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Lea und Peter Millesi: whamslam.com

whamslam_2„Whamslam“ ist eine Art „Youtube für Kinder“ mit spielerischen und pädagogischen Inhalten. Entwickelt wurde whamslam.com von Peter und Lea Millesi in Zusammenarbeit mit Pixar-Animationsexperten. Kinder bekommen dabei Wissen übermittelt, Fantasie und kreatives Denken werden angeregt – und das mit Hilfe der „Kaugummi-Familie“, bestehend aus den Eltern „Mr. und Mrs. Chew“, dem Hund „Chew-Barky“, der Tochter „ChewChew“ sowie ihrem Bruder „Chewey Chew“. Dieser ist der ‚Gastgeber‘ und führt durch das Programm.

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Ich treffe Lea und Peter während einer ihrer ‚Heimaturlaube‘ in Wien. Peter hat als Komponist und Musikproduzent 230 Millionen Tonträger verkauft, hat mit Frank Zappa musiziert, Filmmusik für „Pretty Woman“ geschrieben, Welthits wie „We built this city“ komponiert und Stars wie The Who, Pointer Sisters und Commodores produziert. Seine attraktive Frau Lea ist Fotomodell und Lyrikerin. Die beiden leben im kalifornischen Malibu und haben zwei Söhne, 17 Jahre und 14 Monate. Gemeinsam schreiben sie Lieder, arbeiten an Filmprojekten und an ihrem aktuellen Projekt „whamslam.com“.

Peter und Lea Millesi genießen es, gemeinsam zu arbeiten und Neues zu entwickeln (Foto beigestellt)
Peter und Lea Millesi genießen es, gemeinsam zu arbeiten und Neues zu entwickeln (Foto beigestellt)

„Eigentlich war es ja die Idee meiner Frau“, erklärt mir Peter bei einer gemütlichen Tasse Tee. „Weißt Du, die Musik ist inzwischen ein kleiner Teil eines großen Ganzen geworden und wir wollten etwas Neues machen, etwas, mit dem wir ein noch viel größeres Publikum erreichen können.“ Lea ergänzt, dass es für sie beide einfach schön und lustig ist, gemeinsam etwas Neues zu entwickeln. Das „Neue“ begann vor ungefähr 3 Jahren. „Die immer größer werdende Respektlosigkeit grundsätzlich und in der anonymen Online-Welt ist eine schlimme Entwicklung und macht mir Angst. Dies betrifft Erwachsene wie Kinder, vieles beginnt ja schon in der Kinderstube, mit dem Umgang untereinander zu Hause und dem gesamten sozialen Umfeld. Mit whamslam.com versuchen wir, Kinder und natürlich auch Erwachsene an eine positive Sendung zu binden. Leider ist es ganz normal, für Schlimmes Aufmerksamkeit zu bekommen, viel schwieriger ist es, mit vernünftigen und positiven Themen zu punkten.“

whamslam_2Peter erklärt mir: „Unsere Idee war, jungen Menschen leichtes Entertainment anzubieten und Ihnen dabei Information und Education unterschwellig mitzugeben, sodass sie nicht das Gefühl haben, etwas zu lernen. Das gilt ja sonst gleich als uncool. Und deshalb haben wir die neue ‚Micky Mouse‘ erfunden, die Kaugummi-Familie.“ Lea ergänzt lächelnd: „Wir wollten ein gutes Programm erfinden, bei dem Eltern auch wirklich dahinterstehen können. Früher haben Eltern eine Kinderzeitschrift abonniert, jetzt verbringen Kinder immer mehr Zeit mit dem Computer und dann sollten sie doch einen positiven Nutzen daraus ziehen.

Die Charaktere und Geschichten von whamslam.com sind einfach lieb, und da die Plattform auf Englisch aufgebaut ist, lernen Kinder dabei spielerisch Englisch.“ Auf whamslam.com gibt es auch kein ‚like‘ oder ‚dislike‘.“ Lea erzählt von ihrem 14 Monate alten Sohn, der zwar noch nicht spricht, aber schon auf deutsch und englisch reagiert. „Wir sprechen bei uns zu Hause in Los Angeles deutsch, aber sonst natürlich englisch. Auch unser ‚Großer‘ braucht nicht zu überlegen, welche Sprache er spricht.“ Dieser ist übrigens auf einer privaten Onlineschule, seine Lehrer sind auf der ganzen Welt verteilt. Ich denke dabei laut ein bisschen neidvoll daran, wie leicht Kinder Sprachen lernen und wie schwer es oft Erwachsenen fällt, worauf Peter lächelnd meint: „Geh auf whamslam.com.“ Wir lachen. Screenshot MillesiDie Kaugummi-Familie unterhält die Kindergemeinschaft mit positiven und lustigen Kreativ-Aufgaben, die die Erziehung der Kinder zu mehr Phantasie und „out of the box“ Denken fördern sollen. „Wir wollen neben der Sprachentwicklung die Phantasie der Kinder anregen, sie sollen beginnen, unkonventionell und eigenständig zu denken. So haben wir z.B. Kurzfilme gemacht, bei denen die Kinder je nach Sprachkenntnissen sich beispielsweise mit der griechischen Mythologie, mit indischen oder skandinavischen Märchen, Märchen der Gebrüder Grimm usw. beschäftigen“, sagt Lea. „Wir hatten auch einen Adventkalender, der zeigte, wie auf der ganzen Welt Weihnachten gefeiert wird.“ Schmunzelnd erzählt sie weiter: „Es war lustig, dazu alles zu recherchieren und wir haben selber sehr viel gelernt dabei.“

