Beate Sudy – von der Chemielaborantin zur Leiterin des Chemielabors

Aus der Reihe „Frauen und Technik“ in Kooperation mit der Industriellenvereinigung Steiermark: Dipl.-Ing. Dr. Beate Sudy.
Beate Sudy studierte technische Chemie an der Technischen Universität Graz. Seit 2016 arbeitet sie bei der AT&S AG Leoben-Hinterberg – und seit einigen Monaten ist die erst 37-jährige die Leiterin des Chemielabors der Abteilung Quality.

Beate Sudy studierte technische Chemie an der Technischen Universität Graz und ist jetzt Leiterin des Chemielabors der Abteilung Quality von AT&S (Foto AT&S).
Beate Sudy studierte technische Chemie an der Technischen Universität Graz und ist jetzt Leiterin des Chemielabors der Abteilung Quality von AT&S (Foto AT&S).

Hinter AT&S verbirgt sich die Austria Technologie & Systemtechnik AG, europäischer Marktführer und weltweit einer der führenden Hersteller von hochwertigen Leiterplatten und IC-Substraten. Mit ca 10.000 Mitarbeitern entwickelt und produziert AT&S seit 30 Jahren erfolgreich an sechs Standorten in Österreich, Indien, China und Korea und ist mit einem umfassenden Vertriebsnetzwerk in Europa, Asien und Nordamerika präsent.

Vom Ballett ins Labor 
Beate Sudy arbeitet seit März 2016 am Standort Leoben-Hinterberg von AT&S und leitet hier den verantwortungsvollen Bereich Quality/Chemielabor. Dabei hatte sie ursprünglich ganz andere Ambitionen: sie wollte Balletttänzerin werden. „Ich habe mit 4 Jahren mit Opernballett bekommen und tanzte, bis ich 12 war. Dann hörte ich auf, mir kam wohl meine Pubertät in die Quere“, meint sie lachend. Wie vielen anderen Kindern war auch ihr nicht so ganz klar, was sie eigentlich machen wollte. Ein kreatives Gen war wohl vorhanden, war ihre Mutter doch Schneiderin. So begann sie mit der Modeschule, „aber anscheinend war ich doch nicht talentiert genug“. Sie überlegte daher, eine Lehre zu machen, und als ihre Schwester sah, dass auf der TU Graz ein Chemielaborant gesucht wurde, meinte diese: da bewirbst Du Dich jetzt. „Ich dachte mir, das ist sicher ein guter Lehrberuf – mein Vater war ja auch Chemielaborant. Allerdings dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht an ein Studium.“

Als Leiterin des Chemielabors der Abteilung Quality bei AT&S hat Beate Sudy die Verantwortung für 19 Mitarbeiter, die sie sehr ernst nimmt (Foto AT&S)
Als Leiterin des Chemielabors der Abteilung Quality bei AT&S hat Beate Sudy die Verantwortung für 19 Mitarbeiter, die sie sehr ernst nimmt (Foto AT&S)

Nach Abschluss ihrer Lehre ging Beate Sudy nach Wien in ein Qualitäts-Kontrolllabor. „Es war für einige Jahre eine spannende Zeit, aber die Familie fehlte mir doch sehr, und so kam ich wieder zurück nach Graz – und landete wieder als Laborantin auf der TU.“ „Mein damaliger Professor hat mir als Laborantin einfach Fachartikel in die Hand gedrückt und gemeint: mach mal. Ich war fast überfordert, aber es hat mir auch total Spaß gemacht. Ich merkte, dass ich mehr wissen und können möchte, um die mir gestellten Aufgaben besser umsetzen zu können – und dann kam die Entscheidung zum Studium.“

Schon während ihres Studiums arbeitete Beate Sudy als wissenschaftliche Assistentin. Nach einer ‚Kinder-Pause‘ bekam sie zuerst eine Stelle als Universitätsassistentin und war danach – mit einem Stipendium der Akademie der Wissenschaften – Projektassistentin.

