Marianna Blier (© Haeusler)

Marianna Blier

Marianna Blier (© Haeusler)

Ich treffe diese interessante Künstlerin, die Kreativität als Lebensform nennt, bei einer Ihrer Ausstellungen in Wien.
Marianna Blier wurde 1976 in Astrachan (Russland) geboren, wo sie ihre Kindheit verbrachte. Mit 11 Jahren begann sie sich für Malerei zu interessieren, besuchte eine Kunstschule in Astrachan und nahm auch Privatunterricht. 1989 gewann sie einen ersten Preis bei einem Wettbewerb junger Künstler aus ganz Russland. Mit 22 Jahren zog sie nach Moskau, wo sie ihre Malausbildung fortsetzte und weiter Privatunterricht nahm. Sie schloss parallel ihr Betriebswirtschaftsstudium ab und promovierte im Jahre 2005 in Ökonomie. Seit 2007 lebt sie in Wien.

Marianna Blier (© Haeusler)

Marianna, leben Deine Eltern noch in Astrachan und besuchst Du Deine Heimat oft?
Meine Eltern und meine 92-jährige Großmutter leben noch in Astrachan. Geschwister habe ich keine. Leider, komme ich nicht sehr oft in meine Heimat. Ich bin öfter in Moskau als in Astrachan.

Bist Du sehr behütet aufgewachsen?
Ja, ich hatte eine sehr glückliche Kindheit. Ich bekam viel Liebe und Zuneigung von meinen Eltern und meiner Oma. Diese Wärme aus meiner Kindheit unterstützt mich ein Leben lang und  gibt mir viel Energie.

Marianne Blier und Hedi Grager (Foto Sudy)

Du hast Dich mit 11 Jahren für die Malerei zu interessieren begonnen. Bei Deiner Ausstellung in Wien hast Du mir dazu eine sehr nette Geschichte erzählt.
Als ich noch ganz klein war, malte ich sehr schleicht. Nur abstrakte Bilder ohne Bedeutung. Im Prinzip  konnte ich nicht zeichnen wie alle anderen Kinder. Ich war 11, als wir in der Schule einen neuen Lehrer bekamen. Er unterschied sich von den typischen Lehrern in dieser Zeit: lange Haare, Jeans und viel Dynamik. In der ersten Stunde gab er uns die Aufgabe, ein Stillleben mit Blumen zu malen. Mein Aquarell sah wie immer schrecklich aus. Alle Bilder wurden auf dem Boden aufgelegt. Ich habe mich hinter allen Kindern vorsteckt, weil mir mein Bild peinlich war. Völlig unerwartet hat der Lehrer mein Bild hervorgehoben und gesagt: „Wer dieses Bild gemalt hat, hat das meiste Talent in dieser Klasse. Mit diesem Schüler werde ich mich besonders beschäftigen“. Er hat einen Abendkurs organisiert und meinen Eltern empfohlen, mich in eine Kunstschule zu schiecken. So begann meine künstlerische Laufbahn.

(© Haeusler)Wie war das Gefühl, als Du 1989 den ersten Preis beim Wettbewerb junger Künstler aus ganz Russland gewonnen hast?
Der Preis war natürlich eine angenehme Überraschung, aber das Wichtigste war meine erste Reise nach Moskau, die ich zur Preisverleihung machen konnte. Das war meine erste Reise ohne Eltern und ich war sehr beeindruckt, dass der Preis im Kreml unter der großen Neujahrstanne verliehen wurde.

Du warst 22, als Du nach Moskau gegangen bist. Dort hast Du Deine Malausbildung fortgesetzt und hast Dein BWL-Studium abgeschlossen. Du hast 9 Jahre dort gelebt, wie hast Du diese Stadt empfunden?
Das war meine schwierigste aber auch interessante Zeit. Ich musste viel studieren für mein PhD und arbeiten. Aber ich wusste immer, dass in Moskau alles möglich ist. Und ich lernte viele interessante Menschen kennen.

Warum bist Du nach Wien gegangen?
Der Anlass nach Wien zu kommen war ein interessantes Angebot von einem internationalen Konzern mit neuen spannenden Perspektiven. Aber der Grund zu bleiben war die Möglichkeit, hier die Balance zu finden zwischen beruflichen und künstlerischen Lebenszielen. So wurde Wien meine zweite Heimat.

