Sie ist Autorin, Coach, Aktivistin und Model. 2022 nahm Martina Gleissenebner-Teskey bei ‚Germany’s Next Tomodel by Heidi Klum‘ als erste Best Agerin teil und wurde Dritte. Im Vorjahr startete sie ihr Projekt WALK4FUTURE, um Lösungen für eine nachhaltige Zukunft der Mode zu fördern.

Seit 1996 arbeitet Martina Gleissenebner-Teskey, die Ökologie und Psychologie studierte, auf Basis des von ihr entwickelten Charisma-Konzepts weltweit als Trainerin, Coach und Vortragende. Mit ihrem Wiedereinstieg ins Modeln setzt sie sich für die Entwicklung nachhaltiger Konzepte ein. Deshalb startete sie auch ihr Projekt WALK4FUTURE und machte 2024 die Strecke von Klosterneuburg nach Paris zu ihrem bisher längsten ‚Laufsteg‘.

Wir treffen uns in Wien zu einem gemütlichen Kaffeeplausch und wie immer erlebe ich die zierliche Gestalt voller Elan, mit der Kraft einer Macherin. Bei all ihren Erfolgen war ihr Projekt WALK4FUTURE absolut eines ihrer Highlights im Vorjahr. „Die Idee kam mir Ende November 2023 einfach deshalb, weil für mich damals drei Dinge zusammengefallen sind. Einerseits war ich zu dem Zeitpunkt schon ein bisschen gesättigt von den Geschenken und Aufträgen von Marken für Social Media wie Instagram usw.. Ich bekam fast wöchentlich etwas zugeschickt, ob ich es wollte oder nicht – und ich möchte jetzt nicht ‚undankbar‘ klingen. Aber mit soviel Überkonsum konfrontiert zu werden, ist mir einfach zu viel geworden. Zweiten merkte ich, dass ich mittlerweile schon eine gute Reichweite habe, und die wollte ich sinnvoll nutzen. Und zum Dritten habe ich immer schon den Traum gehabt, einmal um die Welt zu gehen. Aber wann?“ So kam Martina auf die Idee, erstmal mit einer ‚kürzeren‘ Reise zu Fuß zu beginnen – und daraus ein Marketingprojekt für nachhaltige Mode zu machen. „Dieser Walk, diese Leidenschaft zum Gehen, die ich immer schon hatte, und meine Bekanntheit mit etwas Sinnvollem zu verbinden, machte mir große Freude.“
That’s the woman of the future. Soft and strong at the same time, unapologetically self-confident, walking her way without asking for permission.
Martina Gleissenebner-Teskey
Auf der Suche nach Sponsoren fand sie einige Unternehmen mit meist kleinen Budgets, „die aber in mein Konzept passten und die mir ein paar Kilometer meines Walks finanzierten.“
Dass sie das Projekt in unglaublich kurzer Zeit auf die Beine stellte – am 21. April 2024 ging sie bereits los – wundert niemand, der Martina kennt. Sie ist eine Macherin, fleißig, mit unglaublichem Elan und Nachdruck. Und sie ist perfekt, was Marketing und Werbung anbelangt. „Danke“, lächelt sie, „ich glaube, ich habe einfach ein Gespür dafür, welche Story sich verkauft und wie man etwas interessant machen kann. Ich spüre, wenn etwas passt und dann mache ich es. Unabhängig davon habe ich mir schon auch Unterstützung geholt, ich wollte einfach so viele Menschen wie möglich durch meinen Walk erreichen – ich hätte mir sogar noch mehr gewünscht. Ich hatte aber nicht mit dem Instagram-Algorithmus gerechnet, sodass viele meiner Follower meine Walk-Posts gar nicht bekamen, nur wie immer die Glam- und Fashion-Postings. Das habe ich total unterschätzt und war schon frustrierend – aber ich habe wieder dazu gelernt.“

Gemeinsam etwas schaffen
Auf meine Frage, was sich Martina persönlich aus ihrer Walk-Zeit mitnehmen konnte, erfahre ich: „Was so wunderschön war, ich habe für mich persönlich erkannt, dass ich dann auflebe, wenn ich mit Menschen gemeinsam etwas schaffe. Das ist es, wofür ich auch lebe. Es ist nicht das zu Fuß gehen, das alleine zu sein und das Genießen der Natur, es war wirklich diese Vorfreude, mit Menschen zusammenzutreffen. Mit Menschen, die etwas bewegen, die auf einer Wellenlänge sind, weil sie einfach eine positive Vision von der Zukunft haben. Das war wirklich die ganze Zeit mein Ansporn.“ Was Martina noch für sich erkannte, war, „dass wir in einer Welt der Fülle leben. Wir erreichen zwar jene, die sich dessen schon bewusst sind, aber nicht die Mehrheit, und um diese geht es. Jene, die sich einen ‚Fetzen‘ nach dem anderen kaufen, einfach weil sie es sich leisten können, das Angebot so günstig ist und sie die freie Wahl haben – das ist Luxus“, meint Martina mit Nachdruck.
Die Schwierigkeit liegt wohl auch darin, „dass Menschen das Problem gar nicht sehen, wenn sie nicht selbst betroffen sind. So haben sie zu wenig Anreiz, ihr Verhalten zu ändern“, ist sich Martina bewusst. Aber wo setzen wir dann an, frage ich sie: „Aus meiner Sicht geht es nur dann, wenn die Menschen gar nicht selber überlegen müssen. Wenn überwiegend nachhaltiges, recyceltes Material angeboten wird, man die Preise etwas erhöht und in der überfüllten Fashion-Industrie die Produktion etwas reduziert wird. Viele Designer achten schon auf Materialien, bringen weniger Kollektionen auf den Markt und bieten Kombinier-Möglichkeiten an.“

