Judith Altenberger: „Ich würde alles dafür geben weiter Filme zu drehen“

Judith Altenberger: "Ich würde alles dafür geben weiter Filme zu drehen." (Foto Simsi Reisinger)„Auf dem Land aufgewachsen, war ‚Kunst‘ oder ‚Schauspiel´ in meiner Welt kein eigenständiger Beruf“, erzählt Judith Altenberger in einem Interview mit mir. „Ich hatte einfach Glück, dass meine Schwester als Schauspielerin innerhalb der Familie so große Vorarbeit geleistet hat.“ Nach ihrer ersten Rolle im Kinofilm „Breaking the Ice“ von Clara Stern wusste sie dann genau, dass Schauspiel das Richtige für sie war.

Nach "Breaking the Ice" wusste Judith Altenberger: "Schauspiel ist das Richtige für mich." (Foto Simsi Reisinger)
Nach „Breaking the Ice“ wusste Judith Altenberger: „Schauspiel ist das Richtige für mich.“ (Foto Simsi Reisinger)

Von Berlin nach Graz zur Diagonale war Judith in den letzten Wochen unterwegs. Bei der Berlinale war sie zum ersten Mal – und das gleich mit einem Film im Wettbewerb ‚Mothers Baby‘ von der Regisseurin Johanna Moder. „Das war komplett verrückt“ erzählt sie. „Es ist so viel los und man läuft von einem Termin zum anderen und zwischendurch versucht man noch sich gute Filme anzusehen. Ich hatte eine tolle Zeit, und bei der Premiere unseres Films war dann auch noch gefühlt die halbe österreichische Filmszene da“, ergänzt sie lächelnd. Die Arbeit mit Regisseurin Johanna Moder liebt sie sehr. „Johanna hat in der ersten Staffel ‚School of Champions‘ bereits Regie geführt und wir haben uns von Anfang an sehr gut verstanden. So bin ich dann in ihrem Film gelandet“, schmunzelt Judith. „Sie ist eine großartige Regisseurin, lässt einen sehr frei arbeiten und gibt einem die Möglichkeit, sich auszuprobieren und zu schauen, was sich gerade richtig anfühlt. So etwas ist keine Selbstverständlichkeit und eine große Chance als Schauspielerin.“

Familie mit starken Frauen
Große Vorbilder waren für Judith ihre beiden Omas. „Beide waren sehr starke Frauen, die sich schon früh allein durchschlagen mussten, was in der damaligen Zeit nicht einfach war. Alle Frauen in unserer Familie waren immer Vorbilder für mich, starke Frauen, die für das kämpften, was sie wollten.“

Judith Altenberger machte schon in jungen Jahren Musik, spielte Saxophon in einer Bigband und brachte sich selbst Klavier und Gitarre spielen bei. (Foto Simsi Reisinger)
Judith Altenberger machte schon in jungen Jahren Musik, spielte Saxophon in einer Bigband und brachte sich selbst Klavier und Gitarre spielen bei. (Foto Simsi Reisinger)

Judith machte schon in jungen Jahren Musik, sie spielte Saxophon in einer Bigband, bringt sich selbst Klavier und Gitarre spielen bei und nimmt Gesangsunterricht. „Ich wollte immer Musicaldarstellerin werden, spielte in Kindermusicals und verbrachte meine Zeit zwischen Turnhalle und Musik. Mir wurde dann nach der Schule leider recht schnell klar, dass das nicht das Richtige für mich ist. Also habe ich angefangen, zu offenen Castings zu gehen und bei Schauspielschulen vorzusprechen. Als ich eine Rolle im Kinofilm „Breaking the Ice“ von Clara Stern bekommen habe, war die Richtung klar. Es hat sich einfach richtig angefühlt.“ Ab dann ging es für die junge Schauspielerin immer weiter, wie sie sagt.

Auf meine Frage, ob Film jetzt ihr Leben sei, meint Judith: „Ich habe großen Respekt vor so einer definitiven Antwort. Schließlich habe ich vor fünf Jahren nicht damit gerechnet da zu sein, wo ich jetzt bin. Im Moment auf jeden Fall, aber ich traue mich nicht zu sagen, das ist jetzt mein Leben. Für immer. Es macht mir einfach wahnsinnig viel Spaß vor der Kamera zu stehen und kreativ zu arbeiten. Das ist gerade meine absolute Leidenschaft und ich würde derzeit alles dafür geben, weiter Filme zu drehen.“

Judith Altenberger traf bei ihrem Besuch der Diagonale in Graz u.a. Simon Frühwirth, der im Film "Happyland" spielt, und Journalistin Hedi Grager. (Foto privat)
Judith Altenberger traf bei ihrem Besuch der Diagonale in Graz u.a. Simon Frühwirth, der im Film „Happyland“ spielt, und Journalistin Hedi Grager. (Foto privat)

Erhöht sich nach erfolgreichen Rollen nicht auch der Druck, möchte ich von Judith wissen und erfahre: „Der Druck in der Branche ist generell sehr groß, meist lange Arbeitstage und oft wenig Zeit für Vorbereitungen.“ Inzwischen ist die zweite Staffel von ‚School of Champions‘ abgedreht. Auf die größte Herausforderung dabei angesprochen meint Judith: „Also ganz prinzipiell waren die Drehbedingungen einfach tougher als bei anderen Projekten, da wir über einen sehr langen Zeitraum ohne Unterbrechung drehen und man einen Großteil der Zeit draußen bei bis zu minus 20 Grad am Berg verbringt, egal ob es regnet, schneit oder die Sonne scheint.“ Rollenspezifisch war für sie in der zweiten Staffel u.a. eine Herausforderung, dass Tina, die Figur die sie verkörpert, in eine Rolle gedrängt wird mit der sie zuvor einfach überhaupt keine Berührungspunkte gehabt hat und deshalb auch nicht genau weiß, wie sie damit umgehen soll. Das emotional zu sortieren, war eine Herausforderung für Judith.

