Die vielfach ausgezeichnete Schauspielerin Veronica Ferres spielte in mehr als 150 Spielfilmen und zahlreichen TV-Sendungen. Jetzt ist die Grimme-Preisträgerin wieder für eine ROMY nominiert – in der Kategorie „Beliebteste Schauspielerin TV/Streaming“.
Sie ist eine großartige Schauspielerin, erfolgreiche Produzentin, beliebte Gastdozentin und Mitglied der deutschen und europäischen Filmakademie. Heuer koproduzierte ihre Produktionsfirma Construction Film in Zusammenarbeit mit Fields Entertainment, Under The Influence und augenschein Filmproduktion den Film THE WEIGHT. Dies unter der Regie von Padraic McKinley und mit den Hollywood-Stars Ethan Hawke und Russell Crowe in den Hauptrollen. Weiters war Construction Film Produzent der deutschen Produktion KALTER HUND beteiligt, bei der Pauline Roenneberg Regie führte und in den Hauptrollen Corinna Harfouch, Lea Drinda und Karoline Eichhorn zu sehen sind.
Ich hatte die große Freude, dass Veronica Veronica Ferres mir im Rahmen der KURIER ROMY-Pressekonferenz in Wien ein kurzes Interview gab. Die KURIER ROMY Gala findet heuer erstmalig im Rahmen des Filmfestivals Kitzbühel statt. Die Schauspielerin gehört zu den Botschafterinnen des Filmfestivals und wurde 2020 in
Kitzbühel mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet.

Frau Ferres, wie wichtig sind derartige Veranstaltungen wie die KURIER ROMY für die Kreativwirtschaft?
„Ich finde die ROMY unfassbar wichtig, weil sie „der“ Film- und Fernsehpreis ist, sie ist der österreichische Oscar. (begeistert) Wir haben ja heute auch zwei weitere neue Kategorien kennengelernt, die in der jetzigen Zeit bedeutender geworden sind. Es geht um immer mehr Authentizität und Wahrheitsfindung, und das auch in den Medien zu würdigen durch Menschen, die korrekte Faktenanalysen machen, finde ich ganz toll und ganz wichtig.“
„Gemeinsam etwas zu schaffen hat eine solche Flügelkraft, die dich wirklich zum Fliegen animiert, dich im Leben beflügelt. Das ist etwas Wunderwunderschönes und für dieses Geschenk bin ich sehr, sehr dankbar.“
Finden Sie es für junge Schauspielerinnen schwieriger als es für Sie zu Beginn war. Ich denke dabei an Social Media, KI, Fake-Geschichten und mehr?
So wie wir, wie unsere Generation aufgewachsen ist, konnten wir einen Pioniergeist entwickeln. Meine Eltern sind Kohle- und Kartoffelhändler. Ich komme aus dem Rheinland, bin zum Studieren nach München gegangen, habe meine Ausbildung als Schauspielerin bei Prof. Dr. Margret Langen vom Max Reinhard-Seminar absolviert und auch Theaterwissenschaften, Germanistik und Psychologie studiert. Ich kannte niemanden in München, ich hatte aber einen ganz großen Traum, nämlich Geschichten zu erzählen. Und dieser Aufbruchsgeist, den man als 17-, 18-Jährige hat, der ist unvergleichlich und ganz toll.
Ich glaube, dass Jugendliche das heute auch erleben können, aber es ist schwerer, sich zurechtzufinden. Und vor allen Dingen mit KI, denn was bedeutet das für Schauspieler? Bedeutet das, dass wir in 20 Jahren nur noch, was heißt nur noch, aber hauptsächlich TheaterschauspielerInnen und SchauspielerInnen haben? Werden im Film alle ersetzt werden? Das sind schon Fragen, die wir uns stellen, die auch beängstigend sind. Und das spielt natürlich auch bei der Berufswahl eine große Rolle.

