Dr.in Juliane Bogner-Strauß – Positives in herausfordernder Zeit

Die steirische Landesrätin für Bildung, Gesellschaft, Gesundheit und Pflege Dr.in Juliane Bogner-Strauß. (Foto Marija Kanizaj)Die steirische Landesrätin für Bildung, Gesellschaft, Gesundheit und Pflege Dr.in Juliane Bogner-Strauß hat zur Zeit besonders herausfordernde Aufgaben zu bewältigen. Im Interview erzählt sie mir (selbst)kritisch aber auch stolz, was in dieser schwierigen Zeit auch Positives passiert ist. 

Zum aktuellen dominanten Thema der Corona-Impfung ist es für die Ländesrätin ganz klar, dass impfen derzeit die einzige Möglichkeit gegen die Pandemie ist. „Seit wir die steirischen Pflegeheime durch-geimpft haben, haben wir dort so gut wie keine Neuinfektionen mehr und das bei derzeit knapp 12.500 Bewohnern. Einige wenige Neuinfizierungen sind beispielsweise durch Neubelegungen passiert, was man leider nie ganz verhindern kann.“ Sie freut sich sehr, dass auch diejenigen, die sich anfangs nicht impfen lassen wollten, jetzt vom Schutz durch eine Impfung überzeugt sind. Ebenfalls hoch ist die Impfquote bei den Mitarbeitern. „All das hat jetzt eine gute, positive Sogwirkung.“

Die steirische Landesrätin Juliane Bogner-Strauß hat zur Zeit besonders herausfordernde Aufgaben zu bewältigen. Zum aktuellen dominanten Thema der Corona-Impfung ist es für sie ganz klar, dass impfen derzeit die einzige Möglichkeit gegen die Pandemie ist. (Foto Marija Kanizaj)
Die steirische Landesrätin Juliane Bogner-Strauß hat zur Zeit besonders herausfordernde Aufgaben zu bewältigen. Zum aktuellen dominanten Thema der Corona-Impfung ist es für sie ganz klar, dass impfen derzeit die einzige Möglichkeit gegen die Pandemie ist. (Foto Marija Kanizaj)

Impf-Plattform am Weg
Mit dieser neuen Plattform soll die vollständige Impfstoffverwertung in der Steiermark gewährleistet werden. „Die Praxis hat gezeigt, dass vereinbarte Impftermine oft kurzfristig abgesagt werden und der geplante Impfstoffbedarf dadurch unterschritten wird. Da bereits geöffnete Impfstofffläschchen konstant gekühlt und daher möglichst rasch verimpft werden müssen, war es uns in erster Linie wichtig, dass kein Impfstoff verworfen werden muss.“ Juliane Bogner-Strauß betont nochmals, dass „keine Impfstoffe übergeblieben sind“.
Mit Hilfe dieser Plattform werden jetzt die Impfungen zu 100 % entlang der Impf-Strategie verwertet. Vom Impfärzten werden kurzfristig nicht benötigte Restmengen in eine digitale Bestandsliste eingetragen, auf die andere Impfstellen zugreifen können. „Da auf der Plattform strukturierte Patientendaten und offene Restmengen abrufbar sind, können alle Impfdosen super verwertet werden.“

„Bedauerlicherweise liegen immer mehr junge Menschen auf den Intensivstationen unserer Spitäler. Das liegt zum Teil sicher daran, dass ältere Menschengruppen schon gut durchgeimpft sind. Die Steiermark hat die höchste Impfquote bei über 85 Jährigen und ab April werden auch alle über 65-Jährigen ihren Erststich bekommen haben“, erklärt die Landesrätin, „vorausgesetzt, dass es zu keinen Lieferschwierigkeiten bei den Impfdosen kommt.“

Karenz- bzw. Elternteilzeit
Es ist bekannt, dass Juliane Bogner-Strauß die Unterstützung von Frauen sehr am Herzen liegt. Auch in Österreich dominiert sehr stark ein traditionelles Rollenbild und wird der Großteil der Nicht-erwerbsarbeit zu Hause von Frauen gemacht. „Nehmen wir als Beispiel die Hausarbeit oder Pflegearbeit. Etwa 80 % der pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen werden zu Hause und hier fast ausschließlich von Frauen versorgt. Durch die Corona-Pandemie ist die Schere noch weiter aufgegangen. Dabei haben wir in Österreich schon ein wirklich gutes Package mit der geteilten Karenz bzw. Elternteilzeit für Väter und Mütter. Leider tun das aber erst 5 % der Väter.“ Auf meine Frage ob das eventuell aus finanziellen Gründen passiert, meint Juliane Bogner-Strauß: „Ich lasse diese Erklärung ungern gelten, denn man muss sich immer das gesamte Familienbudget ansehen. Und es ist mir wichtig,  dass noch viel mehr aufgeklärt wird, wie stark sich Teilzeit auf die Pension auswirkt.“ Sie nimmt hier auch die Politik in Verantwortung für noch mehr Information und Unterstützung zu sorgen.

