Marjan Firouz: Wir alle können alles erreichen

Seit der Gründung ihrer Agentur Glam Communications im Jahr 2015 verlieh Marjan Firouz im Vorjahr bereits zum 15. Mal die Vienna Awards an Frauen vor und hinter der Kamera. (Foto Glam Communications)Marjan Firouz ist Gründerin und Geschäftsführerin der PR-Agentur Glam Communications, die auf Fashion-, Lifestyle- und Eventkommunikation spezialisiert ist. Mit den Vienna Awards holt sie die großen Stars zu ihrem international bekannten Event in die Wiener Hofburg.

Marjan Firouz ist Gründerin und Geschäftsführerin der PR-Agentur Glam Communications, die auf Fashion-, Lifestyle- und Eventkommunikation spezialisiert ist. (Foto Diana Catch)
Marjan Firouz ist Gründerin und Geschäftsführerin der PR-Agentur Glam Communications, die auf Fashion-, Lifestyle- und Eventkommunikation spezialisiert ist. (Foto Diana Catch)

Marjan ist im nördlichen Iran aufgewachsen und ich bat sie, mir davon zu erzählen. „Ich bin bis zu meinem 13. Lebensjahr in einer kleinen Stadt in einer sehr liebevollen, sehr modernen, frei denkenden und gebildeten Familie aufgewachsen und dort in die Schule gegangen. „Nach dem Regime-Wechsel mussten wir wie viele andere auch aus politischen und religiösen Gründen das Land verlassen, mussten einfach alles liegen und stehen lassen. Wir leben nach wie vor mit der alten Religion Zarathustrismus, die viele gar nicht kennen.“ So kam Marjan im Alter von dreizehn Jahren mit ihren Eltern und drei Geschwistern nach Österreich. „Nach Österreich deshalb, weil mein Vater von der guten Bildung hier überzeugt war, und ich bin sehr froh darüber. Sehr wichtig war ihm auch, sofort Deutsch zu lernen. Dazu muss ich sagen, dass wir Iraner überhaupt sehr ehrgeizig und sehr familienbezogen sind.“

In Österreich wurde sofort begonnen, mit Privatlehrern die Sprache zu lernen und in die Schule zu gehen. „Eigentlich habe ich hier von Null an mein Leben begonnen“, schildert Marjan nachdenklich, was nicht immer einfach war. „Aber ich muss dir ehrlich sagen, wir hatten wirklich Glück, Perser zu sein, denn wir sind sehr anpassungsfähig, was sicher mit unserer alten Kultur zu tun hat. Ich habe glücklicherweise niemals Ausländerfeindlichkeit erfahren,“ erklärt die attraktive Unternehmerin offen. „Wären wir aber geblieben, wären wir umgebracht worden.“ Erträglicher wurde alles nur dadurch, dass ihre ganze Familie hier war und dass sie finanziell unabhängig waren. Natürlich bedrückt es auch sie und ihre Familie sehr, nicht zu wissen, wie es ihren verbliebenen Verwandten geht. „Wir wissen nicht, ob sie jetzt verhaftet sind oder überhaupt noch leben, denn sie waren alle aktiv.“

Marjan Firouz ist im nördlichen Iran aufgewachsen, bis sie im Alter von 13 Jahren nach dem Regime-Wechsel mit ihrer Familie nach nach Österreich flüchten musste. (Foto Glam Communications)
Marjan Firouz ist im nördlichen Iran aufgewachsen, bis sie im Alter von 13 Jahren nach dem Regime-Wechsel mit ihrer Familie nach nach Österreich flüchten musste. (Foto Glam Communications)

In Österreich begann Marjan mit einem Modestudium in Linz. „Meine Mutter war modisch schon immer sehr interessiert und das hat sich irgendwie bei mir festgesetzt. Aber auch Beauty hat mich interessiert.“ Als eine Freundin sie damals einmal zu ihrer Modelagentur mitgenommen hat, wurde sie von Andrea Weidler, Chefin der Wiener Models, gleich in ihre Kartei aufgenommen. „Plötzlich war ich in einer Modelagentur – und hatte mit Mode und Beauty zu tun.“ Diese Freundin begleitete Marjan dann auch zu einem Job nach Südostasien. „Ich war damals 19 Jahre alt und habe dann insgesamt drei Jahre in Kuala Lumpur, Hongkong und Bangkok gelebt und gearbeitet.“ Dass sie in jungen Jahren schon sehr viel erlebte, hat sie zu dem gemacht, was sie heute ist, meint Marjan. „Damals war ich anscheinend zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und mit meinen früher noch dunklen Haaren genau der Typ für den asiatischen Bereich.“ Sie schaffte es als erste Nicht-Asiatin aufs Cover der damals größten Frauenzeitschrift, was ihr einen großen Bekanntheitsgrad brachte. „Und meine Gagen stiegen auch“, erzählt das ehemalige Model schmunzelnd, „aber es war wirklich ein knochenharter Job. Aber ich habe durchgehalten und ich bin mir auch heute noch für keine Arbeit zu schade.“

