Die Tochter der Schauspielerin Julia Stemberger und des Violinvirtuosen Christian Altenburger wollte immer schon Schauspielerin werden. Letztes Jahr stand Fanny Altenburger für die ‚SOKO Linz‘, die Spielfilme ‚Schimmer‘ und ‚Das geheime Stockwerk‘ und die internationale Serie „Vienna Game“ für Disney+ vor der Kamera, die ab Februar 2026 weltweit ausgestrahlt wird.
Beim Interview in Wien treffe ich auf eine leger gekleidete, ungemein sympathische, im Gespräch aber auch sehr vorsichtige Persönlichkeit. Fanny schmunzelt bei meiner Feststellung, dass es für sie als Tochter so kreativer Menschen fast unmöglich war, nicht Schauspielerin zu werden, und meint: „Ja, ich wollte aber auch nie etwas anderes machen. Schauspiel hat mir immer schon Spaß gemacht. Gerade fange ich langsam an, gemeinsam mit Freunden ein bisschen Musik zu machen. Beim Gedanken daran, eventuell einmal ein Album herausbringen zu können, bekomme ich gleich Herzklopfen. In eine Künstlerfamilie reingeboren worden zu sein, schafft viel Freiraum, weil so eine Selbstverständlichkeit dafür da ist.“

Preisverleihungen
Preisverleihungen mag sie nicht, „aber ich finde die Partys danach lustig, weil ich gerne tanze und feiere.“ Die ‚Bussi-Bussi-Gesellschaft‘ ist aber nicht so ihre Welt. „Ich glaube, ich bin eigentlich ein sehr scheuer Mensch und zuviel Öffentlichkeit überfordert mich, deshalb versuche ich das auf ein Minimum zu reduzieren.“
Die junge Schauspielerin war heuer auf der Berlinale und der Diagonale, „weil der Film ‚How to be normal‘ lief, in dem ich mitgespielt habe. Und im Vorjahr durfte ich meine Mama zum Nestroy Theaterpreis begleiten, sie war für den Nestroy-ORF-III-Publikumspreis nominiert.“
Herrlich offen meint Fanny lächelnd: „Aber ich würde nie ohne Einladung zu solchen Events gehen, dazu liege ich zu gerne in einer Jogginghose am Sofa und schaue mir irgendeine Serie an.“ Sie weiß, „es klingt ein bisschen widersprüchlich, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich extrovertiert oder introvertiert bin. Denn natürlich mag ich wie gesagt die Partys und auch das Wiedersehen mit Freunden und Kollegen. Vielleicht sollte ich zu Preisverleihungen nur zum zweiten Teil kommen,“ lacht sie, sich selbst nicht allzu ernst nehmend. Auf meine Frage, ob sie dann die Schauspielerin oder Privatperson Fanny ist, meint sie nachdenklich: „Das kann ich jetzt nicht genau beantworten, aber natürlich bin ich sehr achtsam und darauf bedacht, meine Privatsphäre zu schützen.“

Leidenschaft für Musik
Zurückkommend zur Musik erzählt mir Fanny, dass sie 14 Jahre lang klassisches Klavier gespielt hat. „Vor fünf Jahren habe ich aber aufgehört, Unterricht zu nehmen. Ich habe einen Riesenrespekt vor der klassischen Musikwelt, dieser wahnsinnigen Disziplin und dieser Leidenschaft, die dahinter steckt. Ich merke aber, dass das doch nicht ganz meine Welt war.“
Die junge Schauspielerin beginnt auch gerade, gemeinsam mit Freunden Musik zu machen, u.a. mit einer großartigen Schauspielerin und mittlerweile guten Freundin. „Aber ich möchte noch keine Namen nennen, da wir nicht wissen, wie es sich entwickelt und ich keine Erwartungshaltungen wecken möchte. Aber immer wenn sie Zeit hat, kommt sie zu mir in mein kleines Home-Studio und wir arbeiten weiter.“
Fanny erzählt auch von einem tollen Angebot, das sie vor vier Jahren von einem renommierten Musiker erhalten hat. „Also wenn das zustande kommt, wäre es super. Er kannte mich von einem Theaterfestival und fragte, ob ich auch singe. Auf meine etwas unsichere Antwort meinte er, ‚schreib mal 12 Songs und komm dann zu mir‘. Und daran arbeiten wir jetzt. Es ist also gerade eine sehr aufregende Zeit, und ich muss Dir noch etwas erzählen. Ich habe vor einigen Monaten den Regisseur eines Kurzfilms getroffen, den er voraussichtlich im Herbst dreht. Aus einem sehr spontanen Impuls heraus habe ich ihm eine kurze Sequenz von einem meiner Songs vorgespielt. Er war so begeistert davon, dass er ihn in seinem Film im Abspann verwenden möchte“, kommt es voller Freude von Fanny.

