Henry Sams

HenryS„Wein ist ein Teil meines Lebens. Wein ist wie Musik und man muss auch kein Weinbauer sein, um Wein zu mögen“.
Henry Sams, Hobbywinzer und Sommelier, Journalist, Werber und Verleger, wurde 1954 in Imst in Tirol geboren. Vierteljährlich gibt er „steiermarkwein“ heraus, Österreichs Weinmagazin für steirische Weinkultur, Kulinarik, Reisen und Lifestyle. In seinen Artikeln und Büchern berichtet er interessant über Wein, Küche und Architektur. Für seine Vorträge über zeitgemäße Architektur im Weinbau wird er weltweit gebucht. Im Mai 2013 wurde er zum 1. Sommelier der Weinbruderschaft.Südsteiermark bestellt.

Henry Sams bei der Weinlese (Foto privat)

Henry ist ein großer, stattlicher Mann. Sein unverkennbares Markenzeichen: seine „weiße Mähne“. Wir sitzen im Leibnitzer Cafe Elefant, wo er mir mit viel Humor viele interessante Geschichten aus seinem „Wein-(Er)Leben“ erzählt. Wir werden kurz vom südsteirischen Sommelier Mario Schulter unterbrochen, der in München den Bayern die steirischen Weine näher bringt und gerade auf Heimatbesuch ist.

Die Liebe zu einer Frau hat Henry vor mehr als 40 Jahren ins südsteirische Gamlitz-Grubtal gebracht – die Liebe zu ihr verflüchtigte sich, geblieben sind ihm sein gleichnamiger Sohn und seine Liebe zur Südsteiermark, zu den Menschen und zum Wein. Er fühlt sich als Südsteirer, ist hier verwurzelt und wurde zu einem der profundesten Kenner der heimischen Weinszene.

Die Karriere von Henry Sams begann mit einer Lehre als Schriftsetzer in der Druckerei Hans Egger in Imst, gemeinsam mit Günther Platter, dem Landeshauptmann von Tirol, und Gerhard Reheis, dem ehemaligen LH-Stv. in Tirol. Im Stadtbrunnen von Imst wurde Henry gegautscht. Das ist ein altes Ritual der Buchdruckerzunft, um als Jünger Gutenbergs als echter Schwarzkünstler anerkannt zu werden, wenn man ausgelernt hat, wie er mir erzählt. In der Steiermark angekommen, begann er als Schriftsetzer bei der Leykam, kam so in direkten Kontakt mit Medien und fing an selbst zu schreiben. Er arbeitete für die Neue Zeit, später machte er vor allem Wirtschaftsportraits für die Kleine Zeitung und verbrachte dafür viel Zeit in Wien. 1999 machte er sich selbständig.

Henry Sams mit dem Winzer Benjamin Dagueneau (Foto privat)

In seinen Adern fließt das britische Blut seines Vaters und italienisches Blut seiner Groß- und Urgroßmutter. Reben und Trauben spielten in Henrys Familie schon immer eine Rolle. So besaß sein Großvater väterlicherseits in Südengland eine Rebschule und kultivierte Speisetrauben für das englische Königshaus. „Ich bin in einem sehr behüteten Haus aufgewachsen. Mein Vater war britischer Offizier, bevor er seinen Dienst quittierte. Danach arbeitete er in einem der größten Reisebüros der Welt mit Sitz in London. Von März bis Oktober hat er gearbeitet und im Winter war er zu Hause. Im Sommer hat er mich und meine zwei Brüder oft mitgenommen, und so habe ich gemeinsam mit meinem Vater sehr viel von Europa kennen gelernt. Mein Vater war ein Sprachengenie, der 6 Sprachen fließend beherrschte. Mit uns hat er nur englisch gesprochen und wir Kinder deutsch geantwortet – so wuchs ich zweisprachig auf.
Meine Mutter war in der Bezirkshauptmannschaft Imst tätig und sprach sehr gut englisch und italienisch. Auch sie war zweisprachig aufgewachsen, weil meine Großmutter Italienerin war. „Tirolerisch und italienisch“ – er lacht wieder fröhlich. Henry hat auch noch eine Halbschwester, die in London lebt. „Erst im Vorjahr war ich wieder für drei Wochen dort und Anfang Feber 2014 für das Austrian Wine Tasting“, erzählt Henry.

Die Weinkenner Oliver und Beatrix Drenning vom Leibnitzer In-Cafe Elefant mit Henry Sams (Foto steiermarkwein.at)Aus seinem unglaublichen Wissensschatz erzählt er mir: „Viele wissen das nicht, aber England hat eine lange Weintradition, hat die Weinkultur eigentlich hoffähig gemacht. Der erste internationale Weinvertrag wurde zwischen Portugal und England 1386 geschlossen und gilt damit als ältestes noch gültiges diplomatisches Bündnis in Europa“. Immer wieder kommt die Begeisterung für Wein und seine Kultur durch.

