Ob als Vero in „Die Biester“, die ihrer Mutter am Marktstand hilft, in der Rolle der Marie im erfolgreichen Austropop-Musikfilm „Bis auf Weiteres unsterblich“, als Ensemblemitglied am Schauspielhaus Bochum oder als Musikerin – Mara Romei überzeugt als echtes Multitalent.
Ich erreiche die Schauspielerin und Musikerin zu Winterbeginn in Bochum, wo sie als fixes Ensemblemitglied am Schauspielhaus engagiert ist. „Es ist gerade ein bisschen viel, aber ich genieße es sehr“, erzählt sie mir. Fixes Ensemblemitglied zu sein, freut Mara natürlich sehr. Darauf angesprochen, wie sie es mit dem Dialekt macht, meint Mara schmunzelnd: „Dialekt bekomme ich hin, das ist kein Problem.“ Die junge Schauspielerin wünscht sich sehr, weiterhin sowohl in Deutschland als auch in Österreich drehen zu können.“

Mara stand schon mit acht Jahren für den Kurzfilm „Zweihundertfünf“ vor der Kamera und wird in den Medien oft als Multitalent, Shootingstar oder Österreichs neue Schauspielhoffnung bezeichnet. Auf meine Frage, ob ihr diese schmeichelhaften Bezeichnungen auch Druck machen, meint sie: „Gute Frage. Also erst einmal freue ich mich natürlich total, dass ich das, was ich gerne mache, zu meinem Beruf machen kann und das gut ankommt. Ich glaube, Angst ist nie ein guter Wegbegleiter, das habe ich sehr gut von meinen Eltern mitgekriegt. Ich bin ja in dieser Szene aufgewachsen und habe ein gutes Gefühl dafür, wie man mit Öffentlichkeit umgeht. Ich versuche, einfach bei mir zu bleiben, mich nicht so überwältigen zu lassen und mir auch nicht so viel darauf einzubilden.“ Mara ist sich bewusst, dass es in diesem Beruf jederzeit rasch wieder anders sein kann. „Das muss man sich ein bisschen im Kopf behalten. Aber ja, ein gewisser Druck ist immer da, aber ich bin voller Vertrauen und hoffe, dass das, was ich mit großer Freude mache, auf jeden Fall weiter gut ankommt.“

Wie Mara schon angesprochen hat, ist sie in der „Szene“ aufgewachsen, denn ihre Eltern sind die Schauspieler Sonja Romei und Jürgen Maurer. Die Gene wurden ihr also praktisch in die Wiege gelegt. Aber wollte sie auch einmal etwas anderes machen, frage ich die junge Schauspielerin und erfahre: „Ich war schon immer sehr kreativ, habe gerne gemalt und gesungen und war gerne im Theater. Ich habe bei der Vielfalt von Berufen nicht immer gewusst, was ich wirklich machen will. Aber wenn alle in der Familie denselben Beruf haben, dann kennt man das halt am besten. Als ich dann aber am Jugendtheater gespielt habe, wurde es schnell klar, dass mir das irgendwie liegt und viel Freude macht. Ich glaube, es wäre blöd gewesen, das nicht zu nutzen. Und meine Eltern haben mich bei allem immer unterstützt, mir aber schon deutlich gesagt, dass es auch hart sein kann. Und ich habe die Freiheit, etwas anderes zu studieren, wenn mich einmal etwas anderes interessieren sollte. Es gibt so wahnsinnig viele spannende Berufe und so viel zu lernen.“ Nach kurzem Nachdenken verrät mir Mara: „Ich würde wahnsinnig gerne einmal in meinem Leben Regie machen dürfen, weil ich das sehr spannend finde und ich dabei sicher viel lernen kann. Aber auch Meeresarchäologie finde ich z.B. wahnsinnig spannend. Wer weiß, ob ich nicht irgendwann mal auf Tauchgang gehen will – aber das ist jetzt doch schon sehr weit gedacht.“ Auf meine Frage, ob sie schon tauchen kann, erfahre ich: „Ich bin noch nie mit Flasche getaucht, aber ich war immer sehr gerne schnorcheln. Ich bin ein bisschen ein Fisch, bin sehr gerne im Wasser und einfach sehr gerne am Meer. Ich denke mir, sich ständig mit dem Ozean zu beschäftigen, muss sehr schön sein.“ Mara ist sich dabei sehr bewusst, dass gerade in den Ozeanen und auf dieser Welt sehr viel kaputt geht, dass wir in einer Zeit voller Krisen leben. Deshalb hat sie mit ihrem Bandprojekt „Low Life Rich Kids“ und dem Song „Anti-Woke-Generation“ 2024 am Protestsongcontest in Wien teilgenommen.