Du bist Controllerin und Malerin. Interessant finde ich wenn Du sagst: Controlling und Kunst bearbeiten unterschiedliche Materien, verfolgen aber beide das gleiche Ziel: Schaffung von Ordnung im Chaos. Wann wurde Dir das bewusst?
Ich habe es im Prinzip schon immer gewusst. Und ich habe in meinem Beruf, in der Kunst und im privaten Leben immer die gleichen Grundsätze verfolgt.

Ich habe gelesen, dass Dir dein Lehrer sagte: Führe keinen Pinselstrich ohne wohlüberlegten Gedanken und strikte Kontrolle. Aber malen besteht doch auch aus Emotion, Gefühl und nicht nur Kontrolle, oder?
Ganz im Gegenteil. Malen ist immer ein sehr kontrollierter Prozess. Emotion und Gefühl sind sehr wichtig für die Idee und die Inspiration, aber bei der Umsetzung der Idee muss der Künstler genau wissen, was er tut.

Was ist Dir das Wichtigste, das Du mit Diener Kunst vermitteln möchtest?
Schönheit.

Mariannas Freundin SolmaazDu experimentierst immer wieder mit Farben, Formen und Materialien und verschiedenen Stilrichtungen. Liebst Du es zu experimentieren?
Natürlich, für mich sind Experimente wichtig, um neue Wege in der Kunst zu finden.

Du malst Landschaftsbilder ebenso wie Akte, Porträts und Stillleben, von gegenständlich bis abstrakt. Was malst Du am liebsten und wovon lässt Du Dich inspirieren?
Ich male am liebsten die Seele das Menschen und das Wesen der Dinge. Am stärksten inspiriert mich die Liebe.

Ich habe gelesen, dass die Idee, sich mit dem Papierschnitt als künstlerische Ausdrucksform auseinanderzusetzen, nach Deiner Übersiedlung von Moskau nach Wien, wo Du für einen großen Papierkonzern tätig bist, kam. Stimmt das?
Ja, das stimmt. Beim Papierkonzern habe ich den ganzen Lebenszyklus des Papiers kennengelernt, vom lebenden Baum bis hin zum scheinbar toten Papier, das als Kulturgut aber neues Leben entfaltet.

Marianna Blier (© Haeusler)Marianna, ich möchte noch ein wenig über Dich persönlich wissen. Wie würdest Du Dich beschreiben?
Kreativität als Lebensform.

Du bist beruflich sehr viel unterwegs, hast schon die ganze Welt bereist. Wo hat es Dir am besten gefallen, wo wurdest Du am meisten inspiriert?
Es gibt viele schöne und exotische Plätze in dieser Welt. Ja, ich bin glücklich viel zu sehen: ich flog in einem Hubschrauber über den Boden in Australien, wo noch kein Mensch zuvor gewesen ist, ich bewunderte den blauen Himmel am Mount Kilimanjaro, hörte eine faszinierende Glocke in buddhistischen Klöstern  inTokyo, bewunderte das Meer vor den Mauern der antiken Stadt Byblos in Libanon. Und ich habe viele weitere Orte gesehen wo es schien, dass ein weiterer Schritt die Tore zum Paradies öffnen würde. Jeder Platz hat eine eigene Seele…
Aber es gibt nichts Schöneres,  als wieder nach Hause zu kommen. Die eigene Heimkehr inspiriert mich am Stärksten.

Was schätzt Du an Menschen und was kannst Du gar nicht leiden?
Ich schätze Ehrlichkeit und Nächstenliebe. Was kann ich nicht leiden? Hm, schwierig zu antworten… Feigheit…

Wie wichtig sind Dir Freunde?
Sehr wichtig. Ich habe nicht  viele enge Freunde. Aber die wenigen unterstützen mich nicht nur in schwierigen Zeiten, sie teilen auch Glück und Freude mit mir.

Hast Du noch andere Hobbys und hast Du überhaupt Zeit dafür?
Alles, was ich mache, ist ein wichtiger Teil meines Lebens.

Du hast im Mai eine Ausstellung in der Art Connection Gallery in New York. Welche Werke wirst Du dort ausstellen?
Ich möchte das erste Mal meine Papierschnitte in New York präsentieren. Welche, werde ich spontan entscheiden.

Gibt es noch weitere Pläne für 2013?
Ich möchte mehr mit Öl malen, möchte nach Marokko und in den Irak fahren – und offen sein für alles, was kommt.

www.mariannablier.com

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