Schauspieler Thomas Prenn: „Was ist normal?“

Thomas Prenn und Verena Altenberger mit dem Team des Landkrimi ACHT bei der Präsentation im Grazer Schubertkino. (Foto Hedi Grager)Der mehrfach ausgezeichnete Schauspieler Thomas Prenn ist bekannt für fragile Männerrollen. Ob als psychisch oder schwer Erkrankter, als Homosexueller in einem Bergdorf, als Islam-Sympathisant in einer ausländerfeindlichen und antimuslimischen Gesellschaft – der vielseitige Schauspieler überzeugt in jeder Rolle.  

Thomas Prenn spielt oft ‚fragile‘ Männerrollen. „Es interessiert mich einfach herauszufinden, warum diese Figuren so fragil sind. In mir fremde Welten einzutauchen, finde ich faszinierend.“ (Foto Pascal Bünning) 
Thomas Prenn spielt oft ‚fragile‘ Männerrollen. „Es interessiert mich einfach herauszufinden, warum diese Figuren so fragil sind. In mir fremde Welten einzutauchen, finde ich faszinierend.“ (Foto Pascal Bünning)

Der 31-Jährige stammt aus einem Dorf in Südtirol und verwirklichte an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ seinen Traum, Schauspieler zu werden. Diesen ‚Berufswunsch‘ hatte er sich schon sehr früh in den Kopf gesetzt, ohne damals genau zu wissen, was das eigentlich bedeutet. Großartig war die Reaktion seiner Eltern, die meinten: Gut, dann probier’s. Schon während seiner Schauspielausbildung in Berlin hatte er Rollen an der Mailänder Scala, am Deutschen Theater Berlin und an der Volksbühne Berlin. Von 2018/19 war er Ensemblemitglied am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Und Oscar-Gewinner Volker Schlöndorff engagierte ihn schon in dieser Zeit für „Der namenlose Tag“.

Der mehrfach ausgezeichnete Schauspieler Thomas Prenn ist bekannt für fragile Männerrollen. Für die Präsentation des Landkrimi ACHT kam er ins Grazer Schubertkino. Im Bild mit Journalistin Hedi Grager. (Foto Hedi Grager)
Der mehrfach ausgezeichnete Schauspieler Thomas Prenn ist bekannt für fragile Männerrollen. Für die Präsentation des Landkrimi ACHT kam er ins Grazer Schubertkino. Im Bild mit Journalistin Hedi Grager. (Foto Hedi Grager)

Mir persönlich fiel Thomas das erste Mal im Filmdrama „Sterne unter der Stadt“ mit Verena Altenberger auf, wo er einen jungen Mann spielte, der sich nie verlieben wollte – was er aber nicht durchhielt, als er Verena kennenlernte. Bei der Wien-Premiere lernte ich ihn dann als sehr sympathischen, höflichen und eher ruhigen jungen Mann kennen, und dieser Eindruck verstärkte sich auch bei der Premiere des Landkrimi ACHT im Rahmen der Diagonale heuer in Graz. In einem Interview antwortete Thomas auf die Frage, was für ihn die wichtigste Qualität im Schauspielberuf sei, „Vielleicht das Wechselspiel von Spannung und Entspannung. Dass man dran und da ist, zugleich aber die Fähigkeit besitzt, Ruhe und Gelassenheit mitzubringen.“ Und genau diese Gelassenheit ist bei ihm immer wieder zu spüren.

Im Landkrimi ACHT spielte Thomas Prenn einen Polizisten, „der aufs Land versetzt wird, der mit sich struggelt und irgendwas verarbeiten muss, aber einen harten Kern und so Armee-Vergangenheit hat.“ (Foto Hedi Grager)
Im Landkrimi ACHT spielte Thomas Prenn einen Polizisten, „der aufs Land versetzt wird, der mit sich struggelt und irgendwas verarbeiten muss, aber einen harten Kern und so Armee-Vergangenheit hat.“ (Foto Hedi Grager)

Im Landkrimi ACHT spielte Thomas einen Polizisten, „der aufs Land versetzt wird, der mit sich struggelt und irgendwas verarbeiten muss, aber einen harten Kern und so Armee-Vergangenheit hat.“ Ich spreche ihn darauf an, dass er herausfordernde Rollen zu lieben scheint und sie auch immer wieder bekommt. „Ja, im Fall von ACHT war es ein großes Glück, dass Marie Kreutzer an mich gedacht hat bei der Rolle, weil es wirklich eine Herausforderung war. Um mich reinzuversetzen, habe ich mit Polizisten gesprochen und auch ein Schießtraining gemacht. Während des Drehs habe ich ja eine Uniform getragen und merkte, wie die Leute auf dem Weg zum Set auf mich reagierten. Das alles habe ich in meine Rolle mit einfließen lassen. Es ist schon eine Freude, so eine Möglichkeit zu kriegen.“

