Noch knapp vier Wochen, dann eröffnet am 18. März die 29. Ausgabe der Diagonale in Graz mit der Österreichpremiere von Markus Schleinzers Rose, der gerade auf der Berlinale für Begeisterung sorgt. Für diesen besonderen Abend verwandelt sich die Helmut List Halle einmal mehr mit über 1.100 Plätzen in den größten Kinosaal des Landes!

Sehr passend dazu beschäftigt sich auch das zweite filmhistorische Special des Festivals, kuratiert von SYNEMA, mit Frauen in Hosenrollen: „Girls Will Be Boys“ greift die Genderfluidität und Travestie im deutschsprachigen Kino der Zwischenkriegszeit auf, wo tradierte Rollenbilder auf vielfältige Weise infrage gestellt wurden. So verwandelt sich Dolly Haas in Der Page vom Dalmasse-Hotel in einen feinen Burschen, Franziska Gaál wird zu Peter, das Mädchen von der Tankstelle, und Renate Müller gibt in Viktor und Viktoria den falschen Damenimitator. Drei absolut hinreißende Performances der damaligen Schauspielstars, deren Karrieren durch den Nationalsozialismus bald darauf ein Ende fanden.

| Werkschau Hlynur Pálmason | Zu Gast mit Masterclass |
Neben der Wiener Filmemacherin, Musikerin und Performerin Billy Roisz ist die zweite diesjährige umfassende Werkschau des Festivals, genannt Position, auf internationaler Ebene dem isländischen Regisseur und bildenden Künstler Hlynur Pálmason gewidmet: Zuletzt mit der Tragikomödie „The Love That Remains“ 2025 in Cannes zu Gast, unterhält Pálmason eine fast symbiotische Beziehung zu seinem Heimatland. Mit großer Sensibilität verortet er seine Figuren in der beeindruckenden Landschaft von Island, von Film zu Film kehren Motive, Tiere und Schauspieler:innen wieder – darunter auch die aufgeweckten Kinder des Filmemachers. Pálmason nähert sich auch gewichtigeren Fragen des Daseins mit surrealem Humor und überraschender Leichtigkeit.

Die Werkschau der DIAGONALE, genannt Position, ist auf internationaler Ebene dem isländischen Regisseur und bildenden Künstler Hlynur Pálmason gewidmet. (Foto Hildur Ýr Ómarsdóttir)„Mit spielerischer Geste tastet sich Hlynur Pálmason an Existenzielles heran, lässt seine Figuren in all ihren Widersprüchen atmen und verwandelt Island in eine vibrierende Weltlandschaft. Sein Kino ist ein Kino des Staunens, das beharrlich in der Schwebe bleibt. Wir freuen uns sehr darauf, Pálmasons Werk erstmals in Österreich präsentieren und ihn in Graz begrüßen zu dürfen!“ — Dominik Kamalzadeh & Claudia Slanar | Festivalleitung
Hlynur Pálmason erhält weiters eine Carte Blanche im Festivalprogramm und hat dafür Carlos Sauras Cría cuervos / Züchte Raben … gewählt, ein Schlüsselwerk des spanischen Autor:innenkinos. In Graz wird er zudem eine Masterclass halten und Einblick in Entwicklungs- und Drehprozesse sowie die Überschneidungen von bildender Kunst und Film geben.

Die Diagonale freut sich, mit folgenden fünf Filmen einen kleinen Ausblick auf das umfangreiche Wettbewerbsprogramm zu geben, das in diesem Jahr mit besonders vielen Welt- und Österreichpremieren von Dokumentarfilmen aufwartet. So ist auch zwei Generationen von weiblichen Dokumentaristinnen jeweils eine Special Presentation des Festivals gewidmet: Ruth Beckermann bringt mit der Österreichpremiere von „WAX & GOLD“ einen klugen und wendigen Essayfilm über das Erbe des Kolonialismus und persönliche Reflexionen über Äthiopien, angesiedelt im Hilton in Addis Abeba, direkt von der Berlinale nach Graz. In Die noch unbekannten Tage beschäftigt sich Jola Wieczorek mit der Flucht ihrer Eltern aus Polen und deren steinigem Neuanfang in Österreich – mittels Archivmaterial und intimer Gespräche mit ihnen verwebt sie die vielseitigen Auswirkungen von Migration zu einer poetischen Erzählung, die als Österreichpremiere zu sehen sein wird.

