Barbara Hörmann – VOM KINDHEITSTRAUM ZUR BERUFUNG

Barbara Hörmann auf einer ihrer Reisen in die Mongolei. (Foto beigestellt)Die Designerin und Gründerin der ETHNOTHEK war schon in jungen Jahren auf der Suche nach der Freiheit und wollte die Welt entdecken. Auf ihren Reisen traf sie dann auf viele interessante Menschen. „Und die haben mir wunderbare Geschichten erzählt“, so Barbara Hörmann.

Barbara Hörmann’s Weg führte über Griechenland nach Thailand, Hongkong, Japan, auf die Philippinen, nach Indonesien, Nepal, Indien, in den Jemen, entlang der Seidenstrasse in die Mongolei und von den ethnischen Enklaven der Naxi und Mossu in Südchina bis hin zu den Mönchen und Nomaden Tibets. Jemen 1990. (Foto beigestellt)
Barbara Hörmann’s Weg führte über Griechenland nach Thailand, Hongkong, Japan, auf die Philippinen, nach Indonesien, Nepal, Indien, in den Jemen, entlang der Seidenstrasse in die Mongolei und von den ethnischen Enklaven der Naxi und Mossu in Südchina bis hin zu den Mönchen und Nomaden Tibets. Jemen 1990. (Foto beigestellt)

War sie im Alter von 10 Jahren noch mit ihren Eltern unterwegs, besuchte die Schmuck-Liebhaberin mit 16 ganz alleine Griechenland und mit 18 reiste sie nach Asien. „Die Suche nach der Freiheit, das Entdecken der Welt und dieser schönen Natur, das war schon in jungen Jahren mein Ziel“, verrät Barbara Hörmann begeistert. Fasziniert war sie auch von den Geschichten, die ihr die Menschen zu erzählen hatten. „Man könnte sagen, ich ging 1989 in die Welt hinaus und kam 2003 zurück.“

Im Alter von 16 Jahren reiste Barbara Hörmann schon ganz alleine nach Griechenland, mit 18 besuchte sie schon Asien. (Foto beigestellt)
Im Alter von 16 Jahren reiste Barbara Hörmann schon ganz alleine nach Griechenland, mit 18 besuchte sie schon Asien. (Foto beigestellt)

Barbara Hörmann stammt aus einer ganz normalen Familie, wie sie meint. „Allerdings hatten meine Mama und mein sehr sportlicher Papa mein Leben schon genau geplant und sie waren nicht glücklich darüber, dass ich Ethnologie studierte. Aber das Beschäftigen mit fremden Kulturen, unbekannten gesellschaftlichen Strukturen und Weltvorstellungen interessierte mich einfach sehr.“

„Man muss sich in den Spiegel schauen können und man muss zurückblicken können und sagen, es war alles gut.“

Zu ihren wichtigsten Personen gehört auch ihre 1 Jahr jüngere Schwester Sigrid. „Sie war bei meiner entscheidenden Griechenland Reise dabei. Dann ist sie wie ich in die weite Welt aufgebrochen und hat auch begonnen, mit Schmuck zu arbeiten. Wir haben uns  immer wieder auf den entferntesten Plätzen der Welt getroffen, haben gemeinsam schöne Zeiten verbracht und uns Rückhalt gegeben.“ Liebevoll erzählt Barbara Hörmann weiter: „Wir haben schon als Kinder einen Schwesterntag erfunden, den 13.9. Diesen verbringen wir seit mindestens 38 Jahren immer gemeinsam, auch wenn wir auf verschiedenen Kontinenten sind – an diesem Tag sind wir vereint.“ Ihre Schwester ist auch ihre Freundin und engste Mitarbeiterin.

Barbara Hörmann mit ihrer Schwester Sigrid, die auch ihre beste Freundin und engste Mitarbeiterin ist. (Foto beigestellt)
Barbara Hörmann mit ihrer Schwester Sigrid, die auch ihre beste Freundin und engste Mitarbeiterin ist. (Foto beigestellt)

Auf meine Frage, warum sie ausgerechnet nach Asien wollte, erfuhr ich: „Ich habe dreimal versucht, ein Ticket nach La Paz oder Lima zu kaufen, aber immer kam etwas dazwischen, und so kam es nie dazu. Und nach dreimal dachte ich, das ist genug, jetzt fliege ich nach Asien“, erzählt sie mir lächelnd und in ihrer ruhigen Art in ihrem schönen Geschäft in der Grazer Schmiedgasse.

