Hannes Oberbichler

Hannes Oberbichler (Foto Reinhard Sudy)Hannes Oberbichler Everybodys Darling? – nein danke. „Ich bin perfektionistisch und auch gerne mal etwas selbstverliebt“, tönt es sehr ehrlich von Hannes Oberbichler: 20 Jahre jung, 1,90 groß, modelt erfolgreich seit er 15 ist – und er polarisiert: Auffallen, nur nicht zu glatt sein, immer extrem, nie den bequemsten Weg gehen.

Schon als kleines Kind wollte Hannes immer Aufmerksamkeit. Mit 5 Jahren saß er im Einkaufswagerl und hat laut gesungen. So laut, dass jeder ihn hören musste. „Ich habe die Mama noch gefragt, hören sie mich wohl eh alle?“, erzählt er mit einem Schmunzeln.Bei einem gemütlichen Aperol-Spritz im JOMA Fashion Concept Store sprechen wir über Talent, Hochnäsigkeit, seine bisher wichtigsten Stationen und sein Leben als Model.

Hedi Grager und Hannes Oberbichler (Foto Reinhard Sudy)

Hannes ist jemand mit vielen Talenten, doch etwas faul, wie er selbst von sich sagt. Er lernte Klavier und spielte sogar bei Konzerten und Wettbewerben. Er sang bei den Keplerspatzen im ausverkauften Stefaniensaal und durfte als einer der wenigen den Vorbereitungskurs überspringen. Mit 13 Jahren begann er sich fürs Tanzen zu interessieren, denn da gab es viele Mädels – und fast keine Burschen. Das war damals etwas Großartiges und Aufregendes, vor allem in einer Gemeinde mit 4000 Einwohnern. Hannes absolvierte gleich drei Tanzkurse, machte drei Jahre Jazzdance und vier Jahre Hip Hop.

(Foto Verena Mandragora)

„Hannes, Du bist ein Typ, der auf die Bühne gehört“, sage ich zu ihm. Er lächelt und meint: „Ich wollte nie wie viele andere Kinder Pilot oder Feuerwehrmann werden. Ich wollte Sänger oder Tänzer werden und auf alle Fälle etwas machen, wo mich viele Leute sehen können. Musicaldarsteller würde mich interessieren“.
Hannes lebt noch bei seinen Eltern in Gratwein, der Umzug nach Mailand ist allerdings beschlossene Sache. Sein Bruder Markus ist als Förster in Tirol weit weg von der Model-Welt. Seine Eltern drängten Hannes nie, eher bremsten sie ihn ein wenig. „Für meinen Papa ist es etwas schwierig zu begreifen, wo die Anstrengung und der Spaß liegen, wenn man als Mann stundenlang geschminkt wird und vor der Kamera steht – für gerade mal 2 Fotos….“

(Foto Tom Binder)

Mit 15 ließ er auf dem Schlossberg heimlich Fotos von sich machen. „Anfangs hat es mir nichts gebracht außer Likes auf Facebook. Aber ich habe wieder neue Fotografen kennen gelernt, die etwas mit mir machen wollten“, erzählt er rückblickend. Mit 16 Jahren folgte das erste große Shooting mit dem Grazer Fotografen Philipp Meinweilt, der in Berlin sehr erfolgreich arbeitet. Hannes hatte ihn über Facebook kontaktiert, weil ihm seine Fotos gefielen. Und er gefiel dem Fotografen. Dieser kam mit der gesamten Ausrüstung und einer Stylistin zu Hannes nach Hause. „Das war schon etwas Besonderes“, erzählt Hannes.

