Im Rahmen des Festivals des österreichischen Films wurden wieder der Carl-Mayer-Drehbuchpreis und der Thomas Pluch Drehbuchpreis verliehen. Im Forum im Heimatsaal des Volkskundemuseums am Paulustor geschah dies in Anwesenheit von Kulturstadtrat Günter Riegler und dem Leiter der Filmabteilung des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport, Peter Schernhuber.

Mit einer Gesamtdotierung von € 44.500,— zählen die beiden Drehbuchpreise zu den wichtigsten filmischen Auszeichnungen Österreichs und werden in Kooperation mit dem Kulturressort der Stadt Graz und dem Drehbuchverband Austria (im Namen des Preisstifters Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport) vergeben.
„Die Carl-Mayer- und die Thomas Pluch Drehbuchpreise zählen zu den bedeutendsten filmischen Auszeichnungen des Landes. Dass sie bereits zum feierlichen Festinventar der Diagonale gehören, erfüllt uns gleichermaßen mit Freude und Stolz, richten sie doch ihre Aufmerksamkeit auf eine der essenziellen Voraussetzungen für jeden guten Film: die gelungenen Scripts und ihre Autor:innen“, so das Intendant:innen-Duo des Festivals Dominik Kamalzadeh und Claudia Slanar.

Die Jury des Carl-Mayer-Drehbuchpreises 2025 bestand aus Sebastian Höglinger (Juryvorsitzender, AT), Felix von Boehm (Produzent, DE), Vivian Bausch (Regisseurin, Drehbuchautorin, Vorjahrespreisträgerin, DE), Fabian Raus (Regisseur, Drehbuchautor, Vorjahrespreisträger, AT) und Françoise von Roy (Drehbuchberaterin, DE)
HAUPTPREIS mit € 15.000 dotiert:
| Wenn Fische Robben fressen | Treatment von Klemens Hufnagl
Auszug Jurybegründung:
„Ivan war mal ganz oben. Als Schlüsselspieler der litauischen Olympia-Mannschaft 1992 war er am Sprung in die NBA, die wichtigste Basketball-Liga der Welt. Doch alles kam anders. Heute lebt Ivan in St. Pölten, manipuliert Liga-Profispiele für die international agierende Wettmafia und befindet sich in einer steten Abwärtsspirale. Zerbrochen die Träume, zerbrochen die Karriere und die Beziehung(en). In raffinierter zeitlicher Verschachtelung und unter Einbindung unterschiedlicher, bisweilen betörender Bildtypen nimmt uns Wenn Fische Robben fressen mit in den Abgrund: unter Wasser, wo Geldsäcke an Anker-Bojen befestigt werden; in virtuelle Welten, in denen Ivan Kontakt mit manipulierbaren Spielern aufnimmt; und zuvorderst immer wieder in die Vergangenheit, die in Form von wiederkehrenden Camcorder-Aufnahmen wie eine filmische Flaschenpost aus besseren Zeiten in die Geschichte eingewoben sind.”
FÖRDERPREIS mit € 7.500 dotiert:
| Schorsch | Treatment von Stefan Soder

Auszug Jurybegründung:
„Ein Nobelskiort mit zwei Gesichtern: hier die traditionelle Bauernschaft, dort der florierende Tourismus, die „bessere“ Gesellschaft, die Schickeria. Schnell ist klar, dass das Leben für den Hiesigen Schorsch kein Zuckerschlecken ist: No country for poor men. In adaptierter Robin-Hood-Manier nimmt er sich also von jenen, die hier im Ort ihre Schwarzgeldgeschäfte abwickeln. Immer nur ein bisschen, nur nicht übermütig werden. Als Schorsch einen holländischen Aushilfsgauner überfällt, endet seine Glückssträhne. Plötzlich sind viele auf der Suche nach ihm: Johanna, die einerseits in einer undefinierten romantischen Beziehung zu Schorsch steht, in der er nie ganz greifbar ist, und die anderseits als Polizistin seinen Überfällen nachgeht; die Gauner aus Rotterdam, die sich ihr Geld von Schorsch zurückholen wollen. Was in der Verknappung wie ein banaler Krimiplot klingt, ist vielmehr eine mehrfache und vielschichtige Befreiungsgeschichte aus angeborenen Klassenverhältnissen, dörflicher Enge und festgefahrenen Beziehungsdynamiken. Beeindruckend beleuchtet das Buch dabei gleich mehrere Biografien und Schicksale und lässt Gespür wie Kenntnis für Milieu und Umfeld erkennen.”
Die internationale Jury des Thomas Pluch Drehbuchpreises 2025 bestand aus Hanna Bringmann Slak (Drehbuchautorin, Regisseurin, Multimedia Künstlerin, DE/SI), Hans-Christian Schmid (Drehbuchautor, Regisseur, und Filmproduzent, DE) und Anita Wasser (Filmproduzentin, CH).
HAUPTPREIS mit € 12.000 dotiert, für das Beste Drehbuch für einen abendfüllenden Kinospielfilm oder einen abendfüllenden Fernsehfilm (ab 70 Minuten), an:
| The Village Next to Paradise | von Mo Harawe

