Theo Anastasato und Hedi Grager (Foto Reinhard Sudy)

Theodor Anastasato

Theo Anastasato arbeitet seit 2008 als Modedesigner bei Vivienne Westwood und präsentierte Mitte November 2012 seine erste eigene Modekollektion bei der Schmuckdesignerin Gabi Purkarthofer in ihrem Atelier in Fernitz bei Graz.
1983 in New York geboren, wuchs Theo ab dem 4. Lebensjahr in Österreich auf. London, wo er seit einigen Jahren lebt,  ist für ihn eine großartige Stadt, aber Graz sieht er als sein Zuhause an.
Mit dabei war Ginny Litscher, die ihre schönen handgemachten Schals präsentierte. Ginny und Theo sind „best friends“ und kennen sich seit dem gemeinsamen Praktikum bei Vivienne Westwood.

Umringt vom wunderschönen Schmuck von Gabi Purkarthofer sitzen wir in ihrem gemütlichen Atelier und ich möchte von Theo wissen, was so alles seit unserem letzten Interview im Jahr 2009 passiert ist. „In meinem Job für Vivienne Westwood habe ich noch mehr Verantwortung bekommen. Neben den Accessoires bin ich auch für die Männerkollektion für den gesamten japanischen Bereich zuständig. Übrigens gibt es seit ein paar Wochen dazu ein eigenes Lookbook. Der Bereich Japan wird aber noch weiter ausgebaut  und dafür stelle ich jetzt ein eigenes Team zusammen. Ich bin sozusagen der Design-Manager für künftige japanische Projekte“, endet er mit einem Schmunzeln.

Heuer gründete er gemeinsam mit Oliver Lühr und Thomas Bentz das Label „Intellectual Leisure“. „Die Idee für mein Label stammt noch aus der Schulzeit“, erzählt Theo, „ich habe damals Stricksachen im Rahmen meiner Abschlusskollektion gemacht“. Oliver Lühr, der aus der Hansestadt Lübeck stammt, lebte lange Zeit in London, studierte Mode und arbeitete bei Balenciaga und für ein japanisches Label. Thomas Bentz ist Politik- und Wirtschaftswissenschaftler. 2011 gründeten sie ihr Label „Achtland“ in Berlin.

„Die Idee zu den „erotischen“ Mustern ist eine Mischung aus mehreren Elementen“, verrät mir Theo, „einerseits ist es mein eigener griechischer Hintergrund, meine Faszination für die antike griechische Kultur. Ich mochte schon immer die Muster auf den Amphoren. Ich merkte auch, dass viele Menschen in ihren Wohnungen oder Büros schöne Amphoren stehen haben. Anscheinend haben diese schon immer inspiriert – und jetzt auch mich. So kam mir die Idee mit den Pullovern. Eigentlich ist es ja ein Norwegermuster, immer mit zwei Farben. Es wirkt manchmal verspielt und erst auf den zweiten Blick sieht man dann diese Figuren, die da lustig drauflos spielen“, schmunzelt er.

Auf meine Frage, ob er noch nie eine negative Reaktion auf seine doch auch provokanten Erotikbilder bekommen habe erzählt er, „Nein, ich habe noch nie eine entsetzte oder negative Reaktion erhalten. Es ist eine gewisse Art von Humor, die im Menschen steckt, die ein Schmunzeln entlocken kann und die bei jeder Altersgruppe gut ankommt. Ich kenne Menschen, die hatten den ganzen Abend einen Pullover an und haben gar nie entdeckt, was sich hinter den Mustern verbirgt. Aber man kann ihn ja mit Schal tragen“, setzt er mit einem weiteren Schmunzeln hinzu.

Sein Traum ist eine eigene kleine Herrenkollektion, wie er verrät, das aber zeitlich wirklich (noch) nicht geht. Ich spreche ihn darauf an, dass er auf mich immer sehr gelassen wirkt. Sehr charmant antwortet Theo: „In Deiner Gegenwart bin ich immer sehr entspannt. Du hast selbst ja so eine gelassene Energie“. Danke Theo.

