Mit acht Jahren begann Alice Prosser ihre Karriere im Theater, ihr Filmdebüt gab sie 2018 in „Der beste Papa der Welt“. Jetzt, mit 23 Jahren gab sie mit dem Mittellangen Spielfilm BLEISTIFTSTRICHE ihr Regiedebut, das am 20. Jänner 2026 Uraufführung am Max Ophüls Preis, dem renommiertesten Nachwuchsfestvial im deutschsprachigen Raum feiert.

Liebe Alice, singen, tanzen oder Klavier spielen, Kreativität begleitet Dich schon seit Deiner Kindheit, mit acht Jahren standest Du schon auf der Bühne. Wenn Du jetzt zurückdenkst, hattest Du schon so früh auch das Gefühl, Schauspiel zum Beruf zu machen?
Es hat mir immer Spaß gemacht, aber beruflich hatte ich als Kind andere Ziele! Ich wollte Geschichtenschreiberin werden.
Du hast mir einmal erzählt, dass das erste Stück am Burgtheater ein 2-Personen-Stück war, nur Du gemeinsam mit Gert Voss. Eine große Herausforderung und Sprung ins „kalte Wasser.“ Wie ging es Dir damals?
Es war damals beeindruckend mit zwei so erwachsenen Theatermachern ein Spiel zu spielen! Das war es für mich; ein wahnsinnig echtes Spiel, immer neu erlebt. Das ist als Kind auch noch sehr einfach, wirklich reinzufallen in/auf eine andere Realität. Das hat mich auf jeden Fall sehr geprägt. Lachen, weinen, weglaufen, Weichselsaft trinken und eine Krone tragen, war alles dabei, mit großer Intensität! In Wien, Berlin und Paris für 2 Jahre.
Du bist ja auf der Bühne wie auch bei Deinem ersten Fernsehfilm „Der beste Papa der Welt“ auf einem High Leven eingestiegen, auch was Deine Filmpartner betrifft. Wie geht es Dir nach vielen Rollen auf Bühnen und in Filmen, hast Du noch Lampenfieber?
In meiner Schauspielausbildung, extrem, ja! Jedes Mal, bevor ich im Theatersaal ein Szenenstudium zeigen sollte, hatte ich schwitzige Hände. Das war am Burgtheater und vor der Kamera nie so stark.

Was ist es eigentlich, was Dich an der Arbeit auf der Bühne bzw. an einem Film so fasziniert?
Dieses „Möglichkeiten von Realitäten“ ausloten & die Demut aufs Menschsein, die dadurch entsteht.
Schon als Kind hast Du es geliebt, Geschichten zu schreiben, hast in den letzten Jahren schon Dein erstes Spielfilm-Drehbuch geschrieben und auch das Drehbuch für einen Mittellangenspielfilm, der nun am Max Ophüls Preis uraufgeführt wird. Denkst Du beim Schreiben auch daran, dass Du eine Rolle darin spielst?
Ja, daran denke ich schon auch. Aber wenn ich mich entscheide Regie zu führen, dann bitte nur diese Aufgabe, das ist vollkommen ausreichend!

Du hast jetzt das erste Mal auch Regie geführt. War das bei Deinem eigenen Mittellangen-Drehbuch?
Ja genau! BLEISTIFTSTRICHE.. oder international CORA.
Inhaltlich geht es um zwei Frauen, die nicht dieselbe Sprache sprechen und dennoch das Gefühl haben sich zu verstehen.
Wie kamst Du auf dieses Thema?
Ich finde es spannend, wie viel zwischen den Zeilen liegt, wenn Menschen miteinander kommunizieren. Dass die eigentliche Bedeutung in den meisten Fällen hinter den Worten versteckt ist. Das meine eigene Lebendigkeit dort beginnt, wo meine Worte fehlen. Es erzählt von Emma und Cora die sich ineinander erkennen obwohl sie keine Worte füreinander finden. Es geht um eine unerfüllte Liebe. Ich hab mir die Frage gestellt, ob ich Fülle aus unerfüllter Liebe ziehen kann. Unerfüllt, schließt Fülle mit ein.

