Die erfolgreiche Produzentin Loredana Rehekampff gründete gemeinsam mit Andreas Schmied Ende 2017 die Samsara Filmproduktion. Nach „Pulled Pork“ feiern sie jetzt große Erfolge mit „Neo Nuggets“.
Loredana Rehekampff studierte Medienwissenschaft und Medienmanagement. Auf eventuelle Gene angesprochen meint sie lachend: „Nein, tatsächlich gar nicht. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die schon mit sechs Jahren mit der Videokamera im Garten Aufnahmen vom Hund gemacht und an eine Karriere als große Filmregisseurin gedacht haben. Während meines Studiums haben wir ein Filmseminar gemacht und dafür musste ich „Gegen die Wand“ analysieren, einen mehrfach ausgezeichneten Spielfilm des deutsch-türkischen Regisseurs Fatih Akin. Bis dahin war ich der ‚Otto-Normal-Verbraucher‘ in Sachen Kinofilme und ohne cineastische Ausbildung. Und dann musste mich mit Lichtsetzung, Szenenbild, Kameraführung, Schnittwechsel und mehr auseinandersetzen. Ich war begeistert, was für ein grandioses Medium Film ist und habe mir gedacht, das ist so eine schöne Erzähl- und Kunstform, um den Menschen Emotionen und Geschichten näher zu bringen. Ab dem Zeitpunkt war für mich klar, ich muss zum Film. Ich hatte keine Ahnung, was ich da tun will, aber ich musste einfach zum Film. Gleich nachdem ich ein Essay geschrieben hatte, bewarb ich mich bei X Filme Creative Pool in Berlin. So hat alles begonnen.“

Inzwischen durchlief Loredana viele Stationen, sammelte Erfahrung und gründete gemeinsam mit Andreas Schmied die Samsara Filmproduktion. Sie erzählt mir, wie es dazu kam: „Ich war ein paar Jahre in Deutschland und bin nach dem Studium nach Wien gezogen. Da habe ich erst einmal am Set und in der Produktion gearbeitet, war dann beim ORF und habe angefangen, inhaltlich zu arbeiten. Ich bin sehr dankbar für diese Zeit, in der ich sehr viel gelernt habe. Damals war ich Mitte 20 und wollte endlich anfangen, Geschichten zu entwickeln. Ich habe einen sehr unternehmerischen Geist und war mir bewusst, dass ich mal eine eigene Firma aufbauen möchte.
Voller Energie erzählt Loredana weiter: „Andreas und ich lernten uns bei der Aichholzer Filmproduktion kennen, wo ich als Producerin gearbeitet habe. Da habe ich quasi neue Talente gesucht und er hatte gerade ‚Die Werkstürmer‘ gemacht. Ich habe mir gedacht, schau, ein junger Regisseur, der Drang zum Publikum hat, das ist ja toll, den muss ich mal kennenlernen“, lacht die Produzentin herzlich. „Dann haben wir gemeinsam zwei Geschichten entwickelt und es war sofort ein ‚Match made in heaven‘.“ Als Andreas ihr dann sagte, dass er gerne wieder produzieren würde, meinte sie, dass auch sie an dem Punkt wäre, gerne ihre eigenen Projekte zu entwickeln: „Begonnen hat dann alles an meinem Küchentisch mit einem weißen Blatt Papier und einem Businessplan. Wir hatten beide nicht viel Geld, kommen beide nicht von der Filmakademie und sind komplette Quereinsteiger gewesen. Aber ich glaube, diese Naivität brauchst du irgendwie am Anfang, sonst machst du das nicht. Wenn ich damals gewusst hätte, was ich jetzt alles weiß, hätte ich nicht angefangen“, lacht Loredana wieder. Sie weiß, wie wichtig es ist, sich gut zu verstehen, wenn man eine Firma führt. „Es ist eine berufliche Ehe, in der man gemeinsam Finanzielles aber auch Emotionales bewältigen muss. Da übereinzustimmen oder sich genau bei den richtigen Themen zu ergänzen, ist so wichtig. Im Nachhinein denke ich mir, was wir für ein Glück hatten, denn bei uns gibt es natürlich Diskussionen, aber keine Krisen oder Auseinandersetzungen.“

