Kristina Sprenger: „Ich bin eine große Teamplayerin“

Festspiele Berndorf - "Gerüchte, Gerüchte....." (Foto Andreas Tischler)Sie ist Schauspielerin, Festspiel-Intendantin, Theaterfest-Obfrau und Wahl-Sooßerin. Am 16.Juli feiert sie im Stadttheater Berndorf die Premiere des Komödienklassikers Gerüchte … Gerüchte. Dann setzt sie am 1. Oktober mit der Liebeskomödie Alles, was sie wollen nach und dazwischen ist sie dann gemeinsam mit Gregor Seberg am 20. September mit ihrem Erfolgsstück Offene Zweierbeziehung in der Komödie Graz zu sehen.

Mit Gregor Seberg ist Kristina Sprenger am 20. September mit ihrem Erfolgsstück "Offene Zweierbeziehung" in der Komödie Graz. (Foto Stefan Joham)
Mit Gregor Seberg ist Kristina Sprenger am 20. September mit ihrem Erfolgsstück „Offene Zweierbeziehung“ in der Komödie Graz. (Foto Stefan Joham)

Die gebürtige Innsbruckerin, die mit Mann und Tochter in Sooß lebt, stand schon als Volksschülerin auf der Bühne, und mit 15 begann sie mit dem Schauspielunterricht am Konservatorium der Stadt Wien. „In den Jahrgängen unter mir waren großartige Schauspieler wie Stefano Bernardin, Hilde Dalik, Katharina Strasser und Thomas Mraz“, erinnert sich die beliebte Schauspielerin. „Gelernt habe ich bei Elfriede Ott. Sie war zwar streng, hatte aber ein Gespür für Talente.“
Österreichweit berühmt wurde sie mit gerade einmal 24 Jahren durch ihre Rolle als SOKO-Kitz-Kommissarin.

Die Schauspielerin lacht, als ich sie darauf anspreche, dass sie in der Schule als ‚Kleiner Napoleon‘ bezeichnet wurde. „Von diesem ‚Spitznamen‘ habe ich selbst erst vor ungefähr 8 Jahren in der ORF-Sendung Orte der Kindheit mit Peter Schneeberger erfahren. Im Rahmen der Recherchen haben sie auch meine Volksschullehrerin Isabella Mayr getroffen, und sie hat davon erzählt.“ Schmunzelnd spricht Kristina weiter: „Ich war sehr klein und versuchte offensichtlich aufzufallen.“ Eigentlich sei sie ein Sensibelchen gewesen, wollte immer sehr gemocht werden und gut ankommen. Der Spitzname hat wohl mit meiner Größe, Lautstärke und Zielstrebigkeit zu tun. Drücken wir es einmal so aus: Ich wollte ‚Punkte‘ sammeln, indem ich versuchte, besonders unterhaltsam zu sein und mich schon früh meldete, wenn etwas aufgesagt werden musste oder etwas auf der Bühne stattfand. Das schien mir dann doch irgendwie in die Wiege gelegt zu sein.“

Kristina Sprenger und David Oberkogler in "Alles was sie wollen". (Foto Andreas Tischler)
Kristina Sprenger und David Oberkogler in „Alles was sie wollen“. (Foto Andreas Tischler)

SOKO Kitzbühel
Rückblickend auf ihre Rolle als Kommissarin in SOKO Kitzbühel angesprochen, meint Kristina: „Ich bin natürlich sehr dankbar, dass ich noch vor meinem 25. Geburtstag diese Rolle bekommen habe und diese dann so lange erfolgreich spielen durfte. Gerne hätte ich diese Hauptrolle vielleicht ein bisschen später gehabt, denn wenn man so früh so eine markante Figur spielen darf, wird man in der Wahrnehmung lange Zeit darauf beschränkt. Aber sie hat mir 13 Jahre sehr viel Spaß gemacht und auf jeden Fall sehr geholfen, einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erreichen. Ich durfte sehr viel lernen und die Erfahrungen helfen mir heute noch am Set.“ Es waren über 2000 Kollegen, mit denen Kristina in dieser Zeit spielte, hat sie sich einmal ausgerechnet. „Da wird man durchaus auch zur Menschenkennerin“, lacht die Künstlerin. „Und wenn man es schafft, diese Zeit zu nutzen und auch zu reflektieren, hat man schon einiges gelernt.“

Nach 177 Folgen war es 2013 für Kristina die richtige Entscheidung, zu gehen. Sehr gefreut hat sie sich, dass sie Serie noch sieben Jahre weiterging.

