Antonia Moretti: Es ist schön, immer weiter zu lernen

Im Thriller 'Der Gejagte – Im Netz der Camorra' ist Antonia Moretti als Laura DeCanin zu sehen. (Foto ServusTV / goodfriends)Die Tirolerin Antonia Moretti ist attraktiv, talentiert und sehr herzlich. Jazzgesang studierte sie in Wien und Schauspiel in New York und Köln. 2022 bekam die junge Schauspielerin ihre erste Romy. 

Antonia Moretti studierte Jazzgesang in Wien und Schauspiel in New York und Köln. 2022 bekam sie ihre erste Romy. (Foto Christian Hartmann)
Antonia Moretti studierte Jazzgesang in Wien und Schauspiel in New York und Köln. 2022 bekam sie ihre erste Romy. (Foto Christian Hartmann)

Nach der Matura ging Antonia erstmal für ein halbes Jahr auf Weltreise, bevor sie zuerst Jazzgesang studierte und danach mit dem Schauspielstudium begann. Parallel dazu schloss sie auch ein Physiotherapie-Studium ab.

Einem breiten Publikum wurde die Schauspielerin durch ihre Rolle im ZDF-Zweiteiler ‚Im Netz der Camorra‘ bekannt, wo sie erstmals an der Seite ihres berühmten Vaters drehte. Mittlerweile brillierte sie u.a. in Filmen wie dem SerienFinale ‚Sisi‘, wo sie die Skandal-Verlobte von Sisis Bruder, Opernsängerin Henriette Mandel, spielte.SisiS Das Drama ‚Wer ohne Schuld ist‘ feierte Premiere beim Münchner Filmfestival 2024.

Ich traf die talentierte und herzliche Schauspielerin Antonia Moretti in Berlin, wo sie aktuell lebt. (Foto Reinhard Sudy)
Ich traf die talentierte und herzliche Schauspielerin Antonia Moretti in Berlin, wo sie aktuell lebt. (Foto Reinhard Sudy)

Schauspielerin und Physiotherapeutin
Als Tochter von Schauspieler Tobias Moretti und Oboistin Julia Moretti sind ihr künstlerische Gene in die Wiege gelegt worden. Damit hat Antonia aber noch nie ‚gespielt‘, denn „letztendlich zählt die Arbeit und ein gutes Ergebnis“, ist sie sich sicher, „an eventuelle Erwartungshaltungen anderer vergeude ich so gut es geht keine Gedanken.“ Dabei kam sie eher zufällig zum Schauspiel, wie sie nach einem Arbeitstag als Physiotherapeutin mir bei einem gemütlichen Treffen in einer Berliner Hotelbar erzählt.

Sie war gerade mal 17 Jahre alt, als sie zufällig eine Agentin traf, die ihr Talent erkannte. „Meinen Eltern habe ich aber erst viel später davon erzählt“, lacht Antonia. Auf meine Frage, ob ihr Unabhängigkeit immer schon so wichtig war, erzählt sie: „In der Physiotherapie arbeite ich, weil es ein wahnsinnig toller Beruf ist, der mich interessiert und auch erfüllt. Selbstständigkeit war mir schon immer wichtig, aber mein Hauptfokus ist wirklich die Unabhängigkeit. Also, mutig zu bleiben, selbst zu entscheiden, was mich künstlerisch interessiert, nicht nach Oberflächlichkeiten oder finanzieller Lage zu gehen, sondern wirklich nach Qualität“, kommt es sehr bestimmt von der jungen Schauspielerin. „Das ist mein eigener Anspruch, der den Beruf dann auch so erfüllend werden lässt. Und das andere war ein bisschen diese kindliche, trotzige Art, dass ich auf keinen Fall machen werde, was meine Eltern machen, weder Musik noch Schauspiel“, lacht Antonia wieder herzlich. „Mich interessiert sehr vieles und ich wollte auch vieles ausprobieren. Denn es ist so ein Geschenk, in dieser Welt aufwachsen zu dürfen und in verschiedenste Berufe mal zumindest ein wenig reinschnuppern zu können. Und ich dachte mir, ok, ich probiere auch Schauspiel einfach aus, es wird mir eh nicht gefallen. Ich wollte mir selber quasi beweisen, dass ich recht habe, dass Schauspiel sicher nichts für mich ist.“