Botschaften durch Musik
2025 erschien das Debütalbum „Lieblingslieder“ der Band „Low Life Rich Kids“. Für Mara ist es grundsätzlich wichtig, zu wichtigen Themen Stellung zu nehmen und Botschaften mit der Musik mitzugeben. „Auf jeden Fall. Ich glaube, dass die Kunst und die Musik, aber auch das Theaterspielen und Filmemachen gar nicht funktionieren, ohne dass man sich zumindest ein bisschen daran orientiert, was gerade auf der Welt passiert. Bestimmte Probleme muss man einfach aussprechen. Und wenn man das dann in eine Musik oder lebensfreudige Kunst packt und damit Menschen erreichen kann, muss man diese Möglichkeit nützen. Das alles ist unserer Band und vor allem dem Gründer Bernhard Eder sehr wichtig, der uns alle damit ‚angesteckt‘ hat.“ Mara ist sich bewusst, dass man vor allem auf social media auch sehr anecken kann. „Aber ich glaube, dass es gerade als junger Mensch wichtig ist, sich zu trauen, mit heiklen Themen und Meinungen in Diskussion und auch in die Reibung zu gehen. Denn ich will nicht, dass diese an uns vorbeiziehen oder verdrängt werden.“ Natürlich fällt es auch Mara manchmal schwer abzuschalten bei all dem, was auf der Welt momentan passiert. „Wir sind alle ein Teil und Ignoranz ist keine Lösung, jedoch werden wir täglich überflutet mit angsteinflößenden Nachrichten und es ist wichtig auf sich zu schauen und der Seele zwischendurch auch ein wenig Pause zu gewähren.“
Mara sieht sich selbst nicht nur als Schauspielerin, sondern als jemand, der Geschichten erzählt, der Emotionen sichtbar machen möchte. Und da sind wir eigentlich wieder bei der Übermittlung von Botschaften, meine ich, worauf Mara erklärt: „Ja, das ist das Schöne in dem Beruf oder manchmal auch das Schwierige. Wenn ich etwas spiele, eine Rolle erarbeite oder mich mit einem Stück beschäftige, fühlt es sich an, als wäre ich gut befreundet mit dieser Person, die ich spiele. Selbst wenn es eine unangenehme oder unsympathische Rolle ist, frage ich mich, wie ich sie verteidigen kann, und möchte verstehen, woher das kommt. Mich damit zu beschäftigen, finde ich sehr spannend. Wenn man es dann schafft, damit Menschen zu berühren oder zum Nachdenken zu bringen, ist das einfach ein sehr gutes Gefühl – und das mag ich sehr.“

Die kreative 23-Jährige ist auch Songwriterin, schreibt also auch gerne. „Auf meiner EP sind tatsächlich Songs drauf, die ich geschrieben, als ich 16 war. Ich versuchte damals, eine Art von Solo-Projekt zustande zu kriegen – und jetzt ist es endlich zustande gekommen und wurde mit großartigen Musikern unter dem Namen „Kurparkmaus“ released. Und das ist sehr intim für mich, weil eigentlich alles aus mir kommt.“
Maras Musik wird als eine Mischung zwischen Indie-Pop und Wiener Lied beschrieben und ich frage sie, ob das so stimmt. „Bei meinen neuen Songs auf jeden Fall. Das sind Lieder auf Deutsch und ein wenig Dialekt. Auf meiner EP „Kurparkmaus“ gibt es zwar nichts im Dialekt, aber ich glaube dass man trotzdem spürt, woher ich komme. Die Songs sind ein relativ wilder Mix und haben etwas von Chanson, Pop und Indie. Ich finde es schwierig, sie in ein Genre zu fassen, denn ich erzähle einfach Geschichten mit einer sehr interessanten Art von Musikbegleitung: Mit dabei ist meistens ein Kontrabass und immer eine Art von Trompete-Operngesang. Ich habe immer gerne Trompete oder Blasmusik dabei“, überrascht sie mich.
Toughe Rollen
Schon mit 14 Jahren spielte Mara mit Schauspielgrößen wie Ursula Strauß in „Schnell ermittelt“ und jetzt wieder in „Biester“. „Ich hatte damals eine toughe Episodenrolle. Es war eine Art von Lolita-Rolle, die normalerweise älter besetzt wird und man so tut, als wäre man jünger. Ich war aber tatsächlich in dem Alter dieses Mädchens, war sehr aufregend war. Uschi hat mich damals am Set sehr gehalten.“