Es ist bekannt, dass der Landesrätin für Bildung, Gesellschaft, Gesundheit und Pflege, Dr.in Juliane Bogner-Strauß, die Unterstützung von Frauen sehr am Herzen liegt. (Foto Marija Kanizaj)
Es ist bekannt, dass der Landesrätin für Bildung, Gesellschaft, Gesundheit und Pflege, Dr.in Juliane Bogner-Strauß, die Unterstützung von Frauen sehr am Herzen liegt. (Foto Marija Kanizaj)

Pensionssplitting und Gleichstellung
Deshalb wird aus ihrer Sicht auch dringend ein Pensionssplitting benötigt, vor allem als automatisches Pensionssplitting. „Wenn sich ein Paar für ein Kind entscheidet, sollte auch die Entscheidung getroffen werden, wer sich wieviel um das Baby kümmert, wer wann und wie lange in Karenz geht und wer mehr von der Hausarbeit übernimmt. So ist es meiner Meinung nach gerechtfertigt, wenn es zu einer guten Aufteilung der Pensionen kommt“, erklärt Juliane Bogner-Strauß bestimmt. „Jetzt haben wir die freiwillige Variante, d.h. man muss vorher darüber reden, ob und was man machen möchte. Und das nehmen leider zu wenige in Anspruch.“ Sie ist aber überzeugt, dass bei einem automatischen Pensionssplitting sich kaum jemand gegen eine Pensionsteilung aussprechen wird.

Laut Statistik Austria liegt Österreich mit einer Lohndifferenz von 19,9 Prozent weiterhin deutlich über dem europäischen Durch-schnitt von 14,1 Prozent. „Ich finde es wirtschaftlich irrational, das Potential super ausgebildeter Frauen nicht zu nutzen, wenn sie oft für sehr lange Zeit aus der Arbeitswelt hinausgehen“, so Juliane Bogner-Strauß. „Es zeigt sich immer wieder, dass z.B. geteilte Führung sogar optimal funktionieren kann. In der steirischen Landespolitik gibt es schon eine Quote von 50:50.“

Projektstart „Digitale Schule“
Die Digitalisierung ist aus unserer Wissensgesellschaft und Bil-dungswelt nicht mehr wegzudenken. Gerade in den Schulen ist eine pädagogisch-didaktisch begleitete Heranführung an diese Thematik unerlässlich. Deshalb ist das Ziel des Projektes „Digitale Schule“, bis 2024 das digitale Lernen fix zu verankern. Coronabe-dingt erlebte die Auseinandersetzung mit digitalen Medien in den steirischen Schulen einen enormen Schub. Die Landesrätin freut sich deshalb sehr, dass die heimischen Pädagoginnen und Pädagogen diesem Projekt massiven Zuspruch entgegenbringen. „In der Steiermark machen 93 % aller Schulen und Schulklassen mit. Im Schuljahr 2021/22 werden die Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Schul-stufe mit Laptops ausgestattet, ab dem Schuljahr 2022/23 jeweils die nachrückenden Jahrgänge der 5. Schulstufe“, freut sie sich. „Ich bin dankbar für alles, was dafür vom Lehrpersonal und den Schulleitungen umgesetzt worden ist – und von den Kindern angenommen wurde. Wir haben z.B. chronisch kranke Kinder oder Kinder mit Liegegips, die über Wochen in der Schule ausfallen und durch digitales Lernen viel besser einbezogen werden können.“

Bildungs- und Berufsorientierung
Für junge Menschen gibt es in der Steiermark die Bildungs- und Berufsorientierung jetzt auch online und in der Erwachsenenbildung wird mit Fort- und Weiterbildungskursen Vieles angeboten und gut angenommen. „Bildung soll ein lebenslanger Wegbegleiter sein, denn man lernt ja nie aus. In diesen Bereichen sind wir sehr breit aufgestellt“, erklärt die Landesrätin. „Aktuell sind leider sehr Viele in die Arbeitslosigkeit geschlittert, aber vielleicht überlegen sich einige jetzt eine Umschulung. Denn wir brauchen dringend gutes Fachper-sonal, vor allem in den Pflegebereichen.“ Das Land Steiermark hat dafür jetzt eine große Pflegekampagne gestartet, mit der man Jugendliche und auch Ältere für diesen Beruf gewinnen möchte.

Landesrätin Juliane Bogner-Strauß: „Bildung soll ein lebenslanger Wegbegleiter sein, denn man lernt ja nie aus. In diesen Bereichen sind wir sehr breit aufgestellt.“ (Foto Streibl/Land Steiermark)
Landesrätin Juliane Bogner-Strauß: „Bildung soll ein lebenslanger Wegbegleiter sein, denn man lernt ja nie aus. In diesen Bereichen sind wir sehr breit aufgestellt.“ (Foto Streibl/Land Steiermark)

„Wir müssen Mädchen auch mehr mit der Technik vertraut machen. Denn laut Studien wählen mehr als die Hälfte der Mädchen ihre Lehre immer noch aus nur drei Dienstleistungsberufen: Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau und Friseurin.“ Leider ist auch der Anteil studierender Frauen in naturwissenschaftlichen und technischen Fachrichtungen nach wie vor sehr gering. Sehr wichtig findet sie daher, dass es für spätere Berufsentscheidungen schon in den Kinderkrippen und Kindergärten ein breites Angebot gibt. So könnte es in den Kindergärten eine Technik-Ecke, ein kleines Labor geben.

