Georg Leyrer: „Das Interessanteste an Kultur ist, wie sie sich verändert“ 

Georg Leyrer ist u.a. Jury-Vorsitzender der KURIER ROMY. Bei der Branchen-Romy 2025 wurde die Autorin Renate Welsh mit der Platin-ROMY für ihr Lebenswerk geehrt. (Foto KURIER / Philipp Hutter)Der Ressortleiter für Kultur, Medien, Menschen beim Kurier Medienhaus Georg Leyrer ist auch Jury-Vorsitzender der KURIER ROMY. Sein Motto: „Das Interessanteste an Kultur ist, wie sie sich verändert.“

Der Wiener Georg Leyrer studierte Philosophie, zum Journalismus kam er lustigerweise über einen Umweg, wie er mir erzählt: „Ich habe zwar Philosophie studiert, war aber in den 90er Jahren auch technisch sehr interessiert und habe mit Informatik angefangen. Ende der 1990er bekam ich einen Job beim ORF als Internet-Programmierer, gestaltete u.a. die Webseiten für Radio Österreich International, den Kurzwellensender des ORF, den es leider nicht mehr gibt. Als Mitarbeiter des ORF hatte ich die Gelegenheit, wenige einzelne Radiosendungen zu verschiedenen Themen zu machen und so ein bisschen in der Medienbranche Fuß zu fassen. Und als ich von einer freien Stelle bei der APA, der Austria Presse Agentur, hörte, habe ich mich beworben. Glücklicherweise wurde ich genommen und ab dann war ich Vollzeitjournalist.“

„Zuständig für alles und nichts – und die Themen dazwischen: von Kunst über Musik bis zur Kulturpolitik“
Georg Leyrer

Mittlerweile ist Georg 15 Jahre beim Kurier, wo er für Kunst, Kultur, Medien zuständig ist und auch seinem technischen Interesse frönen kann. „Ich finde ja, dass es eine klare Verbindung ist. Als ich beim ORF Webseiten programmiert habe, war schon ein wenig spürbar, was dann über uns alle hereingebrochen ist, nämlich die große Revolution Internet, der sich auch die Medien stellen mussten. Beispielsweise habe wir Audionachrichten aufs Handy ausgespielt, damals noch rudimentär, da man ja für jedes Kilobyte extra zahlen musste. Das haben die Menschen zwar ganz wenig genutzt, aber es war uns klar, dass das kommen wird. Die Jahre um die Jahrtausendwende waren dann der große Push der Medien ins World Wide Web. Und wir waren eine Zeit lang wirklich sehr vorne dabei, da der ORF sehr früh sehr viel in diesem Bereich gemacht hat. Infos am Handy waren quälend langsam und sehr langweilig. Aber eine Audiodatei den Leuten anzubieten, die sie mobil hören können, war damals mehr oder weniger ein Weltwunder und eine spannende Zeit.“

Georg Leyrer, KURIER, im Gespräch mit Journalistin Hedi Grager. (Foto Reinhard A. Sudy)
Georg Leyrer, KURIER, im Gespräch mit Journalistin Hedi Grager. (Foto Reinhard A. Sudy)

Wechsel zum KURIER
„Da mir das alles mit der Zeit aber zu technisch war, war ich sehr froh, in den Journalismus zu wechseln.“ Spannend war es für ihn aber immer, „wenn auch nicht unbedingt leichter, denn ich war der erste Jahrgang, der von diesen großen Veränderungen voll getroffen wurde. Ich wechselte immer in dem Augenblick zu einem neuen Medium, als es da rund gegangen ist und viele technische Innovationen stattfinden mussten. Es war eine Zeit, in der neue Geschäftsmodelle auf einmal infrage gestellt wurden und man sich fragte, wie man Inhalte besser verkauft und an die neuen Zeiten anpasst“, lächelt Georg.“

Medien und KI
Und wie schaut es jetzt mit KI aus, frage ich den erfolgreichen Medienmann, denn sie liefert uns ja sehr rasch und augenscheinlich gute Texte. „KI schauen wir uns mit genauso großem Interesse an wie jede der letzten Entwicklungen. Für Konsumenten wird es aber schwieriger, sich selbst zurecht zu finden. Und KI-generierte Texte konkurrenzieren natürlich mit der Lesezeit, die man sonst in den Journalismus investiert hätte. Suchmaschinen spucken jetzt KI-Zusammenfassungen aus, was weniger als früher motiviert, einen weiteren Klick zu setzen, der Menschen zu den Webseiten der Medien führt.“  Bei all dem geht es ja vor allem auch um die Glaubwürdigkeit der ganzen Branche. Medienarbeit ist immer ein Prozess, wo es sehr viel darum geht, die Wahrheit herauszufinden – und das dauert seine Zeit. „Das schmälert ja nicht unsere Leistung, im Gegenteil, das ist ja eigentlich ein Asset, das der Journalismus hat, und er sich immer wieder damit beschäftigt, was jetzt richtig ist und was nicht. Nur wenn sich dann Geschichten entwickeln, die am Ende anders sind als zu Beginn, schreien viele gleich ‚Fake News‘, was die natürlich sehr dämpft und den Druck vergrößert.“

Für Georg war Journalismus immer so ein rundum Büroberuf, den die Mitarbeiter mit existenziellem Einsatz gemacht und oft auch die Druckerpressen um Mitternacht für eine Korrektur nochmal angehalten haben. „Es war aber auch ein Beruf, wo die Work-Life-Balance schon historisch nicht die beste war. Diese Arbeit muss man mögen, der Reiz dabei ist, dass man Spannung und Stress konstruktiv ausleben kann. Aber es ist einfach wunderbar, so etwas Schönes und Beglückendes machen zu können und dass man dabei mit so vielen inspirierenden, klugen und originellen Menschen zu tun hat.“

