Markus Mörth: „Kino bedeutet für mich die große Liebe“

Der erfolgreiche Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Markus Mörth hat 2024 die Leitung des Filmfestival Kitzbühel übernommen. Im Bild mit Hedi Grager. (Foto Reinhard Sudy) übernommenDer erfolgreiche Regisseur, Drehbuchautor und Produzent aus der Steiermark Markus Mörth ist schon seit langem in das Filmfestival Kitzbühel involviert. 2024 hat er die Leitung übernommen – und das mit großer Freude. Der schon mehrfach ausgezeichnete Grazer ist als freier Regisseur und Drehbuchautor für Kino und TV tätig. Er arbeitet auch als Lektor an der Karl-Franzens-Universität Graz und gründete 2013 die „DrehbuchWerkstatt München-Steiermark”, eine Kooperation mit der renommierten DrehbuchWerkstatt München.

Markus Mörth hat 2024 die Leitung des FFKB übernommen und freut sich sehr, dass 2025 erstmals die KURIER ROMY in der malerischen Kulisse von Kitzbühel stattfinden wird. (Foto zur Verfügung gestellt)
Markus Mörth hat 2024 die Leitung des FFKB übernommen und freut sich sehr, dass 2025 erstmals die KURIER ROMY in der malerischen Kulisse von Kitzbühel stattfinden wird. (Foto zur Verfügung gestellt)

Ich traf Markus am Ende des Filmfestivals Kitzbühel zum Frühstück im Hotel Reisch und er erzählte mir, wie sehr er sich freut, jetzt für die Leitung des Festivals verantwortlich zu sein. Eingebunden war er ja schon seit vielen Jahren. „Wenn man nicht in der Leitungsposition ist, arbeitet man immer jemandem zu und versucht, sich gut einzubringen ins allgemeine Programm. Die Leitung zu haben ist da schon etwas ganz anderes. Ich hatte mir immer schon gewünscht, einmal die Gesamtverantwortung zu übernehmen und alles koordinieren zu können.“ Er erzählt begeistert weiter: „Ich bin wirklich total happy mit meinem kleinen, sehr guten Team. Sie alle haben sich so bemüht, ein schönes Festival zu schaffen.“
Es freut Markus sehr, dass er vom ersten Tag an als neuer Leiter akzeptiert und unterstützt wurde. „Wir haben ein paar sehr wichtige und gute Entscheidungen getroffen, z.B. als Eröffnungsfilm eine Komödie zu nehmen. Das kam beim Publikum offensichtlich sehr gut an, wie auch die Branchenveranstaltungen und das FFKB-Connect. Damit haben wir es geschafft, den Nachwuchs mit den Arrivierten zusammenzubringen.“ Er spricht auch über den erfolgreichen Abschluss des Festivals mit einem hochkarätig besetzten Panel. „Es hat mich sehr stolz gemacht, so erfolgreiche Menschen nach Kitzbühel zu bekommen, mit ihrer großen Gesprächsqualität und durchaus nicht alltäglichen Einblicken. Ich denke, eine Branchenveranstaltung soll einen Blick in die Zukunft von denjenigen geben, die sozusagen die Vordenkerinnen und Vordenker sind.“

Markus Mörth freute sich sehr, dass 2024 auch der großartige Schauspieler Tobias Moretti für einen Experten-Talk zum Filmfestival Kitzbühel kam. (Foto Hedi Grager)
Markus Mörth freute sich sehr, dass 2024 auch der großartige Schauspieler Tobias Moretti für einen Experten-Talk zum Filmfestival Kitzbühel kam. (Foto Hedi Grager)

Der erfolgreiche Grazer ist sich im Klaren, dass er viele seiner Ideen beim ersten Mal noch nicht umsetzen konnte. „Aber ich muss sagen, es gibt eine gute strategische Planung bei uns und wir haben auch einen sehr guten Beirat mit hilfreichen Kontakten.“ Markus hat auch seinen persönlichen Plan, wo er mittelfristig das Festival sieht. „Wir haben schon eine schöne Breitenwirkung erreicht, aber wir müssen es schaffen, das Festival jedes Jahr weiter zu entwickeln und weiter zu verändern – noch mehr in Richtung Publikum“, erklärt er mit echter Begeisterung. „In den nächsten Jahren müssen wir noch einige große Schritte tun, um das Festival noch besser und breiter zu verankern.“

Nicht vergessen werden darf, dass die Qualität und die Zukunft des Festivals immer auch mit finanziellen Mitteln zusammenhängt. „Wir werden essenziell unterstützt durch Sponsoren und Förderer. Bei ihnen wie bei uns allen ist es schön, den Drang nach vorne zu spüren. Dank des guten Team-Playings bin ich überzeugt, dass wir uns in den nächsten Jahren noch sehr stark entwickeln werden. Allein könnte ich das nicht schaffen.“

