Maria Gruber

Szenebildnerin Maria Gruber (Foto Gruber)Maria Gruber ist eine kreative und erfolgreiche Grazer Bühnenbildnerin. Ich lerne sie bei der Präsentation des ORF-Films „Die Frau mit einem Schuh“ mit Nina Proll und Edita Malovcic im Rahmen der Grazer Diagonale 2014 kennen. Maria war für das Szenenbild verantwortlich.

Maria Gruber bei den Vorbereitungen für einen Film:  Motiv Hotellift (Foto Gruber)
Maria Gruber bei den Vorbereitungen für einen Film: Motiv Hotellift (Foto Gruber)

Schon als Kind dachte sie: „Ich will einen Beruf, wo ich nebenbei ganz viele Hobbys haben kann“, erzählt sie mir bei einem gemütlichen Kaffee einige Wochen später. Glas ritzen, Keramik bemalen, Blumen stecken, alles was ihr angeboten wurde, machte sie mit Begeisterung. Maria zeichnete auch immer schon gerne und kämpfte dafür, die Ortweinschule besuchen zu dürfen. „Ich musste zuerst zwei Jahre lang eine Hauswirtschaftsschule absolvieren, das war meinen Eltern wichtig“, erzählt sie weiter. Ihr Praktikum, das sie in der Ortweinschule absolvieren musste, machte sie eher zufällig beim ORF Steiermark. „Danach wusste ich, wenn ich Bühnenbild studiere dann deshalb, weil ich Filme machen will“.

Während ihres Studiums ‚Bühnenbild und Kostüm‘ an der Kunstuniversität Graz arbeitete sie zum Beispiel bei Theateraufführungen und gestaltete Landesausstellungen mit, „einfach um Praxis zu bekommen“, wie sie erklärt. Bei einem Workshop lernte sie den Regisseur Wolfram Paulus kennen, der sie ein halbes Jahr später anrief und fragte, ob sie mit ihm arbeiten wolle. „Das war natürlich toll. Es war ein historischer Film“, erinnert sie sich. „Ich hab da das erste Mal Kostüm und Garderobe gemacht und mir wurde bewusst, dass ich das nicht mag“. Im zweiten Studienjahr begann sie mit Innenrequisite am Set und arbeitete als Assistentin. Relativ bald machte sie sich als Bühnenbildnerin aber selbständig. „Ich habe Glück gehabt, denn viele machen jahrzehntelang Assistenz“, ist sie sich bewusst. „Dazu gehört, die richtigen Leute zu treffen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und dann auch zuzugreifen. Und ich war immer bereit, sofort zu packen“. Sie erinnert sich daran, wie oft sie für einige Wochen nach Wien übersiedeln musste.

Jordanien: Arbeit im gebauten Explosionsareal, links Maria Gruber (Foto Gruber)
Jordanien: Arbeit im gebauten Explosionsareal, links Maria Gruber (Foto Gruber)

Ihre Arbeit als Szenenbildnerin
Ich möchte von ihr wissen, wie ich mir einen Auftrag als Szenenbildnerin vorstellen kann. „Ich bekomme das Drehbuch und lese es. Dann rede ich mit dem Regisseur über eventuelle Vorgaben, über benötigte Motive und das, was von der Geschichte her aus meiner Sicht notwendig ist. Bei meiner letzten Arbeit im Burgenland beispielsweise habe ich mir fast alle Orte angesehen und geschaut, wo die einzelnen Szenen funktionieren könnten“. Sie benötigte nämlich eine Volksschule und in Sichtweite sollte ein Zirkus stehen – eine nicht ganz einfache Aufgabe. „Schlussendlich wusste ich dann, dass die Gegend um Oberwart geeignet ist.“ Sie erzählt, dass das eine sehr kreative Zeit zu Beginn eines Projektes ist, wo nur sie und der Regisseur gemeinsam arbeiten.

Ich spüre, wieviel Spaß ihr diese Arbeiten machen, dieses Suchen und Finden, dieses Lösen von manchmal sehr schwierigen Aufgaben: Ein Studio bauen, Pläne zeichnen, Baumannschaften organisieren, Materialien vorgeben und Modelle bauen – all das gehört zu Marias Aufgaben. Dazu kommen Absprachen mit dem Requisitenteam, was alles „herumstehen“ soll wie z.B. Autos und vieles mehr. Und wie bei jedem Projekt geht es dabei auch um Förderungen und Budgets, nach denen man sich richten muss.

Die Crew bei den Vorbereitungen zum Film "4 Frauen und ein Todesfall" (Foto Gruber)
Die Crew bei den Vorbereitungen zum Film „4 Frauen und ein Todesfall“ (Foto Gruber)

Sie schwärmt von ihrem Team, mit dem sie schon jahrelang arbeitet und das sie sehr unterstützt. „Mit einem guten Team hat man auch sehr viel Spaß. Immerhin arbeitet man 12 Stunden täglich gemeinsam. Bei „Vier Frauen und ein Todesfall“ beispielsweise waren wir vier Monate miteinander unterwegs. Für den Herbst habe ich ihnen schon gesagt:  Wir machen wieder etwas, aber nur, wenn was Nettes kommt. Manche Dinge muss man einfach nicht mehr haben“, sagt sie selbstbewusst.