Gemeinsam produzierten Loredana und Andreas bereits viele erfolgreiche und mehrfach ausgezeichnete Filme. Aber erhöhen diese Publikumserfolge nicht auch den Druck, möchte ich von Loredana wissen, worauf sie meint: „Wir haben für uns nach dem ersten Jahr der ‚quasi Findung‘ relativ klar auf Genre-Filme wie Science-Fiction, Horror, Thriller, gerne sogar englischsprachig und auf jeden Fall für den internationalen Markt ausgerichtet, und auf heimisches Mainstream-Kino spezialisiert. Der erste Film war RUBIKON, ein englisch-sprachiger Science Fiction Film, der im Weltall spielt und sich sehr erfolgreich weltweit verkauft hat. Sogar einen Kinostart in den USA und heimische Produktions-Preise wurden verbucht. Danach kam die Kooperation mit der EPO Film bei „Klammer – Chasing the line“ und schnell auch die Idee zur „Pulled Pork-Reihe“ mit Pizzera & Jaus. Das sind so die zwei Wege, die wir eingeschlagen haben. Arthouse ist nicht unseres, wir schätzen es zwar sehr, aber es gibt tolle Kollegen, die das bereits sehr gut machen, und es wäre auch nicht unsere Sensibilität.“ Leicht nachdenklich meint Loredana weiter: „Im Arthaus ist Film eine Kunstform und hat eine emotionalere oder persönlichere Betrachtung, die einigen Leuten gefallen kann und einigen nicht. Eine Messlatte sind jedoch die Festivals, zu denen man eingeladen wird. Im Mainstream bzw. kommerziellerem Bereich ist das ähnlich, aber anders. Denn dort misst man mit knallharten Zahlen und natürlich erzeugt das Druck. Aber natürlich sind wir auch im Filmgeschäft, um Leute glücklich zu machen und eine gute Zeit schenken wollen. Und ob das gelungen ist, sieht man halt wieder an den verkauften Tickets oder Schaltungen.“

Zutaten für einen guten Film
Aber was sind die wichtigsten Zutaten für einen erfolgreichen Film, möchte ich von Loredana wissen, worauf sie schmunzelnd meint: „Ich glaube, dieses Rezeptbuch gibt es leider noch nicht, sonst wären wir Filmproduzenten schon extrem reich. Aber wenn ich es einmal in die Hände bekomme, dann verkaufe ich das Buch definitiv. Nein, ich glaube, es ist wirklich viel Glück und Zeitgeist. Es gibt erfolgreiche Filme, die zu einem anderen Zeitpunkt komplett gefloppt wären. Und es gibt Filme, von denen man sich denkt, sie sind weniger interessant – und die gehen dann sogar total durch die Decke, eben weil sie zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Nerv treffen. Und das weiß man zum Zeitpunkt der Planung Jahre vorher einfach noch nicht. Also bleiben Glück und irgendein Bauchgefühl, eine Intuition, die man gar nicht beschreiben kann.“
Loredana und Andreas machen zwar auch TV und Serie, haben sich aber hauptsächlich auf Kinofilme spezialisiert. „Wir stellen uns selbst immer die sehr, sehr unangenehme Frage, wofür ziehen wir unsere Hausschuhe aus und unsere Straßenschuhe an, gehen aus dem Haus und zahlen zwölf Euro. Das heißt, man muss den Menschen wirklich einen Anreiz bieten, damit sie ins Kino gehen. Deshalb muss es eine Geschichte, die wirklich raussticht, mit einem wahnsinnig überraschenden Cast oder mit altbewährten Gesichtern, die einfach Publikumslieblinge sind. Und das Allerwichtigste sind wie immer das Drehbuch und die Regie. Wenn die nicht passen, dann helfen alle anderen Zutaten auch nicht.“

Film-Förderungen
Natürlich ist das liebe Geld immer ein großes Thema und deshalb frage ich Loredana, wie es aktuell mit Förderungen aussieht. „Die Förderungen des Österreichischen Filminstituts mit ÖFI und ÖFI+ sind zwar nicht komplett eliminiert, aber extrem gekürzt worden, und bei ÖFI selektiv werden Projekte von einer Kommission nach künstlerischem und kommerziellem Anspruch ausgewählt.