Gerne würde Antonia Moretti einen coolen Actionfilm drehen. „Ich finde es immer spannend, etwas machen zu dürfen, was man sonst nie macht.“ (Foto Christian H. Hasselbusch)
Gerne würde Antonia Moretti einen coolen Actionfilm drehen. „Ich finde es immer spannend, etwas machen zu dürfen, was man sonst nie macht.“ (Foto Christian H. Hasselbusch)

Sie gibt zu, dass sie von diesem Beruf sehr überrascht wurde, „und bin jetzt hier. Es ist ein wahnsinnig toller, erfüllender und inspirierender Beruf, der mich auch in meinem zweiten Beruf als Physiotherapeutin weiter wachsen lässt. Das ist so schön.“ Und dann spreche ich sie noch auf ihr Gesangsstudium an, da mich persönlich ihre Stimme sehr begeistert. „Jazzgesang ist ein weiteres Geschenk, das wunderbar ist und mich unheimlich erfüllt“, meint Antonia leicht nachdenklich. „Aber auch davon möchte ich mich nicht abhängig machen, denn ich will machen, was mir Freude bereitet und nicht, weil ich etwas machen muss.“ Musik wird aber auf alle Fälle ein großer Teil in Antonias Leben bleiben.

Ihre Liebe zur Musik empfindet sie auch als eine der wichtigsten Eigenschaften, die ihr ihre Eltern mitgegeben haben. „Das und die Fähigkeit, Musik in einem Moment einfach wahrzunehmen, zu fühlen und alles andere zu vergessen. Das ist das größte Geschenk.“ Dankbar ist sie ihren Eltern auch für die Freiheit, alles ausprobieren zu dürfen. „Das hat sehr viel Druck von mir genommen und dafür werde ich ihnen nicht genug danken können.“

Die junge Schauspielerin Antonia Moretti beherrscht sehr viele Sportarten. „Manche habe ich schon länger nicht ausgeübt, könnte es aber wieder - falls gewünscht.“ (Foto Christian H. Hasselbusch)
Die junge Schauspielerin Antonia Moretti beherrscht sehr viele Sportarten. „Manche habe ich schon länger nicht ausgeübt, könnte es aber wieder – falls gewünscht.“ (Foto Christian H. Hasselbusch)

Um Musik drehte es sich auch bei Antonias letztem Filmprojekt ‚SISI‘. „Da durfte ich lustigerweise in den klassischen Bereich  reinschnuppern. Das habe ich zuvor noch nie gemacht, aber ich hatte eine ganz tolle Gesangslehrerin, die mich in diese Richtung entführt hat – das war richtig toll.“ Also wieder eine neue Herausforderung, frage ich sie und erfahre: „Ja genau, es war eine neue Herausforderung, meine Stimme weiter zu entdecken. Denn da sind noch so viele ungeöffnete Türen. Auch wenn ich in Zukunft nicht in Richtung Oper gehen werde, das auf keinen Fall. Dafür hätte ich schon vor 20 Jahren anfangen müssen“, schmunzelt die talentierte Künstlerin, „aber wie gesagt, es war etwas ganz Unberührtes, Spannendes.“ In ‚SISI‘ spielte Antonia die Opernsängerin Henriette Mandel, die große Liebe von Sisis Bruder Louis, der sie später ehelichte und für sie auf Reichtum und Titel verzichtete. Glaubst Du an die große Liebe, frage ich Antonia, worauf sie meint: „Ja, es wird sie geben, irgendwo, hoffe ich zumindest.“

Im Thriller 'Der Gejagte – Im Netz der Camorra' ist Antonia Moretti gemeinsam mit ihrem Vater Tobias Moretti zu sehen. (Foto ServusTV / goodfriends)
Im Thriller ‚Der Gejagte – Im Netz der Camorra‘ ist Antonia Moretti gemeinsam mit ihrem Vater Tobias Moretti zu sehen. (Foto ServusTV / goodfriends)

Spiel mit dem Vater
Wie schon viele andere interessiert es auch mich, wie es Antonia beim gemeinsamen Spiel mit ihrem Vater im TV-Zweiteiler ‚Im Netz der Camorra‘ ergangen ist. „Es war natürlich spannend, wie wir das lösen werden, denn für uns beide war es eine absolute Voraussetzung, dass man Privates vom Arbeitskontext trennt und dass man versucht, einfach seinen Job gut zu machen. Und das geht nicht über eine rein private Ebene. Man ist ja auch in jedem anderen Beruf in seiner Rolle, das bin ich auch als Physiotherapeutin. Das war für mich wie auch für meinen Vater extrem wichtig. Und so haben wir einen guten Weg gefunden, miteinander umzugehen.“ Also jederzeit wieder ein Film mit Deinem Vater, frage ich Antonia, worauf sie lachend meint: „Wenn es wieder einmal eine schöne Möglichkeit ergibt, werden wir uns das ansehen.“

