Die gebürtige Kärntnerin Christina Cervenka war einige Jahre Ensemblemitglied am Burgtheater Wien und mittlerweile kennt man sie auch aus verschiedenen Filmprojekten. 2023 war sie für ihre Rolle im Landkrimi ‚Immerstill‘ als weibliche Entdeckung für die Romy nominiert.

Vielen bekannt ist die Schauspielerin von diversen Krimis und vor allem auch als ‚Susi‘ aus der TV-Reihe ‚Die Liesl von der Post‘. „Meine Rolle ist eher klein, aber wachsend“, lacht Christina. „Ich spiele eine junge Frau aus einem kleinen Ort, die im Supermarkt arbeitet. Sie ist sehr empathisch, sehr emotional und nimmt sich den ganzen Weltschmerz zu Herzen – deswegen ist für sie alles oft sehr tragisch.“ Also schon eine sehr fordernde Rolle, frage ich die Schauspielerin und erfahre: „Das ist sie, die Geschichte ist aber auch wirklich humorvoll. Und da ist immer diese Gratwanderung, den Menschen liebevoll darzustellen, ohne ihn lächerlich zu machen – auch wenn man irgendwie über ihn lachen kann. Und sich vielleicht denkt, geht es mir auch manchmal so?“ Natürlich wünscht sich Christina, dass weitere Folgen hoffentlich noch folgen werden.
Die junge Schauspielerin hat in einigen Krimis, wie ‚Tatort‘, ‚Die Toten von Salzburg‘ und die ‚Toten vom Bodensee‘ mitgespielt. „Bei den ‚Toten von Salzburg‘ war es schön, mal eine Rolle zu haben, wo es nicht in die emotionale Tragik geht, sondern um andere Themen wie Forschung, Forensik oder Archäologie. Das zu spielen fand ich total spannend, denn mich persönlich interessiert Archäologie sehr und hat mich immer schon fasziniert.“

Auf einen Rollenwunsch angesprochen, meint Christina: „Grundsätzlich mag ich historische Themen sehr. Wir haben ja auch ‚Universum History Verbotenes Begehren – Meilensteine queerer Geschichte‘ gedreht, wo es um Sigmund Freud und um Margarethe Csonka geht, eine junge lesbische Wienerin, die sich nicht verbiegen lassen will. Ich durfte eben die ‚Gretl‘ spielen, die eine andere sexuelle Orientierung hat und die sich zu älteren Frauen, vor allem zu einer, hingezogen fühlt. Das war um 1900 halt ein ganz, ganz schwieriges Thema, vor allem für Frauen. Und Gretl war aus einer sehr reichen Familie, die meinte, sie zu Sigmund Freud schicken zu müssen. Ich habe sehr viel über diese spannende Thematik gelesen.“ Für diesen Film wurden Dokumentarteile mit Experten-Interviews vermengt. Viel Freude hat Christina dabei auch die Arbeit mit Schauspieler Karl Markovics gemacht, er spielte Freud. „Karl ist einfach so ein toller Schauspieler und ein ganz, ganz lieber Kollege. Mit ihm zu spielen war nicht nur sehr schön, sondern ich konnte auch viel von ihm lernen.“ Natürlich ist ihr dabei bewusst, dass derartige Produktionen in sehr frühe Zeiten auch sehr aufwendig und teuer sind. „Trotzdem würde ich es toll finden, wenn noch viel mehr von der österreichischen Geschichte aufgegriffen wird.“

#MeToo
Auf #MeToo angesprochen, meint Christina: „Ich selbst hatte Gott sei Dank noch nie ein Problem. Ich habe schon das Gefühl, dass mehr darauf geachtet wird, dass keine Übergriffe erfolgen, dass Handlungen nicht falsch verstanden werden und dass für Frauen wie auch für Männer keine unangenehmen Situationen entstehen. Dafür finde ich es sehr wichtig, dass jetzt am Set z.B. mit einem Intimacy Coordinator gearbeitet wird. Es tut so gut, vor allem bei intimen Szenen jemanden zu haben, mit dem ich sprechen kann, wenn ich mich vielleicht unwohl fühle bei einer Szene – auch wenn ich mir vorher denke, dass sie kein Problem für mich ist.“ Wichtig ist auch, dass immer mehr darauf geachtet wird, den Drehort zu einem ‚Safe Space‘ zu machen, und nur mehr jene Leute im Raum sind, die unbedingt dabei sein müssen. “Das verhindert, dass Menschen dabei sind, die es nicht müssten und vielleicht nur schauen wollen.“

Christina hat ebenso das Gefühl, dass es mehr gute Geschichten für ältere Schauspielerinnen gibt. „Es kann ja nicht sein, dass man ab 40 oder so nur mehr Hausfrauen oder Karrierefrauen spielt. Warum sollte man sich mit beispielsweise 50 auch nicht verlieben. Festgefahrene Rollenbilder sollte man aufbrechen, da es eben in jedem Alter alle Geschichten gibt.“ Dafür spielt auch Humor eine wichtige Rolle, „denn ich glaube, Humor ist überhaupt ein schönes Mittel, Dinge näher zu bringen, ohne es so wirken zu lassen, als würde man da mit erhobenem Zeigefinger erzählen wollen, wie die Welt funktioniert. Die Welt, glaube ich, müssen wir dann doch alle irgendwie selber für uns entdecken. Aber ein wichtiges Thema mit einer Prise Humor zu würzen, finde ich einen schönen Zugang.“

Freude am Singen
Großen Spaß macht der jungen Schauspielerin auch das Singen. „Ich würde mich jetzt nicht als ausgebildete Sängerin bezeichnen, aber ich glaube schon, dass ich das ganz gut kann, und wenn ich das trainiere, sicherlich sehr gut könnte. Ich würde als Solosängerin aber jetzt kein Konzert geben wollen, dafür bin ich zu wenig professionell in dem Genre, das würde ich mir nicht anmaßen“, ergänzt Christina noch schmunzelnd. „Früher im Theater habe ich auch immer wieder gesungen und das könnte ich mir auch in einen Film vorstellen.“ Sie erzählt, dass sie während ihres Studiums einmal am Grazer Schauspielhaus bei ‚Cabaret‘ mitgespielt hat. „Ein tolles Musical. Da haben wir alle gesungen und vor allem viel getanzt. Diese körperliche Arbeit dieses Berufs, der Tanz und die Choreografie, etwas das ich zuvor noch nie so für mich entdeckt hatte, hat mir damals viel Freude gemacht.“

Erholung ist bei der Schauspielerin meist sehr spontan, „weil erst versuche ich, dass die Projekte fixiert sind, und danach richte ich meine Zeit für Erholung. Und dafür fahre ich gerne ans Meer. Meer ist für mich sehr wichtig zur Entspannung, da kann ich wirklich sehr gut abschalten. Was mir auch immer sehr viel gibt, ist einfach zu meiner Familie nach Kärnten zu fahren. Das Haus steht auf dem Gipfel eines kleinen Hügels, wo nicht viele Menschen leben, und das ist auch immer ein guter Ausgleich für mich. Das mache ich oft sehr spontan, denn das ist ja nicht so weit.
Demnächst dreht Christina wieder neue Projekte, „die Titel sind noch geheim, aber ich darf verraten, dass es auch einmal in die schönen Kärntner Berge geht – und dort sehr spannend wird.“
Großes Beitragsfoto: Schauspielerin Christina Cervenka liebt historische Geschichten. (Foto Walter Pobaschnig)