Markus Mörth: "Kino bedeutet für mich die große Liebe". (Foto Hedi Grager)
Markus Mörth: „Kino bedeutet für mich die große Liebe“. (Foto Hedi Grager)

Nach seinem ersten Festival als Leiter freut es ihn natürlich, bereits sehr gutes Feedback erhalten zu haben. „Vor allem in persönlichen Gesprächen wurde mir vermittelt, dass alles sehr gut geklappt hätte und eine tolle Atmosphäre spürbar war. Das gibt mir schon das Gefühl, erste gute Schritte gesetzt zu haben.“
Ein toller Schachzug war, Philipp Hochmair den verdienten Ehrenpreis zu übergeben, was viel Aufmerksamkeit auf das Festival lenkte. „Publikumsmagnete sind einfach nötig“, ist sich Markus sicher. „Man benötigt für eine große Aufmerksamkeit in der medialen Landschaft Menschen, die außergewöhnliche Leistungen erbringen und besonders gefragt sind. Das lockt zu unserem Filmfestival, denn es ist bei der Dichte an Festivals nicht einfach herauszustechen.“ Wichtig findet der Festival-Leiter, dass Menschen entweder eine Bindung zum Festival haben oder so herausragende künstlerische Arbeit machen, die viele inspirieren kann. „Dafür kam mir Philipp als erster in den Sinn, denn er hat einerseits eine Bindung zu unserem Festival, das er es schon öfters besucht hat, und andererseits hat er eine immense Breitenwirkung.“ Es ist Markus aber wichtig zu erwähnen, dass keine Promis für das Festival „eingekauft“ werden. „Wir versuchen einfach Menschen mit visionärer Qualität hierher zu bringen.“ Natürlich sind genau jene Menschen dann auch die Botschafter unseres Festivals.
Für Markus ist es auch ein zentraler Wert, mit Gästen und Besuchern respektvoll umzugehen, ihnen ein Umfeld zu bieten, in dem sie sich wohlfühlen. „Wir versuchen eine fast private Atmosphäre zu schaffen und einander mit großem Respekt zu begegnen. Das macht das Besondere des Filmfestival Kitzbühel aus.“

Philipp Hochmair wurde beim FFKB 2024 für seine schauspielerische Leistung vor der Kamera mit dem Ehrenpreisträger geehrt. (Foto Hedi Grager)
Philipp Hochmair wurde beim FFKB 2024 für seine schauspielerische Leistung vor der Kamera mit dem Ehrenpreisträger geehrt. (Foto Hedi Grager)

Die Jury
Von zentraler Bedeutung für ein Festival und dessen Qualität ist für Markus die Jury, die jedes Jahr neu besetzt wird. „Die Jury hat sich sehr intensiv mit den Filmen auseinander gesetzt und darauf bin ich sehr stolz. Das ist ein hoher Wert für die Filmemacher, denn einen Preis zu bekommen bedeutet, dass ihr Werk eine besondere Qualität aufweist.“ Sehr offen spricht er aus eigener Erfahrung darüber, dass Jury-Entscheidungen natürlich sehr subjektive Angelegenheiten sind, die auch Kompromissentscheidungen beinhalten können. Das gehört einfach dazu und das finde ich auch nicht negativ.“

Der Festival-Leiter hat schon in seinen Studienzeiten Jurybetreuung gemacht. „Das war mein Studentenjob beim Filmfest München. Da habe ich gemerkt, wieviel es mir bringt, mit anderen Menschen über Filme zu diskutieren. Man bekommt eine zusätzliche Sichtweise.“ Diese Offenheit ist auch sein Erfolg, um Neues entstehen zu lassen. „Als ich studiert und begonnen habe, Filme zu machen, habe ich immer alles, jedes Bild minutiös geplant. Das ging dann so weit, dass der Film schon fertig war, bevor er angefangen hat. Das hat aber auch dazu geführt, dass ich Schauspielern genau sagte, wie sie was zu machen hätten. Bis mir ein junger Schauspieler mir einmal sagte, ‚spiel mir nicht vor, was ich zu tun habe. Und weißt du warum? Weil dann mache ich dich irgendwann nach‘.“ Sehr offen erzählt Markus weiter: „Sie meinten, dass ich ihnen den Raum nehme, sich zu entfalten und sie ihre Qualitäten dem Film nicht zur Verfügung stellen könnten. Das war für mich eine große Lehre. Denn erst ab damals war wirklich Entwicklung möglich.“ Für ihn gilt das heute für viele Bereiche. „Ich bin ein Mensch mit eigenen Vorstellungen, die ich umzusetzen versuche, und ich weiß, es braucht dafür eine gewisse Konsequenz und auch eine Kraft. Filmemachen hat aber auch damit zu tun, mit einem Team zu arbeiten, und Meinungen und Entscheidungen von Profis zuzulassen. Denn davon profitiert ein Projekt – und auch das Filmfestival.“