Dass die Filmbranche durch z.B, wegfallende Förderungen keine leichte ist, ist sich Kristina natürlich bewusst. „Ich glaube, es ist einfach wichtig, eine Ausgewogenheit an österreichischen und internationalen Produktionen zu finden, und bei Co-Produktionen immer einen repräsentativen Teil des Teams mit Österreichern zu besetzen.“ Besonders hart trifft die Branche aber der Wegfall eines geringfügigen Zuverdienstes zu AMS-Bezügen. „Bei Schauspielern ist es ja eher selten, dass sie über lange Zeiträume ein durchgehendes Dienstverhältnis haben. Und da müssen selbst arrivierte Kollegen sich zwischendurch arbeitslos melden, schon wegen der Versicherungszeiten für einen Pensionsanspruch.“

Festspiele Berndorf 2026: Theaterstück "Gerüchte, Gerüchte ..........." Shooting im Hotel Orient. (Foto Andreas Tischler)
Festspiele Berndorf 2026: Theaterstück „Gerüchte, Gerüchte ………..“ Shooting im Hotel Orient. (Foto Andreas Tischler)

Bühnen Berndorf
Als Kristina sich entschieden hatte, bei der SOKO Kitzbühel, hat sie ihre Fühler Richtung Bühne ausgestreckt. „Ich wollte schon immer zusätzlich zur Arbeit vor der Kamera zurück zur Bühne und auch in irgendeiner Form Verantwortung übernehmen.“ Als Kristina erfuhr, dass Michael Niavarani vorhatte, bei den Bühnen Berndorf aufzuhören, signalisierte sie dort ihr Interesse und gab ihre Bewerbung im Rahmen der Ausschreibung ab. „Es haben sich sehr viele großartige Kollegen gemeldet und es war ein schönes Gefühl, als die Entscheidung nach dem Hearing auf mich fiel. Meine Bekanntheit durch die SOKO hat mir in der Vermarktung sicher sehr geholfen.“

Die Bühnen Berndorf sind keine Ganzjahres-Intendanz, die oft aus dem Regie- oder aus dem Dramaturgiebereich kommt. „Das war hier ein großer Vorteil für mich. Natürlich musste ich mich in die neue Position erst einfühlen und einleben, aber es hat alles sehr gut funktioniert.“ Mittlerweile erarbeitet Kristina bereits zwei und manchmal sogar drei Produktionen. „Also ich bin fleißig “, schmunzelt die sympathische Schauspielerin.

Im Rahmen ihrer Intendanz ist Kristina sozusagen ‚Mädchen für alles‘. „Das beginnt mit dem Aussuchen der Stücke, ich besetze, stelle das Leading Team zusammen, entscheide über die Plakate, mache die Pressearbeit und versuche die Vermarktung voranzutreiben. Aber ich habe auch ein wirklich sehr gutes Kulturbüro, an das ich delegieren darf. Es ist zwar viel Arbeit, aber gerade das Mitspielen bereitet mir große Freude.“ Da Kristina den Sommer über geblockt ist, muss sie natürlich immer wieder Filmangebote ausschlagen. Andererseits ist sie ihr eigener Boss und hat eine gute Planbarkeit. Und mit ihrem 3-Jahresvertrag weiß sie, dass sie jetzt bis 2028 die Bühnen Berndorf leiten darf. „Ich habe glücklicherweise mit der Stadtgemeinde ein sehr angenehmes Gegenüber und man lässt mich machen, was sehr fein ist.“

Begeistert erzählt Kristina, dass sie dabei auch immer mit großartigen Regisseurinnen und Regisseuren zusammenarbeiten kann. „Als große Teamplayerin kann mich sehr gut einfügen und versuche auch, niemanden zu overrulen. Ich glaube, dass man im Arbeitsprozess mit mir nicht merkt, dass ich die Intendanz habe.“

Journalistin Hedi Grager im Gespräch mit der Schauspielerin Kristina Sprenger. (Foto privat)
Journalistin Hedi Grager im Gespräch mit der Schauspielerin Kristina Sprenger. (Foto privat)

Ich spreche Kristina sie auf ihre nun bereits langjährige Erfahrung an und möchte wissen, ob man auch im Theater mit der Zeit gehen muss: „Ich glaube, Film, Theater und genauso natürlich Fernsehen sind immer Teil einer Gesellschaft und dem Zeitgeist unterworfen. Es sind daher immer die großen Thematiken, die man in irgendeiner Form aufzunehmen versucht – und das passiert natürlich bei uns genauso.“ Die Intendantin betont ihren Auftrag, den Menschen einfach einen großartigen Abend in Berndorf zu schenken. Im Hauptstück hat sie daher immer großen Boulevard, eine große Komödie am Programm, und im Herbst folgen Konversationsstücke.

