Kathrin Zechner – ihr Wunsch ist Programm

Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner (Foto ORF/Milenko Badzic)Die Steirerin Kathrin Zechner begann ihre großartige Karriere als Mitarbeitern des ORF. Nach einigen erfolgreichen Zwischenstationen in der Unterhaltungsbranche kam sie 1994 als Programmintendantin wieder zurück zum ORF, wechselte 2002 zu den Vereinigten Bühnen Wien und ist seit 2012 wieder beim ORF: erst als Fernseh-, dann als Programmdirektorin. Für die Reihe „Universum History – Unser Österreich“ erhielt sie heuer übrigens die goldene Romy.

Mag. Kathrin Zechner und Doku-Chef Tom Matzek mit ihrer Romy für die Reihe „Universum History – Unser Österreich“ (Foto Hedi Grager)
Mag. Kathrin Zechner und Doku-Chef Tom Matzek mit ihrer Romy für die Reihe „Universum History – Unser Österreich“ (Foto Hedi Grager)

Kathrin Zechner, 1963 in Graz geboren, studierte in Wien Rechtswissenschaften, Theaterwissenschaften und Politologie. Energiegeladen, voller Tatendrang, mutig und hartnäckig gilt sie als Durchsetzerin und mächtige Frau mit sonnigem Gemüt. Kannst Du damit gut leben, frage ich sie, worauf sie lachend antwortet: „Humorvoll musst Du noch dazusetzen. Sonst ist es ein gutes Bild, nahe der Wahrheit.“ Macht bedeutet für sie, etwas entscheiden und umsetzen zu können: „Das mit den Mitteln, die ich habe: meinem Geist, meiner Phantasie, meinem Können, meiner Erfahrung und meiner Intuition. Dieses Bündel an eigenen Fähigkeiten kombiniert mit Motivationskraft anderen gegenüber und der Konsequenz, Dinge umzusetzen, das bedeutet für mich Macht.“

ORF-Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner: Energiegeladen, voller Tatendrang, mutig und hartnäckig gilt sie als Durchsetzerin und mächtige Frau mit sonnigem Gemüt. (Foto ORF/Thomas Ramstorfer)
ORF-Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner: Energiegeladen, voller Tatendrang, mutig und hartnäckig gilt sie als Durchsetzerin und mächtige Frau mit sonnigem Gemüt. (Foto ORF/Thomas Ramstorfer)

Kathrin arbeitet gerne mit sehr starken Leuten in ihrem Umfeld. „Ich brauche keine ‚Ja-Sager‘. Ich suche mir ganz bewusst starke Persönlichkeiten für mein Team aus. Denn je nach Projekt finde ich ein gemischtes, von starken Persönlichkeiten geprägtes Team am besten. Ich bin davon überzeugt, dass nur die gegenseitige Herausforderung für ein gemeinsames Ziel das Beste schafft.“ Auf den Umgang mit Neidern angesprochen, verrät sie mir ihre Umgangsweisen: „Natürlich prallt so etwas an mir nicht ab, aber ich versuche mit Geschick und Humor Neidern den Wind aus den Segeln zu nehmen, oder ich versuche sie zu ihrer eigenen Überraschung auf meine Seite zu ziehen oder mitzunehmen in einen Diskurs. Diese negativen Schwingungen ganz weit weg zu schieben, ist für mich eine weitere Möglichkeit.“ 

Mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern pflegt Kathrin einen offenen, aber auch straff geführten Führungsstil mit klaren Zielen und Zeitlinien. „Ich würde sagen, ‚hart, aber herzlich‘“, schmunzelt sie. „Ich bemühe mich, Inseln der Heiterkeit und des Genusses zu schaffen, indem wir z.B. gemeinsam essen gehen.“ Und sie ergänzt noch: „Als ich mit 27 im Management begonnen habe merkte ich, dass man trotz einer offenen Tür nicht alle Mitarbeiter ‚bedienen‘ kann – denn ein Tag hat nun mal nur 24 Stunden. Das funktioniert nicht und schafft eher unzufriedene Mitarbeiter. Deshalb gibt es nach unserer Hauptabteilungsleitersitzung immer eine Stunde, in der sie zu mir für ein Zweiergespräch kommen können, und einmal im Jahr gibt es ab 17 Uhr ein open office für alle. Taffes Führen und klare Strukturen mit Freiräumen,  das ist mein Stil.“

ORF Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner mit der Schauspielerin Iris Berben auf der ROMY 2018 (Foto Hedi Grager)
ORF Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner mit der Schauspielerin Iris Berben auf der ROMY 2018 (Foto Hedi Grager)