Filmemachen hat auch damit zu tun, mit einem Team zu arbeiten, und Meinungen und Entscheidungen von Profis zuzulassen. Denn davon profitiert ein Projekt – und auch das Filmfestival", weiß Markus Mörth. (Foto Hedi Grager)
Filmemachen hat auch damit zu tun, mit einem Team zu arbeiten, und Meinungen und Entscheidungen von Profis zuzulassen. Denn davon profitiert ein Projekt – und auch das Filmfestival“, weiß Markus Mörth. (Foto Hedi Grager)

Sehr gefreut hat sich Markus über den Besuch von Tobias Moretti. „Er ist für mich eine sehr beeindruckende Person, denn sein Einsatz, seine hohe Qualität, aber auch seine Intelligenz, wie er Projekte analysiert und genau weiß, was er will, sind sehr eindrucksvoll. Mit ihm werde ich an einem Projekt zusammenarbeiten.“ Er kann über den Projektbeginn zwar noch nichts sagen, nur soviel verrät mir Markus noch, dass zumindest an einem Tag in Graz gedreht werden wird.

Das Motto des Filmfestivals Kitzbühel lautet: „Kino für alle, aber auch Kino in der Stadt“. Dazu trägt bei, dass alle Veranstaltungen gut zu Fuß erreichbar sind. „Dazu noch diese schöne Landschaft, viel schöner geht es nicht mehr“, kommt Markus ins Schwärmen und spricht gleich auch das ‚Kino am Berg‘ an. „Kino bedeutet für mich die große Liebe und Natur gibt mir die Energie für diesen Job. Das vereint Kitzbühel für mich sehr schön.“

Bei einem Treffen heuer in Graz erzählt mir Markus die Neuigkeit, dass das Filmfestival 2025 Ende November stattfinden wird und es ein besonderes Highlight geben wird: Erstmals in ihrer Geschichte findet die KURIER ROMY in der malerischen Kulisse von Kitzbühel statt.

Der Filmemacher schätzt aber auch die Diagonale in Graz sehr. „Das hat damit zu tun, dass ich mir da als Filmemacher meine ersten Sporen verdiente. Und das ist natürlich Segen und Fluch zugleich.“ Auf meinen fragenden Blick hin erklärt er mir: „Ich sage deshalb auch Fluch, weil es meine Heimatstadt ist und es da immer am schwierigsten ist, weil man immer gut dastehen möchte. Wenn es dann einmal nicht klappt mit einem Film oder einem Projekt, ist man persönlich verletzbarer. Aber gerade unter der Intendanz von Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger habe ich eine Entwicklung der Diagonale mit einer Integration in der Stadt erlebt, die mich wahnsinnig beeindruckt hat. Claudia Slanar und Dominik Kamalzadeh bringen jetzt natürlich eine andere kuratorische Vision ein, neue Qualitäten, die ebenfalls inspirierend und wichtig sind. Da ich selbst immer gerne Interaktionen, Fusionen herstellen und schauen möchte, wie man zusammenarbeiten und sich inspirieren lassen kann, bin ich gerne auf verschiedenen Festivals.“

Markus Mörth: „Ich wurde von den Kitzbühelern immer extrem freundlich und familiär aufgenommen, und ich freue mich, wenn ich jetzt durch meine Arbeit etwas zurückgeben kann.“ Im Bild mit Hedi Grager, www.hedigrager.com. (Foto privat)
Markus Mörth: „Ich wurde von den Kitzbühelern immer extrem freundlich und familiär aufgenommen, und ich freue mich, wenn ich jetzt durch meine Arbeit etwas zurückgeben kann.“ Im Bild mit Hedi Grager, www.hedigrager.com. (Foto privat)