Bei einem Interview erzählt mir Beate Sudy von ihrem verantwortungsvollen Job bei AT&S, einem der weltweit führenden Hersteller von hochwertigen Leiterplatten, und wie sie ihre ‚Jobs‘ als leitende Angestellte, Ehefrau, Hausfrau und Mutter meistert (Foto Reinhard Sudy)
Bei einem Interview erzählt mir Beate Sudy von ihrem verantwortungsvollen Job bei AT&S, einem der weltweit führenden Hersteller von hochwertigen Leiterplatten, und wie sie ihre ‚Jobs‘ als leitende Angestellte, Ehefrau, Hausfrau und Mutter meistert (Foto Reinhard Sudy)

Vom Engineer zur Chefin
Ich spreche Beate Sudy darauf an, wie schnell sie bei AT&S nach ihrem Einstieg Karriere machte, worauf sie lächelnd meint: „Tatsächlich hat es ziemlich gut funktioniert.“ Als Leiterin des Chemielabors hat sie viele verantwortungsvolle Aufgaben. „Unsere Leiterplatten durchlaufen in der Produktion viele nasschemische Prozesse. Um die Qualität zu halten, müssen die Prozessbäder eine genaue Konzentration bestimmter Stoffe beinhalten. Nach Analysenplänen werden regelmäßig Proben gezogen und im Labor kontrolliert, ob die Konzentration noch stimmt, also eine Prozesskontrolle. Da wir rund um die Uhr produzieren, ist auch das Labor rund um die Uhr in einem 3-Schichtbetrieb besetzt.“ (Anmerkung: Leiterplatten sind als Träger für elektronische Bauteile in nahezu jedem elektronischen Gerät enthalten). Die Koordinierung dieses Schichtbetriebes gehört ebenso zu ihren Aufgaben wie die Budgetplanung und die Weiterentwicklung von Methoden und Laborabläufen.

Bei AT&S schätzt Beate Sudy: "Ich habe in diesem Unternehmen das Gefühl, dass man als Frau gute Chancen bekommt.“ (Foto Reinhard Sudy)
Bei AT&S schätzt Beate Sudy: „Ich habe in diesem Unternehmen das Gefühl, dass man als Frau gute Chancen bekommt.“ (Foto Reinhard Sudy)

Ihre Verantwortung für 19 Mitarbeiter nimmt Beate Sudy sehr ernst: „Das sind nicht wenige, man muss auf jeden Einzelnen und die verschiedenen Charaktere eingehen“, erklärt sie. Als großen Vorteil sieht sie, dass sie zuvor als Engineer in ihrem Labor arbeitete. „So sind mir meine Mitarbeiter vertraut, und wir hatten immer ein gutes Verhältnis.“

Auf ihren Führungsstil angesprochen erklärt sie: „Ich habe sicher einen relativ lockeren Führungsstil und wir duzen uns alle. Ich selbst habe es immer sehr angenehm empfunden, wenn man mit dem Chef locker reden kann. Dieser Umgang mit meinen Mitarbeitern hat sich schon bewährt, denn ich bekomme von ihnen volle Unterstützung und gutes Feedback. Es läuft gut und ich bin glücklich darüber.“

In ihrem Team hat sie – im Alter von 17 bis über 50 – mehr Frauen als Männer. „Technische Chemie studieren relativ viele Frauen. Ich glaube, das liegt daran, dass man in einem Labor sehr genau arbeiten muss und dass das Frauen sehr gut liegt.“ Auf weitere Frauen bei AT&S in Führungspositionen angesprochen erklärt Beate Sudy: „Wir haben sogar eine Finanz-Vorständin, was ich toll finde. Ich habe in diesem Unternehmen das Gefühl, dass man als Frau gute Chancen bekommt.“

„Ich habe bei AT&S in der Galvanik, also in der Produktion begonnen, wo die Abscheidungsprozesse stattfinden. Das war total interessant und für meine Arbeit jetzt im Labor wichtig, da ich die ganzen Prozesse dadurch besser verstehe," erzählt Beate Sudy (Foto AT&S)
„Ich habe bei AT&S in der Galvanik, also in der Produktion begonnen, wo die Abscheidungsprozesse stattfinden. Das war total interessant und für meine Arbeit jetzt im Labor wichtig, da ich die ganzen Prozesse dadurch besser verstehe,“ erzählt Beate Sudy (Foto AT&S)

