Charly Temmel

Charly Temmels Best Ice Cream in the world! Bei den Worten Eis, Karriere, Los Angeles, Operncafe fällt einem ein Name ein: Charly Temmel.
Ich warte im Operncafe auf Charly. Grauhaaring, sehr schlank und sehr gepflegt tritt er mit einem Lächeln und voller Elan durch die Tür. Ein Hallo und Servus hier, ein bisschen Smalltalk dort und noch ein Handschütteln, dann ist er bei mir.

Charly Temmel wurde 1956 in St. Andrä im Sausal geboren. Seine Eltern hatten hier einen Fleischereibetrieb. 1980 vermittelten sie ihm das Gasthaus zum Löwen in Feldkirchen bei Graz und Charly wurde selbständig. Auf der Suche nach guten Mitarbeitern meinten seine Eltern: „Die beste Mitarbeiterin, die wir in unserem Gast- und Fleischereibetrieb in St. Andrä hatten, war die Maria Mandl“. Maria arbeitete zu diesem Zeitpunkt auf Saison in Tirol. Aber Charly schaffte es sie abzuwerben – jetzt sind sie schon seit 27 Jahren verheiratet.
1985 wurde der heutige Stammsitz in Graz-Puntigam gekauft und nach einem Totalumbau wurde 1986 die eigene Eisproduktion gestartet. Hier hat Charly damals seine Grundrezeptur für sein Eis gefunden. Heute hat er 16 Standorte in Graz und der Steiermark, macht Eis für Hotellerien und gemeinsam mit italienischen Partnern das Gelato Villa Dolce für tausende Supermärkte. Neben vielen Preisen für sein Eis erhielt er 2009 auch das Steirische Landeswappen.

Was glaubst Du, unterscheidet Dich von vielen anderen Unternehmern?
Ganz einfach, ich hab den Mut gehabt, etwas zu machen. Es gibt sicher viele Leute, die besser sind als ich, aber die haben einfach Angst und nicht den Mut für den ersten Schritt. Natürlich bedeutet Selbständigkeit immer ein Risiko, aber für mich war das nie ein Thema. Für mich war es immer ganz klar, dass ich selbständig sein will und dass ich eigene Geschäfte haben will. Und dann gehört noch etwas ganz entscheidendes dazu: Das Glück. Das ist die ganze Wahrheit. In jedem Leben gehört Glück dazu. Ich kann der tüchtigste Mensch der Welt sein, aber nicht ohne Glück. Fleiß setze ich natürlich voraus.

Wieviele Geschäfte hast Du schon?
Es sind mittlerweile 16 Standorte in der Steiermark. Diese führe ich mit sechs Partnern. Mit meiner Fabrik in Amerika beliefere ich ca. 6000 Supermärkte. Weiters produziere ich in Amerika mit einem italienischen Partner das Gelato Dolce Villa. Damit beliefern wir auch tausende Lokale.

Hattest Du immer schon so den Smalltalk drauf ? Hat Amerika Dich verändert?
Ja, das habe ich schon von zu Hause mitbekommen. Meine Eltern hatten ein Gasthaus in St. Andrä im Sausal und mein Vater sagte zu mir:  „Bua“, hat er gesagt, „bei uns in St. Andrä im Sausal wird man daran gemessen, wie nett wir zu den Einheimischen sind. Wenn die Einheimischen zu uns kommen wissen wir, dass wir gut sind.“ Und er sagte auch, dass man seine Freunde nie vergessen sollte. Das ist auch ein ganz wesentlicher Punkt.

Aber hast du überhaupt noch Zeit für Freunde?
Ich habe die Zeit nicht, aber ich vergiss Freunde nicht. Egal was man wird und wo man lebt, die Zeit für ein liebes Wort sollte man immer haben und sollte man sich immer nehmen.

Wie bist Du in Amerika aufgenommen worden?
Die Amerikaner kennen Konditoreien wie bei uns nicht. Dort regiert Frozen Joghurt die Welt. Ich habe Frozen Joghurt damals nicht gekannt, aber mittlerweile wird es auch hier bei uns immer mehr konsumiert. In meinem Geschäft in der Herrengasse gibt es auch Frozen Joghurt. Du weißt, in einer Zeit wo die Leute immer mehr Wert auf ‚Gesundes‘ legen, braucht man auch das. Hier in Österreich ist es heimeliger und lieblicher, aber in L.A. ist die große weite Welt. Da kannst Du natürlich mehr erreichen.

Isst Du selbst Eis? Welche Sorte am liebsten?
Jeden Tag esse ich Eis. Meine Lieblingssorten sind Haselnuss und Himbeer Joghurt.

Gesunde Produkte sind Dir sehr wichtig?
Ja, bei mir wird alles frisch gemacht. Bei mir erhält man reines Natureis, wirklich frische Früchte und ohne Konservierungsstoffe. Das ist mir sehr wichtig. Mein Eis ist ohne Eier, auch das ist sehr wichtig. Das Gemüse für mein Restaurant kommt täglich frisch von den umliegenden Farmern und aus biologischem Anbau. Die Leute wissen mittlerweile, dass sie bei uns gesunde Qualität bekommen. Ich bin ja gelernter Koch.

Wie würdest Du Dich mit drei Worten beschreiben?
Sehr ehrgeizig, zielstrebig, sehr loyal zu meinen Mitmenschen. Ich weiß, dass Angestellte sehr wichtig sind, deshalb bin ich auch gut zu Ihnen. Ich werde immer grüßen und sie fragen, wie es Ihnen geht.