Georg Leyrer ist u.a. Jury-Vorsitzender der KURIER ROMY. Bei der Branchen-Romy 2025 wurde die Autorin Renate Welsh mit der Platin-ROMY für ihr Lebenswerk geehrt. (Foto KURIER / Philipp Hutter)
Georg Leyrer ist u.a. Jury-Vorsitzender der KURIER ROMY. Bei der Branchen-Romy 2025 wurde die Autorin Renate Welsh mit der Platin-ROMY für ihr Lebenswerk geehrt. (Foto KURIER / Philipp Hutter)

KURIER ROMY
Womit wir auch bei der KURIER ROMY angekommen sind, die diesmal erstmalig im Rahmen des Filmfestivals Kitzbühel stattfand. „Es ist ein toller Ort und ein interessantes Festival, das schon viel bewegt hat. Es muss nicht alles in Wien stattfinden und ich freue mich immer, wenn auch andere Orte in Österreich vor den Vorhang kommen. Kitzbühel ist zwar bekannt genug, aber wie mein Geschäftsführer sagt, macht Kitzbühel die Nähe zu München auch für die Branche extrem interessant. Die ROMY war immer schon internationaler, als man vielleicht gedacht hätte und seit ich involviert bin, versuche ich Stimmung für diesen Blickwinkel zu machen. Denn die Filmbranchen sind ja dermaßen ineinander verflochten, dass Grenzziehungen immer willkürlicher werden.“

Für den Medienmann wäre es daher unsinnig, so viele talentierte und tolle Leute auszuschließen, weil sie nicht in Österreich geboren sind. Georg ist auch davon begeistert, welche großartigen internationalen Schauspieler in den letzten Jahren in Wien bzw. Österreich arbeiteten. „Zweifellos haben Produktionen, die nach Österreich gekommen sind, Topbesetzungen mitgebracht, aber es bekamen dadurch auch viele Heimische einen Job.“ Sehr wichtig findet er, dass all das bei der ROMY abgebildet werden kann, und auch Menschen ausgezeichnet werden, die nicht vor der Kamera stehen, aber ohne die keine Produktion, kein Film möglich wäre.  

Georg Leyrer ist seit 2010 beim KURIER und seit 2015 Ressortleiter Kultur und Medien. Davor war er beim ORF und in der Kulturredaktion der APA – Austria Presse Agentur tätig. (Foto Hedi Grager)
Georg Leyrer ist seit 2010 beim KURIER und seit 2015 Ressortleiter Kultur und Medien. Davor war er beim ORF und in der Kulturredaktion der APA – Austria Presse Agentur tätig. (Foto Hedi Grager)

Menschen brauchen Geschichten
Auf die Stimmung durch die wegfallende Film- und Medienförderung angesprochen, meint Georg: „Die Stimmung ist wohl so wie überall sonst. Viele sind in Sorge, was die riesigen Budgetlücken für jede Branche bedeuten. Österreich ist aber in der ganzen Welt bekannt für Kunst und Kultur. Das klingt vielleicht klischeehaft, ist aber einfach so. Und umso sorgfältiger müssen die Verantwortlichen für diese Branchen damit umgehen und darauf achten, das gute Renommee Österreichs nicht zu beschädigen. Und ich glaube, dieses Bewusstsein gibt es auch.“ Georg meint weiter: „Diese Menschen, die in der Staatsoper singen, die einen Film drehen, die für Amazon Prime in eine Serie verpflichtet werden, kommen nicht aus dem Nichts. Sie mussten einmal singen lernen, in eine Schauspielschule gehen und sich oft an kleineren Bühnen ausprobieren. Aber gerade auf diesen Klein- und Mittelbühnen wurden schon viele große Stars erst zu dem, was sie heute sind. Diesen Weg dorthin darf man auf keinen Fall wegsparen.“

Österreich ist zum Glück noch immer ein Printland, meint Georg. „Viele junge Menschen in meinem Wahrnehmungskreis spüren schon eine Überforderung, beispielsweise mit dem großen Online- Angebot. Eine der großen Stärken der Printzeitung ist es ja, dass man nach dem Druck und nach dem Lesen das schöne Gefühl hat, etwas fertig gestellt zu haben. Dieser ewige Strom im Internet vermittelt dieses Gefühl natürlich nicht.“

Beruf und Erholung
Erholung findet Georg vor allem darin, mit seinem Hund spazieren zu gehen. „Auch mag banal klingen, aber es gibt für mich nichts Besseres, um runterzukommen. Diese Aufmerksamkeit, die man vom Tier bekommt, das Glücksgefühl, wenn es dich ansieht und ein gemeinsamer Waldspaziergang sind für mich die perfekte Entspannung. Das ist Erholung in kurzer Zeit, ich bin auf einmal in einer ganz anderen Welt – und das ist ein wichtiger Aspekt.“ Georg verrät mir, dass er auch sehr gerne kocht. „Eventuell mit einem Podcast doch ein bisschen in der Nachrichtenwelt zu bleiben, zugleich manuelle Tätigkeiten beim Kochen zu verrichten und dann am Ende etwas der Familie servieren zu können, das ist ebenfalls ein großer Erholungsfaktor in meinem Leben. Ich bin einfach glücklich, dass sich bei mir Erholung und Beruf überlappen.“

Georg ist eine wirkliche ‚Leseratte‘. „Lesen ist ein ganz großes Vergnügen für mich und natürlich ein Geschenk, dass es Teil meines Berufes ist.“

Großes Beitragsfoto: Georg Leyrer ist Ressortleiter für Kultur, Medien, Menschen beim KURIER Medienhaus und auch Jury-Vorsitzender der KURIER ROMY. (Foto KURIER / Philipp Hutter)

 

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