Lexy Hell

Lexy Hell (Foto Hanja Li)Das Leibnitzer Tattoomodel hat geschafft, wovon viele träumen: sie lief für Jean Paul Gaultier und wurde zum Casting für ein Werbevideo von Yves Saint Laurent gebeten. Vor kurzem traf ich sie in Leibnitz, wo sie ein paar Tage bei ihrer Familie verbrachte und ihren neugeborenen kleinen Neffen zum ersten Mal sah. Und jetzt sehe ich sie wieder: wir sitzen gemeinsam in der Front Row bei der Show der steirischen Designerin Eva Poleschinski auf der Berliner Fashion Week.

Lexy Hell ist eine sehr auffällige Erscheinung: blonde lange Haare und ihr Body voller bunter Tattoos und ungemein sympathisch. Tattoos sind überhaupt ein besonderes Thema der im südsteirischen Leibnitz geborenen, gelernten Einzelkauffrau. Bei einem gemütlichen Kaffee erzählt Lexy mir von ihren Tattoos, auch vom schmerzhaften Stechen, ihren Erfolgen, den oft unangenehmen Erlebnissen und über die Vorstellung, ohne Tattoos aufzuwachen.

Foto  Bjelotschka_mein-Sahnehäubchen.de

Lexy begeistert sich für Tattoos, seit sie diese in jungen Jahren in Magazinen entdeckt hat. Mit 16 ließ sie sich ihr erstes Tattoo stechen. „Ausschlaggebend war, dass sich ein Klassenkamerad eine Sonne im Genick stechen ließ. Da habe ich mir am selben Tag meine Sonne am Steiß machen lassen.“ Sie hätte sonst vielleicht bis 18 gewartet, aber es konnte einfach nicht sein, dass jemand in ihrem Umfeld vor ihr tätowiert war. Die meisten ihrer Tattoos sind echt spontan. „Wenn ich eines sehe, das mir gefällt und das ich für mich cool finde, lass ich es stechen“, erzählt Lexy. Bereut hat sie noch keines ihrer Tattoos. „Vielleicht würde ich jetzt manches anders machen als mit 16, da der Geschmack sich ja ändert. Aber ich finde, ich habe die Motive ganz gut gewählt und sie sind Erinnerungen“. Sehr froh ist sie aber, dass sie sich keine chinesischen Zeichen oder ein Arschgeweih machen ließ.

Hedi Grager und Lexy HellEs gibt aber noch ein paar „Baustellen“ an ihrem Körper. „An den Beinen beispielsweise, und mein Bauch muss noch fertig gemacht werden“, zählt sie auf. Mehr als acht Jahre lang war Lexy alle drei Wochen beim Tätowierer. Offen gesteht sie, dass tätowieren ihr mittlerweile extrem weh tut. „Ich habe mindestens zehn Tage eine offene Wunde und es belastet meinen Kreislauf. Früher war ich bis zu acht Stunden beim Tätowierer und es hat mir nichts ausgemacht. Wenn ich mir jetzt etwas stechen lasse, bin ich nach zwei bis drei Stunden körperlich richtig fertig“. Aufhören wird Lexy aber nicht. „Ich bin jetzt 26, habe also noch genug Zeit und mach mir keinen Druck, wann ich fertig sein möchte“. Ihr Ziel ist, sich auf jeden Fall komplett – bis auf das Gesicht – tätowieren zu lassen. Bei Männern kann sie sich Tattoos im Gesicht vorstellen, bei Frauen findet sie es nicht ästhetisch.
Wenn Lexy in den Spiegel guckt, sieht sie ihre Tattoos gar nicht mehr. Ich frage sie, ob sie es sich vorstellen könnte, ohne Tattoos aufzuwachen und sie meint lächelnd: „Ich würde echt gerne mal sehen, wie ich ohne Tattoos aussehe. Vielleicht lasse ich alle meine Tattoos einmal abdecken und dann Fotos machen“. Die Vorstellung gefällt ihr.

Lexy Hell in Leibnitz

Leider erlebt sie immer wieder unangenehme Situationen: Sie wird angestarrt oder beschimpft wie ekelhaft Tattoos seien. Wenn sie einen guten Tag hat, antwortet sie mit einem lustigen Spruch, meist ignoriert sie die Bemerkungen. „Hinter dem Rücken tuscheln mag ich nicht, mir ist lieber, wenn jemand zu mir kommt und mich direkt anspricht. Ich weiß auch nicht, warum die Menschen bei Tätowierten automatisch glauben, dass diese arbeitslos seien. Ich glaube, das wird sich nie ändern“, ärgert sie sich. „Wir schreiben 2013, da sollte es normal sein, dass jeder akzeptiert wird, wie er ist“.

Mittlerweile lassen sich immer mehr junge Menschen tätowieren – weil es so „in“ ist. Ich frage, wie sie dazu steht. „Ich bekomme auf Facebook immer mehr Fragen zu diesem Thema. Vor allem sehr junge Mädels glauben, ‚ich mach mir jetzt ein paar Tattoos und dann kann ich als Model arbeiten‘“, erzählt Lexy. „Sie sehen nicht den langen Weg dorthin und die ganze Arbeit dahinter. Man muss hart arbeiten, Ausstrahlung haben und vor allem sehr professionell sein“. Mit einem Lächeln fügt sie noch hinzu: „Ich glaube, Du musst jetzt Laserspezialist werden oder Tattoo-Entferner, da wirst Du in 10 Jahren gutes Geld machen“.

