Michaela Mumm-von Oldenburg ist seit 30 Jahren Rechtsanwältin, gründete 2015 women4children und 2020 den Red Club für Frauen. „Dieser Club verbindet Frauen auf einer freundschaftlichen Basis gemäß dem Motto: When women support each other, incredible things happen.“

Der Vater von Michaela Mumm-von Oldenburg ist Perser. „Ich bin also halb Iranerin, halb Deutsche und bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Diese Lebendigkeit habe ich von meinem Vater mitbekommen“, schmunzelt die Mutter eines erwachsenen Sohnes, die seit 30 Jahren glücklich in zweiter Ehe verheiratet ist.
Die attraktive Wahl-Berlinerin mit ihrer Kanzlei am Berliner Kurfürstendamm ist eine absolute Powerfrau und extrem kommunikativ. Im Sommer 2015 gründete sie die gemeinnützige Gesellschaft women4children GmbH. „Und um für die gemeinnützige Gesellschaft Spenden zu sammeln, gründete ich zusätzlich die Eventagentur friends2gether.“ Ende 2019 kam noch der Red Club für Frauen dazu. „Die Begegnungen mit tausenden großartigen und beeindruckenden Frauen haben mich inspiriert und motiviert, einen Club nur für Frauen zu gründen, den Red Club“, erzählt mir Michaela lebhaft, als ich sie während des Filmfestivals in Cannes treffe.
Der Red Club organisiert Veranstaltungen, Treffen, Events, Lesungen, Podiumsdiskussionen, Reisen, Kunst-Pop-Ups, Mentorinnenprogramme und vieles mehr.

Red Club
Ihre frühere und sehr erfolgreiche Anwaltskanzlei MUMM-LAW Kanzlei für Patent- & Markenrecht hat Michaela 2013 verkauft und neu die IPLO Anwaltskanzlei eröffnet. „Nach dem erfolgreichen Verkauf dachte ich daran, der Gesellschaft etwas zurückgeben zu wollen und gründete eine gemeinnützige Organisation mit dem Namen women4children. Ich habe damit Frauen vernetzt, sie zusammengebracht und dann mit den gesammelten Spenden verschiedene Kinderhilfsorganisationen finanziell unterstützt.“ Sie erzählt temperamentvoll weiter: „Irgendwann meinten die Frauen, dass sie sich gerne öfter treffen und mehr Events wünschen. Wir waren aber eine gemeinnützige Organisation, deren Ziel es war, Spenden zu sammeln. So überlegte ich, eine Eventagentur zu gründen und Veranstaltungen zu organisieren, denn ich merkte, dass viele Frauen aus verschiedenen Gründen wirklich das Bedürfnis hatten, sich öfters auszutauschen.“ Viele dieser Frauen hatten Kinder, waren oft ein paar Jahre zu Hause oder halbtags berufstätig. So gründete Michaela die Eventagentur friends2gether – überlegte aber weiter und entschied sich, einen Club nur für Frauen ins Leben zu rufen: den Red Ladies Club, mittlerweile bekannt als Red Club. Mit einem Schmunzeln fügt sie noch hinzu, dass der Name vor allem von Männern hin und wieder missverstanden wird. „Der Red Club verbindet Frauen, macht sie sichtbar, unterstützt sie in ihrer Positionierung und das in ganz unterschiedlichen Berufsfeldern. In meinem Netzwerk sind Frauen jeglicher Berufsgruppe, u.a. Schauspielerinnen, Produzentinnen, Regisseurinnen, Künstlerinnen, Anwältinnen, Architektinnen, freiberufliche Journalistinnen und ein relativ hoher Anteil an Unternehmerinnen.“ Sie betont, dass es vor allem sehr aufgeschlossene Frauen sind, die sich wirklich gegenseitig unterstützen.
When women support each other, incredible things happen…
Wahlspruch Red Club
Auf meine Frage, ob sie bei der Aufnahme sehr selektiv vorgehe, meint Michaela: „Nein, gar nicht. Ich möchte keine Hürden oder Barrieren einbauen. Ich bin von meiner Einstellung her sehr sozial und offen und finde es wichtig, dass Menschen zu bestimmten Dingen einfach Zugang haben.“ Sie persönlich schätzt nicht das Elitäre, ist aber der Meinung, dass alle Menschen sich selbst aussuchen sollen, wo sie sich wohlfühlen – wie sich Menschen ja auch Lokale aussuchen, die sie besuchen.
Michaela Mumm-von Oldenburg befasst sich in ihrer Anwaltskanzlei mit gewerblichem Rechtsschutz, Vertragsrecht – und zunehmend auch mit Scheidungen. „Ich bearbeite gerne komplexe und schwierige Rechtsgebiete. Je anspruchsvoller, desto lieber.“

