Der Schauspieler, Produzent und Gründer der Westside Studios Dennis Dewall feierte heuer die Premiere seiner Filmdoku „Spy Capital 2“ bei den Filmfestspielen in Cannes. Diese ist jetzt auf Prime Video zu sehen. Aktuell befindet er sich in Dreharbeiten für einen Spy Action Thriller mit dem Titel: THE TRAIN.

Natürlich ist Dennis nicht als Schauspieler auf die Welt gekommen, „aber meine Großmutter nahm mich schon mit ins Kino, als ich drei Jahre alt war. Und wir haben uns Tarzan in schwarz-weiß angesehen“, schmunzelt er. „Ich habe zu meiner Oma gesagt, das ist ja ein echter Typ worauf sie meinte, ‚nein das ist ein Schauspieler‘. Von da an habe ich gewusst, ich will Schauspieler werden.“ Auch als ihn seine Familie später fragte, was er einmal werden möchte, vielleicht Anwalt, Polizist, Pilot oder Arzt, dachte sich Dennis: „Das sind zwar super Jobs, aber für mich gibt es nur einen Beruf, nämlich Schauspieler. Und so kann ich heute ja einen Polizisten, morgen einen Arzt oder einen Anwalt spielen.“

Mit 18 Jahren zog es Dennis für ein Schauspiel-Studium nach Amerika. „Ich wusste ganz genau, für Schauspiel muss ich nach Los Angeles. So war ich am Santa Monica College und habe dann den klassischen Weg eingeschlagen. Ich machte diese Headshots, wo man vorne sein Coverfoto hat und dahinter noch vier Fotos mit Beschreibung, steckte diese einfach in gelbe Kuverts und verschickte sie an alle möglichen Stellen. Und es kam tatsächlich zu einem Casting.“ In seiner offenen und sympathischen Art erzählt Dennis weiter: „Da kommen tausende hoffnungsvolle Menschen zu diesem Casting, viele haben eine Greencard, sprechen akzentfreies Englisch oder haben sogar einen Agenten – und an dem Tisch sitzt nur ein Mann. Der sagt dann ‚Danke, ich rufe Sie an‘.“ Dennis sah sich das an und dachte: „Eigentlich will ich der sein, der auf der anderen Seite des Tisches sitzt und deshalb habe ich mich dann für Produktion und Filmproduktion interessiert. Im schlimmsten oder auch im besten Fall kann ich einfach bei meinen eigenen, von mir selbst produzierten Filmen mitspielen.“ Die Willenskraft und Energie ist spürbar, die von Dennis bei dieser Schilderung ausgeht.
Regie zu führen interessierte ihn zwar schon, „aber Regie und Kamera waren nie so ganz meines“, erklärt Dennis offen. „Aber dieses Organisieren aus vielen verschiedenen Puzzleteilen, die dann ein Gesamtes ergeben, das war immer meins.“

Dennis ist ein begeisterter Filmschaffender, arbeitete aber auch als Schauspieler, und das nicht nur in seinem Film Spy Capital 2. „Dazu muss ich sagen, dass mir mein Aufenthalt in Los Angeles schon sehr geholfen hat. Ich kam dann zurück nach Wien und bekam Rudi Rehling als Agenten, was ein großes Glück war. So kam ich zum Casting von Medikopter 117. Ich erzählte, dass ich meine Schauspielausbildung in Los Angeles gemacht habe und gerade erst zurückgekommen bin – das hat schon Eindruck gemacht und ich habe wirklich Rolle wirklich bekommen.“ Schmunzelnd erinnert sich Dennis an eine Szene, bei der sie mit dem Auto ziemlich schnell um die Kurve zu einem Schrottplatz fahren mussten, wo eine Leiche lag. „Und der Regisseur fragte meinen älteren Kollegen, ob er einen Führerschein hat, denn er sollte fahren und ich als der junge Kollege daneben sitzen. Und da er keinen hatte, bin eben ich gefahren, sprach ins Walkie-Talkie – und hatte meine ersten Filmerfahrungen.“ Trotz seiner vielen Interessen und Aktivitäten kann er sich sogar noch an seinen Text erinnern ‚Wagen 2419 ruft Zentrale, bitte kommen‘. Er weiß sogar noch, sich, dass er sich dabei von der Kamera wegdrehte. „Und ein Filmgeheimnis ist ja, nie der Kamera den Rücken zuzudrehen, man will auch nie am Cutting-Floor sein – also auf ausgeschnittenen Filmszenen. Der Regisseur rief gleich, bitte dreh dich ordentlich zur Kamera, wir zahlen ja nicht dafür, dass wir deinen Rücken sehen,“ lacht Dennis und verrät, dass er damals eine für ihn Wahnsinns-Gage bekommen hat. Danach begann sein Filmweg mit Rollen in Medikopter 117, beim Tatort usw., er spielte schon einen Anwalt und auch Polizisten – „mir fehlt nur noch ein Arzt“, lacht Dennis wieder. „In unserem neuen Film SPY CAPITAL 2 spielte ich übrigens den österreichischen Manager und russischen Agenten Jan Marsalek, dem ich mit meiner Frisur und dem Bart sehr ähnlich sehe.“

