Fanni Schneider hat zwei Leidenschaften: Schauspiel und Fotografie

Fanni Schneider sammelte ihre ersten schauspielerischen Erfahrungen am Theater, u.a. als Mitglied der „Jungen Burg“ des Wiener Burgtheaters. (Foto Rafaela_Pröll)Nach ersten Erfahrungen am Theater absolvierte Fanni Schneider ein Bachelorstudium in Medien- und Kommunikationsmanagement. Als sie 2020 ein Schauspielstudium begann und 2022 eine der vier Hauptrollen in der ORF Serie „BIESTER“ bekam, wurde die Schauspielerei – neben Fotografie – zu ihrer Leidenschaft.

Die erfolgreiche Serie "Die Biester": Mara Romei (Vero Amos), Theresa Riess (Tiziana Sund), Fanni Schneider (Penelope Sund), Anja Pichler (Jennifer Tichy). (Foto ORF/MR Film/Anjeza Cikopano)
Die erfolgreiche Serie „Die Biester“: Mara Romei (Vero Amos), Theresa Riess (Tiziana Sund), Fanni Schneider (Penelope Sund), Anja Pichler (Jennifer Tichy). (Foto ORF/MR Film/Anjeza Cikopano)

Ich traf Fanni im vergangenen November in Kitzbühel, kurz bevor sie sich auf die KURIER ROMY Gala vorbereitet hat. Schauspiel war schon immer ihr Traum, „obwohl ich aus einer Familie komme, die nicht wirklich etwas mit Kunst am Hut hat. Deswegen war es für mich naheliegend, zuerst etwas ‚Vernünftiges‘ zu studieren,“ schmunzelt sie. „Das würde ich jedem raten, denn so überlegst du doppelt, ob du Schauspiel wirklich machen willst, denn es ist einfach ein sehr hartes Pflaster. Außerdem habe ich immer gesagt, wenn Schauspiel, dann wirklich zu 100 Prozent.“

Schauspiel ließ Fanni aber nie los und mit 24 Jahren ging sie zu ihren kreativen Wurzeln zurück, erzählt sie. „Ich habe bisher sehr viel Glück gehabt mit dem, was ich machen durfte, und bin mir sicher, dass ich die Lust am Schauspiel oder an kreativer Arbeit auch nie mehr verlieren werde.“ Trotzdem ist Fanni in Zeiten wie diesen sehr froh, dass sie noch eine andere Perspektive hätte. „Auch wenn ich nicht darauf hoffe, die irgendwann wahrnehmen zu müssen.“

Fanni Schneider sammelte ihre ersten schauspielerischen Erfahrungen am Theater, u.a. als Mitglied der „Jungen Burg“ des Wiener Burgtheaters. (Foto Rafaela Pröll)
Fanni Schneider sammelte ihre ersten schauspielerischen Erfahrungen am Theater, u.a. als Mitglied der „Jungen Burg“ des Wiener Burgtheaters. (Foto Rafaela Pröll)

Ihre Kreativität setzt sie auch bei ihrer zweiten Leidenschaft ein, der Fotografie. „Bei der Filmarbeit gebe ich auf eine gewisse Art und Weise die Kontrolle ab, denn ich weiß ja nie, was mit dem Endprodukt letztendlich passiert. Am Set finde ich es ganz wichtig, zu vertrauen und jedem Raum zu geben für das, was er kann. An der Fotografie finde ich sehr schön, dass es nur meine eigene Kreativität ist, wo ich wirklich von A bis Z alles selber bestimmen kann und diesen ganzen Prozess selbst begleite“, begeistert sie sich, und erklärt mir weiter: „Schauspiel wurde irgendwie vom Hobby zum Beruf und deswegen ist es ganz schön, damit ein anderes kreatives Hobby zu haben.“

Da Schauspiel natürlich auch abhängig ist vom jeweiligen Regisseur und seinen Vorgaben, möchte ich von Fanni wissen, ob ihr ein gewisser Spielraum oder doch exakte Vorgaben lieber sind, worauf sie meint: „Ein gutes Mittelmaß ist mir am liebsten. Wie ich schon sagte, Vertrauen ist dabei ein großes wichtiges Thema. Das habe ich gerade auch bei den „Biestern“ gemerkt. Wir sind in der dritten Staffel und natürlich ist der Umgang mit uns vier jungen Schauspielerinnen jetzt anders als in der ersten Staffel, weil es für viele von uns das allererste Projekt war. Da war ich froh, dass mich jemand an der Hand genommen hat. Jetzt im dritten Jahr ist es schön zu sehen, dass wir wirklich mehr Freiraum bekommen haben und dieses Grundvertrauen von Autor und Regie da ist. Wir können etwas mehr mitentscheiden, als das vielleicht noch in der ersten Staffel der Fall war.“ Schön findet Fanni, dass die ‚Biester‘ auch privat zusammengewachsen sind. „Beim Film sagt man sehr oft, es ist alles wie eine Familie, aber nach Drehschluss geht man doch auseinander und oft hört und sieht man sich nicht mehr. Aber gerade bei den ‚Biestern‘ ist es für mich wirklich besonders, weil Freundschaften entstanden sind. So war die Anja schon mehrmals bei mir in Berlin, wenn sie irgendwelche Castings hat.“ Fanni schwärmt weiter, dass sie auch tolle Freunde hinter der Kamera gefunden hat, die sie regelmäßig trifft. „Das ist sehr besonders und weiß ich sehr zu schätzen.“