Nach dem Walk ist vor dem Walk
Aber Martina wäre nicht Martina, wenn sie nicht schon ihren nächsten Walk planen würde. „Schau, wenn ich das nicht weiterführen würde, dann war es ‚nur‘ ein schönes Projekt. 1998 habe ich die erste Nachhaltigkeitsmesse in Österreich organisiert, die ÖKOSTYLE `98. Ich musste danach aufgrund hoher Schulden leider loslassen und ging ins Ausland, um Geld zu verdienen und meine Schulden abzubauen. Aber irgendwann habe ich auch das geschafft“, erzählt Martina sehr offen. „Ich sehe jetzt, dass viele Nachhaltigkeitsinitiativen oder Brands es einfach deshalb nicht schaffen, weil sie nicht richtig kalkulieren. Und das habe ich jetzt bei meinem ‚quasi Non-Profit-Projekt‘ gelernt, ich muss es genauso kalkulieren wie ein For-Profit-Projekt – damit man nicht ständig aus sich selbst herausschöpfen muss. Andernfalls brennt man irgendwann einmal aus und übrig bleibt nur Frustration.“
Kämpferisch meint die Unternehmerin weiter: „Wenn ich jetzt also mein WALK4FUTURE- Projekt aufgeben würde, wäre es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen und verpufft. Deshalb habe ich meinen nächsten Walk anders aufgesetzt, besser organisiert und etwas länger vorbereitet, um mehr Möglichkeiten ausloten zu können.“ Martina weiß, dass so etwas auch immer eine Möglichkeit ist, als Person zu wachsen.
Die Macht der Entscheidung ist die größte und meist unterschätzte uns zur Verfügung stehende Macht, um unser Leben zu gestalten und mit der vollen Entwicklung unseres Potenzials auch einen sinnvollen Beitrag in dieser Welt zu leisten.
Martina Gleissenebner-Teskey
Als Beginn für ihren nächsten WALK4FUTURE steht der 1. Mai fest. „Ich bin davor bei einer Konferenz in Amsterdam, bei der es um die Textilien der Zukunft geht“, erzählt mir Martina. „Von dort aus werde ich 500km über Düsseldorf und Köln nach Frankfurt gehen, um dort am 19.5. einen bereits gebuchten Bus ins polnische Lodz zu erwischen, wo ich am 20. bei einer Sustainable Fashion Modeschau als Model gebucht bin. Tags darauf wird sie einen Workshop bei der Urban Future Konferenz halten. Der drei-wöchige Walk wird dieses Mal aber bei weitem nicht alleine stattfinden, sondern von einer intensiven Community-Beteiligung leben. „Das Motto lautet Geh mehr – Gib weniger aus – Investiere besser – und alle, die wirklich aktiv dabei sind, haben die Chance, mit ihren Geschichten in ein Buch aufgenommen zu werden“, verrät Martina mir noch. Es ist noch viel im Entstehen, ich bleibe also neugierig!

2024 – ein Jahr mit Highlights und Erkenntnissen
Ein weiteres Highlight für sie war die gemeinsame Reise und wunderschöne Zeit mit ihrer Tochter Lou Anne in Kapstadt, wo sie zuvor noch nie war. „Grundsätzlich war 2024 für mich ein Jahr meines persönlichen Fortschritts, meiner Entwicklung, in der mir klar geworden ist, wofür ich stehe und wofür eben nicht. Es ist schon wahnsinnig verlockend, als VIP in dieser Glamour-Welt zu tollen Veranstaltungen eingeladen zu werden, aber ich habe bemerkt, das ist mir zu wenig. Wie auch die vielen Geschenke, über die wir schon gesprochen haben. Es ist schon toll, über die Laufstege zu gehen, aber nach einiger Zeit wird es mir wieder langweilig.“
Sie erwähnt, dass sie einmal auf Instagram postete, sie sei zu intelligent, um nur zu Modeln, was von den Medien damals leider verkürzt gebracht wurde. „Was ich ausdrücken wollte und mir halt auch so wichtig ist, ich habe sehr lange mit Frauen an ihrer Positionierung, an ihrem Leadership u.a. gearbeitet. Und es ist einfach wichtig zu wissen, okay, wir zeigen uns gerne, aber es ist auch wichtig, unseren Geist zu zeigen und damit zu arbeiten, etwas zu verändern, mitzugestalten und mitzubestimmen.“ Energisch führt Martina weiter aus: „Das war für mich immer schon wichtig und wenn ich manchmal denke, ‚Martina, jetzt hast du dieses Rampenlicht, jetzt hast du den Glamour, genieße es einfach – das alleine ist mir zu wenig, so bin ich nicht. Es war eine ‚Gratwanderung‘ für mich zu erspüren und zu erlernen, wie ich etwas weiterbringe und dabei mir selbst treu und authentisch bleibe. Ich möchte weder mir noch anderen etwas vormachen.“

Aktuell steht Martina in einer Entscheidungsphase. „Es sind große Medienfirmen an meine Tochter und mich herangetreten, um neue Formate zu kreieren. Vielleicht möchte ich aber auch eine eigene, nachhaltige Marke schaffen. Das alles muss ich mir jetzt sehr genau überlegen, gibt es einen Markt dafür, was benötige ich dazu und ist es zu stemmen.“
Natürlich wird man Martina weiterhin auf Laufstegen bewundern können und langweilig wird es Martina und ihren Fans nie werden – sie wird uns noch mit vielen schönen Projekten begeistern und hoffentlich etwas zum Nachdenken bringen.
Großes Beitragsfoto: Bei ‚Germany’s Next Tomodel by Heidi Klum‘ nahm Martina Gleissenebner-Teskey 2022 teil und belegte den dritten Platz als erste Best Agerin. (Foto FLORASIGN)