„Baba, What’s Your Plan?“ fragt Tolga Karaaslan seinen Vater Celal, der nach Jahrzehnten schwerer körperlicher Arbeit in Österreich auf die Invaliditätspension wartet. Diese Wartezeit, die gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit Bürokratie und politischen Hürden ist, entwickelt sich für Vater und Sohn zu einer Spurensuche nach Zugehörigkeit und der Verschiebung männlicher Rollenbilder. Ein ruhiger und zärtlicher Debütfilm, der gleichzeitig auch die soziale Verantwortung eines Landes aufzeigt und seine Weltpremiere auf der Diagonale feiern wird.

Der Spielfilm „The Stories“ von Abu Bakr Shawky verbindet gekonnt Culture Clash, Zeitgeschichte, Komödie und Liebesdrama: Im Mittelpunkt steht der junge ägyptische Pianist Ahmed, der von Liz, seiner neuen Brieffreundin aus Österreich, zu einem öffentlichen Konzert gedrängt wird. Und während die beiden und ihre Familien inmitten von politischen Umbrüchen über sich hinauswachsen, werden ganz nebenbei Stereotypen lustvoll auf die Schippe genommen – als Österreichpremiere auf der Diagonale!

Maria Petschnig zeigt mit der Österreichpremiere ihres Langspielfilmdebüts „Beautiful and Neat Room“, dass es immer noch schlimmer geht, zumindest was die temporären Mitbewohner:innen von Marie für deren Wohnung in Brooklyn betrifft. Die einen räumen nie auf, die andern wiederum andauernd, Absprachen werden grundsätzlich ignoriert und rote Linien permanent überschritten. Eine feinnervige Komödie mit Tendenzen zum klaustrophobischen Horrorfilm, noch dazu basierend auf Selbsterlebtem der Filmemacherin! In Kooperation mit dem Drehbuchforum Wien findet während des Festivals ein Let’s talk about scripts! mit Maria Petschnig und Co-Autor Thomas Brooks zu Beautiful and Neat Room statt, moderiert von Nina Kusturica.
Petschnig ist neben Elfi Mikesch, Birgit Hein sowie Stefan Kolbe und Chris Wright außerdem Teil des Specials zur Duisburger Filmwoche: Zum 50-jährigen Jubiläum zeigt die Diagonale vier Filme aus der Festivalgeschichte des renommierten Dokumentarfilmfestivals. Filme, die irritieren, provozieren, herausfordern und gleichzeitig faszinieren. Kuratiert von Patrick Holzapfel und Friederike Horstmann.
| Preismarathon | Neu mit dem Mabacher Award |
| Erste Highlights aus dem Wettbewerb |
Neben den historischen Specials und Werkschauen zu Filmemacher:innen bildet der Filmwettbewerb traditionsgemäß das Herzstück des Festivals des österreichischen Films: Mit einer Gesamtdotierung von € 131.500 werden Österreichs höchstdotierte Filmpreise vergeben. Eine Vielzahl der Filme im Wettbewerb feiert im Rahmen des Festivals in Anwesenheit der Filmemacher:innen auf den Grazer Kinoleinwänden die Österreich- oder Weltpremiere — Graz wird einmal mehr zur Filmhauptstadt des Landes!
Die Verleihung des Diagonale-Publikumspreises der Kleinen Zeitung findet am 23. März um 16.30 Uhr im Schubertkino statt, gefolgt von den Diagonale Awards, die ebenfalls am letzten Festivaltag um 18 Uhr im Annenhof Kino (Saal 2) verliehen werden.

Weiters im Rahmen der Diagonale vergeben werden am 20. März um 11 Uhr der Franz-Grabner-Preis sowie am 23. März um 11 Uhr die Carl-Mayer-Drehbuchpreise und die Thomas Pluch Drehbuchpreise. Dieses Jahr wird erstmals im Rahmen des Festivals auch der Mabacher Award für den Besten inklusiven Film des Festivals vergeben, samt Screening des prämierten Films: „Wir freuen uns sehr, dass der Mabacher Award Teil der Diagonale ist. Damit setzt die Filmbranche ein wichtiges Zeichen für Inklusion und die gleichberechtigte Repräsentation von Menschen mit Behinderungen“, so Stefan Wolner, Hannah Wahl und Cornelia Ohnmacht vom Organisationsteam. Alle vier Preisverleihungen finden im Diagonale Forum im Heimatsaal des Volkskundemuseums am Paulustor statt. Komplettiert wird der Preismarathon durch den Kodak Analog-Filmpreis, der direkt bei der Vorstellung des Gewinner:innenfilmes vergeben wird.
Großes Beitragsfoto: Maria Petschnig zeigt als Österreichpremiere ihr Langspielfilmdebüt „Beautiful and Neat Room“. (Foto Maria Petschnig)