Spüren Sie auch ein bisschen diese allgemeine Entwicklung, dass die
Menschen respektloser, unhöflicher werden?
In meinem Umfeld kämpfe ich sehr dagegen an. Ich wurde zum Beispiel eben gefragt, was mein Geheimnis ist. Ich habe kein Geheimnis, aber ich versuche jede Sekunde vor der Kamera mein Bestes zu geben und mich hervorragend vorzubereiten. Und ich
habe großen Respekt vor allen Teammitgliedern, die dafür sorgen, dass im richtigen Moment z.B. auch das entsprechende Motiv und das richtige Licht da ist. Ich möchte ja auch nicht, dass sie es noch einmal machen müssen, weil ich vielleicht nicht gut vorbereitet bin. Im Dienst der Geschichte will ich etwas Großartiges schaffen,
gemeinsam mit den Kreativen – und das ist ein so großes Geschenk.
Ist es nicht so, dass der Druck durch weniger Drehtage größer wird?
Also der Druck wird, glaube ich, allgemein größer. Da die Drehtage weniger und dadurch die täglichen Drehzeiten länger werden, muss man dann mehr arbeiten. Aber ich finde, dass wir durch die besonderen Geschichten, die wir erzählen und die aus dem Innersten kommen, einzigartig sein können. Darauf müssen wir uns besinnen. Und ja, man muss sich an neue Gegebenheiten anpassen, muss kreativ sein und gewisse Dinge eben kürzen, dass man es vielleicht nicht so merkt.

Kommt dann irgendwann die KI ins Spiel?
Nee, ich glaube, dass vieles durch Kameraeinstellungen gemacht wird oder man muss sich mehr auf die Figuren konzentrieren, auf die Geschichten, die uns bewegen und die uns ausmachen. Und ich glaube, wir alle, RegisseurInnen, AutorInnen, ProduzentInnen und wir SchauspielerInnen, sollten Geschichten erzählen, die aus uns herauskommen. Wenn ich jetzt z.B. eine Drehbuchautorin wäre, würde ich etwas erzählen, was ich persönlich erlebt habe und wo nur ich das ganz spezifische Fachwissen habe, dann bin ich einzigartig.
Und so versuche ich auch, meine Rollen anzufüllen, mit meinen persönlichen Traurigkeiten, mit meinen Glücksgefühlen, mit meinen Erfolgen und mit meinen Niederlagen. Und dann wird eine Rolle plötzlich etwas Besonderes. Und das ist, glaube ich, ein Geheimnis.
Mit einem Blick auf die Uhr merke ich, dass meine Gesprächszeit vorüber ist. Ist die großartige Schauspielerin doch fast schon am Sprung nach Salzburg, wo sie wieder als resolute Ermittlerin
Birgit Reincke in ALPENTOD brillieren wird.
Veronika Veronica Ferres
geboren am 10. Juni 1965, aufgewachsen in Solingen
Schauspielerin, Produzentin, Gastdozentin und Mitglied der deutschen und europäischen Filmakademie,
Studium Germanistik, Psychologie und Theaterwissenschaft an der Ludwig Maximilians- Universität in München
Die Grimme-Preisträgerin spielte in mehr als 150 Spielfilmen und zahlreichen TV-Sendungen, davon mehr als 30 in englischer Sprache.
1992 Durchbruch mit dem Oscar- und Golden Globe-nominierten Satire-Streifen „Schtonk!“
1996 Hauptrolle im Film „Das Superweib“
2002 – 2004 Buhlschaft beim „Jedermann“
2006 Auszeichnung mit dem Bayerischen Verdienstorden
2019 Auszeichnung mit der renommierten Europamedaille
2013 Gründung der eigenen Produktionsfirma Construction Film
Großes Beitragsfoto: Die Filmografie von Veronica Ferres – sie ist auch eine erfolgreiche Bühnendarstellerin – umfasst unzählige Filme, darunter 25 internationale Produktionen. (Foto Veronica Ferres 2024 in Salzburg by Manfred Baumann)