Hedi Grager traf die junge Schauspielerin Fanni Schneider in Kitzbühel, wo sie an der KURIER ROMY Gala teilnahm. (Foto Reinhard Sudy)
Hedi Grager traf die junge Schauspielerin Fanni Schneider in Kitzbühel, wo sie an der KURIER ROMY Gala teilnahm. (Foto Reinhard Sudy)

Mir drängt sich die Frage auf, ob Fanni auch die Arbeit hinter der Kamera reizen würde, worauf sie meint: „Ja, denn ich finde es im Schauspiel sehr bereichernd, wenn man Funktionen hinter der Kamera ausprobiert. Dadurch bekommt man ein besseres Verständnis für das Spiel.“ Sie verrät, dass sie mit Freunden schon einmal einen Kurzfilm gemacht hat. „Da habe ich ein ganz anderes Bewusstsein dafür bekommen, was es wirklich heißt, ein Drehbuch zu schreiben und einen Film zu produzieren. Ich würde mir Regie zu führen jetzt noch nicht zutrauen, aber ich bin dafür auf jeden Fall offen. Offen und auch neugierig genug, denn ich finde alles ganz toll, was mit Film zu tun hat. Die Ausstattung beim Film z.B. finde ich auch wahnsinnig spannend.“ Mit einem Lachen ergänzt sie noch: „Nur Fahrer beim Film möchte ich nicht werden, weil ich Autofahren hasse. Aber alles Kreative finde ich super.“

Zu Beginn der Serie „Biester“ war es für die junge Schauspielerin etwas schwierig, ihre Figur und Fanni privat zu trennen. „Mittlerweile ist es kein Thema mehr, aber ich bin schon sehr, sehr anders als meine Figur Nelly. Andererseits finde ich es als schönes Kompliment, wenn Menschen wirklich denken, dass man auch privat so ist, denn dann scheint man ja irgendwie was richtig gemacht zu haben,“ meint Fanni, „man muss immer aus sich selber schöpfen, diesen Teil in sich finden und vergrößern.“

2022 wurde Fanni Schneider für eine der vier Hauptrollen in der ORF Serie „BIESTER“ gecastet und gab damit ihr Debüt vor der Kamera. (Foto Rafaela Pröll)
2022 wurde Fanni Schneider für eine der vier Hauptrollen in der ORF Serie „BIESTER“ gecastet und gab damit ihr Debüt vor der Kamera. (Foto Rafaela Pröll)

Mode und Freizeit
Zum Thema Mode habe ich gelesen, dass Fanni Vintage sehr mag und frage sie danach: „Ich glaube, mein Kleiderschrank besteht zu ungefähr 90 Prozent aus Secondhand-Teilen. Einerseits versuche ich das aus Nachhaltigkeitsgründen, aber auch, weil ich es schön finde, wenn man Mode mit Geschichte hat, und wenn man einen Stil hat, der immer wiederkommt. Ich versuche Trends nicht so zu verfolgen. Gerade die 60er und 70er Jahre finde ich modisch ganz toll. Und das wäre auch etwas, was ich filmisch gerne einmal machen möchte, irgendwie in diese Zeit abzutauchen.“ Leicht nachdenklich meint Fanni: „Also ich denke, man sollte große Träume, große Ziele haben, sich dabei aber natürlich nicht selber stressen und nicht zu verbissen sein. Ja, auf jeden Fall soll man große Träume haben.“

Als ich von Fanni wissen möchte, wie es ihr in dieser Zeit der vielen Krisen und schlechten Nachrichten geht, erklärt sie mir, dass sie sich natürlich mit diesen Themen beschäftigt. „Ich habe für mich den Zugang gefunden, dass ich Film liebe und es schön finde, irgendwie einen Fluchtweg zu haben und Geschichten zu erzählen. Im Schauspiel hat man auch Zeiten, wo man nicht arbeitet, wo das Kopfkino und Gedankenchaos losgeht. Und das ist nicht immer leicht.“ Schauspiel ist ihrer Meinung nach grundsätzlich ein ‚hartes Pflaster‘ und sie weiß natürlich, dass viele junge Menschen in ihrem Umfeld sehr wohl Zukunftsängste haben. „Man könnte sagen, das ist tagtäglich Thema in meinem Freundeskreis. Es lässt mich das alles aber umso mehr wertschätzen, dass ich das machen darf.“