“ Dass es keinen Tax Credit in Österreich mehr gibt, kritisiert die Produzentin scharf. „Ich verstehe natürlich, dass die Österreichische Bundesregierung sparen muss und keine ausländischen Kinofilme mehr unterstützen will, die in Österreich nur Geld abfangen wollen. Andererseits haben diese Produktionen aber viel Geld in die Kassa gespült. Viel Schlimmer ist aber, dass es damit für uns österreichische Produzenten bei heimischen Filmen auch wahnsinnig schwer gemacht worden ist, nun zu finanzieren und die Wertschöpfung im Land zu behalten. Die aktuelle Situation erfordert daher extremes Umdenken und natürlich haben auch wir unsere Projekte durchforstet und müssen umstrukturieren. Einige Projekte sind jetzt einfach weggebrochen, weil es nicht mehr attraktiv ist, in Österreich Kinofilme zu drehen. Für Streaming/ TV und für Serviceproduktionen ist FISA+ nach wie vor da – und da bin ich auch extrem dankbar. Unsere nächsten Kinofilme zu finanzieren, ist trotzdem eine große Herausforderung geworden, die wir aber hinbekommen werden“, ist sich Loredana sicher. Sie findet es schade, dass die Filmwelt nicht als Industrie wahrgenommen, sondern als Künstlerwelt gesehen wird, was komplett falsch ist. „Film hat einen nachweislich sehr hohen wirtschaftlichen Wert, der viele Arbeitsplätze schafft, und nur wenn wir uns so wahrnehmen, werden wir erfolgreich produzieren. Das Wichtigste für uns Produzenten ist eine absolut zuverlässige Planungssicherheit. Es wirft einfach kein gutes Licht auf Österreich und auf uns, wenn man Co-Produzenten aus aller Welt plötzlich sagen muss, es geht nun doch nicht. Da werden sich mögliche Partner in Zukunft eine Zusammenarbeit sehr gut überlegen. Dabei sind Produktionen mit Partnern so wichtig. Wir haben beispielsweise einen historischen Film in Entwicklung und der wäre ohne einen Co-Partner nicht zu stemmen.“ Wie sieht es dann in der Praxis aus, wenn in einer Co-Partnerschaft mehrere Entscheider mitsprechen, frage ich sie. „Das kann eine absolute Bereicherung sein, vor allem wenn kluge Köpfe zusammenkommen und man voneinander lernen kann.“
Österreichische Filme mit österreichischer Identität sieht Loredana als sehr wichtig an, „gleichzeitig sind wir aber auch Teil von Europa und da ist es notwendig und sinnvoll, dass wir europäische Geschichten erzählen, die in mehreren Ländern spielen oder die mehrere gesellschaftliche Einflüsse zusammenbringen.“ Sie schmunzelt etwas bei meiner Frage, ob „Neo Nuggets“, der sehr ‚mundart‘ ist, auch in anderen Ländern erfolgreich sein kann. „“Neo Nuggets“ noch eher als „Pulled Pork“, der eine klassische Krimi-Komödie war, während „Neo Nuggets“ eine Spionage-Komödie ist. Das ein Genre, das international ein bisschen besser angenommen wird. Wir haben ihn deswegen extra halbwegs verständlich synchronisiert, und es wird auch deutsche Untertitel geben.“

KI generierte Schauspieler
Mit der Schauspielerin Tilly Norwood wurde eine völlig KI-generierte Figur geschaffen. Dazu möchte ich von Loredana wissen, wieviel ‚Angst‘ man vor KI in der Filmwelt insgesamt haben müsse. „KI wird sich nicht aufhalten lassen und ich glaube schon, dass die EU da einiges versuchen wird, um diese Entwicklung so gut wie möglich zu reglementieren. Die Frage ist nur, ob uns das in einer globalen Wirtschaft weiterbringt, die sich darum nicht kümmert. Alles, was wir nicht dürfen, machen andere dann halt. Für sehr wichtig halte ich aber, dass wir die Urheberrechte und die Persönlichkeitsrechte der Menschen gut schützen. Wir können diese Technologie aber nicht zu sehr abwehren, da uns das einen ungemeinen Wettbewerbsnachteil bringen würde. Ich sehe die KI also auch als Chance. Wir sind ein Unternehmen und müssen Gewinn machen und KI kann uns helfen, Kosten zu senken.“ Für Loredana bedeutet das aber nicht, dass Menschen ersetzt werden, sondern dass mit KI-Tools effizienter und schneller gearbeitet werden kann. Klar ist aber auch, dass einige Berufe ‚aussterben‘ werden. „Aber dafür wird es auch wieder ‚neue‘ Jobs für Menschen geben, die mit der KI umgehen müssen. Wie sich das entwickeln wird, weiß ich nicht, glaube aber, dass der Kinofilm und der künstlerisch wertvolle Film nicht von KI ersetzt werden kann. Diese leben ja davon, dass Menschen sie gestalten und sie eine Seele haben.“