Leidenschaft für Regie
Wichtig für Markus ist auch Regie. „Regie ist in meinem Leben immer an erster Stelle gewesen, ich könnte nicht ohne Regie weitermachen. Heuer werde ich gleich drei Projekte umsetzen bzw. sind diese schon in Arbeit. Zwei Dokumentarfilme mache ich für das Fernsehen, was toll ist. Denn ich liebe Fernsehen, weil Projekte hier eine Breite bekommen. Ich musste lernen, dass man Kino und Fernsehen unterscheiden und wissen muss, welches Format welche Regeln hat. Mein ehrgeiziges Ziel ist natürlich, den nächsten Kinofilm zu machen. Mehr kann ich, wie schon erwähnt noch nicht erzählen.“ Das Drehbuch dafür schrieb er gemeinsam mit einer Kollegin. „Ich schreibe ja meist selbst, aber für manche Kreativarbeiten, für eine Außensicht, mit der ich das Drehbuch nachschärfen kann, hole ich mir gerne jemanden hinzu. Kinofilme machen ist das, was ich ein Leben lang immer machen wollte. Ich bin jetzt an einem Punkt angelangt, wo ich das Glück habe, alles machen zu können, was direkt oder indirekt mit dem Kino zu tun hat. Das war immer mein größter Wunsch.“

Kraft durch Meditation und Familie
Bei all seiner Arbeit vermittelt Markus das Gefühl, immer sehr gelassen zu sein, worauf er mit einem Schmunzeln meint: „Während meiner Schulzeit hatte ich ein Seminar über Meditation und autogenes Training, weil die Lehrer es wichtig fanden, dass wir mit Stresssituationen umgehen können. Das hilft mir heute sehr, weil es im Leben immer wieder Situationen mit großem Druck gibt und man dann etwas braucht, was dir Konzentration, Fokus und auch die Balance im Leben gibt – und ich habe die Biografie von Arnold Schwarzenegger gelesen. Diese fand ich sehr interessant, denn er hat immer viel gearbeitet und lernte schon früh, zu meditieren und zu fokussieren. Das hat mich sehr beeindruckt, weil ich weiß, so ein hohes Arbeitspensum schafft man nur mit Fokussierung und mit Ruhe, die einem aber nicht immer gegönnt ist. Ich brauche auch die Natur und bin ein großer Italien-Fan. Ans Meer komme ich einmal im Jahr gemeinsam mit meiner Familie, die mein Anker ist, bei der ich Ruhe und Kraft finde. Dafür bin ich sehr dankbar und versuche, zwischen Projekten usw. dann auch wirklich Zeit für meine Familie zu haben und ihr das Gefühl zu geben, dass sie überaus wertvoll für mich ist. Sie ist das Wichtigste im Leben. Das gelingt mir manchmal sehr gut und manchmal weniger gut“, erklärt Markus sehr offen. „Meine Frau und ich haben eine sehr große Vertrauensebene, für die ich sehr dankbar bin, und sie hat auch großes Verständnis. Wann immer es geht, ist sie an meiner Seite, denn ich finde, Erfolge sind nur halb so viel wert, wenn man sie nicht mit jemandem teilen kann.“

„Das Filmfestival Kitzbühel hat jetzt eine Dimension, die groß ist, aber immer noch familiär“, erklärt Markus Mörth stolz. (Foto Hedi Grager)
„Das Filmfestival Kitzbühel hat jetzt eine Dimension, die groß ist, aber immer noch familiär“, erklärt Markus Mörth stolz. (Foto Hedi Grager)

Die Kinder von Markus sind jetzt 9 und 16 Jahre alt. „Meine große Tochter geht in die Ortweinschule, in die Filmklasse“, erzählt Markus stolz. „Da ich auch zu Hause viele Filme schaue, haben die Kinder das natürlich von klein auf mitbekommen. Mich selbst interessiert ebenfalls, was sie sich ansehen. Aber auch wenn sie Interesse zeigen, ist es absolut ihnen überlassen, was sie einmal machen wollen. Ich werde sie bei allem unterstützen. Besonders könnte ich das natürlich im Filmgeschäft, aber auch da ist es wichtig, eine eigene Handschrift zu bekommen und dass sie ihre eigenen Ideen einbringen können. Das ist zwar nie einfach, aber die beiden Kinder von Tobias Moretti, Antonia und Lenz, sind auch erfolgreiche Schauspieler. Das ist natürlich schön. Wenn du in einer Schauspielerfamilie aufwächst, hast du automatisch einen anderen Bezug zur Schauspielerei. Du wirst gefordert, lernst früh mit Kritik umzugehen, die gleichzeitig das Bewusstsein fördert, und wie wichtig Qualität ist. Denn Erfolg kommt nicht von selbst – bei niemandem.“

Großes Beitragsfoto: Markus Mörth mit Schauspielerin Judith Altenberger und Regisseurin Clara Stern beim Filmfestival Kitzbühel 2024. (Foto Hedi Grager)

 

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*