Ich komme nochmals auf ihre Rolle in „Biester“ zu sprechen und möchte von Fanni wissen, ob sie durch ihre Rolle auch neue Seiten an sich selbst entdeckt hat. „Ich finde, das ist immer der Fall. Wenn ich eine Rolle kennenlerne oder spiele, suche ich ja in mir selber nach Gemeinsamkeiten, die ich dann kann für die Figur vergrößern kann. Und das ist immer spannend, egal ob ich etwas Positives oder Negatives erfahre. Es ist wirklich so, dass ich durch das Schauspiel mich selber immer besser kennen lerne. Und ich glaube auch, je besser man sich selber kennt, desto besser wird ein Schauspiel. Ansonsten besteht Schauspiel ja sehr viel aus Recherche, abhängig von der Figur, ob es z.B. eine historische ist oder eine, die es noch nicht gibt. Leider fehlt heutzutage oft die Zeit dafür. Ich bereite mich einfach immer so gut ich kann auf eine Rolle vor und wenn ich ans Set komme, versuche ich alles zu vergessen, weil man das im besten Falle dann schon so in sich hat, dass man nicht mehr darüber nachdenken muss.“

„Ich versuche, meinen Job nicht zu ernst zu nehmen, mich nicht mehr wahnsinnig machen zu lassen und mir eine gewisse Leichtigkeit zu behalten. Was ich mache, macht mir einfach viel Spaß," erzählt Fanni Schneider. (Foto Rafaela Pröll)
„Ich versuche, meinen Job nicht zu ernst zu nehmen, mich nicht mehr wahnsinnig machen zu lassen und mir eine gewisse Leichtigkeit zu behalten. Was ich mache, macht mir einfach viel Spaß,“ erzählt Fanni Schneider. (Foto Rafaela Pröll)

Energie holt sich Fanni aus Familie und Freundschaften. „Ich versuche, meinen Job nicht zu ernst zu nehmen, mich nicht mehr wahnsinnig machen zu lassen und mir eine gewisse Leichtigkeit zu behalten. Was ich mache, macht mir einfach viel Spaß. Und ich versuche, ganz viel Zeit mit Freunden und der Familie zu verbringen. Ich habe in meinem Umfeld auch viele Menschen, die nichts mit Film zu tun haben. Da ist es auch sehr schön, manchmal abtauchen zu können und über ganz andere Sachen zu sprechen, weil ich auch so ein klassischer „Overthinker“ bin. Gleichzeitig ist es schon angenehm, wenn man Sorgen, Ängste oder auch schöne Momente mit Freunden teilt, die das Gleiche machen.“

Zuhause in Wien und Berlin
Fannis Zuhause ist in Wien, sie lebt aber auch in Berlin. „In Wien bin ich aufgewachsen und ich schätze, was die Stadt alles zu bieten hat. Berlin aber war für mich der Grund, warum ich zurück zum Schauspiel gekommen bin. Es gibt dort so viele kreative Menschen und so viele mutige Menschen, die ihrem Bauchgefühl folgen. Wenn ich in einer anderen Stadt als in Berlin gelebt hätte, weiß ich gar nicht, ob ich mich getraut hätte, diesen Schritt zu gehen. Denn eigentlich war ich schon zu alt für die Schauspielschule und konnte mich an vielen Schulen gar nicht mehr bewerben. Berlin aber hat so einen ganz speziellen Spirit, den ich sehr zu schätzen weiß.“ Ewig möchte sie aber nicht in Berlin leben, dafür ist ihr die Stadt doch zu hektisch.

Als ich Fanni darauf anspreche, dass sie als Kind eine ‚kleine Rebellin‘ war, die Regeln nicht mochte, meint sie schmunzelnd: „Ich glaube, Regeln sind nicht immer dazu da, sie strikt zu befolgen. Ich hinterfrage Dinge oft und glaube, es geht einfach mehr darum, sich selber treu zu bleiben und seinen eigenen Kopf zu behalten.“ Wirklich in Rage bringen kann Fanni aber Arroganz. „Arroganz und Ungerechtigkeiten sind für mich ganz schlimm“, bestätigt mir die ruhige, introvertierte Frühaufsteherin, wie sie sich selbst bezeichnet. „Ich bin jetzt kein schüchterner Mensch, würde ich sagen, gehe aber nicht gerne aus und fühle mich in riesigen Gruppen einfach nicht wohl. Ich bin einfach jemand, der viel Zeit für sich selbst braucht.“ Du bereitest Dich jetzt aber gerade auf die ROMY Gala vor, für die „Die Biester“ eine Nominierung hat, werfe ich ein, worauf Fanni meint: „Das ist tatsächlich eine Herausforderung für mich, aber ich gehe gemeinsam mit unserer Regisseurin Miriam Unger hin.“

Heuer freut sich Fanni bereits auf das Release der „Biester“. „Die dritte Staffel wird wieder ganz, ganz toll, sehr witzig und mit tollen neuen Schauspielern. Ich weiß es überhaupt sehr zu schätzen, mit so tollen und bodenständigen Kollegen zu drehen, da macht die Arbeit umso mehr Spaß. Und natürlich freue ich mich auf einige weitere Projekte, die 2026 noch kommen.“

Großes Beitragsfoto: Fanni Schneider sammelte ihre ersten schauspielerischen Erfahrungen am Theater, u.a. als Mitglied der „Jungen Burg“ des Wiener Burgtheaters. (Foto Rafaela_Pröll)

 

 

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