Auf meine Frage, ob es für ihn keine Option gewesen sei, in Amerika zu bleiben, meint Dennis: „Ich war schon als Kleinkind ein riesiger USA-Fan und als ich mit 18 Jahren dort war, war ich begeistert von diesen Wolkenkratzern, dieser augenscheinlichen Freiheit, diesen Palmen und großen Autos. Das alles hat mich fasziniert, vieles ist aber doch nur ein Traum oder einfach Fake. Was echt ist, ist dort der Dollar.“ Dennis schätzt eine bittere Wahrheit mehr als eine süße Lüge und da er auch als Model gearbeitet hat, weiß er auch, dass er ein Ablaufdatum hat.
Covid, Firmengründung und SPY CAPITAL 1
Seine Firma Westside Studios gründete Dennis während der Covid-Pandemie. „Es gab schon lange ein Skript und ein Drehbuch, aus dem wir einmal einen Film oder eine Doku machen wollten. Als dann die komplette Welt wie in einer Pause war, dachten wir uns als kleines Team, dass wir diese Zeit und unser Netzwerk zu Experten im Bereich Spionage, Intelligence und Counterintelligence nützen sollten. Wir fragten sie einfach, ob sie nicht Interesse hätten, ihre Expertise in unserem Film als Interview einzubringen. Und damals hatten auch alle Zeit – und niemand eine Ausrede“, schmunzelt Dennis. „Es hat sie sogar gefreut, und so hat sich immer mehr an Kontakten und Interessierten ergeben für den ersten Film SPY CAPITAL 1. Wir konnten den großartigen Investigativ-Journalisten Christo Grozev gewinnen, der heute immer noch in aller Munde ist, wir haben den jüngsten KGB-General interviewt, wir sprachen mit Boris B. Volodarsky, dem russisch-britischen Historiker für Geheimdienstgeschichte und ehemaligen Spetsnaz-Offizier, der das Drehbuch geschrieben und auch im Film mitgespielt hat. Kontakt hatten wir auch mit dem österreichischen Politikwissenschaftler Gerhard Mangott und haben den ehemaligen BVT-Chef Gert-René Polli interviewt – es war wirklich unvorstellbar, wie viele interessante Leute sich bereit erklärt haben, bei unserem ersten Film mitzumachen.“