Nach ihrer ‚klassischen‘ musikalischen Reise geht Fanny jetzt in Richtung Singer-Songwriter, wie sie selbst sagt. „Bezeichnen würde ich meine Musik vielleicht als Pop, aber eigentlich habe ich noch kein Wort dafür. Ich möchte es auch noch gar nicht in ein Wort gießen und damit einen Rahmen schaffen. Ich hätte dann das Gefühl, mich in diesem Rahmen bewegen zu müssen, nichts anderes machen zu können und das würde mich einengen.“
Bei Fanny gewinnt man den Eindruck, dass sie bei all ihren schon erlebten Erfolgen doch sehr bodenständig ist. „Ja, es ist ein großes Glück, dass in meiner Familie alle so bodenständige Menschen sind. Kürzlich saß ich beispielsweise für einen Dreh fürs ZDF grad in der Maske und habe meine Mama angerufen, weil ich ihr einen Lippenstift über Facetime zeigen wollte“, lacht Fanny, „sie hat ihn einmal verwendet und dachte, dass es ihn nicht mehr gibt. Meine Mutter meinte dazu nur ‚Na servus, du lebst aber ein ganz schönes Starleben, in der Maske und telefonierend‘. Das hat mich sehr bewegt und ich war so dankbar für ihren so ganz normalen Kommentar.“ Und dann erzählt sie mir noch, dass ihre Eltern sie nie ein eine bestimmte Richtung gepusht und ihr Selbstbewusstsein immer dahingehend gestärkt haben, „dass alles für mich möglich und es nur wichtig ist, dass ich glücklich bin.“
Etwas neugierig möchte ich von Fanny auch wissen, ob sie mit ihrer Mutter Rollen bespricht, worauf sie meint: „Nein, das trennen wir und das ist auch gut so, weil dadurch haben wir einfach eine sehr liebevolle Mutter-Kind-Beziehung. Wir sind viel in Kontakt, sprechen dabei aber mehr über Privates. Ich will auch gar nicht über meinen Beruf mit ihr reden, weil es mir ganz wichtig ist, meinen eigenen Weg zu gehen.“ Das heißt, Du triffst Deine Entscheidungen alleine, frage ich Fanny, worauf sie meint: „Ja, und das finde ich auch ganz wichtig.“