Mich interessiert auch, ob es für Beate Sudy nicht spannend wäre, im Ausland zu arbeiten. „Also momentan mache ich mir keine Gedanken, dazu bin ich noch zu kurz in meiner neuen Führungsposition und habe kleine Kinder. Was ich mir aber schon vorstellen könnte, wäre einmal für ein paar Monate ins Ausland zu gehen, wenn meine Kinder größer sind –  langfristig müsste ich meine Familie mitnehmen, und dafür sehe ich momentan keine Möglichkeit,“ kommt es mit ihrem sympathischen Lächeln. Auf eine weitere berufliche Entwicklung innerhalb ihrer Firma angesprochen erfahre ich: „Ich habe in der Galvanik, also in der Produktion begonnen, wo die Abscheidungsprozesse stattfinden. Das war total interessant und für meine Arbeit jetzt im Labor wichtig, da ich die ganzen Prozesse dadurch besser verstehe. Wenn ich wirklich mal wechseln sollte, würde ich gerne in den Forschungsbereich gehen, da dieser mich immer schon sehr interessierte. Forschen ist unheimlich spannend und hat mir schon auf der Uni total viel Spaß gemacht.“

Karriere und privat
Natürlich möchte ich von Beate Sudy das Geheimnis erfahren, wie sie ihre ‚Jobs‘ als leitende Angestellte, Ehefrau, Hausfrau und Mutter vereint. Sie lacht. „Es ist natürlich eine ständige Gratwanderung, denn die Zeit ist sehr knapp. Den Hausfrauenjob habe ich teilweise ausgelagert und mir eine Hilfe geholt. Große Unterstützung bekomme ich von meiner Familie, vor allem von meinem Mann und meiner Mutter. So funktioniert es dann schon.“ Zeit für sie selbst bleibt wohl nicht viel? „Das stimmt. Aber in ein paar Jahren, wenn die Kinder im Teenageralter sind, wird sich das auch ändern.“

Wenn Beate Sudy einmal doch etwas Zeit für sich hat, hört sie gerne Musik oder liest ein Buch (Foto Reinhard Sudy)
Wenn Beate Sudy einmal doch etwas Zeit für sich hat, hört sie gerne Musik oder liest ein Buch (Foto Reinhard Sudy)

Beate Sudy bezeichnet sich selbst als ehrgeizig, aber auch als sensibel, treu und sehr familienbezogen. Wenn sie doch mal 5 Minuten für sich hat, hört sie gerne Musik oder liest ein Buch. Wichtig ist ihr gesunde Ernährung, „auch wenn ich in den letzten Monaten etwas geschwächelt habe“, lacht sie und meint, dass das ihr Neujahrsvorsatz sei. Sport würde sie gerne machen, wenn sie dafür Zeit hätte. „Wenn, dann gehe ich gerne in Aerobic-Kurse, da ich jemanden brauche, der mich antreibt.“

Für 2018 wünscht sie sich beruflich, „dass alles so gut weiterläuft, wie es angefangen hat. Natürlich habe ich auch Pläne. Das Daily Business zu managen ist das eine, aber ich werde auch bestimmte Methoden und Abläufe im Labor optimieren. Dazu sind schon ein paar Projekte im Anlaufen. Durch neue Anforderungen entstehen neue Aufgabengebiete – und dadurch bleibt es spannend. Was mir am meisten Spaß macht ist die fachliche Herausforderung. Privat habe ich mir vorgenommen, ein bisschen mehr auf mich zu achten.“

Großes Beitragsfoto: Dipl.-Ing. Dr. Beate Sudy arbeitet seit 2016 bei der AT&S AG Leoben-Hinterberg (Foto AT&S) 

www.ats.net  

 

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