Kevin Ziehenberger und Janina Karelly: ADDICTED TO MODELS

ADDICTED TO MODELS: Michael Oder für Philipp Plein und Sophie Schönauer für Kenzo. (Fotos ADDICTED MODELS)Kevin Ziehenberger und Janina Karelly sind die Gründer und Eigentümer der Model-Agentur ADDICTED TO MODELS. Die Agentur mit Sitz in Wien managt sehr erfolgreich Models aus der ganzen Welt. Dem jungen Team rund um das Gründungsteam Janina Karelly und Kevin Ziehenberger hat die persönliche und fürsorgliche Betreuung ihrer Models wie auch tolle nationale und internationale Aufträge bei großen Kunden einen ausgezeichneten Ruf eingebracht.

Kevin Ziehenberger und Janina Karelly sind die Gründer und Eigentümer der erfolgreichen Model-Agentur ADDICTED TO MODELS. (Foto ADDICTED TO MODELS)
Kevin Ziehenberger und Janina Karelly sind die Gründer und Eigentümer der erfolgreichen Model-Agentur ADDICTED TO MODELS. (Foto ADDICTED TO MODELS)

Laut models.com sind sie so sehr rasch zu einer der top gelisteten Agenturen in Österreich geworden. „Unser Hauptanliegen ist es, unseren Kunden nicht nur immer das richtige Gesicht für ihre Marke zu bieten, sondern auch ein professionelles Model mit einem Charakter, der zum Job am besten passt“, so Kevin Ziehenberger.
Seit 2018 vertritt ADDICTED auch einige große Influencer in Österreich.

Kevin, was unterscheidet Euch von anderen Agenturen?
Janina und ich waren gerade mal 20 und 21 Jahre alt, als wir vor fast fünf Jahren ADDICTED TO MODELS gründeten. Davor haben wir bei einer großen Agentur gearbeitet und gesehen, dass von all den vielen Models nur ein paar wirklich gut gearbeitet haben, das wollten wir anders machen. Uns ist ein sehr persönliches Verhältnis zu unseren Models sehr wichtig und das gelingt bei einer kleineren Agentur sehr gut. Wir sind im ständigen Austausch mit unseren Models und sie wissen, wenn es Probleme gibt, können sie immer und zu jeder Zeit zu uns kommen. Auch Aufträge halten wir transparent und so wissen sie auch ganz genau, was wir selbst verdienen. ADDICTED TO MODELS ist wie eine große Familie, in der wir uns umeinander kümmern.

Model Mika Jenewein lief schon erfolgreich für Zegna. (ADDICTED TO MODELS)
Model Mika Jenewein lief schon erfolgreich für Zegna. (ADDICTED TO MODELS)

Ihr wart von Beginn an erfolgreich. Wie habt ihr das geschafft?
Wir waren vom Start weg stark digital unterwegs, auf Instagram und Facebook vertreten. Manch andere Agenturen haben erst später gemerkt, dass sie auf diesen Zug aufspringen müssen – aber da hatten wir schon einen Vorsprung erarbeitet, hatten schon eine große Reichweite und Bekanntheit. Außerdem brennen wir für das was wir machen und wir sind bereit stets unseren vollsten Einsatz zu geben für unsere Models und unsere Kunden.

Euer Fokus war aber immer international?
Ja, wir haben Ende Jänner 2016 unsere Agentur gegründet und im Juni 2016 ist auf der Mailand Fashion Week unser erstes Model für Dolce & Gabbana gelaufen. Und so ist es weiter gegangen. Im ersten Jahr hatten wir nur einen einzigen Job in Österreich, da dies Anfangs nie unser Fokus war. Mittlerweile haben wir natürlich auch das nationale Geschäft stark ausgeweitet. Unser Fokus liegt aber weiterhin auf den internationalen großen Kunden.