Marjan Firouz: „Ich habe das Glück, ein riesiges internationales Netzwerk zu haben, und so hole ich mir auch bei meinen Reisen neue Kraft und Energie“, erzählt Marjan Firouz. (Foto Diana Catch)
Marjan Firouz: „Ich habe das Glück, ein riesiges internationales Netzwerk zu haben, und so hole ich mir auch bei meinen Reisen neue Kraft und Energie“, erzählt Marjan Firouz. (Foto Diana Catch)

Zurück nach Österreich
Trotz ihrer großen Erfolge vermisste Marjan nach drei Jahren ihre Familie so sehr, dass sie zurück nach Österreich kam. „Ich wusste erst nicht, was ich tun soll, war wieder in einer völlig anderen Welt. In Singapur habe ich bei einer der großen Frauenzeitschriften zusätzlich ein PR-Praktikum gemacht, habe als Chefredakteurin und dann als Trainerin gearbeitet. Somit hatte ich auch eine gute Ausbildung und habe dann in Österreich bei zwei PR-Agenturen als Praktikantin gearbeitet.“ Dann hörte Marjan, dass ZARA nach Österreich kommen sollte, schrieb die Modekette an und bewarb sich gleich als Geschäftsführerin. Lachend meint Marjan: „Sie haben mir tatsächlich geantwortet und für ein Interview eingeladen. Dieses fand in der Zentrale von ZARA in A Coruña in Nordspanien statt. Ich erzählte ihnen von meinen beruflichen Erfahrungen und sie wollten mich wirklich als Geschäftsführerin – aber erst musste ich eine dreijährige Management-Ausbildung machen.“ Sie erinnert sich an ihren ersten Arbeitstag in einem Keller, den sie mit Auspacken, Aufhängen und Sichern von Kleidern begann. „Der Besitzer hat selbst als Schneider ganz unten begonnen. Nach sechs Monaten ‚Kellerarbeit‘ musste ich das Merchandising, den Umgang mit Kunden, die Bedienung der Kassa usw. erlernen und wurde auch in andere Filialen u.a. in Deutschland geschickt. Nach dieser Ausbildung braucht man sich als Führungskraft wirklich von niemandem mehr etwas erklären lassen“, spricht Marjan auch heute noch begeistert darüber. „Und als ich mit meiner Ausbildung fertig war, meinten sie, jetzt kannst du die Filialen in Österreich eröffnen. Was ich auch tat. Die erste Eröffnung war in der Wiener Kärntnerstraße“, erinnert sie sich gerne zurück. „Ich weiß natürlich nicht, wie es heute bei ZARA ist, aber damals war es eine unglaublich lehrreiche Zeit, aber auch eine wirklich harte mit kaum Freizeit.“ Deshalb verließ Marjan nach sechs Jahren ZARA. „Ich spürte, dass ich erschöpft war, und außerdem hatte ich dort schon alles erreicht.“

Sie ging dann für einen Monat nach Mexiko, um einer Freundin bei einem Kinderhilfsprojekt zu helfen. „Als ich zurückkam, hatte ich doch eine leichte Panik, was ich mit meiner Kündigung getan hatte“, schmunzelt Marjan.

Sechs Monate später bekam sie einen Anruf der österreichischen Textilfamilie Graf. Diese war Besitzerin von Hämmerle, hatte gerade die Modekette Kleider Bauer übernommen, stand vor der Modernisierung mehrerer Filialen – und waren auf der Suche nach einer Führungskraft dafür. „Nach einem wirklich tollen Gespräch mit Herrn Graf übernahm ich die interne und externe Kommunikation für diese Firma mit über 1.000 Mitarbeitern. Hier konnte ich weitere Erfahrungen sammeln und mich weiterbilden. Nach fünf Jahren dachte ich mir aber, dass es doch Zeit für die Selbständigkeit wäre.“ Sie überlegte sich, dass sie in all den Jahren ihrer internationalen Tätigkeiten zwar die Auszeichnungen für österreichische Designer erlebte, aber niemand über die Menschen im Hintergrund sprach, ohne die der Erfolg gar nicht möglich wäre. Sie wusste auch, dass viele Top-Leute aus Österreich im Ausland sehr erfolgreich sind, aber auch, dass große heimische Firmen mit Kreativen aus dem Ausland arbeiten. All diesen Kreativen wollte sie endlich eine Bühne bieten. „Diese Erkenntnisse waren der Anstoß für mich, die ersten Schritte für die Vienna Awards zu gehen.“ Lachend meint Marjan: „Ich habe damals einfach begonnen, meine Idee Schritt für Schritt umzusetzen und Partner dafür zu gewinnen. Ich kann mich erinnern, der erste Sponsor war Goldwell. Ich präsentierte meine Idee und sie fanden sie gut, anscheinend war ich mit meiner Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ Mit Swarovski und Palmers hatte sie dann ihre ersten drei Sponsoren. „Das alles begann ich 2008 in der schlimmsten Finanzkrise. Aber es gibt für mich keine Ausreden, denn wenn man etwas wirklich machen will, funktioniert es auch, und 2009 veranstaltete ich die ersten Vienna Awards.“

