Die mehrfach ausgezeichnete Schauspielerin Patricia Aulitzky spielte eine Hauptrolle der MiniSerie „Hundertdreizehn“, der für den Jupiter Award 2026 in der Kategorie „Beste Serie national“ nominiert ist. Und als Mitglied der Jury für die „International Emmy Awards 2025“ ist sie am 24. November bei der Preisverleihung in New York dabei.
In der erfolgreichen Serie „Hundertdreizehn“ verliert Patricia Aulitzky nicht nur ihren Partner, sie findet nach seinem Tod auch heraus, dass er ein Doppelleben geführt hat. Nachdem die Schauspielerin immer sehr tief in ihre Rollen eintaucht, möchte ich von ihr wissen, wie es ihr danach ergangen ist und erfahre: „Eigentlich ist es mir sehr gut gegangen, was sicherlich auch daran lag, weil ich zu dieser Zeit ein paar Projekte parallel gedreht habe, wie z.B. „Der Geier“. Ich bin sozusagen von einer Produktion in die andere gehüpft“, schmunzelt sie. „Eine der größten Herausforderung bei 113 aber war es, dass sehr intensive Drehtage handlungsbedingt teils weit auseinander lagen, dazwischen waren z.B. Sommerferien, die ich mit meinem Sohn eher im Schwimmbad verbrachte – das war schon ein ziemlicher Kontrast“, lächelt Patricia. Leicht nachdenklich ergänzt sie noch: „Das war bei dem langen Drehzeitraum schon eine Herausforderung und ich finde es persönlich schon leichter, so ein Stück in einem zu drehen.“
Eine andere Herausforderung war das Wetter. „Der Geier“ drehten wir dazwischen auf einer Almhütte im Sommer; es war sehr heiß, schön und grün. Und dann hatten wir am nächsten Tag acht Zentimeter Schnee dort oben und konnten natürlich nicht drehen – was wiederum die Drehpläne durcheinanderbrachte und das ist wiederum für eine Mutter mit Kind natürlich logistisch schon eine echte Herausforderung“, meint Patricia sehr offen.
Gleich nach „Hundertdreizehn“ drehte sie den „Tiroler Landkrimi“, der nun am 27. November im Rahmen des Filmfestivals Kitzbühel Premiere hat.

Rollen bereichern und belasten
Auf meine Frage, ob sie selbst aus Rollen etwas für sich mitnehmen kann, meint Patricia, dass man mit jeder Rolle dazu lernt und manchmal nimmt man etwas mit, das man will und manchmal auch etwas, was man nicht will. „Das ist ja das wahnsinnig Schöne an unserem Beruf, dass man wirklich reinspringt oder sich merged mit einem anderen Leben und dann dort die Grenzen ausprobieren kann. Natürlich bereichert einen das. Das hat aber gar nichts damit zu tun, ob die Rolle dramatisch oder lustig ist, sondern dass man immer etwas dazulernt, wenn man sich in die Perspektive jemandes anderen begibt.“ Dafür geht die beliebte Schauspielerin auch gerne aus ihrer Komfortzone heraus.
Kurz kommt sie auf Heimrad Bäckers „Nachschrift“ zu sprechen, eine der radikalsten literarischen Auseinandersetzungen mit dem Holocaust in der Literatur.„Ich habe es gemeinsam mit der Pianistin Clara Frühstückperformt und merke, dass ich zu diesem wahnsinnig heftigen Stück mittlerweile so ein bisschen eine Hassliebe entwickelt habe. Es ist einfach so sehr anstrengend zu spielen und ich spüre, dass ich mir das nicht so oft reinziehen möchte. Ich verstehe auch, dass nur wenige Zuschauer darauf Lust haben, aber es ist leider ein immer aktuelles Thema, das nicht zur Seite geschoben werden darf. Es wäre für mich ein Stück, das in Schulen gespielt werden sollte, denn ich finde, dass Kinder lernen müssen, es gibt auch eine andere Welt.“
Erziehung ist Gratwanderung
Beim Gedanken an all die Krisen, die wir gerade durchlaufen, frage ich Patricia, wie sie ihren fast siebenjährigen Sohn darauf vorbereitet. „Du hast recht, es ist eine Gratwanderung zwischen Beschützen und Loslassen. Natürlich hat man diesen Beschützerinstinkt, aber irgendwie müssen Kinder ja auch lernen, selber zurechtkommen. Ich glaube, es gibt kein Rezept, man muss in jeder Situation angepasst reagieren, aber ich möchte meinen Sohn trotzdem Kind sein lassen so lange wie möglich. Das wünsche ich eigentlich uns allen, dass wir auch im Alter das Kind in uns immer wieder finden, das spielt, tanzt und singt.“