Komik und Tragik
Was für Kristina in allen Bereichen wichtig ist, ist der Humor. „Fast jede Komödie ist ja eigentlich eine Geschichte, wo alles schief geht. Und wenn ich die Verzweiflung der Menschen auf der Bühne nicht spüre, ist das nicht komisch. Die Komik entsteht ja immer durch die Tragik und deswegen braucht es diese. Das Leben ist aber nicht nur trist und auch nicht nur eitel Wonne, es gibt ja immer diese ganz vielen Grauzonen. Wir müssen in irgendeiner Form mit den Figuren und Charakteren mitgehen wollen und uns sozusagen auf diese Reise mitnehmen lassen. Wenn diese Figuren aber so platt und ganz ohne Reflexionsfläche sind, dann funktioniert es halt nicht. Theater ist Spiegel der Gesellschaft. Deswegen ist die Tragikomödie meines Erachtens eine der schönsten Genreformen überhaupt, weil eben dieses Lachen auch in traurigen Momenten passiert. Jeder, der mit schwer kranken Menschen arbeitet oder in einem Hospiz tätig ist, sagt, dass es da durchaus immer wieder Erlebnisse gibt, die alle zum Schmunzeln, zum Lachen bringen. Und das ist so wichtig. Ich selbst habe z.B. schon öfters das Kinderhospiz Sterntalerhof unterstützt und dort Kinder besucht. Natürlich ist es schrecklich zu wissen, dass diese Kinder keine allzu hohe Lebenserwartung haben, aber man darf das Kind auch in dieser Situation zum Lachen bringen.“

Vielseitige Arbeiten
Die Schauspielerin war ihr Leben lang gut gebucht und deshalb frage ich sie, was sie richtig oder andere falsch machen. „Also ich glaube, es gibt sehr viele, die sehr viel richtiger machen als ich. Ich hatte dieses große Glück mit SOKO Kitzbühel, habe danach aber nicht einen Kinofilm nach dem anderen gedreht. Es gab auch bei mir Jahre ohne Drehtage, da habe ich dann Theater gespielt und TV-Sendungen und Moderationen gemacht. Ich hatte immer zu tun, maße mir aber keine Ratschläge an.“ Nach leichtem Nachdenken meint Kristina doch noch: „Ich glaube, es gibt zwei wichtige Dinge. Man sollte in allem versuchen, authentisch zu sein und Dinge zu tun, die einem liegen, mit denen man sich wohlfühlt. Ich moderiere z.B. relativ viel, habe eine gewisse Schlagfertigkeit und kann sehr spontan agieren.“ Kristinas zweiter Rat ist, sich möglichst breit aufzustellen. „In unserem Beruf ist es wirklich wichtig, sich nie darauf zu verlassen, dass etwas ewig andauert. In einem Ensemble zu arbeiten, bedeutet nicht, verlängert zu werden, jede Serie kann aus welchen Gründen immer eingestellt werden.“

 

„Ich behandle alle, die mit mir arbeiten, mit großem Respekt, großer Zuneigung und verwöhne sie – und das scheint mir ganz gut zu gelingen, denn sie kommen gerne wieder.“

 

Gerade Frauen überlegen bei Angeboten und Möglichkeiten oft zu lange, ob sie den Anforderungen gewachsen sind und sollten sich mehr zutrauen, ist sich Kristina sicher. „Die Unterstützung von Frauen untereinander ist in den letzten Jahren schon gestiegen und ich halte es für wichtig, dass Frauen, die schon in den Driver Seats sitzen, sich auch viele Frauen holen.“

Die erfolgreiche Kreative ist selbst sehr zielstrebig und wenn sie sich etwas vornimmt, dann macht sie das. „Ich versuche aber, dabei gelassen zu sein und Dinge auch passieren zu lassen.“ Zu ihren Eigenschaften gehört auch eine gewisse Disziplin und sie bezeichnet sich selbst als sehr organisiert und strukturiert. Ihre Begabung, alles gut zu koordinieren und zu organisieren, setzt Kristina auch zu Hause ein. „Ich mag es ordentlich und ja, es ist halt immer alles gut organisiert.“