Begegnungen mit Menschen
In Asien meinte es das Schicksal sehr gut mir ihr, erzählt sie mir weiter. „Ich hatte damals überhaupt keine Angst und glaubte an nichts Böses auf der Welt. Jetzt denke ich anders darüber. Wenn ich jetzt reise, ist alles gut durchorganisiert.“

Damals hatte sie auch erstmals Kontakt mit dem „Auge Shivas“, das der Legende nach stets über seinen Träger wacht. „Das sind kleine Spiralmuscheln, die man in Griechenland und am indischen Ozean findet. Die habe ich zu Schmuck verarbeitet und mir damit das Ticket nach Nepal verdient“, höre ich interessiert zu. „Für mich war es dann eine schöne Erfahrung, in Nepal die Goldschmiedearbeit zu erlernen.“ Auch über Antiquitäten durfte sie viel lernen. Aber das größte Glück für sie waren immer die Begegnungen mit Menschen.

Barbara Hörmann spricht einige Sprachen. "Ich glaube, ich kann mich sehr gut mit meiner Körpersprache verständigen und lernte auch, in den Augen zu lesen.“ Hier in Namibia. (Foto beigestellt)
Barbara Hörmann spricht einige Sprachen. „Ich glaube, ich kann mich sehr gut mit meiner Körpersprache verständigen und lernte auch, in den Augen zu lesen.“ Hier in Namibia. (Foto beigestellt)

So hat sich Barbara Hörmann auch in Nepal mit selbst gemachtem Schmuck etwas Geld verdient und reiste von dort weiter nach Tokio. „Das Schöne in Japan war, dass man als Österreicher sofort einen Bonus hat. Und es gibt dort sehr schöne Künstlerviertel.“ Man kann es sich kaum vorstellen, dass sie damals mit 15 Dollar in der Tasche in Japan ankam. Als ich meine, dass das schon sehr mutig gewesen sei, meint Barbara Hörmann: „Mutig, das Wort habe ich nicht gekannt. Aber das Schicksal liebt dich, es kann nicht viel passieren, wenn man so unterwegs ist.“

Die Designerin spricht neben Englisch auch Japanisch. „Japanisch lernte ich im Zug nach Tokio“, schmunzelt sie. „Es ist eine Wort-Bild-Sprache und irrsinnig leicht zu lernen.“ Sie spricht auch etwas hebräisch und griechisch. „Ich glaube, ich kann mich sehr gut mit meiner Körpersprache verständigen und lernte auch, in den Augen zu lesen.“

Etwas nachdenklich meint Barbara Hörmann, dass sie ursprünglich nach Asien reiste, um dort Bücher über das Thema Ethnologie zu schreiben. „Ich stellte es mir einfach vor, über die einfachen Völker, ihre Geschichte und Kulturen zu schreiben und diese so den Menschen hier näherzubringen.“ Sie musste aber erkennen, dass das ohne finanzielle Unterstützung nicht möglich ist. Außerdem sagte man mir, dass das eh keinen interessieren würde. Und eventuell für ein Museum zu arbeiten, war nicht gerade mein Traum.“ Sie dachte schon daran, dass sie doch den Wunsch ihres Vaters erfüllen und Juristin oder Sportlerin werden sollte.

Aber es kam anders. Denn schon während ihres ersten Asien-Aufenthalts konnte sie mit ihrem selbst designten Schmuck und mit Sport genug für ihr Leben verdienen. So verdiente sie sich u.a. Geld als Skilehrerin in Japan, als Model für Fotoshootings und hatte Statistenrollen in Filmen. „Nur Gastro habe ich nie gemacht, dafür habe ich mich wirklich nicht geeignet, war zu ungeschickt“, schmunzelt sie. „So habe ich mich tagsüber ausgetobt und abends war ich immer eher abseits im Dschungel in der Ruhe.“ Ein Party-Typ sei sie sowieso nie gewesen. Barbara Hörmann wirkt sehr ruhig, ausgeglichen und in sich ruhend, aber in ihr stecken sehr viel Kraft und Energie.