KI-generiertes Schauspiel und Co-Produktion
Auf die erste KI-generierte Schauspielerin Tilly Norwood angesprochen meint Patricia: „Ich war wirklich schockiert, obwohl man es im Video schon – noch – ein bisschen merkt. Ich glaube, man darf bei KI nicht generell nur in Angst verfallen, denn wie ein Freund von mir sagte ‚Das sind Giganten die schon da sind – wir müssen lernen sie zu kontrollieren‘. Eine spannende Frage ist für mich, wie man das machen kann. Schlechten Nachrichten und KI Informationen gebe ich mir aber nur in Dosen, weil sonst kriege ich wirklich Angstzustände“, meint Patricia sehr offen. „Und was jetzt die Kunst angeht, ist es wie in vielen anderen Lebensbereichen: Die Hoffnung bleibt. Und ich hoffe, dass sich der Mensch für den Menschen entscheidet, dass man weiterhin ins Kino geht, um Filme zu sehen, die Menschen gemacht haben. Vielleicht werden die Live-Performances mehr werden, wenn die Menschen einen Raum suchen, wo sie echte Menschen mit echten Ideensehen können.“
Da es mittlerweile überwiegend koproduzierte Filme gibt möchte ich von Patricia wissen, ob das für sie als Schauspielerin einen Unterschied macht, worauf sie meint: „Ich kann mich jetzt gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal auf einem rein österreichischen oder einem rein deutschen Set war. Es war eigentlich immer gemischt und wird auch aus finanzieller Sicht immer wichtiger. Wir sind ein kleines Land, haben aber spezifische Nischen und viele Talente. Sich europäisch zusammen zu tun, finde ich prinzipiell gut, Besetzung sollte allerdings nie abhängig von Steuersitz oder Nationalitäten werden – da wird, meiner Meinung nach, in eine ganz falsche Richtung gegangen.“

Liebe zur Komödie
Sehr gerne würde Patricia mehr Komödie spielen. „In „Die Toten von Salzburg“ z.B. steckt viel Humor und ich liebe vor allem den österreichischen Humor, schwarzen, sarkastischen, trockenen Humor. So etwas würde ich wahnsinnig gerne spielen, aber nicht, weil ich genug von tragischen Rollen habe“, stellt Patricia klar. „Eine richtig gute Komödie hat ja auch Tiefe und ich mag immer gerne Sachen, die ein bisschen anders sind als das, was man vorher schon gemacht hat.“
Sie stimmt mit mir überein, dass auch sehr emotionale, schwere Themen eine Leichtigkeit haben sollten, ohne Tiefe wegzunehmen. „Das ist die Königsklasse“, lächelt Patricia.
Rückblick und Ausblick
Auf das heurige Jahr rückblickend gab es einige Highlights für Patricia und eines war sicherlich die Premiere von „Hundertdreizehn“: „Dieses Herzensprojekt ist einfach unglaublich gut geworden. Da hat so viel gestimmt, vom Drehbuch über die Regie bis hin zum unglaublichen Cast und der tollen Atmosphäre am Set“, begeistert sich Patricia, die für die nominierte Serie auch auf dem Monte-Carlo Television Festival in Monaco war. „Es war wirklich lustig, diesen „Zirkus“ einfach mal zu sehen.“
Großartig war für die Schauspielerin weiters, dass sie Jurorin bei den Semifinals für die internationalen Emmys war. „Ich bin jetzt zu den Emmys nach New York eingeladen und darauf freue ich mich schon sehr.“ Ein sehr schönes Herzensprojekt war für sie auch das von ihr kreierte Projekt „The Rise and Fall of a Wildflower“, das sie mit dem Trio Frühstück im Wiener Musikverein performte und gerne weiter aufführen möchte. „Die Lesung behandelt mit vielen starken, weiblichen Texten, wie ein Tag im Leben einer Blume, also vom ersprießen, erblühen und verwelken, im Leben einer Frau wäre.“
Und als neue Ermittlerin Ludovika „Lu“ Frey hatte sie ihren Einstand bei „Die Toten von Salzburg“. „Ein bisschen Humor mitspielen zu lassen, gerade mit dem Michi Fitz, das macht einfach großen Spaß. Außerdem ist in Salzburg zu drehen auch ein bisschen wie mal kurz nach Hause kommen“, ergänzt Patricia, und deutet noch kurz an, dass sie auch ein Solo-Programm im Kopf hat. Aber darüber wird sie mir ein andermal mehr erzählen, meint die Schauspielerin, die sehr große Freude an eigenen Ideen hat, um diese dann lebendig werden zu lassen. Sie mag es, Kunstformen wie Gesang, Spiel, Tanz, Malerei und mehr zu vermischen. „Es ist doch alles Kunst, Kunst ist Leben, Kunst ist Geschichten zu erzählen, sich auszutauschen und Brücken zu schlagen – ich weiß noch nicht genau, wie und wann, aber das strebe ich an und freue mich darauf.“
Großes Beitragsfoto: Patricia Aulitzky: „Es macht mir wahnsinnigen Spaß, eigene Dinge zu kreieren.“ (Foto Lukas Beck)