Ebenfalls ein wichtiges Thema ist Gendern für sie. „Ich weiß, es kann manchmal sehr mühsam sein. Es macht aber einen Unterschied, ob mein kleiner Sohn sagt, ich gehe zum Arzt oder ich gehe zur Ärztin“, so Juliane Bogner-Strauß. „Es ist deutlich zu merken, dass sich junge Menschen dabei leichter tun, weil sie damit aufwachsen. Sprache verändert die Wahrnehmung, macht Bilder im Kopf und mit diesen Bildern geht man anders an Dinge heran.“

Tarifsenkung bei Pflege- und Betreuungsangboten
Ganz im Sinne des Alterns in Würde geht die Steiermark den Weg mobil vor stationär. Menschen möchten so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden betreut und gepflegt werden. Seit nunmehr 15 Jahren gibt es in der Steiermark die Mobilen Pflege- und Be-treuungsdienste/Hauskrankenpflege für über 60-Jährige und die Nachfrage ist ungebrochen hoch: Jährlich nehmen über 18.000 Steirerinnen und Steirer diese Dienste von über 80 Einsatzstellen in Anspruch und werden bei 1.800.000 Hausbesuchen von 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut. Ebenfalls sehr gut angenommen wird das Betreute Wohnen. „Damit mobil vor stationär noch attraktiver wird, haben wir in diesen Bereichen eine Tarifsenkung vorgenommen. Insbesondere Steirerinnen und Steirer mit niedrigem und mittleren Einkommen profitieren davon und werden beim Selbstkostenbeitrag entlastet“, erzählt die Landesrätin, die über das tolle Feedback für diese Einrichtungen sehr erfreut ist.

Einkommensbericht
Stolz ist sie auch darauf, dass nun jährlich ein Bericht über die Einkommen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesverwaltung sowie der landeseigenen Gesellschaften erstellt werden soll. „Einkommenstransparenz ist ein entscheidender Schritt zur Einkommensgerechtigkeit und ein zentrales Element, die Lohnschere zwischen Männern und Frauen tatsächlich zu schließen.“ Bei Unternehmen ab 150 Mitarbeitern gibt es solche Berichte schon, „oft landen sie aber in einer Schublade. Wir müssen daher Frauen ermutigen, bei Lohnverhandlungen aktiv zu werden und sich nicht immer mit dem Mindestlohn zufrieden zu geben.“

Freiheit von Gewalt
Nach Juliane Bogner-Strauß ist die Steiermark bei Frauen- und Mädchenberatungsstellen und auch in der Online-Beratung sehr gut aufgestellt. „Wir konnten beobachten, dass es im ersten Lockdown weniger Gewalt gab, diese aber jetzt leider wieder zugenommen hat. Wir müssen also den Frauen Mut machen, sich gegen Gewalt in ihren Familien zu stellen. Als man vor 30 Jahren die ‚gesunde Watsche‘ verboten hat, haben Viele aufgeschrien. Jetzt sind es immer noch 50 %, die so denken – und das sind 50 % zuviel“, ist sie sich sicher. „Körperliche und psychische Gewalt in der Familie ist immer noch mit einem Stigma behaftet, man hält es lieber geheim.“ Es wäre hilfreich, dass nicht ein Opfer immer noch beweisen muss, dass es das Opfer ist.

Abschließend meint Juliane Bogner-Strauß, dass man Corona auch als Chance sehen sollte. Als Chance, sich umschulen zu lassen, einen Job zu beginnen, den man vielleicht immer schon machen wollte, den akuten Fachkräftemangel nutzen. Dazu verweist sie auf den kürzlich präsentierten Aktionsplan 2021 – 2022 zur Steirischen Gleichstellungsstrategie. Darin geht das Land Steiermark die Herausforderungen auf dem Weg zu einer gleichberechtigten Gesellschaft aktiv an. Dieser legt die Schwerpunkte fest, die in den nächsten zwei Jahren im Bereich der Gleichstellung verfolgt werden. Stolz ist die Landesrätin, dass viele Projekte bereits vorhanden oder im Entstehen sind, sodass der Aktionsplan damit ein lebendiges Instrument für Gleichstellung werden soll.

Großes Beitragsfoto: Die steirische Landesrätin für Bildung, Gesellschaft, Gesundheit und Pflege Dr.in Juliane Bogner-Strauß (Foto Marja Kanizaj)

www.bogner-strauss.steiermark.at

 

 

 

 

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