Peter Millesi: "Für mich ist Englisch meine Muttersprache", und verrät noch, dass er von seiner Lea immer auf Englisch träumt." (Foto beigestellt)
Peter Millesi: „Für mich ist Englisch meine Muttersprache“, und verrät noch, dass er von seiner Lea immer auf Englisch träumt.“ (Foto beigestellt)

Whamslam.com wird von den beiden laufend kontrolliert und angepasst. Wenn sie merken, dass Kinder etwas gar nicht annehmen, wird es geändert. „Wir gestalten die Rahmenbedingungen und sehen, wie die Kinder darauf reagieren. Bis jetzt war alles sehr positiv. Die Kinder sitzen auf der ganzen Welt und kommunizieren gut und irrsinnig schnell.“ „Anfangs denkt man, englisch ist einfach, aber sobald du tiefer in die Sprache eintauchst, ist es nicht ganz so einfach“, sagt Lea, worauf Peter meint: „Für mich ist Englisch meine Muttersprache. Ich träume auch auf Englisch, nur manchmal auf Deutsch. Von Dir träume ich immer auf Englisch“, meint er liebevoll zu seiner Lea. Er ergänzt noch: „Lea spricht ja besser italienisch als deutsch, und ich beginne jetzt auch wieder mit italienisch.“

Mich interessiert natürlich, wie Lea und Peter damit einen Gewinn erzielen möchten und erfahre: „Wir versuchen, das mit dem europäischen Bildungswesen zusammen zu machen. Bildungsverlage z.B. würden eigene Accounts bekommen.“

Peter und Lea Millesi leben und arbeiten in Malibu/Los Angeles, was sie sehr genießen (Foto beigestellt)
Peter und Lea Millesi leben und arbeiten in Malibu/Los Angeles, was sie sehr genießen (Foto beigestellt)

Gearbeitet wird in ihrem Zuhause in Los Angeles. „Das Angenehme ist, dass wir ein Familienunternehmen sind und unser Studio in unserem Haus haben. Unser Zuhause ist unsere Denkzentrale, unser Rückzugsraum – mit kleiner Gehschule“, lacht Lea. Die Musik zu whamslam.com stammt natürlich aus der Feder des erfolgreichen Komponisten Peter Wolf-Millesi. „Musik ist Emotion, ich unterstreiche damit, was meine Kaugummi-Familie sieht.“ Es sind Mini-Movies, „wir haben keine Wochen Zeit zu überlegen, es muss immer alles sofort gehen“, erklärt mir Peter begeistert, „so bleibt man frisch.“ So nebenbei erfahre ich von ihm, dass z.B. Prince jeden Tag ein Lied aufgenommen hat. „Er ging ins Studio und verließ es so lange nicht, bis das Lied fertig war. So hatte er in einem Jahr 365 Lieder und damit eine riesige Auswahl. Die knapp bemessene Zeit zwingt Dich, kreativ zu sein.“ Peter ist überzeugt, dass Kunst sehr viel mit Disziplin zu tun hat. „Wie andere ins Büro gehen, setzen wir uns hin und erledigen unsere Aufgaben.“ Das fixe Team von whamslam.com besteht übrigens aus einem Editor, dem Toningenieur, dem Puppeteer, einem Programmierer und den beiden selbst.