Im Vorjahr feierten die von Marjan Firouz gegründeten Vienna Awards 15-jähriges Jubiläum. (Foto Diana Catch)
Im Vorjahr feierten die von Marjan Firouz gegründeten Vienna Awards 15-jähriges Jubiläum. (Foto Diana Catch)

Die fleißige Netzwerkerin musste erfahren, dass es anfangs nicht jedem gefiel, was sie hier auf die Beine stellen wollte. Öfters passierte es ihr bei Terminen auch, dass man mit dem ‚Chef‘ sprechen wolle. Heute kann Marjan darüber lachen. „Die ersten 10 Jahre waren wirklich hart, aber ich habe halt nie aufgegeben und bin drangeblieben.“ Wichtig war es dem attraktiven Ex-Model, ihr Projekt von Beginn an international aufzuziehen, was sich auch als richtige Entscheidung herausstellte. Für mich überraschend erklärt mir Marjan, dass sie selbst gar nicht gerne auf der Bühne steht. „Das bin ich nicht, ich bin lieber im Hintergrund und schaue, dass alles funktioniert.“

Im Vorjahr feierten die Vienna Awards 15-jähriges Jubiläum und die Einladungen zu diesem Event sind sehr begehrt. „Es ist einfach mein Baby und ich versuche, das Event immer weiter zu verbessern, und diese Plattform auch zur Förderung von Frauen zu nutzen. Das ist für mich eine absolute Herzensangelegenheit, da ich selber weiß, dass man es als Frau meist schwerer hat.“ Etwas nachdenklich meint Marjan: „Es tut so gut zu arbeiten, für sich selbst zu sorgen und selbst alles zu schaffen. Dafür mache ich weiter.“

Stillstand gibt es bei Marjan Firouz nicht. „Wir expandieren gerade. Im Juni gibt ein Pre-Event in München und wir gehen mit den Vienna Awards auch nach Cannes," verrät die attraktive Unternehmerin. (Foto Diana Catch)
Stillstand gibt es bei Marjan Firouz nicht. „Wir expandieren gerade. Im Juni gibt ein Pre-Event in München und wir gehen mit den Vienna Awards auch nach Cannes,“ verrät die attraktive Unternehmerin. (Foto Diana Catch)

Vorschläge für Awards kommen z.B. von verschiedensten Institutionen und den Gewinnern des letzten Jahres. Gemeinsam werden dann Nominierungen für die fixen und für neue Kategorien abgestimmt. ‚Freunderlwirtschaft‘ gibt es dabei sicher nicht. „Ich glaube, aus diesem Grund sind die Awards so respektiert und kommen die vielen Prominenten so gerne, obwohl sie dafür nicht bezahlt werden.“

Die Netzwerkerin hat eines gelernt: „Ich arbeite nur mit Menschen mit positiven Vibes und positiver Energie. Und seit ich das mache, bin ich viel glücklicher und zufriedener – das überträgt sich ja auch wieder auf andere.“ Sehr offen erzählt sie, dass sie das erst lernen musste, dass sie jahrelang versuchte, jedem zu gefallen. Und bei ihrem kleinen Team hält sie sich an das Motto ‚never change a winning team‘.

Projekte und Ziele
Stillstand gibt es bei Marjan nicht. „Wir expandieren gerade. Im Juni gibt ein Pre-Event in München und wir gehen auch nach Cannes. Der Haupt-Event in Wien bleibt natürlich. Zum ersten Mal werden wir im Rahmen einer Kooperation mit dem ‚Dubai Institute of Design and Innovation (DIDI)‘ drei junge Modedesignerinnen aus Dubai in Wien dabei haben. Es sind dies die drei Finalisten, die sich mit dem Entwurf eines Kleides dafür durchgesetzt haben.“ Diese Art von Kooperationen möchte Marjan noch weiter vertiefen, vor allem für Frauen aus Middle-East aber auch anderen Ländern, die im Bereich Mode arbeiten. „Das heißt, die Wiener Wurzeln haben sich insofern vergrößert, dass wir jetzt mehr Side-Events in verschiedenen Ländern haben und noch internationaler werden.“

Marjan bezeichnet sich selbst als Arbeitstier und kann ohne Arbeit einfach nicht sein. „Das kann ich wirklich nicht, denn meine Arbeit erfüllt mich auch. Zwischendurch nehme ich mir schon Auszeiten, nutze diese um zu entspannen, neue Kraft zu tanken und um meine Kreativität aufzuladen. Und das mache ich am liebsten am Meer. Ich brauche und liebe das Meer. Aber für mich ist alles, was ich mache, keine Arbeit, für mich ist es mein Leben.“

Großes Beitragsfoto: Seit der Gründung ihrer Agentur Glam Communications im Jahr 2015 verlieh Marjan Firouz im Vorjahr bereits zum 15. Mal die Vienna Awards an Frauen vor und hinter der Kamera. (Foto Glam Communications)

www.glam-communications.eu   

 

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