Hannes ist sehr ehrgeizig, zielstrebig, genau und sehr strukturiert. „Wenn ich in eine fremde Stadt muss, bin ich schon eine Woche zuvor beschäftigt zu recherchieren, wohin ich genau muss, wie ich dorthin komme, wo ich Karten bekomme, einfach alles“. Weniger gut ist, dass Hannes immer etwas unpünktlich ist. „Bis zu einer Viertelstunde muss man bei mir schon einrechnen“, verrät er, „das kommt natürlich nicht gut an, und ich versuche es mit einem netten Lächeln und Charme gerade zu biegen“.
Er war 17, als er das erste Mal nach Berlin flog. „Ich habe für den Flug gespart und wusste, ich bin nur für 16 Stunden dort“, erzählt er. „Ich hatte mir zwei Fotografen ausgesucht, deren Arbeiten mir gefallen hatten. Wieder hatte ich das Glück, dass sie etwas in mir gesehen haben und mich gratis shooteten. Ein Hotel konnte ich mir damals nicht leisten. So bin ich nach dem ersten Shooting zurück zum Flughafen und habe dort, meine Tasche fest eingeklemmt, zwei Stunden geschlafen und bin dann zum nächsten Shooting“. Gebracht hat ihm diese Aktion tolle Fotos und weitere Kontakte. Unglaublich. Hannes erzählt weiter: „2011 hat dann jemand über Facebook angefragt, ob ich eine Agentur in Wien hätte. Ich hatte noch keine, wusste aber genau, welche fünf in Wien gut sind“. Eine Woche später war er in Wien. Schon die erste Agentur gab ihm nach dem Shooting die Mappe mit den Worten: ‚Wenn Du möchtest, bist Du jetzt bei uns‘. erzählt er stolz. Er war das jüngste Model mit einer Agentur in Wien – es war die Agentur Stella Models. „Das war schon extrem wichtig für mich, man braucht einfach eine Agentur, die einen betreut und fördert. Auch für die eigene Glaubwürdigkeit“, erzählt er.

(Foto Matteo Rigamonti)

Sehr geprägt hat ihn 2011 die erste internationale Modenschau in London. „In Österreich war ich es gewohnt, durch meine Größe und Figur heraus zu stechen. In London musste ich plötzlich feststellen, dass es dort keine sogenannte „g’mahte Wiesn“ für mich war“, erzählt er offen: „Ich habe das erste Mal Ablehnung erfahren, das war komplett neu für mich“. Mittlerweile war er schon oft in London. Er liebt diese Multi-Kulti-Stadt, in der Grenzen verschwimmen. London gibt ihm immer wieder einen Kick, meint und erzählt humorvoll weiter: „2012, ich hatte in London meine ersten bezahlten Aufträge, hat mir meine Mami ihre beste Freundin als Aufpasserin mitgeschickt“. Er machte Shootings für Magazine. Hannes erzählt aber auch von den negativen Seiten gerade für junge Models. Designer zahlen oft gar nichts oder nur sehr wenig, denn sie wissen natürlich, dass die jungen Models auf Shootings angewiesen sind. Fairerweise muss man sagen, dass Shootings auch immer eine Chance sind. Hannes hält es sowieso mit dem Motto, ‚dass man keine Möglichkeit, die sich einem bietet, ausschlagen sollte, weil genau diese Möglichkeit dich zu dem machen könnte, was Du immer sein wolltest‘.
Es geht ihm nicht immer nur um Geld, wie er noch ergänzt, manches ist ihm einfach eine Herzensangelegenheit. „Das Interview heute mit Dir war mir eine Herzensangelegenheit“, sagt er mit charmantem Lächeln und versucht gleich, mich um den Finger zu wickeln.

Hannes wurde von den Medien aber schon ordentlich „geohrfeigt“, als ein von ihm angekündigter Auftritt für einen namhaften Designer nicht stattfand. Auf meine Frage, ob oder was er daraus gelernt habe, antwortet er: „Diese mediale Klatsche war schon schwierig für mich. Ich wurde damals angerufen, ob ich nicht eine Neuigkeit hätte, und ich hatte einfach etwas ausgeplaudert, das nur mündlich vereinbart war“. Natürlich hat er daraus gelernt und Informationen gibt es nur mehr nach schriftlichen Vereinbarungen.