Jurybegründung:
„Die Summe der kleinen alltäglichen Momente erzählt eine vielschichtige Geschichte. Die ProtagonistInnen treffen Entscheidungen, gehen voran, machen auch Schritte zurück, und widerstehen so der Außenwelt, wo das Schreckgespenst des Todes immer präsent ist. Es ist aber kein Film der Resignation: er gibt den Figuren eine Chance. Alle durchlaufen eine Entwicklung; sie sind komplex mit Stärken und Schwächen, mit Seele und Herz. Es entsteht das Gefühl, dass jedes Leben wertvoll ist. Wir spüren einen empathischen, den Menschen zugewandten Blick. Die Erzählung hat Ruhe und gleichzeitig Spannung. Diese Balance erschafft einen einzigartigen Sog. Nur das Nötigste wird gesprochen und so hallen manche Worte umso stärker nach. «Es ist eine Zeitverschwendung, Kinder zu haben. Sie haben keine Zukunft hier und sterben oft früh.», sagt eine der Figuren. Es ist die Leistung des Autors, dass wir trotzdem mit jeder einzelnen Figur mitfiebern und hoffen.”
SPEZIALPREIS mit € 7.000 dotiert, für ein Drehbuch mit besonders herausragend behandelten Aspekten für einen abendfüllenden Kinospielfilm oder einen abend-füllenden Fernsehfilm (ab 70 Minuten), an:
| Wenn du Angst hast nimmst du dein Herz in den Mund und lächelst | von Marie Luise Lehner

Jurybegründung:
„Zwei Milieus prallen aufeinander. Beziehungen werden unter Druck gesetzt. Schaffen die Hauptfiguren es, sich selbst treu zu bleiben und einander nicht zu verleugnen? Das Emotionale wird ohne Sentimentalität erzählt, die Menschen auf Augenhöhe beobachtet. Ihre innere Reise wird unaufdringlich und sensibel, kritisch und doch sanft erzählt. Es geht um Selbstfindung, Selbstbehauptung, es geht darum, zur eigenen Herkunft zu stehen und in den eigenen Weg zu vertrauen. Am Ende sitzen zwei Mädchen in einem Karussell und erheben sich für einen befreienden Moment über die Ungerechtigkeit der Welt.”
Für den Haupt- und den Spezialpreis der Jury waren weiters Mond von Kurdwin Ayub, Mother’s Baby von Johanna Moder und Perla von Alexandra Makarová nominiert.
Die nationale Jury des Thomas Pluch Drehbuchpreises 2025 bestand aus Drehbuchautor und Regisseur Achmed Abdel-Salam, Drehbuchautorin und Dramaturgin Sandra Bohle und der Drehbuchautorin und Journalistin Marie-Therese Thill (Vorstandsvorsitzende des Drehbuchverband Austria) und hat aus den insgesamt 31 Einreichungen fünf Drehbücher für den Hauptpreis nominiert und den Thomas Pluch Preis für kurze oder mittellange Kino-Spielfilme vergeben.
Thomas Pluch Preis für kurze oder mittellange Kino-Spielfilme, mit € 3.000 dotiert, für das Beste Drehbuch für einen Kinospielfilm mit einer Mindestlänge von 15 bis max. 70 Minuten, an:
| Preiswerte Lösungen für ein besseres Leben | von Leni Gruber und Alex Reinberg

Jurybegründung:
„Wer bin ich und wer will ich sein? Träumen wir nicht alle manchmal von einem anderen Leben? Davon, wie es sich anfühlen würde, sich in einer anderen Welt zu bewegen, in einer anderen Haut zu stecken, von anderen Menschen umgeben? Und was würde man tun, wenn sich die konkrete Chance bietet, einfach nahtlos in eine neue Identität zu wechseln? Diese Prämisse ist der Ausgangspunkt einer rasanten Reflexion über unstillbare Sehnsucht und Paralleluniversen, die in einer skurrilen Eskalation endet.
Originell, klug und voller Überraschungen ist dieses Drehbuch. Mit pointierten Dialogen und allzu menschlichen Figuren, die, samt ihren Unzulänglichkeiten und Schrulligkeiten, merkwürdig ans Herz gehen. Es zeigt sich eine autarke Haltung des Erzählens, unkonventionell und authentisch.”
Großes Beitragsfoto: Diagonale25 – die Carl-Mayer-Drehbuchpreise und Thomas Pluch Drehbuchpreise wurden verliehen. (Foto Diagonale / Miriam Raneburger)