Auch im ORF-Austropop-Musikfilm „Bis auf weiteres unsterblich“ arbeitete Mara mit großartigen KünstlerInnen wie mit Marianne Mendt, Katharina Straßer und Felix Pöchhacker. „Das war eine sehr intensive Zeit und ich war fast jeden Tag am Set. Auch wenn ich bis dahin schon viel gedreht hatte, war ich da die Jüngste, und dabei eine Hauptrolle zu spielen, war einfach aufregend. Da es aber ein so megacooler Cast war, bin ich dann doch relaxed reingegangen. Und dass mich dafür der Uli Brée angerufen und gesagt hat, dass er ein Drehbuch hat und glaubt, dass ich mitspielen muss, hatte ich so noch nicht erlebt. Das hat mich wahnsinnig geflasht, dass er mir so vertraut hat. Die Arbeit mit Regisseur Hans Hofer war zwar eine ganz andere, aber wahnsinnig berührend. Ich finde, wenn so etwas Pures und Echtes vor der Kamera entsteht, dann kann es nur berühren, und ich habe das Gefühl, dass wir es sehr gut hinbekommen haben.“ Sie freut sich nun sehr über das positive Feedback. „Man ist ja immer aufgeregt und hofft, dass etwas gut ankommt. Denn genau das gibt ja wieder neue Energie und Motivation.“ Leicht nachdenklich ergänzt Mara noch: „Was habe ich doch für einen schönen Beruf, dass ich all diesen Menschen begegnen darf. Und ich durfte auch diesmal wieder soviel lernen.“

KI – Angst oder Chance?
Als ich Mara auf Tilly Norwood anspreche, die erste völlig KI-generierte Schauspielerin, meint sie: „Ich arbeite ja auch viel in der Werbung und da bekomme ich schon einiges mit, wie z.B. gefragt wird, ob aus den Stimmen KI-Sachen generiert werden dürfen. Ich bin aber doch der festen Meinung, dass es eine Art von Menschlichkeit gibt, die nicht künstlich herzustellen ist. Und ich möchte daran glauben, dass es in der Musik wie im Schauspiel spürbar ist, wenn ein Gefühl nicht von einem lebendigen Wesen kommt, und Emotionen nicht überspringen können. Aber natürlich weiß ich nicht, was in Zukunft noch passieren wird und mache mir schon Sorgen. Ich bin ja quasi die Gen Z und bis ich ungefähr 13 Jahre alt war, habe ich diese Online-Welt nicht gekannt und noch eine sehr normale Kindheit gehabt. Dafür bin ich sehr dankbar, glaube aber auch, dass meine Generation gerade wieder ein bisschen „nostalgisch“ wird. Einige meiner Freundinnen haben sich jetzt wieder einen Fernseher geholt und bestellen nicht mehr auf Amazon, um wieder ein wenig weg von der ständigen Reizüberflutung zu kommen und dadurch mal ihren Kindern ein ähnliches aufwachsen schenken wollen.“
Im Jahr 2026 konzentriert sich Mara jetzt mal auf das Theater spielen in Bochum und auf ihre Musik. „Anfang des Jahres wird es einige Konzerte mit beiden Bands vor allem in Österreich geben. Ach ja, im Episodenfilm „Schrille Nacht 2“ habe ich in der Folge 6 mitgespielt. Da geht es von Mirjam Unger sehr spannend inszeniert auch um künstliche Intelligenz. Und natürlich spürt man aktuell in der Filmbranche die Geldknappheit. Aber ich hoffe sehr, dass es weitergeht, denn Schauspiel macht mir unglaublich viel Spaß.“
Großes Beitragsfoto: Ob als Vero in „Die Biester“, im erfolgreichen Austropop-Musikfilm „Bis auf Weiteres unsterblich“, als Ensemblemitglied am Schauspielhaus Bochum oder als Musikerin – Mara Romei überzeugt als echtes Multitalent. (Foto David Buchas)
