Aus der Reihe „Frauen und Technik“ in Kooperation mit der Industriellenvereinigung Steiermark: Anna Poms ist „Leidenschaftliche Physikerin“ und arbeitet als Application Engineer bei AVL List. Sie liebt ihre Arbeit in der Industrie, wo ihr Hauptaugenmerk auf der Entwicklung neuer Sensortechnologien vor allem für Elektromotoren liegt.

Eigentlich war die gebürtige Kärntnerin für die HAK angemeldet. Als sie sich aber in den Sommerferien im Internet über Berufsmöglichkeiten schlau machte, passierte folgendes: „Ich war 14 Jahre alt und habe mich zwei Wochen vor Schulbeginn ohne Wissen meiner Eltern in der HAK ab- und bei der HTL in Wolfsberg für Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau angemeldet“, lacht Anna Poms. Dass es damals die richtige Entscheidung war, kann sie nach ihrem Studium der Technischen Physik an der TU Graz und seit der interessanten Arbeit bei AVL nur bestätigen. „Schon als Studienpraktikantin habe ich 20 Stunden dort gearbeitet und meine Masterarbeit in Kooperation mit AVL gemacht. Das hat mir soviel Spaß gemacht, dass ich auch mein Doktorat hier mache.“

Ihre Arbeit als Application Engineer, als Expertin für optische Temperatur-Messtechnik, erklärt Anna Poms so: „Jeder reale Körper strahlt abhängig von seiner Temperatur Infrarotstrahlen aus. Je wärmer der Körper ist, umso mehr Infrarotstrahlung emittiert er. Diese Infrarotstrahlung wird mit einer Photodiode und Lichtwellenleiter eingefangen und in ein elektrisches Signal umgewandelt – das ist das Prinzip dahinter, mit dem beispielsweise die Oberflächentemperatur gemessen werden kann. In unserer Abteilung wenden wir das sowohl am Verbrennungsmotor, am Wasserstoffmotor als auch an meinem Part, dem Elektromotor an“, führt sie weiter aus. Als Anna Poms’ Chef anregte, dieses Messprinzip im Zuge einer Masterarbeit auch am Elektromotor anzuwenden, dachte sie sich ‚ich probiere es‘. Und es hat funktioniert, strahlt die leidenschaftliche Physikerin, der spürbar anzumerken ist, wieviel Freude ihr ihr Job macht.

„Ich habe ja technische Physik studiert und hier beschäftigt man sich mehr mit Grundlagenforschung. Im Rahmen meiner Arbeit hier merkte ich, dass mir die Arbeit in der Industrie, die wirklich anwendungsnahe ist, viel mehr Spaß macht. Ich mag die abwechslungsreichen Herausforderungen, die Zusammenarbeit mit internationalen Kunden, ich mag es fremde Kulturen kennenzulernen und mich mit neuen Anforderungen zu beschäftigen.“
Sie erzählt begeistert vom Erfolgsgefühl, das sie hat, wenn nach langem Tüfteln Kundenwünsche erfolgreich umgesetzt werden konnten. „Es ist eine sehr abwechslungsreiche Arbeit, denn manchmal bin ich am Prüfstand, dann werte ich die Messdaten aus, oder ich nehme das Messsystem in Betrieb – oder ich bin bei Kunden für eine Produktvorstellung. Trouble-Shooting inbegriffen“, lacht sie wieder, „auch das gehört zum Daily Business.“

Mit ihrer Ausbildung, ihrem breiten Spektrum an technischem Grundwissen und ihrer Erfahrung freut sie sich darauf, irgendwann einmal eine Leitungsfunktion zu übernehmen. Positiv wirken sich dabei sicher auch ihre Zugänglichkeit und authentische Art aus. „Ich verfolge Aufgaben zielstrebig und verstelle mich nie – auch nicht meinen Dialekt“, schmunzelt die 31-Jährige.
Erholung findet Anna Poms, die auch bei der Jungen Industrie aktiv ist, vor allem im kleinen Garten ihrer Wohnung. „Und ich habe zwei Katzen. Wenn die schnurren, ist eh alles vergessen“, lacht sie.
Großes Beitragsfoto: Anna Poms ist „Leidenschaftliche Physikerin“ und arbeitet als Application Engineer bei AVL List. (Foto Erwin Scheriau)