Henry fühlt sich etwas müde, das vergangene Jahr war anstrengend. „Für meine Berichte im Airportjournal und für mein Weinmagazin war ich 2013 sehr viel unterwegs.” Zusätzlich schreibt er für das Südsteiermarkmagazin Box. „Ich habe auch noch sehr viele Vorträge über Weinbau gehalten“, erzählt er mir und ergänzt begeistert: „Einen meiner spannendsten Vorträge hielt ich in Istanbul, wo ich vor mehr als 120 honorigen Damen und Herren über den österreichischen Wein referieren konnte. Oft ergeben sich bei meinen Vorträgen interessante Folgekontakte. So hat mich ein türkischer Investor eingeladen, sein Weingut Kalpak zu besuchen. Er war 20 Jahre lang in New York an der Börse tätig und hat sich am Marmarameer ein futuristisches und atemberaubend schönes Weingut gebaut.“ Spannende Augenblicke für den Weinkenner.

Henry Sams bei seinem Vortrag in Istanbul (Foto privat)

Henry war fast zwei Jahre auf Weltreise, bevor er 1973 in die Südsteiermark kam. „Damals war das Land für mich unberührt“, erinnert sich Henry: „Wo ich damals wohnte, gab es noch keine Asphaltstraße, keine Wasserleitung. In Gamlitz aber gab es ein paar Weinpioniere wie den Fritz Melcher oder den Wilhelm Sattler, die trockene Weine produzierten. Ich hatte damals mit Wein aber nichts am Hut. Ich habe nur Tee getrunken, Alkohol war für mich kein Thema“, Henry muss lachen: „Das änderte sich aber recht rasch“. Einer seiner damaligen Freunde war Hannes Zweytick, der engagiert eine Weinzeitung machte: den Namen „Auslese“ und das Layout dafür kreierte Henry.

steiermark wein.at

Weinerfahrungen sammelte er auch, als er einem Weinbauer in der Nachbarschaft nach einem Unfall bei der Arbeit half. „1984 war ich dann das erste Mal in der Kostkommission bei der Gamlitzer Frühlingsweinkost“, erzählt er weiter und vergisst nicht zu erwähnen, dass für ihn 1983 nach wie vor der beste Jahrgang der letzten 40 Jahre war. „Damals war mein Gaumen noch unverdorben“, lacht Henry. Er spricht darüber, dass die Weine Anfang der 70er Jahre großteils noch sehr lieblich ausgebaut wurden, der Trend zu zyklischen und knackigen Weinen aber schon da war. Als ein Winzerfreund ihm riet, eigenen Wein zu machen und ihm dafür einen Weingarten zur Verfügung stellte, tat er das. Allerdings merkte er schnell, dass Wein trinken leichter war als Wein zu machen.

Weinkenner, Journalist und Verleger Henry Sams (Foto privat)

Er schwelgt weiter in Erinnerungen an die Zeit, als langsam der Hype mit dem Wein kam, die Region dadurch aufgewertet wurde. Die Weinbauern konnten sich statt der Holzfässer und Polyestertanks Edelstahltanks leisten, lernten den Wein kontrolliert zur Gärung zu bringen, reduzierten Mengen und machten Sortenbereinigung. „Manche Weinbauern haben heute mehr als 50% Sauvignon im Ertrag, weil sie wissen, dass bei uns das Klima für den Sauvignon am besten ist“, begeistert sich Henry. Er meint weiter: „Wir sind jetzt an einem Punkt, wo wir wirklich Top-Qualität machen, aber – das Wort Aber verwende ich normalerweise nicht – andere Regionen in Österreich haben aufgeholt und die Konkurrenz und der Mitbewerb ist stärker geworden. Jene, die früh mit Marketing begannen, haben Marken gemacht, wie die STK Weinbaubetriebe beispielsweise“.

Henry gefällt, dass heute die jungen Winzer außer Haus gehen und sich Wissen in anderen Weingegenden aneignen. „Die ehemalige Weinhoheit Kathi Thaller, der Armin Tement, die Sattler-Buben oder der junge Gerhard Wohlmuth waren beispielsweise in Südafrika, Australien, USA, Frankreich und haben sich angesehen, wie die Arbeit dort funktioniert“.

Reinhard Sudy, Hedi Grager und Henry Sams bei der Leibnitzer Big Bottle Party 2012 (Foto apresvino.at)

Architektonisch optimal gelungen findet er das Weingut von Erwin Sabathi oder das ‚spacige‘ Weingut von Daniel Jaunigg. Dieselben Architekten, grundverschiedene Bauten von außen betrachtet, aber perfekt vom Ablauf und der Größe des Weingutes entsprechend angepasst. „Für eine gelungene Architektur im Weinbau ist ausschlaggebend, dass der Architekt in den Produktionsprozess eingebaut ist, denn es geht immer um Funktionalität, um kurze Wege von der Traubenanlieferung bis in den Tank und Verkostungsraum“. Als sehr interessant findet er auch das Weingut von Manfred Tement. „Da ist ein 20 Millionen Jahre altes Korallenriff, das er frei gelassen hat und das man in seinem Keller sehen kann. Auch bei meinem ‚Weinpartner‘ Alois Gründl aus St. Veit am Vogau haben wir im Weingarten in Gamlitz versteinerte Muscheln gefunden. Man weiß ja, dass früher hier Haifische und Co. unterwegs waren“, lacht Henry wieder herzlich.