Fotoshooting zum Theaterstück "Gerüchte, Gerüchte ....", in dem auch Robert KOLAR und Linda HOLD mitspielen. (Foto Andreas Tischler)
Fotoshooting zum Theaterstück „Gerüchte, Gerüchte ….“, in dem auch Robert KOLAR und Linda HOLD mitspielen. (Foto Andreas Tischler)

Liebe für Kunst
Eine große Liebe hegt Kristina für Kunst, manche ihrer Gäste fühlen sich wie in einer Galerie, schmunzelt sie. Ihr Lieblingsstück ist ganz nach den Worten ‚The First Cut Is The Deepest‘, ihr erstes großes Gemälde, das sie sich leistete. „Es ist ein zwei mal zwei Meter Gemälde von Rudi Holthaus aus seinem Zyklus “ Päpste”. Bei dem von mir ausgesuchten Papstbild habe ich danach festgestellt, dass es den Papst Eugen zeigt – und mein Vater heißt Eugen“, schmunzelt Kristina wieder. „Ich bin wirklich sehr zugänglich für bildende Kunst und interessiere mich auch für Skulpturen, neige aber aus platztechnischen Gründen zu Bildern. Sehr gerne unterstütze ich auch junge Künstler.“

Beste Freundinnen
Eine von Kristinas besten Freundinnen ist die Moderatorin Nadja Bernhard. „An ihr schätze ich wirklich alles. Sie ist z.B. unglaublich humorvoll – und das ist für mich das Wichtigste. Ich liebe es, wenn Menschen über sich selbst lachen können, wenn man mit ihnen tolle Gespräche führen kann und wenn sie neugierig sind und über den Tellerrand blicken. Wir haben viel Spaß miteinander, führen ewig lange Gespräche, gehen gerne in Ausstellungen, schick brunchen – und wir führen beide ein Leben in der Öffentlichkeit.“ Die starke Verbundenheit ist in jedem Wort von Kristina spürbar, die mir noch verrät, dass Nadja das absolute Vorbild für ihre Tochter Rosa und ihre Firmpatin ist.

Mode und Sport
Natürlich spielt auch Mode in Kristinas Leben eine Rolle. „Ich liebe Mode, vor allem den Edgy Look und Oversized Look. Ich finde, mit Mode kann man sehr viel steuern, sich ausdrücken und Stimmungen vermitteln. Ich trage Mode einfach sehr lustvoll.“ Da sie schon lange dieselbe Konfektionsgröße hat, ist ihr Kleiderschrank gut gefüllt – aber auch deshalb, weil sie es nur schwer schafft, etwas wegzugeben.

Ebenfalls sehr wichtig ist für Kristina der Sport. „Er ist für mich einfach so ein Ventil, ein Ausgleich. Joggen ist wie Meditation und Hot-Yoga steht bei mir genauso am Programm wie Krafttraining.“ Die Schauspielerin möchte einfach fit bleiben und ihr geht es mit Sport einfach besser.

Das Jahr 2026
Die Schauspielerin freut sich schon darauf, heuer ihren 50er zu feiern. „Ich werde ihn zwar groß feiern, aber eher cool und leger.“ Zusätzlich zu schönen Theater-Produktionen, die heuer am Spielplan stehen, hat sie noch einiges vor. „Zu Jahresbeginn durfte ich für ORF 3 ein schönes neues Format moderieren, das hoffentlich weitergeht. Gemeinsam mit der Tiroler Regisseurin Anita Lackenberger stehen zwei große Projekte in der Pipeline, und mit Julia Sobieszek werde ich wieder das kultige Weihnachtsstück Single Bells spielen. Eigentlich ist das ganze Jahr vollgepackt und ich bin sehr glücklich darüber. Da ich so ein ‚Daily Dreamer‘ bin, gehe jeden Tag für sich an und versuche aus jedem Tag das Beste zu machen.“

Großes Beitragsfoto: Schauspielerin, Festspiel-Intendantin, Theaterfest-Obfrau und Wahl-Sooßerin: Kristina Sprenger. (Foto Andreas Tischler)

www.buehnen-berndorf.at    

 

 

 

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