Ehrlich plaudert er aus, dass er mit eigenem Geld nicht gut umgehen kann, und sich immer wieder Geld ausborgen musste. Mittlerweile verwalten andere seine Finanzen, „die haben zum Glück ein Händchen für mein Geld“.
Hannes spielt gerne, will provozieren und lächelt über Bezeichnungen wie hochnäsig: Wenn er gelegentlich raucht, dann am liebsten eine Zigarre. „Alle rauchen ihre Memphis oder Marlboro, mit einer Zigarre falle ich mehr auf. Auch wenn ich mit meiner Ex-Freundin etwas gemeinsam gemacht habe, war es meist inszeniert. Jeder Ort den ich mit ihr gemeinsam besucht habe, war davor genau ausgesucht.“ Ach Hannes! lache ich und er fährt fort: „Wer sich aber ein bisschen auf mich einlässt weiß, wie ich wirklich bin“, meint er mit einem Lächeln. „Obwohl, ganz privat kennen mich nur ganz ganz Wenige, wie eben meine besten Freunde. Ich selektiere sehr, wer mich privat kennenlernen darf“, fügt er noch hinzu. „Kannst Du in Deinen eigenen vier Wänden auch mal Du selbst sein oder kannst Du das gar nicht mehr?“ möchte ich wissen. „Meist braucht es schon ein bisschen Zeit, bis ich wieder ich bin“, kommt es sehr ehrlich.

Am Boden halten ihn seine Familie und seine zwei Freunde. „Ich habe das Glück, seit zehn Jahren zwei sehr gute Freunde zu haben, die mir im richtigen Moment ehrlich ihre Meinung sagen. „Schon beim kleinsten Anflug von Überheblichkeit holen sie mich wieder runter“. Hannes machte natürlich schon die Erfahrung, dass mit dem Erfolg die „Schulterklopfer“ kommen. Und auch Mädchen: „Sie glauben, durch mich zu Einladungen zu kommen, schöne Geschenke zu erhalten usw.“, Ärgern kann er sich darüber, dass manche meinen, dass er vor richtiger Arbeit Angst habe. Hast Du denn Angst, möchte ich wissen. „Eigentlich nicht“, entgegnet er. „Ich finde es schön, Geld mit meinem Aussehen und dem Modeln zu verdienen und es macht mir Spaß. Dass ich körperliche Arbeit genauso gerne mache, merke ich jetzt beim Zivildienst im Krankenhaus, wo ich mit normalem Polo und nicht gestylter Frisur arbeite. Das ist eine großartige Erfahrung für mich, etwas Neues und Anderes“. Kaum zu glauben bei einem so eitlen Menschen wie Hannes. Es gibt keinen Spiegel, in den er nicht schaut, sein Blick geht auf alles, was reflektiert. „Wie eine Elster“, gibt Hannes lachend zu.
Ein NoGo für ihn ist, in Jogginggewand das Haus zu verlassen. Er ist immer so gekleidet, dass er jederzeit und sofort zu einem Job fahren kann. Ihm gefallen dunkelhaarige Mädchen mit gutem Aussehen – aber einen tollen Charakter müssen sie schon haben.

Ein großartiges Erlebnis waren für ihn seine letzten beiden Shootings in London. Der Fotograf Ram Shergill, der beispielsweise die Filmplakate für Harry Potter 1-7, Emma Watson oder Amy Winehouse shootete, gestand Hannes durchaus eine Zukunft in der Model-Welt zu. Der Fotograf Joseph Sinclair ging nach der Arbeit mit Hannes sogar zu einem Shooting mit Dannie Minogue. „Das ist schon ein Ritterschlag wie jemanden wie mich“, kommt es stolz. Zu seinen Plänen befragt erzählt er: „Jetzt kommt sobald als möglich Mailand, weil es für mich wichtig sein wird, dort Fuß zu fassen. In London und Paris läuft es super, weil sie Typen wie mich suchen“. Gerne würde er mal für Vivienne Westwood laufen. „Für Mailand bin ich zu schmal und deshalb trainiere ich 3 – 4x die Woche und esse sehr viel.“ Wenn neben all dem noch Zeit bleibt, spielt er gerne Fußball.

Weiter stehen das Nachholen der Matura („Wenn ich vom Modeln die Schnauze voll hab, oder einfach ein bisserl Zeit nebenbei“) und ein Wirtschaftsstudium an der Eliteuniversität in St. Andrews auf seinem Plan. „Natürlich muss man für St. Andrews exorbitant gut sein – aber ich traue es mir zu“.

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