Models Gordana am Cover von Grazia Magazine, Michael Oder am Laufsteg für Burberry und Saffron Reeve am Cover von Harpers Bazaar. (Foto ADDICTED TO MODELS)
Models Gordana am Cover von Grazia Magazine, Michael Oder am Laufsteg für Burberry und Saffron Reeve am Cover von Harpers Bazaar. (Foto ADDICTED TO MODELS)

Wie alt dürfen oder müssen Eure Models sein?
Wir unterscheiden zwischen den Models, bei denen wir Mutteragentur sind, und Models aus unserer kommerzielleren Kartei. Unsere Models, wo wir als Mutteragentur fungieren, sind zwischen 14 und 28 Jahre alt. In unserer Kartei von Models, die nicht exklusiv an uns gebunden sind und nur für Jobs von uns gebucht werden, sind diese zwischen 20 und 75 Jahre alt.

Und wie sieht es mit Plus Size Model aus? 
Wir managen seit kurzem Nadine Mirada, die ja schon international erfolgreich ist als Curvy-Model und noch zwei weitere mit Größe 42 und 44, also Plus Size Models. Nadine ist eher in-between-size, was für manche Kunden auch immer besser funktioniert.

Auch das international erfolgreiche Curvy-Model Nadine Mirada ist bei ADDICTED TO MODELS unter Vertrag. (Foto ADDICTED TO MODELS)
Auch das international erfolgreiche Curvy-Model Nadine Mirada ist bei ADDICTED TO MODELS unter Vertrag. (Foto ADDICTED TO MODELS)

Also entweder Size zero oder Plus Size?
Bei High Fashion und Haute Couture wird auf gewisse Masse geschneidert, da müssen die Models einfach reinpassen. Es ist nicht mehr ganz so streng und manchmal wird auch ein Hüftumfang von 94 cm gebucht – aber optimal sind immer noch perfekte Maße.

Hast Du aber erstmal einen Namen, fragt keiner mehr nach den Maßen, ich denke da an Cindy Crawford, die sehr schön proportioniert war. Da schneiderten die Designer für die Models – aber es war damals auch eine andere Zeit.

Was waren bisher Eure größten Erfolge?
Für mich waren das Zwei. Einerseits, als unser erstes Model für Dolce & Gabbana bestätigt wurde. Wir hatten gerade ein neues Model aus Neuseeland einfliegen lassen und es auf unsere Kosten aufgebaut und ausgebildet, an einem der ersten Tage wo er bei uns in Wien war haben wir ihm die Stadt gezeigt und wollten uns auch unbedingt die Dolce & Gabbana Show von Heiko Avdic ansehen.
Wir saßen dann also bei der Gloriette vom Schloss Schönbrunn – und haben die Show von Dolce am Handy angesehen. Die Qualität war damals leider noch so schlecht, dass wir bei jedem Model mit dunklen Haaren dachten, dass er das sei. (Kevin lacht)

Model Laura Roth kommt aus Kärnten und studiert Kunstgeschichte. Sie lief schon für Gucci und ist in Magazinen wie der Vogue, Elle usw. zu sehen. (Foto ADDICTED TO MODELS)
Model Laura Roth kommt aus Kärnten und studiert Kunstgeschichte. Sie lief schon für Gucci und ist in Magazinen wie der Vogue, Elle usw. zu sehen. (Foto ADDICTED TO MODELS)

2018 haben wir die Women Abteilung neu gestartet, diese war anfangs sehr kommerziell ausgerichtet. Im Februar haben wir ein neues Mädchen aufgenommen, im Mai lief sie erstmals für Gucci und im September wurde sie dann sogar exklusiv von Gucci gebucht – was einer Österreicherin nicht oft passiert.  Stolz bin ich da vor allem darauf, dass das alles direkt über uns gebucht wurde und wir uns somit auch zu Gucci ein gutes Verhältnis aufbauen konnten.
Laura Roth kommt aus Kärnten und studiert Kunstgeschichte. Dass Gucci da auf uns zugekommen ist, war schon besonders für uns. Mittlerweile ist sie in der Vogue, Elle usw. zu sehen.

Wie schätzt Du die Modelszene in Österreich ein?
Es gibt sie auf jeden Fall. Es gibt auch viele Models mit großem Potenzial.
Sophie Schönauer z.B. ist erst 17 Jahre alt, ist schon für Kenzo gelaufen und bekommt super Anfragen.
Als Job wird Modeln leider oft nicht ernst genommen, auch deshalb, weil vieles, das man im Fernsehen sieht, nicht ernst zu nehmen ist. Insofern läuft schon sehr viel schief.