Was kannst Du absolut nicht leiden?
Falsche Frage. Ich bin sicher, man muss verzeihen können, das ist Größe. Jeder macht mal Fehler. Wenn jemand einen Fehler gemacht hat, setze ich mich mit ihm zusammen und rede darüber. Damit ist es erledigt.

Was macht ein Charly Temmel, wenn er mal müde wird?
Der Charly Temmel wird nicht müde – weil der Charly Temmel ist eine Maschine. Frag meine Frau, die wird dir das bestätigen (laut lachend).

Woher holst Du Dir Kraft und Energie?
Gar nicht, ich bin einfach so. Ich bin immer aktiv, das taugt mir, das hab ich einfach in mir.

Lebst Du gesund?
Meine Frau kocht gesund, es gibt sehr viel Salat. Unser Lebensstil hat sich total verändert, denn der Dümmste weiß mittlerweile, dass er sich gesund ernähren sollte.

Wie wichtig ist Dir Deine Familie und habt ihr genug Zeit füreinander?
Natürlich haben wir Zeit. Schau, bei meiner Familie muss ich dazu sagen, dass ich eine sehr liebe Frau habe. Wir sind seit über 30 Jahren zusammen und am 29. April waren wir 26 Jahre verheiratet. Das funktioniert mit Höhen und Tiefen, das ist ja normal. Paare trennen sich heute sehr schnell, aber das mache ich nicht. Wir haben einen sehr lieben Sohn. Und weil der Himmelvater es gut mit uns gemeint hat, können wir in Amerika und hier leben. Ich habe es wirklich gut.

Was macht Dein Sohn?
Der Swen möchte gerne Filmschauspieler werden und arbeitet hart daran. Als Elternteil kann ihn nur unterstützen und hoffen, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Wie schon gesagt, Glück gehört zum Leben.

Was möchtest Du Deinem Sohn mitgeben?
Das Wichtigste für mich war, dass mein Sohn eine schöne Kindheit hat und diese Kindheit haben wir ihm gegeben. Meine Frau war immer für ihn da, und alles was wir gemacht haben, haben wir mit ihm gemacht. Er wurde nicht verwöhnt, aber er wurde anständig erzogen. Damit haben wir das getan, was das Wichtigste im Leben eines Menschen ist: eine schöne Kindheit zu haben. Und jetzt geht er seinen eigenen Weg.

Gibt es einen typischen Charly-Tag?
Nein, den typischen Arbeitstag gibt es nicht, da ich ja nicht zum Arbeiten gehen muss. Ich mache das, was ich zum jeweiligen Zeitpunkt für das Richtige halte. Wenn ich in Graz bin, stehe ich um 7 Uhr auf. Jeden Tag um 9.30 Uhr komme ich ins Operncafe, das jetzt Günter Ganster und ich führen, und schau, was anfällt oder treffe mich mit jemandem zum Interview. Bei 16 Standorten in der Steiermark gibt es immer etwas zu tun.

Was ist für Dich Dein größter Erfolg?
Ich habe so Vieles schon gemacht , aber es gibt keinen Tag von dem ich sage, das war mein ‚Wundertag‘. Im Globalen würde ich sagen, schön ist es, wenn es in der Familie funktioniert, wenn man unabhängig und gesund ist.

In Dein Restaurant Plate kommen sehr viele Promis. Ist Dir das wichtig?
Schau her, wenn man in L.A. wohnt und das Glück hat, in Malibu leben zu dürfen ist man ja dort, wo Promis zu Hause sind. Natürlich kommen da auch viele Prominente zu uns, sie kommen hinein wie hier ins Operncafe. Das hat mit mir überhaupt nichts zu tun. Es kommen Bruce Willis, Cindy Crawford, Mel Gibson, Pierce Brosnan, viele Menschen aus der Musikbranche, Direktoren, die alle leben dort. Malibu ist ein bisschen wie am Land. Es purzeln sehr viele rein, die ich gar nicht kenne oder erkenne. Die schauen dann ja oft anders aus, sind leger unterwegs. Die Leute der großen Talkshows, die in LA aufgezeichnet werden, sind fast alle bei mir.

Und würde ich auch einen Platz bei Dir bekommen?
Ja sicher. Schau, das Lokal ist zu Mittag überfüllt, abends unterschiedlich, du wartest einfach ein bisschen. Und ich gehe dort genauso auf die Leute zu wie hier. Es ist ein sehr schönes Lokal mit 40 Plätzen und wir achten sehr darauf, dass die Leute sich wohl fühlen und dass es ihnen schmeckt – und der Preis normal ist.

Was sind Deine nächsten Ziele?
Charly Temmel Eis gibt es jetzt beispielsweise auch im steirischen Tierpark Herberstein und im Mauterner Park. In Slowenien möchte jemand 50 oder 60 Franchise Lokale aufmachen. In Istanbul kommt ein Frenchise Lokal mit dem Fußballer Ekrem Dağ. Wir suchen immer neue Standorte. Der Bahnhof wäre eventuell noch interessant. Mariazell vielleicht auch – ach es kommt sicherlich noch einige Neues dazu.

Was magst Du an Amerika und was würdest Du von Österreich vermissen, wenn Du ganz in Amerika bleiben würdest?
Du lernst in Amerika nicht neidisch zu sein – hier sind die Leute neidisch. Es muss schließlich jeder für seinen Erfolg arbeiten. Vermissen würde ich alles, Österreich ist ein gesegnetes Land. 4 Jahreszeiten, Versicherungsschutz, die Kriminalität ist immer noch hinten nach und und und und …. Es ist ein Glück, in Österreich geboren zu sein!

www.charlytemmel.com

 

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