktion – eigentlich alles, was man ‚operations‘ nennen würde.“ Als ich anmerke, jetzt wird mir klar, warum ihre Tage so lange sind, lacht sie.

Management als Berufswunsch
In einem technischen Bereich zu arbeiten war nicht unbedingt ein Kindeswunsch von Sabine Wagner. Schmunzelnd erzählt sie: „Aber ich erinnere mich genau daran, als ich technische Chemie studierte, war es schon mein Berufswunsch, im mittleren Management in der Industrie zu arbeiten – und es hat gut funktioniert.“ Es war ihr schon immer klar, dass sie nicht auf der Uni bleiben oder in der Forschung und Entwicklung in einem Labor arbeiten würde.

DI Sabine Wagner gehört zu den wenigen weiblichen Führungskräften im Industriebereich (Foto privat)
DI Sabine Wagner gehört zu den wenigen weiblichen Führungskräften im Industriebereich (Foto privat)

Die erfolgreiche Karrierefrau hat zwar ein Jahr in Oxford studiert, war ansonsten immer sesshaft, wie sie sagt. An ihrem Job macht ihr vor allem der Gestaltungsspielraum und die Vielfalt der Aufgaben Spaß, und auch, dass sie sehr viel mit Menschen zu tun hat.

Auf meine Frage, ob sie ein familiäres Gen abbekommen habe, meint sie: „Nicht unmittelbar. Meine Mutter ist Volksschullehrerin und eine gute Mathematikerin, mein Vater ist Musiker und Leiter eines Musikgymnasiums. Allerdings zeitlich zurück gab es schon einige Diplom-Ingenieure in der Familie.“ Dafür hat sie das kreative Gen ihres Vaters mitbekommen. „Ich spiele einige Instrumente und  singe gerne. Dafür nehme ich mir wirklich Zeit.“

Sabine Wagner ist als technische Leiterin früher viel durch die Firmenstandorte getingelt, war international unterwegs in China, Thailand, Indien oder Osteuropa. Allerdings ging es ihr wie vielen Geschäftsreisenden, dass sie von den Ländern und Städten nur wenig zu sehen bekam. „Ich war so oft in China, aber das erste Mal wirklich erlebt habe ich es gemeinsam mit meinem Mann, als wir unsere Tochter während ihres Auslandsjahres besucht haben.“

Probleme als Frau in einer Führungsposition in einem technischen Umfeld kennt DI Sabine Wagner keine. „Mir geht es sehr gut damit", lacht sie (Foto Hedi Grager)
Probleme als Frau in einer Führungsposition in einem technischen Umfeld kennt DI Sabine Wagner keine. „Mir geht es sehr gut damit“, lacht sie (Foto Hedi Grager)

Frau in Führungsposition
Mit Problemen als Frau in einer Führungsposition hatte sie nie zu kämpfen. „Mir geht es gut damit. Ich bin jetzt 48 Jahre alt und war 2003 in meiner ersten Führungsposition, ich bin es sozusagen gewohnt“, lacht sie. „Ich habe immer Chancen ergriffen, habe mich in all meinen Positionen immer sehr wohl gefühlt, das war mir auch sehr wichtig. Ich war z.B. mit Leib und Seele Prozessingenieur bei Philips und habe damals interessante Projekte geleitet, die mir sehr viel Spaß gemacht haben.

Den Standort in Kaindorf des Unternehmens ELSTA Mosdorfer habe ich zu einem Zeitpunkt großer Veränderungen übernommen. Unser Unternehmen ist in den letzten Jahren um über 30 % gewachsen, schon dadurch bleibt es spannend.“

Ihre Aufgabe als ‚Chefin‘ sieht DI Sabine Wagner vor allem als Coach. „Ich glaube ans Führen über Ziele." (Foto privat)
Ihre Aufgabe als ‚Chefin‘ sieht DI Sabine Wagner vor allem als Coach. „Ich glaube ans Führen über Ziele.“ (Foto privat)

Sabine Wagner erklärt weiter, dass sie sehr stark am Markt vertreten sind und ein sehr komplexes Geschäftsmodell haben. „Die große Herausforderung liegt darin, dass wir bei unseren Serienprodukten, unseren umfangreichen Katalogprodukten und bei der Entwicklung technischer Lösungen für spezielle Arbeitsbereiche jeweils anders denken und agieren müssen. So muss der Mitarbeiter in der Fertigung Störfaktoren in der (Massen-) Produktion melden, um diese zu beseitigen, ein andermal ist unsere elegante Problemlösung gefordert und wieder ein andermal ist es wichtig zu improvisieren, ist geschicktes und rasches Agieren gefordert. Wir müssen also unglaublich flexibel sein.“