Kevin Ziehenberger: "Sophie Schönauer z.B. ist erst 17 Jahre alt und ist schon für Kenzo gelaufen. (Foto ADDICTED TO MODELS)
Kevin Ziehenberger: „Sophie Schönauer z.B. ist erst 17 Jahre alt und ist schon für Kenzo gelaufen. (Foto ADDICTED TO MODELS)

Wir haben aber auch während der COVID-19-Zeit einige Mädchen und Jungs gefunden, die super Potential haben. Wichtig ist es Menschen zu finden, die an sich selbst arbeiten und gewisse Dinge probieren wollen. Sie müssen vor allem die Anfangszeiten durchstehen, in denen sie meist nicht viel verdienen. Dieses Risiko einzugehen, sind viele nicht bereit. Man kann auch super neben der Schule, Studium oder neben einem „normalen“ Beruf modeln, jedoch dauert es dann natürlich um einiges länger bis man zu größeren Jobs etc. kommt und meiner Meinung nach bekommt man wenn man etwas halbherzig macht, meist auch nur halbe Resultate.

Was ist für Euch ein NoGo bei einem Model?
Für uns muss auf jeden Fall der Charakter passen. Wir hatten schon tolle Models, die alle Voraussetzungen erfüllten, aber unfreundlich zum Kunden usw. waren. Das geht nicht. Wenn einem bei einem Job etwas nicht gefällt, darf man es sich nicht anmerken lassen. Es ist ein Job.

Lorena Duran und Michael Oder als Models für L’Officiel. (Foto ADDICTED TO MODELS)

Auch Diva-Allüren gleich zu Beginn sind ein NoGo. Viele glauben wirklich, dass sie nach ein paar Jobs schon Superstars sind. Unsere erfolgreichsten Model sind die, die absolut am Boden geblieben sind. Ich denke da an Michael Oder aus der Steiermark, der schon mit den Jenners geshootet hat und mit Irina Shayk für Burberry gelaufen ist. Michael lädt sogar nach einem Testshooting, an dem er gar nichts verdient, immer noch das ganze Team zum Frühstück ein. Das nenne ich Charakter, den hat man und den kann man meist nicht lernen.

Ohne Disziplin, Höflichkeit und Pünktlichkeit geht es einfach nicht. Unsere Models sind generell alle gut erzogen und helfen auch mit. Das beginnt schon, wenn sie die getragenen Schuhe wieder dorthin zurückstellen, wo sie sie hergenommen haben. Und das merken natürlich auch die Kunden.

Model Laura Roth ist u.a. auch schon in der VOGUE zu sehen. (Foto ADDICTED TO MODELS)
Model Laura Roth ist u.a. auch schon in der VOGUE zu sehen. (Foto ADDICTED TO MODELS)

Konntet ihr die Corona Krise für Euch nutzten?
Im Prinzip haben wir versucht, sie als Chance zu sehen. Wir haben begonnen, unsere Models digital noch mehr zu präsentieren und sie zu coachen, haben Interviews mit ihnen gemacht und Videos, die wir auf Instagram veröffentlichten. Als nächsten Schritt ließen wir sie Editorials zu Hause selbst fotografieren – und dabei wurden einige so richtig kreativ. Sophie Schönauer beispielsweise hat auf einem Traktor am Bauernhof in Haute Couture Kleidern von ihrem Bruder geshootet, Laura Roth studiert Kunst und hat mit Skulpturen Fotos gemacht.

Wir haben mit Kunden Home-Shooting-Editorials geshootet. Für die letzte Grazetta hat sich Lydia Kramberger selbst von ihrer Schwester für die Homestory shooten lassen. Lydia betreibt übrigens einen Onlineshop für Second Hand Fashion.

Ist durch diese Krise auch bei euch die Digitalisierung weiter vorangeschritten?
Ja, wir haben auch Castings online gemacht oder Termine über Skype abgehalten. Viele unserer Kunden sind auf E-Castings umgestiegen, Ich glaube, das wird auch so bleiben. Die Kunden sehen jetzt, dass sie keine Location mehr mieten müssen, um 500 Models ansehen zu können, das geht am Video auch sehr gut und natürlich effizienter.