SPY CAPITAL 2
Dieser zweite erfolgreiche Film ist keine typische Doku, manche nennen ihn einen hybrid-Film. Auf meine Frage, wie Dennis auf diese Idee kam, erzählt er: „Wir mussten uns ja vom ersten Film irgendwie unterscheiden. Es gibt diese typische klassische Doku, wo man viel mit Archivmaterial, Zeitungsartikel usw. arbeitet und man daraus dann eine Geschichte macht. Mein Team und ich wollten aber möglichst weg davon und so wurde es, auch dem Trend entsprechend so etwas wie eine Feature Dokumentary, ein Reenactment, ein Mockumentary und so weiter.“
SPY CAPITAL 2 ist eine sehr aufwendige Produktion, da in Malta, Wien, Paris, London, Berlin und München an den exakt echten, authentischen Locations gedreht wurde. „Mit den nachgespielten Szenen wollten wir das einfach illustrieren, um es verständlicher zu machen. So wurde z.B. nicht nur ein Foto einer Yacht gezeigt, sondern wir waren auf dieser Yacht.“ Eine die großartige Unterstützung für den Film hatte er mit der österreichischen Schauspielerin Silvia Schneider, die die weibliche Hauptrolle spielt.
„Den Song ‚Undercover‘ für SPY CAPITAL 2 hat beispielsweise mein lieber Freund, der Saxophonist und Musiker Peter Sachs geschrieben. Große Unterstützung hatten wir auch von Suzanne Grieger-Langer, der erfolgreichen deutschen Personalberaterin und Sachbuchautorin vorwiegend im Bereich Berufliches Profiling.“
Der Hauptpart von SPY CAPITAL 2 handelt von Jan Marsalek und der Wirecard-Geschichte, aber nicht vom Finanz- sondern von Spionageskandal Wirecard.

Actionreiche Spielfilme
Nach seinem Spielfilm „The Vienna Procedure“ befindet sich Dennis Dewall jetzt schon bei den Dreharbeiten für den nächsten Film, einen Spy Action Thriller. „Der Titel ist THE TRAIN und es ist eine Story mit internationalem Cast, Stunts und vielen aufwendigen Kampfszenen“, erzählt der Produzent begeistert. „Gedreht wird in Wien, London, Malta, Budapest, Prag und Bangkok.“ THE TRAIN kommt ab September 2026 in die Kinos.

Ich spreche Dennis darauf an, welche Eigenschaften wichtig sind, um im Filmgeschäft zu bestehen und erfolgreich zu werden, und erfahre: „Ich glaube, zwei Wörter sind hier passend: Ausdauer und Geduld. Und mit Ausdauer ist nicht gemeint, man sitzt und wartet auf etwas, sondern man muss wirklich dieses typische Tür-zu-Tür-Geschäft verrichten – auch wenn man oft abgewiesen wird. Man muss ständig dahinter sein und braucht eine dicke Haut. Denn wenn du an die siebentausendste Tür klopfst und keine geht auf, darfst du nicht aufhören zu klopfen. Es könnte vielleicht doch die nächste Tür sich öffnen“, ergänzt Dennis noch nachdenklich.
Auf meine Frage, wie oder woher er sich die dafür notwendige Energie holt, meint Dennis: „Ich bin jetzt 42 Jahre alt, kenne meinen Körper sehr gut und kann mich selbst sehr gut motivieren. Aber natürlich tun mir Gespräche mit Freunden sehr gut, mit denen ich bei einem guten Glas Wein einfach abschalten kann. Durchgemachte Nächte spüre ich mittlerweile allerdings am nächsten Morgen“, schmunzelt er wieder.

„Und ganz ehrlich, sehr viel Energie gibt mir meine Frau, denn sie ist der einzige Mensch, der mich nicht unterstützt. Wenn sie zu mir sagt, das wirst du nicht schaffen, spornt mich das erst so richtig an. Also grad im umgekehrten Sinn. Also wenn einer unserer Filme einmal bei den Oscars erfolgreich ist, werde ich mich bei meiner Frau herzlich bedanken.“ Ganz anders seine 11-jährige Tochter, die das alles schon sehr spannend findet und am liebsten mitspielen würde. „Ich hätte aber auch nichts dagegen, wenn sie keine Schauspielerin würde und liebe das Zitat von Harry Belafonte: Ich habe 30 Jahre gebraucht, um über Nacht berühmt zu werden“.
Großes Beitragsfoto: Dennis Dewall’s Film „Spy Capital 2“ ist ein preisgekrönter Dokumentarfilm, der sehr positive Resonanz in den Kinos fand. (Fotos Hedi Grager)