2016 wurde sie Senioren-Weltmeisterin im Slalom, 2017 bekam sie dafür das bronzene Sportlerehrenzeichen der Steiermark. Der Leistungssport hat die Unternehmerin Barbara Hörmann nie losgelassen. „Man muss Ziele formulieren, daran glauben, akribisch arbeiten und überzeugt sein, Großes leisten zu können.“ (Foto beigestellt)
2016 wurde sie Senioren-Weltmeisterin im Slalom, 2017 bekam sie dafür das bronzene Sportlerehrenzeichen der Steiermark. Der Leistungssport hat die Unternehmerin Barbara Hörmann nie losgelassen. „Man muss Ziele formulieren, daran glauben, akribisch arbeiten und überzeugt sein, Großes leisten zu können.“ (Foto beigestellt)

Der Leistungssport hat die Unternehmerin aber nie losgelassen. 2016 wurde sie Senioren-Weltmeisterin im Slalom, 2017 bekam sie dafür das bronzene Sportlerehrenzeichen der Steiermark. „Man muss Ziele formulieren, daran glauben, akribisch arbeiten und überzeugt sein, Großes leisten zu können“, so die gebürtige Weststeirerin.

Die ETHNOTHEK von Barbara Hörmann bietet Stücke international anerkannter Designer an, die auch auf einen kleinen ökologischen Fußabdruck achten, sowie antike Schätze und zeitgenössisches Kunsthandwerk. (Foto beigestellt)
Die ETHNOTHEK von Barbara Hörmann bietet Stücke international anerkannter Designer an, die auch auf einen kleinen ökologischen Fußabdruck achten, sowie antike Schätze und zeitgenössisches Kunsthandwerk. (Foto beigestellt)

Geschäftseröffnung in Graz
1999 eröffnete sie dann ihr eigenes Schmuck-Geschäft in der Grazer Bürgergasse und ist nun seit 2019 in der Schmiedgasse. „Ursprünglich habe ich alle meine Schmuckstücke selbst gemacht. Aber irgendwann kam die Entscheidung, wie gut und wie teuer man sich selbst verkaufen kann. Und das ist nicht meine Gabe“, erzählt sie sehr offen. „Auf meinen Reisen habe ich so viele junge und talentierte Menschen getroffen, denen möchte ich auch diese Chance geben. Die so sind, wie ich mal war“ fügt Barbara Hörmann noch hinzu.

Daher bietet die ETHNOTHEK heute Stücke international anerkannter Designer an, die auch auf einen kleinen ökologischen Fußabdruck achten, sowie antike Schätze und zeitgenössisches Kunsthandwerk.

Barbara Hörmann in ihrem schönen Geschäft ETHNOTHEK in der Grazer Schmiedgasse. (Foto beigestellt)
Barbara Hörmann in ihrem schönen Geschäft ETHNOTHEK in der Grazer Schmiedgasse. (Foto beigestellt)

Wenn sie unterwegs ist, ist es aus Sicht der westlichen Welt sicherlich ein sehr einfaches Leben. „Man sitzt bei einem gemeinsamen Essen am Boden, und danach wird wieder weiterarbeitet. Da sitzen auch Multimillionäre und wahrliche Größen z.B. in einem Schmuckgeschäft am Boden. Einmal traf ich sogar auf den Schauspieler Richard Gere. Er saß mit uns gemeinsam am Boden und kaufte eine Kette von mir. Es war wie im Märchen.“

Spezielle Erinnerungen an Begegnungen hat sie unendlich viele, wie sie lächelnd meint. „In Jemen ging ich einmal auf den Markt. Es heißt doch immer, dass man da handeln müsse. Bei einem alten Herrn wollte ich etwas zu essen kaufen. Er nannte seinen Preis und ich sagte meinen. Darauf stand er auf und sagte: ‚Ich muss nicht handeln. Du bist eine Frau, du kaufst das zum Leben ein, und ich bin ein alter Herr, also zwischen Mann und Frau braucht man nicht handeln. Aber wenn ein Mann kommt, dann ist das Business, und dann wird gehandelt.‘ Ich habe mich damals zu Tode geniert.“

Aus all ihren Begegnungen hat Barbara Hörmann vor allem eine Lehre gezogen: „Jeder muss für sich selbst draufkommen, was der Sinn des Lebens für einen ist." (Foto beigestellt)
Aus all ihren Begegnungen hat Barbara Hörmann vor allem eine Lehre gezogen: „Jeder muss für sich selbst draufkommen, was der Sinn des Lebens für einen ist.“ (Foto beigestellt)