Antonia hat mittlerweile schon einige interessante Rollen gespielt, aber welche war für sie die bisher Herausforderndste, möchte ich von ihr wissen. „Eine der herausforderndsten Persönlichkeiten, die ich bis jetzt spielen durfte, war im letzten Jahr bei ‚Hundertdreizehn‘.“ In dieser Serie unter der Regie von Rick Ostermann geht es exemplarisch um die unterschiedlichen Leben von mehreren Menschen, die durch einen katastrophalen Verkehrsunfall in irgendeiner Form miteinander verbunden sind. Antonia spielt dabei eine betroffene Hauptfigur. „Das Schwierigste ist – und damit für mich am spannendsten und interessantesten – wenn Figuren ambivalent sind. Herauszufinden, welche Nuancen kann man sich im Dialog zusammenbasteln lassen. Und wo kann man diese ambivalenten Nuancen einsetzen, sie zumindest suchen und dann hoffentlich auch finden.“

Antonia Moretti bekam 2022 ihre erste Romy. „Es kam völlig unerwartet, es war so schön zu sehen, dass man wahrgenommen wird und dass es gefällt, was man macht.“ (Foto Hedi Grager)
Antonia Moretti bekam 2022 ihre erste Romy. „Es kam völlig unerwartet, es war so schön zu sehen, dass man wahrgenommen wird und dass es gefällt, was man macht.“ (Foto Hedi Grager)

Wie die Schauspielerin selbst sagt, konnte sie schon mit einigen tollen Regisseuren und Regisseurinnen mit sehr unterschiedlichen Zugängen arbeiten. Macht es das alles noch interessanter oder fällt Dir die Zusammenarbeit mit dem einen oder anderen leichter, möchte ich wissen und erfahre: “Ich würde sagen, wir Menschen sind generell ‚Gewohnheitstiere‘. Und wenn irgendwas in jeglicher Verbindung gut funktioniert, also in jeder beruflichen wie auch privaten Beziehung zu anderen Menschen, ist es recht leicht, in seiner Komfortzone zu bleiben und zu sagen, das funktioniert gut. Aber es ist ja nicht so, dass wir uns das in unserem Beruf aussuchen können, und so wird man im besten Falle positiv überrascht. Und wenn es dann doch einmal schwierig ist, hat man wieder dazu gelernt. Aus dieser Sicht finde ich es schon ein Geschenk, diese Abwechslung zu haben und dadurch inspiriert zu werden. Es ist einfach interessant zu erfahren, welch unterschiedliche Zugänge Menschen zu einem Thema, zu einer Figur haben. Wie sie versuchen, einem das beizubringen, was sie sich gerade denken, wie sie das formulieren, was sie sehen und gerne hätten. Das ist schön. Alle haben ihre Qualitäten und man versucht in der Situation dann einfach alles bestmöglich umzusetzen, zu funktionieren und zu agieren. Und es ist in Ordnung, dass wir alle so unterschiedlich sind.“

Sie verrät, dass sie dadurch, dass sie es beruflich mit ganz vielen sehr unterschiedlichen Menschen zu tun hat, gut und schnell umschalten kann, Situationen annehmen und das Beste daraus machen kann. „Auch wenn ich glaube, das wäre jetzt vielleicht nicht so ganz mein Zugang, wurde ich zumindest in der Vergangenheit meist sehr positiv überrascht und habe den Sinn dann im Ergebnis gesehen.“
Es wäre also für sie als Schauspielerin sicher angenehmer, oft mehr Zeit für Vorbereitungen zu haben wie auch mehr Drehtage, frage ich weiter. „Es ist für das gesamte Team oft schon sehr anstrengend, unter welchem Druck alle von früh bis abends funktionieren müssen. Und das ist auch deshalb ein bisschen schade, weil das qualitativ Auswirkungen haben kann. Aber das kann man sich leider nicht aussuchen.“

Im erfolgreichen Thriller 'Der Gejagte – Im Netz der Camorra' spielt Antonia Moretti die Rolle der Laura DeCanin. (Foto ServusTV / goodfriends)
Im erfolgreichen Thriller ‚Der Gejagte – Im Netz der Camorra‘ spielt Antonia Moretti die Rolle der Laura DeCanin. (Foto ServusTV / goodfriends)