Auf meine Frage, ob er noch Zeit für sich selbst habe, meint er: „Ja, denn meine Kollektionen mache ich ja für mich selbst, das empfinde ich nicht als „Job“. Ich glaube, man hat als Kreativer eine Leidenschaft, die in den Alltag überfließt. Man lernt dabei neue Menschen kennen, es wird viel gelacht und wir machen Dinge, die uns Spaß machen. Und ich umgebe mich mit Leuten, mit denen ich gerne zusammen bin.“
Seit kurzem besitzt er ein Aquarium mit einem Fisch. Nur ein Fisch deshalb, da man anfangs nur einen Fisch reingeben sollte, wie er sich genau erkundigt hatte. „Meinen Stress baue ich an diesem Fisch ab – nein natürlich nicht“, lacht Theo. „Ich bin soviel unterwegs und das stimuliert mich natürlich geistig, aber ich genieße es mal zu Hause zu sein und mit der Daunendecke zu kuscheln, einfach faul zu sein. Da komme ich gar nicht mehr raus aus dem Bett“, lacht Theo.

„Oft gehe ich mit Ginny gut essen. Sie wohnt praktisch am anderen Stadtende von London – das ist fast wie von Wien nach Graz. Aber wir verbringen sehr oft die Wochenenden zusammen.“ Ginny wirft ein, dass Theo manchmal kocht oder dass sie auf den Markt gehen. „Wir inspirieren uns gegenseitig sehr“, erzählt sie mit einem Blick auf Theo, „wir haben sehr anregende Gespräche und haben wieder Lust Neues zu machen“. Theo ergänzt: „Uns geht der Gesprächsstoff nie aus und das entspannt einen, es kommen einem Ideen.“
An Ginny bewundert er ihre gute Beobachtungsgabe. „Ich kenne niemanden der Dinge so gut erkennen kann wie Ginny“, verrät er, „sie kennt mich besser als ich selbst. Nicht einmal meine Mutter kennt mich so gut“. Und begeistert meint er weiter: „Ich habe in Ginny einen wirklichen Schatz an meiner Seite, irrsinnig talentiert und immer wieder für eine Überraschung gut.“ Und Ginny meint weiter: „Wir harmonieren auch arbeitsmäßig so sehr – das ist unglaublich.“
Auf die Frage, wie lange sie schon zusammen arbeiten, lachen beide und Theo sagt: „seit gestern. Wir haben uns immer schon ausgetauscht, haben viel über Projekte, über Farbkombinationen und meine Arbeit gesprochen, und mich haben unsere Gespräche schon immer sehr beeinflusst. Aber das ist unsere erste gemeinsame Ausstellung.“

Theo erzählt weiter: „Ginny arbeitet ja ständig an ihrer eigenen Kollektion, ist noch viel mehr in diesem Arbeitsrhythmus drinnen als ich. Als wir beide an der Uni waren, waren wir viel mehr in den Arbeitsvorgang des anderen eingebunden. Jetzt arbeite ich in erster Linie bei Vivienne Westwood und meine eigene Produktion ist in Berlin. Und in Japan bin ich fast ein Schreibtischhengst. Früher haben wir da mehr zusammengearbeitet. Ich mag es, wenn ich in Ginnys Atelier komme und die handgezeichneten Entwürfe für ihre Schals an der Wand sehe, Fotos usw., – das geht mir schon ab“, erzählt er etwas wehmütig, um dann aber fortzufahren: „Aber ich erlebe jetzt wieder auf andere Weise tolle Sachen, die ich wieder als Erfahrung mitnehmen und später eventuell nutzen kann.“

www.anastasato.com
www.intellectual-leisure.com
www.ginnylitscher.com
www.gpdesign.eu

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