Wie schafft er es, nach einem Drehtag mit anstrengenden und herausfordernden Rollen wieder zu entspannen, möchte ich von Thomas wissen und erfahre: „Ich finde, es ist etwas, was wir nicht so lernen und uns nicht so beigebracht wird. Ich habe das Glück, den Weg in der Natur irgendwie gefunden zu haben, mit der Natur abschalten zu können, die Stille zu genießen und mich darin dann wiederzufinden. Das ist eigentlich das Einzige, was ich so mache und was irgendwie funktioniert“, ergänzt er noch mit einem Schmunzeln. „Aber es stimmt schon, es ist so eine intensive Zeit, man begegnet sich selbst so intensiv und ich merkte es auch, dass beim Ansehen des Films die ganzen Erinnerungen an die Zeit des Drehens hochkommen. Aber anders würde es auch nicht gehen, habe ich das Gefühl.“

Thomas Prenn mit seiner Filmpartnerin Verena Altenberger und dem Produzenten von ACHT Alexander Glehr, (Foto Hedi Grager)
Thomas Prenn mit seiner Filmpartnerin Verena Altenberger und dem Produzenten von ACHT Alexander Glehr, (Foto Hedi Grager)

Auf meine Frage, ob er bei Ansicht eines abgedrehten Films daran denkt, dass er jetzt etwas anders machen würde, meint er: „Ja, und deshalb schaue ich mir den Film auch an, bevor das Publikum ihn sieht. Denn mit dem Publikum kommen noch die Gedanken hinzu, wie der Film ankommt. Aber natürlich schaffe ich es erstmal nicht, mich komplett auf den Film zu konzentrieren, sondern schaue auf mich oder erinnere mich dann an Takes und auch an Drehtage. Oft denke ich mir dann wie was wäre, wenn die Szene vielleicht in der letzten Hälfte gedreht worden wäre, wenn ich die Rolle schon besser im Kontext mit den anderen kennengelernt hätte und so. Aber ich habe mittlerweile auch gelernt, dass ich das Material ja mit Drehschluss aus der Hand gebe – und im Fall von ACHT hat die Editorin einen wirklich guten Job gemacht hat. Es ist selten so, dass man die Impression, die man beim Lesen hat, dann auch tatsächlich nachher sieht, und hier finde ich das sehr gut gelungen.“ Aber es muss irgendwann auch der Punkt der Zufriedenheit kommen und man genießt, meine ich, worauf Thomas lächelt: „Ja, genießen ist vielleicht der letzte Schritt.“

Thomas Prenn bei der Präsentation des Filmes "Sterne unter der Stadt" im Wiener Gartenbaukino. (Foto Hedi Grager)
Thomas Prenn bei der Präsentation des Filmes „Sterne unter der Stadt“ im Wiener Gartenbaukino. (Foto Hedi Grager)

Bei unserem Gespräch sprach Thomas auch davon, wie interessant es für ihn war, zuvor die Rolle eines Mörders zu spielen, also vom Angeklagten zum Polizisten zu wechseln. „In der vierteiligen Serie „Mord auf dem Inka-Pfad“ durfte ich einen abgründigen und verwirrenden Mörder spielen, der seine Frau anscheinend im Wanderurlaub in Peru erschossen hat.“ Es ging also mit herausfordernden Rollen weiter? „Ja, aber der Wechsel war interessant. Zwischen den Drehs vom Angeklagten zum Polizisten lag nicht einmal ein Monat, und das war vielleicht deshalb so gut, weil es für mich dann auch so eine Befreiung von beiden Rollen war.“

Gerne würde er einmal etwas Historisches spielen. „In dem Sinne, wo die Zeit und die Gesellschaft so anders waren und dadurch die Figuren wie z.B. einen Herrschenden beeinflussten. Das würde mich spielerisch sehr interessieren, weil man dabei nicht die Konflikte von heute hat und dieses Konstrukt der Gesellschaft vor 200 Jahren vielleicht ganz anders war. Und weil es da eine andere Normalität gibt. Denn es interessiert mich generell, wie kommt man zu Normalitäten und was empfinden wir als normal – was eigentlich nur ein Zeichen unserer Zeit ist.“

Thomas Prenn an der Seite von Regisseurin Marie Kreutzer, die bei ACHT sowohl Regie führte als auch das Drehbuch geschrieben hat. (Foto Hedi Grager)
Thomas Prenn an der Seite von Regisseurin Marie Kreutzer, die bei ACHT sowohl Regie führte als auch das Drehbuch geschrieben hat. (Foto Hedi Grager)

Ins Kino kommt heuer u.a. auch noch „Zweitland“, in dem Thomas den begnadeten Künstler Paul spielt. Dieser träumt davon, die Enge und Perspektivlosigkeit Südtirols hinter sich zu lassen, um an der Kunstakademie in München Malerei zu studieren, und dessen Pläne durch die Terrorwelle 1961 in seiner Heimat durchkreuzt werden.

Ich bin überzeugt, dass dieser vielseitig talentierte Schauspieler noch in vielen Rollen zu sehen sein wird.

Großes Beitragsfoto:  Der Schauspieler Thomas Prenn überzeugt in jeder Rolle. (Foto Pascal Bünning) 

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