Auf meine Frage nach Bauchentscheidungen schüttelt sie energisch den Kopf. „Ein Lösungsansatz für eine Fragestellung zu einem Produkt oder einer Strategie beginnt bei mir zwar im Bauch und instinktiv, wird dann aber ganz schnell in eine reine Kopfarbeit umgesetzt. Mein Instinkt sagt mir, das könnte der Lösungsansatz sein, aber dann arbeite ich ganz logisch, pragmatisch und intelligenzgesteuert an der Beantwortung einer Frage oder Problemlösung.“

Kathrin lernte ihren Job von der Pike auf. Sie meint lachend: „Ich habe beim ORF Kabel gezogen, kopiert, Beiträge geschnitten, Kaffee geholt – ich lieb‘ das auch.“ Darauf angesprochen, ob sie sich einen anderen Job vorstellen könne, verrät sie mir: „Ich wollte Ärztin sein. Mein prägendster Lebensmensch neben den Eltern war meine Großmutter, und sie war eine der ersten praktizierenden Medizinerinnen in Österreich, auch viele meiner Verwandten sind Ärzte. Ärztin zu sein ist sicher einer der tollsten Jobs, den ich mir vorstellen könnte.“ Die Arbeit als Kulturattaché hätte sie ebenso interessiert wie die Kommunikation – „und dort bin ich ja gelandet.“ Sehr offen erzählt sie weiter, dass sie in letzter Zeit öfters den Wunsch verspüre, Gebäude, Häuserzeilen, Gassen oder auch ganze Orte schöner zu gestalten. „Vielleicht gibt es so etwas wie eine ästhetische Behübscherin,“ kommt es humorvoll von Kathrin.

ORF-Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner beim Finale des 60. Eurovision Song Contest in der Wiener Stadthalle (Foto ORF/Roman Zach-Kiesling)
ORF-Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner beim Finale des 60. Eurovision Song Contest in der Wiener Stadthalle (Foto ORF/Roman Zach-Kiesling)

Neugierig frage ich sie, wie denn ihr eigenes Büro aussieht. „Mein Büro ist überschaubar groß, farbenfroh und mit Bildern und Kunst ausgestattet. Ich habe da ein sonnenblumengelbes sehr modernes Sofa und einen sehr coolen, praktischen Schreibtisch. Mein Besprechungstisch ist ein ganz alter Holztisch, den ich aus meiner ersten Studentenbude überall hin mitgeschleppt habe. Und ich habe einen schönen Blick auf das große Studio, wo wir u.a. die Shows machen.“

Entspannung findet sie im Spazierengehen mit ihrem Hund. „Er ist ein Bichon Frisé und gehört zu den Maltesern.“ Lachend erzählt sie weiter: „Er sieht wie eine Mischung aus Pudel, Malteser und Schaf aus.“ Ins Büro darf er zwar nicht mit, aber Kathrin liebt es, mit ihm stundenlang spazieren zu gehen. „Das mache ich besonders gerne in der Südsteiermark, wenn ich in meinem entzückenden Häuschen bin.“

Kathrin geht auch gerne in Ausstellungen und liebt es zu kochen. „Das ist eine große Herausforderung für mich, da ich ja meist nur am Wochenende für mich und meine Kinder koche, aber es lenkt mich ab. Schon deshalb, weil ich darin nicht so routiniert bin. Alles, was nicht Routine ist, lenkt ganz gut ab.“

In die Südsteiermark kommt sie leider zu selten. „Das Ziel ist einmal im Monat und die Wahrheit ist 6 – 8 mal im Jahr. Dafür ist es dann umso schöner. Aber an bestimmten Fixpunkten wie Ostern oder Weihnachten gibt es nichts zu rütteln. Dann kommt meine ganze Familie, das sind meine Mutter, mein Bruder und meine Schwägerin, meine süße kleine Nichte und meine Söhne, 14 und 18 Jahre alt, ins Bauernhaus.“ Ihr älterer Sohn Stanislaus  stammt aus der Beziehung mit Erwin Steinhauer, Rithy kommt aus Kambodscha und wurde von ihr 2006 adoptiert. Fixpunkte hält Kathrin wichtig für ihre Kinder. „Und bei allen Unzulänglichkeiten, die jeder Mensch hat – auch ich bin müde, ergo dessen mal ungeduldig oder grantig – bemühe ich mich, unsere Wochenenden als Fixpunkte schön zu gestalten. Dazu gehören ein ausgedehntes Frühstück, gemeinsamen Abendessen, Ausflüge aufs Land oder Diskussionen, welches Land wir im Urlaub als nächstes entdecken werden.“

Gerne würde sie ihr Bauernhaus in der Südsteiermark intensiver nutzen, „aber ich habe die Perspektive, als fröhliche Ältere vor meinem Haus auf einem Bankerl  zu sitzen. Bis dahin freue ich mich als wirklich viel und leidenschaftlich gern arbeitende Frau und Mutter auf die Augenblicke, die ich hier sein kann.“

Großes Beitragsfoto: Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner (Foto  ORF/Milenko Badzic)

 

 

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