Als ich die Produzentin frage, ob sie aktuell jemandem raten würde, eine Produktionsfirma zu gründen, meint sie lachend: „Nein. Aber nicht, weil ich keine Konkurrenz haben will, diese belebt ja das Geschäft. Ich korrgiere: Jein, aber man muss sich genau überlegen, was man machen mag, welche Zielgruppe man mit welchen Mitteln erreichen will, und einen guten Businessplan haben. ‚Ins Blaue hinein‘ produzieren und hoffen den Nerv der Zeit zu treffen, wird nicht funktionieren, noch dazu in der aktuellen wirtschaftlichen Lage. Aber auch diese wird wieder besser werden.“

Zielgruppe älteres Publikum
Natürlich gibt es inzwischen deutlich mehr älteres Publikum, weiß auch Loredana, „und wenn ich jetzt mal an die Gruppe ab 65 denke, gibt es dafür wirklich sehr, sehr wenig Angebot. Deine Frage ist ein guter Hinweis, darüber nachzudenken. Ich glaube jetzt nicht, dass diese das typische Kino-Geh-Publikum sind, aber es gibt ja auch Streaming und Fernsehen. Wir müssen auf der einen Seite schauen, dass wir die älteren Menschen nicht verlieren und gleichzeitig die Jungen mehr ins Kino bringen. Sie haben einfach gelernt, dass es wahnsinnig gemütlich ist, auf der Couch zu sitzen und zu streamen.“ Loredana ist sich bewusst, „am Ende des Tages konkurrieren wir um die drei, vier, fünf Stunden Freizeit, die jeder Mensch am Abend noch zur Verfügung hat, und das ist nicht einfach. Und da bin ich wieder dort, dass man sich wirklich sehr genau überlegen muss, welche Geschichten man erzählt.“
Neue Energie
Loredana erzählt mir, dass ihr Vater immer gesagt hat, ‚Wenn du etwas tust, was du liebst, dann hast du nie das Gefühl, dass du arbeitest‘. „Und es stimmt für mich auch teilweise. Es gibt Bereiche, die machen mir viel Spaß und fühlen sich tatsächlich an wie Freizeit. Und es gibt Aufgaben wie Buchhaltung, Steuern und Bankangelegenheiten, die fühlen sich definitiv nach Arbeit an“, schmunzelt die Produzentin wieder. „Aber ich versuche wirklich streng, mir die Wochenenden freizuhalten. Das habe ich am Anfang natürlich nicht gemacht, weil da war ich total in der Gründer-Wir-müssen-tausend-Prozent-geben-Phase. Jetzt versuche ich, im Urlaub weniger erreichbar zu sein, ganz unerreichbar geht aber nicht und wäre auch verantwortungslos. Ich mache jeden Tag Sport, gehe mit meinem Hund spazieren und mache Dinge, die nichts mit Film zu tun haben, wie Podcasts hören und mich mit Freunden treffen, die nichts mit der Filmbranche zu tun haben. Das ist wichtig und tut mir gut.“ Leicht nachdenklich meint sie noch: „Jede Liebe, auch die Liebe zum Film, braucht eine gewisse Form von Distanz. Man muss aufpassen, dass man sich selbst gut behandelt und man sich Grenzen setzt.“
In der nächsten Zeit stehen trotzdem wieder viele Projekte an oder sind zumindest in Planung, wie z.B. der 3D-Animationsfilm „Operation Oma“, der in Cannes schon erfolgreich die Pre-Sales begonnen hat. „Im kommenden Sommer gibt es zwei Koproduktionen, die geplant sind. Das eine ist eine wunderschöne romantische Komödie mit Tiefgang und einem Schuss “Und täglich grüßt das Murmeltier“ von Regisseur Georg Maas „Mai Juni August“, das andere ist der neue Film von Nadja Brunckhorst „The Opposite of White“, die u.a. schon sehr erfolgreich in der Filmkomödie „Zwei zu eins“ mit Sandra Hüller gearbeitet hat. Dann gibt es noch den unterhaltsamen Jugend-Mystery-Film „Smart Girl“ unter Regie von Michael Podogil und auch ein internationales Filmprojekt mit Stefan Ruzowitzky ist in Planung; „Van Swieten“, die wahre Geschichte von Van Helsing, der den Vampir-Mythos begründet hat.“ Und weil Paul Pizzera und Silvia Schneider das ‚neue Filmtraumpaar‘ sind, ist ein weiterer Film mit den beiden geplant. „Das wird eine romantische Komödie und natürlich kommt im besten Fall „Pulled Pork 3“, verrät mir Loredana noch schnell, bevor sie zu einem Spaziergang mit ihrem Hund nach Hause eilt.
Großes Beitragsfoto: Die erfolgreiche Produzentin Loredana Rehekampff. (Foto SAMSARA Filmproduktion)