Hast Du das Gefühl, dass es gut ist bzw. ein besseres Verständnis herrscht, wenn man als Regisseurin selbst Schauspielerfahrungen hat bzw. umgekehrt?
Ja, ich denke schon. Dennoch muss ich im Blick behalten, dass auch jeder Schauspieler*in anders tickt und ich mich nicht auf meiner Erfahrung als Schauspielerin ausruhen darf. Aber ich hatte schon einige Tools bei der Hand, die ich ohne Schauspielerfahrung nicht hätte anbieten können und die mir geholfen haben die Vision zu erzählen. UND da es meine erste Arbeit als Regie war, musste ich auch aufpassen mich in der Rolle der Regisseurin zu bekennen und nicht zu sehr ins Schmähführen mit den Darsteller*innen abzurutschen. Das war nicht immer einfach, vor allem bei so humorvollen Hauptdarsteller*innen wie Emilia Warenski und Esther Gaspart!
Wie triffst Du Rollen-Entscheidungen? Mit Bauchgefühl oder mit dem Kopf?
Als Schauspielerin, beides. Wenn ich ein schlechtes Bauchgefühl habe, zwinge ich mich aber meistens nochmal hinzusehen. Ob das schlechte Bauchgefühl mit einer persönlichen Angst zutun hat diese Rolle zu spielen, an der ich theoretisch wachsen könnte. Oder ob es tatsächlich Werte der Figur oder Geschichte sind, die sich für mich einfach nicht vertreten lassen, aber das ist eher selten der Fall.

Kreative Berufe sind keine “täglich 9to5-Jobs“ mit gesichertem Einkommen. Wie wichtig findest Du mehrere Standbeine?
Hmmm die utopische Antwort? Finde ich schlecht. Wenn man weiß, was man will, sollte man diese Ziele auch so konsequent verfolgen – mit allen Krisen, die damit einhergehen und Zwischenlösungen finden. Aber das macht wahrscheinlich auch nur einen Bruchteil der Künstler*innen glücklich, nämlich die, die es tatsächlich schaffen, größtenteils gut davon leben zu können.
Du hast mir einmal gesagt, als Schauspielerin ist Selbstvertrauen sehr wichtig, auch Mut zu Hässlichkeit und Fehlern. Welche Eigenschaften findest Du noch in künstlerischen Berufen als sehr wichtig?
Einfühlungsvermögen aber auch lernen, Grenzen zu setzen.
Und welche hast Du selbst?
Ich denke, alle die ich aufgezählt habe sind auch Teil von mir.
Aber welche Fähigkeit wie zur Geltung kommen können, hängt dann auch nochmal ein Stück weit zusammen in welchem Umfeld ich mich bewege.
„Selbstvertrauen ist sehr wichtig, auch Mut zu Hässlichkeit und Fehlern“.
Was machst Du am liebsten, um neue Energie zu tanken?
Freund*innen sehen! Und mit meiner Familie eine gemütliche Zeit verbringen. Lesen und Tagebuch schreiben gibt mir immer gute Energie. Aber auch Tanzen gehen, habe ich als neues Hobby entdeckt und schafft bei mir immer neue Leichtigkeit.
Du lebst in Wien und in Berlin, wo Du die Schauspielschule machst? Was magst Du an diesen Städten?
Ich habe an der Filmuni Konrad Wolf Schauspiel studiert, in Babelsberg. Ich mochte es mit meinem Fahrrad durch den Wald in die Uni zu fahren. Berlin selbst finde ich tatsächlich ein bisschen überbewertet. Es ist cool aber auch sehr zerrissen, in meinen Augen. Ich hatte viele schöne Momente in der Stadt, dennoch würde ich mein Berlin Kapitel eher als die Zeit beschreiben, wo ich herausgefunden habe was ich definitiv nicht möchte. An mir selbst, in Freundschaften, Beziehungen… an Haarprodukten haha!
Ich bin schon gern in Wien! Aber jetzt studiere ich erstmal ein halbes Jahr in Zürich! Dort wurde ich mit „Bleistiftstriche“ für ein Erasmussemester in Regie an der ZhDK aufgenommen und freue mich sehr!
Worauf freust Du Dich heuer noch beruflich? – Und auf was privat?Auf das Regiesemester an der ZhDK ab Februar!
Und ganz besonders, auf die Uraufführung von „Bleistiftstriche“ beim Max Ophüls Preis im Januar 2026.
Derzeit drehe ich mit einem ganz tollen Team in den Bergen eine Hauptrolle – mit Herbstsonne, gelben Blättern und Schnee am Gipfel. Das ist auch eine sehr schöne Zeit.
Privat auf meine Freund*innen und Familie und meine neue Mission Klamotten umzunähen.
Du bist erst 23 Jahre alt, hast aber schon viele Theater- und Filmerfahrungen gemacht – und jetzt auch Regie geführt. Wie soll es weitergehen?
Das weiß ich noch nicht, kann es nur erleben!
Großes Beitragsfoto: Die Schauspielerin gab mit 23 Jahren mit dem Spielfilm BLEISTIFTSTRICHE ihr Regiedebut: 2026 Nominierung für den Max Ophüls Preis, 2025 erhielt sie von Basis Kultur Wien den Nachwuchspreis. (Foto privat)