Peter Millesi hat als Komponist und Musikproduzent 230 Millionen Tonträger verkauft, hat mit Frank Zappa musiziert, Filmmusik für "Pretty Woman" geschrieben, Welthits wie "We built this city" komponiert und Stars wie The Who, Pointer Sisters und Commodores produziert (Foto beigestellt)
Peter Millesi hat als Komponist und Musikproduzent 230 Millionen Tonträger verkauft, hat mit Frank Zappa musiziert, Filmmusik für „Pretty Woman“ geschrieben, Welthits wie „We built this city“ komponiert und Stars wie The Who, Pointer Sisters und Commodores produziert (Foto beigestellt)

Wie seid ihr auf die Kaugummi-Figuren gekommen? Lea, deren Idee es war, erklärt: „Der Chewing Gum ist eine Hommage an Amerika, ein bisschen altmodisch, kann seine Form ändern und ist etwas, das nicht ganz von der Gesellschaft akzeptiert wird. Er hat einen etwas rebellischen Touch.“ Peter erzählt weiter, dass sie auf der Suche nach einem Puppenmacher in eine alte Welt mit kleinen Werkstätten eingetaucht sind. „Wir reden von Hollywood, die Creme de la Creme arbeitet hier. Handmade ist ganz ganz stark im Kommen.“ Überhaupt schwärmt Peter von Handgefertigtem, von mit Liebe gemachtem. Er selbst fährt lieber ein altes, handgemachtes Auto, mag keine neuen vom Fließband. Er erinnert sich: „Als Jugendlicher war mein erstes Auto ein alter Porsche um 7000 Schilling. Ich habe ihn geliebt.“

Ich treffe Lea und Peter Millesi bei einem ihrer Heimatbesuche in Wien, wo sie mir von ihrem Projekt whamslam.com erzählen.
Ich treffe Lea und Peter Millesi bei einem ihrer Heimatbesuche in Wien, wo sie mir von ihrem Projekt whamslam.com erzählen.

Ich bin neugierig und frage Peter, ob er sein Auto selbst reparieren kann und er meint: Ja, könnte ich. Ich habe mir einmal um 125 Dollar ein Oldsmobile gekauft und die Reparaturen selbst gemacht. Kann ich alles.“ Und Lea ergänzt noch: „Peter liebt das. Man glaubt es nicht, aber hier in Los Angeles gibt es viele kleine Handwerker. Wir haben sogar schon eine Hautschere reparieren lassen. Es war wie eine Schnitzeljagd, jemanden dafür zu finden.“

Peter erzählt noch eine Geschichte: „Als Bösendorfer vor vielen Jahren von Yamaha gekauft wurde, wurde der beruehmte alte Boesendorfer – Intonator nach Japan eingeladen und traf dort den Führungsstab von Yamaha. Die Japaner führten ihn zu einer Facility und meinten stolz: ‚In this facility alone we make 12.000 Units.‘ Der alte Herr sah sie lange an und meinte: ‚Units? We make pianos.‘

Lea und Peter Millesi mit ihren zwei "Jungs" (Foto beigestellt)
Lea und Peter Millesi mit ihren zwei „Jungs“ (Foto beigestellt)

Peter und Lea genießen ihr Leben schon seit vielen Jahren in Los Angeles und ich spüre ihre Begeisterung für diesen Ort und das neue Projekt. Dieses ist soviel größer als alles, was Peter bisher gemacht hat – und er war schon sehr erfolgreich. „Ich habe 230 Millionen Tonträger verkauft, aber dieses Projekt ist ungleich größer. Weißt Du, es interessiert keinen Menschen, was Du vor Jahren gemacht hast. Ich bin glücklich über meine Erfolge, aber it’s old. Das einzig Wesentliche ist, was Du jetzt machst.“ Mit einem kleinen Schmunzeln: „Die richtigen Rockstars sind jetzt alle in Silicon Valley und I wanna be a Rockstar, aber nicht von gestern sondern von heute.“ Lea meint dazu: „Diese Begeisterung für’s Neuerfinden, das ist so schön an Peter, und ich liebe unsere gemeinsame Arbeit, unseren Austausch“, worauf Peter liebevoll antwortet: „Sie ist meine beste Freundin, why should I work with somebody else?“

www.wolfmillesi.com
www.whamslam.com

Peter Wolf­-Millesi
·         Im Alter von 9 Jahren gab er sein erstes Beethoven-Klavier-Konzert, mit 16 wurde er von Fatty George in seine Band geholt. ·         Seit 1975 arbeitet und lebt er in den USA.
·         Im Jahr 2000 wurde er von den Österreichern bei einer Umfrage der Zeitschrift „Wiener“ als „erfolgreichster Musiker des Jahrhunderts“ auf Platz zwei – nach Wolfgang Amadeus Mozart gewählt.
·         Für seine Arbeit mit Andre Heller und Erika Pluhar gewann Wolf zweimal den Deutschen Schallplattenpreis
·         Er hat 7 GRAMMY Nominations und ist nun selbst Governor der Grammy-Board
·         2002 wurde ihm das das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen

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