Führen über Ziele
In ihrem ‚Job‘ ist Sabine Wagner wirklich sehr glücklich. Ihre Aufgabe als ‚Chefin‘ sieht sie vor allem als Coach. „Ich glaube ans Führen über Ziele. Wichtig ist, gemeinsam zu überlegen, was wollen wir mit unserer Gruppe, mit unserem Standort erreichen. Wie setzen wir große Ziele um, welche großen Ziele kommen noch von Bottom-up. Sich dann auf ein machbares Arbeitsprogramm für beispielsweise ein Jahr zu einigen, ist ein wichtiges Setting. Mir geht es ganz stark darum, meine leitenden Mitarbeiter in ihrer Führungskompetenz zu stärken und vielleicht auch ausgleichend zu wirken, wo immer es notwendig ist.“

Privat geht DI Sabine Wagner sehr gerne wandern und liebt es zu musizieren (Foto Hedi Grager)
Privat geht DI Sabine Wagner sehr gerne wandern und liebt es zu musizieren (Foto Hedi Grager)

Sabine Wagner zeichnet dazu ein Bild aus ihrer Jugend. Sie ist sehr viel geritten, hat sogar Pferde zugeritten und sich ein Optimalbild mitgenommen: „Bei einem sehr guten Reiter der Spanischen Hofreitschule würde man nicht glauben, dass er überhaupt Einfluss nimmt auf das Pferd – und doch führt er. So harmonisch stelle ich es mir vor – im gegenseitigen Dialog – und so kann ich es auch am besten.“

Sabine Wagner privat
Selbst würde sie sich als sehr tüchtig und fleißig beschreiben, als durchaus kreativ bei Lösungen, einigermaßen humorvoll und „ich halte auch Kritik oder Misserfolg gut aus. Natürlich gibt es Dinge, die man ausprobiert und die gut oder nicht gut gehen. Aber ich weiß, es gibt immer eine Lösung, dieses Zutrauen in sich hat man mit der Zeit einfach und ich habe einen gewissen Luxus, denn ich lebe beruflich wie privat in einem sehr guten Umfeld, alle um mich sind gesund. Das alles gibt mir viel Kraft und macht mich stark.“ 

Sabine Wagner verrät mir weiters, dass sie sehr gerne kocht. „Unter der Woche kocht meistens mein Mann, am Wochenende dann ich. Ich bin seit vielen Jahren Vegetarierin. Der Auslöser dafür war ein Schlachthofbesuch. Ich bin froh, dass es für Vegetarier mittlerweile ein tolles Angebot gibt. Und ja, es darf natürlich auch mal ein Törtchen sein.“ Die knappe gemeinsame Zeit mit ihrem Mann verbringt sie gerne in der Natur. Machen Sie Sport? Sie lacht. „Eher ‚no sports‘.“

DI Sabine Wagner: "Wir bauen ein neues Werk in Bosnien und da bin ich stark eingebunden. Ich freue mich wirklich sehr, dass ich da ein paar Erfahrungen einbringen kann." (Foto Hedi Grager)
DI Sabine Wagner: „Wir bauen ein neues Werk in Bosnien und da bin ich stark eingebunden. Ich freue mich wirklich sehr, dass ich da ein paar Erfahrungen einbringen kann.“ (Foto Hedi Grager)

Und Social media? „Nein, überhaupt nicht. Das geht sich nicht mehr aus. Ich habe keinen fb account, bei mir hört es bei Mail, Handy und SMS auf.“

Wie sie schon erwähnt hat, gehört tägliches Musizieren gewissermaßen zu ihrer Freizeitgestaltung. „Ich habe zwei Töchter im Alter von 8 und 21 Jahren. Unsere gemeinsame Zeit ist das Abendessen und danach übe ich – jetzt nur mehr mit meiner jüngeren Tochter, da die ältere auszieht – Geige und Klavier. Eine schöne Zeit, in der wir auch singen und plaudern.“  Bleibt da noch Zeit für Sie selbst? „Nicht mehr viel.“

Für ihre Zukunft hat Sabine Wagner klare Ziele. „Beruflich passt alles wunderbar wie es ist, und wir haben im Unternehmen noch einiges vor. Wir bauen ein neues Werk in Bosnien, da bin ich stark eingebunden. Ich freue mich sehr, dass ich auch da ein paar Erfahrungen einbringen kann. Und eines habe ich gelernt, nach jedem Projekt kommt wieder ein nächstes.“

Und auch privat hat sie ein sehr klares Ziel. „Ich will einmal Großmutter werden, das würde ich schön finden, es muss aber nicht gleich sein.“

Großes Beitragsfoto: Dipl.-Ing. Sabine Wagner hat die Leitung des Standortes Kaindorf der ELSTA Mosdorfer GmbH (Foto privat)

 

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