#MeToo
Ich spreche Judith auch darauf an, dass MeToo-Debatte leider nach wie vor ein Thema ist, und ob sie eine Besserung merkt. „Ich glaube schon, dass es eine Verbesserung gibt. Ich habe in den letzten Jahren keine intimen Szenen gedreht, wo kein Intimacy Coach dabei war. Auch wenn es ein Low Budget Projekt war, wurde versucht darauf nicht zu verzichte. Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen, aber ich habe das Gefühl, dass mittlerweile ein Bewusstsein dafür da ist, wie wichtig es ist diese Position zu besetzen und wie bereichernd die Arbeit eines Intimacy Coaches für die Arbeit am Set sein kann. So ein Sicherheitsnetz macht für uns alle einen Riesenunterschied.“

Kraft und Energie holt sich Judith Altenberger abseits der Arbeit in der Musik und beim Sport. „Aber auch in der Natur hole ich mir viel Kraft. (Foto Simsi Reisinger)
Kraft und Energie holt sich Judith Altenberger abseits der Arbeit in der Musik und beim Sport. „Aber auch in der Natur hole ich mir viel Kraft. (Foto Simsi Reisinger)

Schwester Verena
Oft wird Judith auf ihre Schwester Verena angesprochen. Zu meiner Frage, worin sie und Verena sich unglaublich ähnlich sind bzw. sehr unterscheiden, meint Judith lachend: „Also wenn wir nebeneinander stehen könnten wir nicht leugnen, dass wir Schwestern sind. Außerdem haben wir denselben Lacher. Worin wir uns unterscheiden – wir sind von Grund auf zwei unterschiedliche Typen und vom Wesen her grundverschieden – wie Feuer und Eis. Gleichzeitig haben wir einfach eine sehr enge Beziehung zueinander und sind gemeinsam in derselben Familie aufgewachsen. Sowas schweißt einen schon zusammen.“

Judiths Schwester Verena ist u.a. bekannt dafür, dass sie sich sehr für Frauenthemen einsetzt, und so frage ich Judith, ob sie auch dabei in die Fußstapfen ihrer Schwester treten möchte. „Ich setze mich in meinem Privatleben sehr für Feminismus und Gleichberechtigung ein, gehe auch regelmäßig auf Demonstrationen und Panels. Für mich finden diese Themen einfach mehr im Off-Site von Social Media statt.“

Auf Krisen und Belastungen dadurch angesprochen, meint Judith: „Natürlich muss man informiert sein, wobei zu viel ist dann auch manchmal einfach zu viel. Ich kenne diesen Weltschmerz definitiv“, erklärt Judith sehr offen. „Es gibt Phasen, wo er mich übermannt. Ich versuche dann schon, mich ein bisschen rauszunehmen und weniger Nachrichten zu konsumieren, höre nicht das Morgenjournal. Um einfach den Fokus wieder ein bisschen mehr auf mich zu legen, um nicht unterzugehen. Aber das ist grundsätzlich ein schwieriges Thema. Und ich weiß natürlich auch nicht, wie man damit umgehen soll. Das muss dann jeder für sich selbst entscheiden.“

Auf meine Frage, wie sie darüber denkt, in diesen Zeiten ein Kind zu bekommen, antwortet Judith: „Ich bin zum Glück noch jung genug, dass dieses Thema noch nicht präsent ist, auch nicht in meinem Freundeskreis. Deshalb mache ich mir diesbezüglich noch keine Gedanken.“

Humorvoll erzählt sie vom Angebot von Regisseur Wolfgang Murnberger zum Film Steirergift. „Ich saß gerade in der Straßenbahn, als er mich anrief und fragte, ob ich mit ihm spielen will. Ich sagte sofort zu, ohne auch nur einen Satz von dem Drehbuch gelesen zu haben.“ Gedreht wurde in der Steiermark, in Leoben und Umgebung.

Kraft und Energie holt sich Judith abseits der Arbeit in der Musik und beim Sport. „Aber auch in der Natur hole ich mir viel Kraft. Das habe ich als Landkind beibehalten“, schmunzelt Judith wieder. Sie arbeitet auch gerne mit Musik, um sich auf eine Rolle vorzubereiten, aber auch, um nach einem langen Drehtag wieder runterzukommen. „Musik ist mein täglicher Begleiter.“ Die Frage welche Musik sie so hört beantwortet sie mit „Ich interessiere mich sehr für Österreichische KünstlerInnen, aber auch das neue Lady Gaga Album geht nicht unbemerkt an mir vorbei.“ Schwieriger zu beantworten für sie ist die Frage Berge oder Meer: „Ich glaube, da ich mit und in den Bergen aufgewachsen bin, finde ich das Meer einfach aufregender.“

Nach ‚Mothers Baby‘ und ‚Die Toten von Salzburg‘ ist Judith heuer noch in ‚Schimmer‘ zu sehen, der erste Langspielfilm von Michael Pötschko, den sie im Sommer gedreht hat. Ein beeindruckendes Future-Disturbance-Drama, in dem sie eine Kriminalpsychologin gespielt hat. „Dafür habe ich auch meine Haare abgeschnitten. Das wollte ich schon länger, war aber aufgrund von anderen Dreharbeiten nicht möglich. Jetzt bin ich unendlich froh, dass es geklappt hat, kurze Haare sind einfach das Beste!“

Großes Beitragsfoto: Judith Altenberger: „Ich würde alles dafür geben weiter Filme zu drehen.“ (Foto Simsi Reisinger)

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