Ihre eigenen Filme betrachtet sie sehr selbstkritisch. „Mir fällt es verdammt schwer, mich selbst anzuschauen. Als ich mir ‚How to be normal‘ ansah und meine Szene kam, merkte ich, dass ich schon sehr nervös war. Es ist aber sehr schön, wenn ich das Gefühl habe, dass für meine Maßstäbe etwas gut gelungen ist.“
Mit einem Schmunzeln höre ich, dass Fanny sich selbst manchmal als sehr ‚verkopften Mensch‘ bezeichnet. „Ich versuche aber, immer auf mein Bauchgefühl und meine Intuition zu vertrauen.“
Happy vor der Kamera
Nach dem Theaterspielen beschäftigt sich Fanny sehr mit der Musik und dem Film. „Es ist jetzt fast zwei Jahre her, seit ich der Bühne den Rücken gekehrt habe und momentan will ich auch nicht zurück, denn ich bin vor der Kamera sehr happy. Ich liebe es, in Geschichten einzutauchen, mich in menschliche und seelische Abgründe hinein zu begeben. Im Endeffekt mache ich es, weil es unfassbar schön und gleichzeitig auch unbegreiflich ist, dass man Leute damit berühren und sie vielleicht auch zum Nachdenken anregen kann.“ Aber wie kommst Du bei so tiefgehenden Rollen wieder raus, möchte ich von Fanny wissen. „Darauf kann ich dir eine ganz leichte Antwort geben. Wie schon beim Theaterspielen habe ich auch beim Drehen ein ganz klares Ritual. Es besteht für mich daraus, dass ich mich nachher umziehe, wieder meine eigenen Klamotten trage und mich dann im Make-up-Trailer abschminke. Beides ist wichtig für mich, aber ich empfinde das Abschminken für mich fast ritueller. Und manchmal – und das ist dann mein Lieblingsteil des ganzen Tages – komme ich in den großartigen Luxus, dass die Masken-Bildnerinnen mir nach dem Abschminken ein heißes Tuch für das Gesicht reichen. Das liebe ich. Das ist dann der Moment, wo ich wieder ganz ich bin.“
„Die Faszination des Schauspiels liegt für mich im Anprobieren verschiedener Leben“
Fanny erinnert sich aber an eine Kollegin, die ihre Rolle die ganze Zeit mitnimmt und erst nach dem letzten Drehtag abschließt. „Das wäre mir zu viel und es würde mich überfordern, wenn mich meine Rolle die ganze Zeit begleitet. Denn irgendwie entwickelt man eine Empathie für die Figur, sodass sie ein bisschen zu einer Freundin wird. Da muss ich mich also einfach abgrenzen und schützen.“
Sehr dankbar ist Fanny für all ihre Freundschaften, die auf Augenhöhe und ihr sehr wichtig sind. Darunter sind natürlich Schauspielfreunde, aber auch viele andere, die z.B. hinter der Kamera arbeiten. Nach anstrengenden Drehzeiten ist Fanny sehr bemüht, privat wieder eine Balance zu finden. „Wenn ich zurückkomme, sollte ich sofort nach Hause und schlafen gehen. Aber will ich auch noch Freunde treffen und abends etwas ausgehen. Da ich mit meiner Energie gut haushalten muss, ist das ein ganz schmaler Grat.“
Wenn sie dann doch einmal etwas mehr Freizeit hat, „schlafe ich wahnsinnig gerne“, schmunzelt Fanny. „Ich liebe es, mit Freunden Kaffee zu trinken, mich auszutauschen und zu erfahren, was alles passiert ist.“ Gerne geht sie beispielsweise in die Albertina Modern oder in Galerien, auch in Jazz-Konzerte und in Kinos.
Und was gibt es heuer beruflich und privat noch für sie, worauf sie sich freut, frage ich sie und erfahre: „Beruflich freue ich mich noch auf einige Projekte und darauf, mit meiner Musik weiter zu machen.“ Reinschnuppern durfte Fanny bereits in das Radio für zwei Lyrik-Sendungen und ein Radio-Feature, das am 13. September auf Ö1 gesendet wird. Schmunzelnd meint sie: „Ich bezeichne mich noch ein bisschen als Babysprecherin, aber es hat offenbar gut funktioniert. Weißt Du, mein Spiel vor der Kamera kenne ich mittlerweile seit ein paar Jahren, aber dass meine Stimme so gefällt und ich jetzt Angebote vom Radio bekomme, ist ‚Neuland‘ für mich.“

Für ihre Zukunft kann sie sich auf jeden Fall vorstellen, mehrere Standbeine zu haben. „Mir gefällt einfach Vielfalt. Bis vor kurzem habe ich immer geglaubt, man muss sich in der Kunst auf EINE Sache fokussieren. Als ich aber vor zwei Jahren zu jemandem einmal flapsig sagte, dass ich auch gerne Schlagzeugerin geworden wäre, meinte dieser ‚du kannst ja beides machen‘. Das war so ein Satz für mich, der mich für anderes öffnete.“ Da Fanny eine wirklich große Leidenschaft und Liebe zur Sprache und Literatur hat, könnte sie sich auch gut vorstellen, vielleicht einmal einen Roman zu schreiben.
„Es klingt jetzt vielleicht pathetisch, aber mein Leben ist in den letzten Jahren so schön, dass ich sehr gesegnet wäre, wenn es einfach so weiter geht.“
Großes Beitragsfoto: Schauspielerin Fanny Altenburger: Bild aus dem noch unveröffentlichten Spielfilm „Schimmer“ (© And And And Films Wyfilm)