Aktuelle Schwerpunkte‘
Aktuell forciert sie zwei Schwerpunkte: „Die Female Art Week, die ich 2023 ins Leben gerufen habe, und Ageless Actresses. Mit der Female Art Week wollen wir nur Künstlerinnen unterstützen, da Frauen im Bereich Kunst deutlich unterrepräsentiert sind. Das Projekt Ageless Actresses deshalb, weil es ganz viele Schauspielerinnen gibt, die im Alter ab 40 keine Rollen mehr bekommen. Es gibt zwar ein paar gute Organisationen mit Fokus darauf, aber da muss noch viel getan werden.“ Dabei geht es natürlich nicht nur um Schauspielerinnen, sondern auch um die verschiedensten Berufe hinter der Kamera. Michaela weiß, dass es beispielsweise sehr wenig Produzentinnen gibt. „Ich habe mich kürzlich mit einer Produzentin unterhalten: Wenn eine Frau einen Film macht und er floppt, wird sie viel kritischer bewertet als ein Mann.“
Besonders schlimm findet es die attraktive Anwältin, dass nicht nur Männer, sondern auch Frauen selbst anderen Frauen gegenüber kritischer sind. „Ich weiß wirklich nicht, woran das liegt, aber leider ist es tatsächlich so.“ Sehr offen erklärt sie, dass sie sich selbst ertappt, nicht frei von Vorurteilen zu sein. „Es kann nicht sein, dass weiterhin Frauen in manchen Bereichen ganz stark unterrepräsentiert sind und noch immer benachteiligt werden. Schließlich hat das ja auch auf die nächste und übernächste Generation Auswirkungen“, engagiert sie sich. „Schau, Harrison Ford spielt mit 80 Jahren noch den Superhero, und wo ist die Heldin?“
Durch Kinder-Auszeiten und Teilzeitarbeit haben Frauen ein geringeres Einkommen, dadurch weniger Rente und kommen viel leichter in die Altersarmut. „Das ist besonders in der Kunst eklatant.“
Sehr klar sieht Michaela Gründe dafür auch in grundsätzlichen Eigenschaften von vielen Frauen. „Vielfach sind Frauen eher schüchtern und zurückhaltend, trauen sich zu wenig zu und lassen Männern oft den Vortritt. Deshalb ist es so wichtig, ihnen Zuspruch und Lob zu geben, damit sie mutig und stark werden“, ist sich die vielbeschäftigte gebürtige Bayerin sicher. „Man vergisst, dass vor wenigen Jahrzehnten Frauen noch ihre Männer fragen mussten, ob sie ein Konto eröffnen oder eine Arbeitsstelle annehmen durften. Und bis 1997 war die Vergewaltigung in der Ehe noch straffrei. Unglaublich.“
Und sie hat noch ein weiteres Projekt in Planung: eine Preisverleihung an Frauen, die sich wie auch immer in sozialen Projekten engagieren. „Mit einem Preis wollen wir Frauen, die sich oftmals unsichtbar im Hintergrund engagieren, nach vorne bringen und sichtbar machen. Auch das ist mir sehr wichtig, denn das sind Leistungen, die von der Gesellschaft oft nicht gesehen werden. Die Preise werden dann bei einer Gala vergeben werden.“

Rund um die Uhr im Einsatz
Heute Berlin, morgen Cannes, übermorgen Monaco – es scheint fast so, dass Michaela ein schönes Jetset-Leben führt. Dabei ist sie immer wieder unterwegs, um Frauen zu unterstützen, zu vernetzen, Kontakte zu sammeln. Um ihr Arbeitspensum zu schaffen, steht die Unternehmerin meist um acht Uhr auf und arbeitet in der Regel bis Mitternacht oder auch länger. „Ich mache wenig Pausen, esse leider meist nebenbei, habe halt sieben Tage die Woche wirklich extrem lange Tage. Das ist für mich ganz normal, ich empfinde das aber als positiv. Man wählt seinen Beruf, weil man daran Freude hat und das Repertoire besitzt. Ich kann weder singen noch tanzen, bin unkreativ, aber ich umgebe mich gerne mit Kreativität.“
Einen Tag ohne Arbeit gibt es bei ihr nicht. „Das kann ich mir nicht leisten, denn schon an einem Tag erhalte ich zwischen drei- bis fünfhundert Mails und WhatsApp-Nachrichten. Deswegen sehe ich immer auf mein Handy und schaue, was gerade angekommen ist.“ Sie zeigt mir ihren heutigen Terminkalender und ich wage zu behaupten, dass die meisten Menschen dafür nicht einen, sondern mehrere Tage brauchen würden. Für die Zukunft wünscht sich Michaela, dass ihre Clubs noch weiter wachsen, um viele Frauen noch viel mehr unterstützen zu können.
Großes Beitragsfoto: Michaela Mumm von Oldenburg, Gründerin des Red Club, und Günay Shamsi, Künstlerin. (Foto Red Club)
www.red-club.com
www.femaleartweek.com
www.ageless-actresses.com
www.iplo.de