Ich frage sie, welche ihr immer wieder gestellten Fragen sie am meisten ärgern: „Was machst Du, wenn du alt bist. Immer geht es um das Alter, aber ist faltige Haut schöner als bunte?“

Endlich_ohne_nackte_Haut

Lexy war schon von Kindheit an sehr kreativ. So malte sie sich selbst und auch die Wände zu Hause gerne an – sehr zum Leidwesen ihrer Eltern. „Ich habe immer gerne gezeichnet. Für ein Musical in der Schule habe ich die Kulissen gezeichnet und im Haus meiner Eltern hängen viele meiner Bilder. Ich habe immer wieder kreative Phasen und kann mir schon vorstellen, wieder zu malen. Momentan schreibe ich an einem Buch über Selbsterlebtes, was mir sehr viel Spaß macht. Es handelt von Berlin, dem Modelbusiness und wie es wirklich ist. Einen Verlag habe ich schon gefunden – es muss nur noch fertig werden“, fügt sie noch hinzu.

Lexy versucht sich gesund zu ernähren, Sport nimmt sie sich immer vor. Als sie noch in der Südsteiermark lebte, spielte sie viel Tennis und ging laufen. „In Berlin mag ich in keine Fitnessstudios gehen, auch dieses anglotzen mag ich nicht. Ich arbeite viel, und wenn es dann mal schön ist, möchte ich lieber raus in die Natur. Was Sport anbetrifft bräuchte ich da wirklich jemand, der mich in den Hintern tritt“. Einige Male im Jahr kommt sie in ihre südsteirische Heimat, um ihre Familie und gute Freunde zu besuchen. „Ich vermisse die Buschenschenken und das Essen hier, auch die gemütlichen Thermen“, und verrät, dass sie sich Oberskren und Kernöl von ihrer Oma nach Berlin schicken lässt. „Ich liebe Schweinebraten und Mehlspeisen, ich glaube, ich habe schon etwas zugenommen, seit ich hier bin. Aber das ist mir egal“, lacht sie laut. Zu ihren privaten Wünschen gehören einmal heiraten und Kinder haben.
Lexy lebt in einer Beziehung und ich möchte natürlich wissen, ob ihr Partner tätowiert ist. „Er hat nur wenige Tattoos und das finde ich gut so“, und sie plaudert weiter aus, dass sie den Typ Geschäftsmann gut findet.

Ein perfekter Sonntag für Lexy ist ausschlafen, fernsehen, Sushi bestellen und mit ihrer Katze spielen. Lexy bezeichnet sich selbst als kreativ, zuverlässig und ein bisschen launisch. „Ich bin im Sternzeichen Skorpion geboren und manches Mal muss man starke Nerven mit mir haben“, lacht sie. Sie ist sehr pünktlich, aber auch ungeduldig – und ein extremer Nachtmensch. „Wenn ich zeichne mache ich das nachts, da sprudle ich nur so und habe die besten Ideen“.

Foto_Bjelotschka_mein-Sahnehäubchen.de

Lexy möchte aber auch etwas für Menschen tun, denen es nicht so gut geht. „Ich denke, wenn man bekannt und für viele auch ein Vorbild ist, dann soll man auch etwas Gutes damit machen. Man schätzt viel zu wenig, wie gut es uns hier in Europa geht. Deshalb ist es mir wichtig, Menschen zu helfen die das Glück nicht haben“, meint sie. So arbeitet sie mit Fadia Otte von Safe World Peace zusammen. „Bald wird es eine eigene Lexy Hell Schmuckkollektion geben, eine exklusive mit Diamanten. Diese wird versteigert und das Geld gespendet. Safe World Peace baut Schulen und unterstützt Kinder in Afrika. Soulmusiker Aloe Blacc ist u.a. ein Prominenter, der mit Fadia schon seit Jahren zusammenarbeitet. Und Cassandra Steen wird mich z.B. bei meinem Projekt unterstützen“.

Zu den Menschen, die sie sehr beeindruckt haben, gehört Jean Paul Gaultier. „Er war echt so normal, so greifbar. Er hat mit mir über seine Anfänge gesprochen und Geschichten aus seiner Jugend erzählt“, erinnert sich Lexy begeistert. Auch mit dem Hutdesigner Steven Jones – Lady Gaga oder die Queen tragen seine Hüte – hat sie bei einem Shooting in Berlin geplaudert.

Lexy mit Jean Paul Gaultier

Eines ihrer Ziele ist, den asiatischen Markt zu erobern, wo sie sehr viele Fans hat. Sie hatte schon ein Shooting mit dem international bekannten japanischen Modedesigner Yōji Yamamoto, dem sie allerdings etwas zuviel tätowiert war.
Heuer shootete sie schon für das What Magazine, in München gab es eine Fotostrecke für das OK! Magazin und für ein Werbevideo für Yves Saint Laurent musste sie zum Casting nach Paris.
Lexy freut sich, dass auch für Chanel schon ein tätowiertes Model läuft. Sehr cool fände sie es, für Vivienne Westwood oder gar Karl Lagerfeld zu laufen. Sie ist sich aber bewusst, dass es mit ihren bunten Tätowierungen schwieriger ist, da sie meist nur eine Farbe anziehen kann, bunte Kleidung geht gar nicht.

Und spätestens im September wird sie auch wieder ihre Heimat besuchen, wenn sie beim „Aufsteirern“ in Graz dabei sein wird.

www.model-lexy-hell.de

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