Heiko Avdiv lief für Dolce & Gabbana. (Foto ADDICTED TO MODELS)
Heiko Avdiv lief für Dolce & Gabbana. (Foto ADDICTED TO MODELS)

Habt ihr außerhalb von Wien auch noch ein Büro?
Wir haben in der Ukraine, in Kiev, ein weiteres Büro und europaweit arbeiten viele Scouts für uns. Wir scouten sehr viel auch über Instagam und TikTok, auch mit künstlicher Intelligenz.

Ihr seid wirklich sehr erfolgreich, habt Top-Kunden. Erhaltet ihr viele Anfragen von jungen Menschen?
Wir wollten immer Kunden wie Gucci, Louis Vuitton etc. und haben dementsprechend immer Models gesucht, die auch international arbeiten könnten.

Es bewerben sich sehr viele, monatlich zwischen 500 und 1000, davon nehmen wir aber maximal mit 1 % Kontakt auf. Aktuell haben wir ca. 60 Models als Mutteragentur und mit den kommerziellen Models haben wir insgesamt ungefähr 200.

Gibt es überhaupt Pläne für 2020?
Die Fashion Week in Mailand, Paris und London wurde im Juni ja abgesagt, die erste digitale Fashion Week gab es im Juli in Mailand. Irgendwie ist das alles noch unvorstellbar, aber es ist heuer kaum möglich, Prognosen zu stellen. Im Moment sieht es so aus als würden im September die meisten Shows und Fashion Weeks stattfinden.

Wir haben vor der Krise ein Kaufangebot eines großen Agentur-netzwerkes bekommen. Wir sind noch in Verhandlungen, aber das wäre natürlich gut für uns, weil wir dann ganz andere Möglichkeiten hätten und unseren Models mehr bieten könnten. Es wäre dann viel einfacher, z.B. in Los Angeles zu arbeiten. Das Agenturnetzwerk hat Büros in mehreren internationalen Städten wie LA, Toronto, Barcelona, Kopenhagen etc. und wir könnten alles mit Zentral- und Osteuropa gut kombinieren. Wir würden in Deutschland gemeinsam mit der Agentur in Kopenhagen arbeiten. Das wäre schon spannend. Wir haben aber keinen Druck, das machen zu müssen und sind so in einer starken Verhandlungsposition.

Kevin Ziehenberger und Janina Karelly, Model-Agentur ADDICTED TO MODELS: "Wir kümmern uns nachhaltig um unsere Models und versuchen, ihre Karrieren längerfristig aufzubauen." (Foto ADDICTED TO MODELS)
Kevin Ziehenberger und Janina Karelly, Model-Agentur ADDICTED TO MODELS: „Wir kümmern uns nachhaltig um unsere Models und versuchen, ihre Karrieren längerfristig aufzubauen.“ (Foto ADDICTED TO MODELS)

Wir hatten diesen Juli unser zweitbestes Monat seit der Gründung unserer Agentur, was uns in unserem Plan in jedem Fall bestätigt. Wir arbeiten sehr stark daran, dass wir weitere Kunden akquirieren und natürlich auch selbst weiter wachsen können um unseren Models immer mehr bieten zu können. Wir sind da definitiv eine Agentur die hungrig ist und sich nicht auf den Kunden ausruht, die sie schon seit Jahrzehnten hat.

Es bleibt also eine spannende Zeit?
Durch die Krise werden sicher viele neue Ideen entstehen. Die Mode ist so schnelllebig geworden, ist wenig nachhaltig, jede Saison will jeder neue Models sehen. Vielleicht wird das Ganze jetzt wirklich entschleunigt, dass man an guten Models wieder festhält und mit ihnen länger arbeitet – wie früher auch. Wir kümmern uns nachhaltig um unsere Models und versuchen, ihre Karrieren längerfristig aufzubauen. Man muss einen guten Instinkt haben, auch dafür, welche Typen gerade gefragt sind und natürlich gehört da auch immer ein bisschen Glück mit dazu.

Großes Beitragsfoto: Models Michael Oder für Philipp Plein und Sophie Schönauer für Kenzo. (Foto ADDICTED TO MODELS)

www.addictedtomodels.com  

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