Im Jahr 2001 hat Henry gemeinsam mit dem Kitzecker Winzer Georg Lambauer einen eigenen Wein hergestellt: einen Blauen Zweigelt, 16 Monate im französischen Eichenfass gereift und der auf den Namen „Oppidum Humiste“ getauft wurde. Dies bedeutet „hervorsprudelnde Quelle“ und soll auch der Ursprung des Namens Imst sein. Seit mehr als zehn Jahren vinifiziert er mit Alois Gründl diesen Wein.

Henry Sams und Josef Krassnig/apresvino.at (Foto steiermark wein.at)

Lieblingswein hat er eigentlich keinen, sagt Henry. „Es hängt von meiner Stimmung ab. Ich mag sehr gerne die Sauvignons, immer mehr liegt mir der Morillon am Herzen. Im Sommer darf’s auch mal ein Schilcher oder Welschriesling sein, nicht zu vergessen die guten Winzersekte, die wir jetzt haben.“

Wichtig für ihn die Glaskultur: „Je dünner der Glasrand ist, desto besser schmeckt man den Wein.“ Wein muss für Henry in erster Linie zu gutem Essen passen. Wein und Essen gehört für ihn zusammen. Der Wein kann für ihn Ecken und Kanten haben, wenn Aromen, Säuren und Tannine in einer gewissen Harmonie sind – dann ist es ein schöner Wein. „Ich mag keine uniformen Weine wie man sie in der Neuen Welt bekommt, da schmeckst Du keinen Jahrgang heraus. In Kalifornien beispielsweise schmecken die Weine oft jedes Jahr ganz gleich, die großen Weinindustrien ziehen ihren Weinen eine ‚Uniform‘ drüber“.

Henry Sams bei seiner Lieblingsbeschäftigung: beim Wein verkosten (Foto steiermarkwein.at)

Henry verrät mir, dass er ein schönes Weinlager hat. Schwerpunkt ist die Steiermark, aber es finden sich auch erlesene Jahrgänge aus fernen Ländern. Regelmäßig bekommt er Weinproben geschickt. Begeistert erzählt er vom Önologen Axel Heinz, der die wunderbaren Weine vom Weingut Tenuta dell‘Ornellaia in der Toskana macht, und natürlich vom Masseto, einem der begehrtesten Weine der Tenuta, wo eine Flasche schon mal bis zu 1000 Euro kosten kann. Stolz erzählt Henry, dass im Dezember sein Weinfreund Axel Heinz für eine Vertikalverkostung mit 15 Jahrgängen Masseto für nur einen Abend nach Deutschlandsberg reiste, um mit Weinbauern wie Manfred Tement, Erwin Sabathi, Georg und Bernhard Lambauer oder auch Weinkenner wie Oliver und Beatrix Drennig diese edlen Tropfen zu besprechen und zu verkosten.

Wenn Henry gerade nicht mal weltweit von einem Weingut zum anderen reist oder an einem Buch schreibt, entspannt er sich mit Freunden, beim Schach, beim Kochen und natürlich beim Genuss eines guten Glaserls.

www.steiermarkwein.at

Bücher als Autor bzw. Co-Autor:• „Die Weine Burgenlands“ 1993 • „Steiermark – Wein und Küche“ 1994 • „Rust und die 4 Jahreszeiten“ 1995 • „Steiermark – Wein und Küche“ 2000 • „Die Weinwelt der Barriques“ 2001 • „Leibnitz – die Bezirksstadt im südsteirischen Weinland“ 2003 • „Wein & Bau, Österreichs innovativste Weingüter“ 2006 • „Apfelbauern, Köche und Rezepte“ 2007

Die Weinbruderschaft.Südsteiermark ist ein Zusammenschluss weinverständiger Frauen und Männer zu einer dem Kulturgut des steirischen Weines verpflichteten Gemeinschaft. Bereits vor Jahrhunderten gab es eine altehrwürdige Gemeinschaft von Weinkennern und -liebhabern. Eine Gruppe engagierter Bürgerinnen und Bürger der Region „Die besten Lagen.Südsteiermark“ entwickelte die Idee, Grundzüge der Gemeinschaft wieder aufleben zu lassen. Am 13. November 2012 beschloss der Tourismusverband „Die besten Lagen.Südsteiermark“ die Wiedergründung der Weinbruderschaft zu Leibnitz.

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