Aus all ihren Begegnungen hat sie vor allem eine Lehre gezogen: „Jeder muss für sich selbst draufkommen, was der Sinn des Lebens für einen ist. Mir hat ein Lehrmeister in Indien – ein großer Schmuckhändler, der sich von seinen Eltern abgenabelt und sein eigenes Business aufgebaut hat – gesagt: ‚Auch Arbeit ist nicht alles, du musst Deine Erfüllung selbst finden‘. Ziele können sich ändern. Man kann aus Zielen herauswachsen, kann neue finden oder darauf aufbauen, das Menschliche ist wichtig. Man muss sich in den Spiegel schauen können und man muss zurückblicken können und sagen, es war alles gut.“

Das „Auge Shivas“, das der Legende nach stets über seinen Träger wacht. „Das sind kleine Spiralmuscheln, die man in Griechenland und am indischen Ozean findet. Es heißt, wenn man demütig durchs Leben geht, dass man Gott und die Welt findet.“

Für ihre Eigenkreationen arbeitet sie noch immer mit denselben Familien wie früher. „Das ist jetzt schon die 3. Generation. Bei ihnen fließen Arbeit, Familie und Freizeit ineinander.“ Interessant erzählt sie, dass im Haus einer Familie in Jaipur auf verschiedenen Ebenen gearbeitet wird: „Unten werden die Steine bearbeitet, darüber wird der Schmuck gemacht, wieder darüber sitze ich und sortiere die Steine aus, und ganz oben wird gekocht.“

Nach wie vor steht sie mit vielen Menschen, die sie kennenlernte oder mit denen sie arbeitete, in gutem Kontakt, und schätzt deren Handschlag-Qualität sehr.

Barbara Hörmann bei einem Event in ihrer ETHNOTHEK. „Wir lieben es, unsere Kundinnen mit dem perfekten Schmuckstück zusammenzuführen. Und das nicht bloß, um sie zu schmücken, sondern vor allem, um ihre Persönlichkeit in ihrer natürlichen Einzigartigkeit zu unterstreichen.“ (Foto beigestellt)
Barbara Hörmann bei einem Event in ihrer ETHNOTHEK. „Wir lieben es, unsere Kundinnen mit dem perfekten Schmuckstück zusammenzuführen. Und das nicht bloß, um sie zu schmücken, sondern vor allem, um ihre Persönlichkeit in ihrer natürlichen Einzigartigkeit zu unterstreichen.“ (Foto beigestellt)

Gerne unterstützt Barbara Hörmann auch Frauenprojekte. „Ich arbeite z.B. in Indien mit Frauen, die aus alten, nicht mehr gebrauchten Saris, kleine Sackerl machen. Diese verwende ich als Verpackung. Das Geld bekommen zu 100 % diese Frauen.“ Mittlerweile hat ein indischer Schneider sich dieser Arbeit angenommen und beschäftigt 10 dieser Frauen, die zu Hause arbeiten können. Ich kenne diese Frauen und die sind sehr glücklich darüber.“ Sie unterstützt noch einige andere Projekte, wie beispielsweise mit armen, untouchable Frauen und übernimmt Patenschaften in Afrika und Asien.

Nach ihrem eigenen Lieblingsstein gefragt, erfahre ich: „Einer wäre der Turmalin. Er hat viele Farben, daran sieht man, wie schön die Natur ist. Er wächst wie eine Wassermelone, außen schwarz, wird dann grün, blau und gelb, bis er innen rosarot ist. Und dann der blaue Indigolith, er ist wahrlich einer meiner Lieblingssteine.“ Immer wieder spürt man im Gespräch ihre tiefe Liebe für ihre Arbeit und die Menschen dahinter. „Ich liebe mein Leben! Ich hatte es genauso, wie ich es wollte, und denke ich zurück, ich wollte nichts ändern.“

Großes Beitragsfoto: Designerin und Gründerin der ETHNOTHEK Barbara Hörmann: „Guter Schmuck ist nicht nur wertvoller Besitz, sondern interpretiert die Persönlichkeit der Trägerin und drückt ihre Gefühle und Stimmungen aus. Schmuck ist ein Stück Charakter.“ (Foto beigestellt)

www.ethnothek.at   

 

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