Lieber Film als Theater
Maria lächelt und meint: „Ich denke mir oft, das ist der coolste Job überhaupt. Du bekommst bezahlt dafür, dass Du überall hinfährst und Dir Sachen ansiehst“. Als ihr Sohn klein war, machte sie mehr Theaterarbeit in Graz, um nicht zuviel reisen zu müssen. Erst nach Schulbeginn ihres Sohnes begann sie wieder mehr beim Film zu arbeiten. Mittlerweile ist ihr Sohn 18 Jahre alt und möchte Mathematik studieren.

Maria macht lieber Filme als Theater. Sie liebt diese kreative Dreiteilung: Ausstattung, Regie und Kamera. Auf meine Frage nach einem Lieblingsregisseur bekomme ich gleich mehrere Namen, wie Wolfgang Murnberger, Barbara Eder, Wolfram Paulus und den mittlerweile leider verstorbenen Michael Glawogger. Viele kennt sie auch privat sehr gut.

Maria Gruber bei den Vorbereitungen für den Film "Lost & Found" am Flughafen Wien (Foto Gruber)
Maria Gruber bei den Vorbereitungen für den Film „Lost & Found“ am Flughafen Wien (Foto Gruber)

Maria privat
Maria bezeichnet sich als relativ stressfrei. „Wenn andere nervös werden, werde ich ruhiger. Sie ist auch kein Partytiger, um Kontakte zu knüpfen. „Mir ist es lieber, die Leute haben gesehen, was ich gemacht habe, und fragen deshalb bei mir an“.

Erholung findet sie zu Hause und bei ihrer Familie. „Ich bin sehr gerne zu Hause und in meinem Garten. Ich mag meine ‚Großfamilie‘, die Kinder meiner vier Geschwister – und das brauche ich auch“. Eine intakte Familie und ein guter Freundeskreis sind ihrer Meinung nach in ihrem Job sehr wichtig. Maria ist zwar immer sehr gut gebucht, aber in ihrem Job kann es auch passieren, dass man eine Zeitlang ohne Arbeit ist und muss damit umgehen können. Normalerweise dauert ein Film viereinhalb Wochen, immer mit wöchentlich 60-Stunden-Verträgen – und nach Drehschluss ist es aus.

Studiobau des Wohnzimmers für den Film "Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott" (Foto Gruber)
Studiobau des Wohnzimmers für den Film „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ (Foto Gruber)

Maria steht dem allerdings sehr gelassen gegenüber. Denn falls es mal mit den Jobs nicht mehr so klappen sollte oder sie keinen Spaß mehr an der Arbeit hat, kann sie sich vorstellen, einen Blumenladen zu eröffnen oder etwas anderes Kreatives zu tun. Allerdings hatte sie bis jetzt noch nie das Gefühl: „dass es mir keinen Spaß macht. Und jedes neue Projekt ist dann für mich das wichtigste Projekt“.

Femina Filmpreis
Für das Szenenbild des Spielfilms „Revanche“ (A) von Götz Spielmann“ erhielt sie 2008 den Femina Filmpreis. Er wurde bis zum Jahr 2009 für „hervorragende künstlerische Leistungen einer Technikerin“ in einem deutschsprachigen Spielfilm, und zwar im Bereich Kamera, Kostüm, Montage, Musik oder Szenenbild verliehen. Die Begründung war:  „Die Genauigkeit der Ausstattung von Maria Gruber hat die Jury überzeugt. Ihre Räume machen in subtiler Weise den Charakter der Figuren sichtbar, dienen also der Geschichte und verschmelzen mit den Kostümen zu einem Ganzen. Die Ausstattung ist besonders, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Sie ist gleichzeitig überraschend und wahrhaftig und verzichtet auf Klischees. So entstehen Orte, die in Erinnerung bleiben.“
Maria schmunzelt und meint: „Den Preis gibt es leider nicht mehr, aber im Jahr 2009 war ich in Berlin in dieser Jury und habe Arbeiten von Kolleginnen bewertet, gemeinsam mit einer Regisseurin aus Köln und einer Schauspielerin, das war sehr spannend. Man bekommt dabei einen sehr genauen Blick für das Wesentliche“.

Studiobau für den Film "Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott" (Foto Gruber)
Studiobau für den Film „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ (Foto Gruber)

Maria liebt es, Charaktere zu erforschen, und arbeitete schon für viele TV- und Kinofilme, so z.B.  “Lost and Found“, „Die Frau mit einem Schuh, „Steirerblut“, „Vier Frauen und ein Todesfall“ oder die „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“.

Heuer arbeitete sie schon mit der Regisseurin Barbara Eder in „Good Morning Kabul“ und aktuell für den Kinofilm „Beautiful Girl“ nach dem Roman „Charlottes Trau“ von Gabi Kreslehner, der 2015 erscheinen wird.

maria.gruber2@tele2.at

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