Als sehr schönen Teil ihrer Arbeit empfindet sie auch das Recherchieren. „Ich liebe es, mich vorzubereiten. Ich will mich aber auch nicht zu sehr vorbereiten, sodass ich dann im Moment nicht mehr loslassen kann. Das wäre ja auch schade. Außerdem hat man meistens ein Gegenüber, auf das man reagieren muss. Wenn ich mich also so vorbereite, dass ich zu sehr in meinem eigenen Film stecke, kann ich überhaupt nicht mehr im Moment sein und zuhören, was der andere eigentlich gerade sagt. Auch das gehört zum Lernprozess und das ist gerade das Schöne, es hört nie auf.“

Social Media, Mode und Erholung
Sehr offen erzählt Antonia, dass sie gerade versucht, ein bisschen Abstand zu ihrem Handy und zu Social Media zu gewinnen. „Ich finde, das nimmt schon sehr viel Zeit ein und ich bin auf jeden Fall eine Kandidatin, meinen Kopf da drin zu verlieren. Deswegen bemühe ich um etwas Distanz.“ Überhaupt postet die sympathische Schauspielerin auf Social Media sehr zurückhaltend. „In meinem Instagram Feed gibt es eigentlich gar keinen roten Faden und das ist mir auch egal.“

Mode interessiert Antonia rein beruflich schon, privat wird man sie nicht auf Shopping-Touren antreffen. „Mode finde ich grundsätzlich großartig, für mich aber muss sie vor allem gemütlich sein und ich bin abseits roter Teppiche eher leger unterwegs. Ich finde Mode als Kunstform sehr spannend und bin oft fasziniert, welche Kunstwerke manche aus einem Stück Stoff kreieren können.“

Antonia Moretti bei der Österreichischen Filmpreis Gala 2024 im Wiener Rathaus. Im Hintergrund Judith Altenberger. (Foto Hedi Grager)
Antonia Moretti bei der Österreichischen Filmpreis Gala 2024 im Wiener Rathaus. Im Hintergrund Judith Altenberger. (Foto Hedi Grager)

Nach anstrengenden Tagen oder Zeiten erholt sich die 26-Jährige, die ihr Privatleben auch privat hält, am besten „mit meinen liebsten Menschen um mich rum. Ich habe so ein Glück, meine Familie zu haben und so tolle Freundinnen und Freunde. Mit ihnen Zeit zu verbringen ist manchmal wirklich wie zwei Wochen Urlaub. Ich versuche auch durch Bewegung, meinen Kopf freizukriegen. Dabei geht es gar nicht darum, großartig Sport zu machen, sondern einfach raus an die frische Luft zu kommen.“

Aber wie sieht sie als junge Frau die aktuelle Zeit mit Kriegen, Klimakrisen, politischen Umbrüchen usw.? „Das alles ist schon sehr bedrückend und nimmt bei mir persönlich zeitweise viel Raum ein. Aber ich glaube, es ist ein Geschenk, dass unsere Generation sich nicht scheut, darüber zu sprechen, sich zu positionieren, nur so können wir weiterkommen. Natürlich wäre es viel leichter, naiv und ohne Nachrichten durch die Welt zu laufen. Aber das bringt weder  unserer noch der nächsten Generation auf Dauer irgendwas. Und deswegen müssen wir dranbleiben, unser Wahlrecht ausüben, uns mit unabhängiger Berichterstattung und Prüfung etwaiger Informationen (vor allem auf Social Media) beschäftigen und der Wissenschaft endlich Glauben schenken.“

Pläne für 2025
Gerade kam der Film ‚Wer ohne Schuld ist‘ mit Regisseurin Sabrina Sarabi in die Jahreswahl des Jupiter Award 2025, worüber sich Antonia sehr freut. „Sabrina ist eine ganz tolle, inspirierende Frau und Persönlichkeit.“ Auch freut sie sich darauf, dass heuer voraussichtlich die Serie ‚Hundertdreizehn‘ Premiere feiert. Und natürlich sind einige spannende Projekte für 2025 in Planung, „aber wie Du weißt, darüber kann erst später gesprochen werden“, verrät sie noch mit einem Schmunzeln, bevor es für sie zum nächsten Termin geht.

Großes Beitragsfoto: Im Thriller ‚Der Gejagte – Im Netz der Camorra‘ ist Tobias Moretti als Matteo DeCanin und Antonia Moretti als Laura DeCanin zu sehen. (Foto ServusTV / goodfriends)

www.agentur-lambsdorff.de/Antonia Moretti  

 

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